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CLOUD-GAMING: FLUCH ODER SEGEN?
 Kommentar von Sebastian Hamers (11.07.2012) Artikel-Feed (RSS) abonnieren

Die Wolke ist in aller Munde. Kaum ein Thema in der Welt des Internets und der Heimcomputer beherrscht die Schlagzeilen so wie das sogenannte Cloud-Computing. Nahezu alle großen IT-Firmen haben ihren eigenen Service aufgebaut und buhlen mit immer größeren Datenvolumen um die Gunst der Kunden. Langsam aber sicher werden auch wir Videospieler immer häufiger mit diesem Thema konfrontiert. Cloud-Gaming; Fluch oder Segen? Was bringt die Zukunft? Wir haben unser Redaktions-Orakel nach seiner Meinung gefragt und sind zu einer nicht ganz eindeutigen Antwort gekommen.


Die Cloud ist eine feine Sache. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht die Möglichkeit nutze, meine Daten in die Weiten des Internets zu schießen. Vor wenigen Minuten habe ich gerade erst einen Inspektionstermin für mein Auto bei meiner Werkstatt vereinbart. Direkt hacke ich das Datum in mein Android-Smartphone. Dieses nimmt sogleich Kontakt zum Internet auf und schiebt damit diese wichtige Information auf meinen Rechner. Mein Outlook wird mich schon rechtzeitig an den Termin erinnern. Sehr praktisch! Doch gibt es auch Schattenseiten der Cloud?


Willkommen in 2012

Noch ist längst nicht abzusehen, wie die Cloud unser Leben als Spieler verändern wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich unser Hobby mittelfristig dadurch verändern wird, ist allerdings doch recht wahrscheinlich. Als Anhänger der Generation X stehe ich mit meinen mittlerweile 35 Jahren der Sache (natürlich) zunächst skeptisch gegenüber. In meinen Schrank stehen mehrere hundert Audio-CDs, meine Videospielsammlung umfasst eine Unzahl an physischen Datenträgern und auf dem Speicher habe ich sogar noch einige Module für das SEGA Mega Drive gebunkert. Ja, ich bin altmodisch.

Gehe ich rational an die Sache heran, sieht die ganze Angelegenheit aber auch gleich ganz anders aus. Meine Retrokonsolen habe ich schon viele Jahre nicht mehr angeschlossen, zumal sie auf einem HDTV auch zum Kotzen aussehen würden. Meine Musik lasse ich meistens in MP3-Form über mein Handy oder andere Endgeräte über die Boxen laufen oder benutze gleich das Internetradio. Schmeiße ich meine geliebte Xbox 360 an, bin ich oft zu faul zum Spieleschrank zu gehen und das entsprechende Spiel zu holen. Es ist doch gerade so gemütlich. Eigentlich könnte ich stattdessen auch ein paar meiner digitalen Downloadspiele zocken.

So altmodisch wie ich dachte bin ich vielleicht dann doch wieder nicht. Ich mag und schätze die Möglichkeiten, die uns das Jahr 2012 bietet. Dennoch, die Angst vor der Zukunft, dem Neuen, bleibt. Was wird aus meinen Streifzügen durch die Elektrofachmärkte, dem Lesen der Klappentexte und dem Gefühl, ein neues Spiel aus seiner Verpackung zu befreien? Wird es all das bald nicht mehr geben? Meinen retroschwangeren Gedanken zu Hilfe eilen die Verschwörungstheoretiker. Was passiert, wenn Microsoft mal irgendwann pleite geht? Dann sind alle Spiele futsch! Die armen Gamestops dieser Welt müssen ihre Läden schließen, da niemand mehr seine gebrauchten Spiele zu einem Schleuderpreis bei ihnen abgibt.


Midlife-Crisis oder das Leben in der Ambivalenz

Wie fast alles im Leben haben alle neuen Errungenschaften Vor- und Nachteile. Letztlich muss dem Menschen schmerzlich bewusst werden, dass nichts für die Ewigkeit geschaffen wurde. Natürlich könnte sich Sony oder Mircosoft eines Tages entschließen aus dem Geschäft mit den Videospielen auszusteigen und die Spieler mit einem Haufen von Datenmüll zurücklassen. Andererseits: Wie viele C64-Disketten sind nach 25 Jahren Lagerung auf dem Speicher heute noch funktionstüchtig? Sogar die ersten verkauften Audio-CDs haben ihren Dienst mittlerweile eingestellt. Ihre Daten sind unweigerlich verloren. Etwas robuster sind die Module für SNES oder Mega Drive, doch auch an ihnen nagt der Zahn der Zeit.

Die Videospielbranche entwickelt sich so rasant wie kaum ein anderer Industriezweig. Bis auf wenig Retroveteranen würden die meisten Spieler die ollen Kamellen der 80er Jahre kaum noch freiwillig mit der Kneifzange anfassen. Selbst die Spiele aus dem letzten Jahr werden in den Kaufhäusern ignoriert und für einen Zehner verramscht, weil sie keiner mehr haben möchte.

Warum nicht also gleich seine ganzen Spieleschätze von der Festplatte oder direkt aus der Cloud heraus spielen? Die Weichen für diese Zukunft sind längst gestellt.


Sony kauft den Onlinedienst Gaikai

Die aktuelle Konsolengeneration war wohl nur der Anfang. Das PlayStation Network, Xbox Live oder Steam setzen schon heute erhebliche Summen um und entwickeln sich für ihre Betreiber zu Goldgruben. Ihnen stehen auch die Publisher bei, die ihre Produkte natürlich liebend gerne über den Onlineweg zu den Konsumenten bringen. Der lästige Gebrauchthandel wird eliminiert und die teuren Händlermargen eingespart. So bleibt am Ende mehr vom Videospielkuchen für sie übrig.

Mit der nächsten Generation der Spielekonsolen wird dieser Ausbau mit Sicherheit weiter vorangetrieben. Sony hat den Onlinedienst Gaikai für eine Summe von insgesamt 380 Millionen US-Dollar aufgekauft. Microsoft hat dank seiner PC-Basis schon selbst eine weit ausgebaute Server-Infrastruktur geschaffen. Andere Firmen wie etwa Electronic Arts geben schon heute das Motto aus, in den nächsten Jahren rein auf den digitalen Vertrieb setzen zu wollen. Der Weg für die Wolke scheint geebnet zu sein.

Über Erfolg und Misserfolg werden am Ende natürlich auch die Kunden entscheiden. Sonys PSPgo erhielt vom Konsumenten vor kurzer Zeit noch eine schallende Ohrfeige, da sie über kein Laufwerk für Datenträger mehr verfügte. Glaubt man den jüngsten Gerüchten, werden neben Nintendo wohl auch Microsoft und Sony wieder ein physisches Laufwerk in ihre neue Konsolen einbauen. Noch scheint die Zeit wohl also nicht ganz reif zu sein für die Cloud. Doch mit den immer schneller werdenden Internetverbindungen wird die Akzeptanz der Kunden parallel dazu weiter anwachsen. Heute laden wir uns noch umfangreiche Arcadespiele mit mehreren hundert Megabyte aus dem Netz herunter. Morgen sind es vielleicht schon Großprojekte mit einem Budget von etlichen Millionen Dollar und einem Umfang von zig Gigabyte. Seid ihr bereit für die Zukunft?





Schon als es die erste Präsentation von OnLive auf der Games Developers Conference gab, war ich sehr neugierig auf die neue Technik. Kein Aufrüsten des PCs mehr nötig. Muss ich mir nicht mehr drei unterschiedliche Konsolen unter den Fernseher stellen, um das volle Angebot der Videospiele nutzen zu können? Es klingt in der Tat verlockend. Doch ich sehe auch die Nachteile, die eine neue Technik mit sich bringen könnte. Auf jeden Fall bleibt es spannend zu sehen, wie sich die Branche in der nahen Zukunft verändern wird. Anlass zur Diskussion bietet das Thema genug. Ich bin gespannt eure Meinung zum Cloud-Gaming zu erfahren.
 
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#1 | PhanZero [11.07. | 15:17] 



10.628
Cloud-Gaming: Fluch oder Segen?
Zunächst mal ist die Cloud ja nur ein Buzzword, was nichts anderes beschreibt als einen Server-Verbund, mit dem man über das WWW kommuniziert. Das sollte jedem klar sein - es dient einfach nur dazu, etwas längst bekanntes neu zu verpacken und so dem Endverbraucher nahe zu bringen. Soviel zur Definition, kommen wir zur persönlichen Situation.

Ich werde im August 32 Jahre alt, reihe mich also in Bastis "Generation X" ein. Ich mag meine physischen Datenträger und werde darauf nicht verzichten wollen. Auch, weil ich noch ein anderes Problem sehe: Die Kontrolle durch die Hersteller. Es ist ein leichtes, ein Spiel einfach auch beim Kunden zu "entfernen" oder zu verändern, wenn es etwa der zum Erwachsenenschutz pervertierte Jugendschutz verlangt. Das ist nicht hinnehmbar.

Ja, auch an physischen Medien nagt der Zahn der Zeit. Dem kann man aber mit Downloads begegnen - ich wäre ohnehin dafür, Medien, die man nachweislich besitzt, auch digital speichern zu können. Das kann man dann selbst auf Speicherplatz in einer Wolke ablegen oder (Festplatten sind ja recht teuer) selbst für die Ewigkeit konservieren. Solange diese dann auf ihren jeweiligen Geräten auch weiterhin abspielbar sind, entgeht man dem Einfluss der Firmen und den genannten Nachteilen.

Wer das nicht will, weil es ihm zuviel Aufwand ist, der muss das Angebot eben so annehmen, wie es die Industrie ihm macht - oder es ausschlagen.

#2 | Gast [12.07. | 11:33] 
Cloud-Gaming: Fluch oder Segen?
ich will meine games weiterhin im laden kaufen und auf einendatenträger.


 
























Pro:
technische Faszination
Spiele jetzt und überall spielbar
Daten sind überall abrufbar

Contra:
Abhängigkeit von der Internetverbindung
fragliche Preisgestaltung
Sammelaspekt entfällt
Gebrauchtmarkt wird ausgeschaltet


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