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GR-KOLUMNE: QUO VADIS, NINTENDO?
 Kommentar von Sebastian Hamers (20.09.2011) Artikel-Feed (RSS) abonnieren

Die größten Fehler passieren im Erfolg, so sagt der Volksmund. Nichts Neues soweit. Neu hingegen ist, dass sich Volkes Mund offenbar auch mit Videospielen auskennt. Als Nintendo vor einigen Jahren einen Handheld mit Touchscreen und zwei Bildschirmen auf den Markt brachte, erklärten nicht wenige sogenannte Videospielexperten Big N für verrückt. Ganz ähnlich erging es der Videospielwelt als Nintendo die Wii erstmals der Öffentlichkeit präsentierte. Geringe Hardwarepower und Fernbedienung statt NextGen-Hardware und klassischem Gamepad? Wie soll das funktionieren? Nun, wir wissen ja alle wie sich die Geschichte entwickelt hat.


Im Jahr 2010 waren die Vorzeichen ungleich anders. Nintendo ist der unangefochtene Krösus der Industrie. Kurz vor dem Start steht das neue Handheld, der 3DS. Jeder Entwickler mit Rang und Namen kündigte die Unterstützung für das Wundergerät an. Resident Evil, FIFA Soccer, Metal Gear Solid und eine breite Palette an hauseigenen Nintendo-Franchises. Die Presse überschlug sich vor Begeisterung ob der tollen Technik. Es war die Rede von einem grandiosen Tiefeneffekt und einem verblüffenden 3D-Erlebnis ganz ohne störende Brille. Jeder, der das Handheld in Händen hielt, wollte das Gerät am liebsten sofort besitzen. Was kann da noch schiefgehen? Öhm... auch hier wissen wir ja alle wie sich die Geschichte entwickelt hat.

Wenige Monate nach dem Launch ist Ernüchterung eingetreten. Wo sind die Knaller für das 3DS? Das fragten sich fast alle Besitzer des Handhelds. Dem mauen Lineup zum Start folgten auch in den Folgemonaten kaum echte Blockbuster. Mit »Zelda: Ocarina Of Time musste ein aufgehübschtes Uraltspiel herhalten, um den 3DS über den Sommer zu bringen. Auch der vielgepriesene Onlineshop ließ auf sich warten. Dieser tauchte erst Wochen nach dem Release auf den Geräten der Käufer auf. Die Folge: Die Videospieler verweigerten dem 3DS ihre Liebe und daddelten stattdessen lieber mit iPhone, Android & Co.

Eine Preisreduzierung von rund 30% sollte dem Handheld neuen Aufschwung geben. Um die treuesten Fans – die Erstkäufer – nicht vollends zu vergrätzen, spendierte man diesen satte 20 Retrospiele. Ende gut, alles gut? Wieder blauer Himmel über dem Pilzkönigreich? Mitnichten, denn kaum haben sich die Wogen wieder einigermaßen geglättet, bestätigt Big N die Entwicklung eines sogenannten Slide Pads. Dieses wird mit dem Handheld verbunden und bietet dem Gerät dann einen zweiten Analogstick sowie eine zusätzliche Schultertaste auf der rechten Seite.

Nachdem Nintendo also zunächst den Online-Shop nachgereicht, den Preis gepatched und sich die guten Spiele für das Weihnachtsgeschäft aufhebt, wird nun also auch noch die Hardware selbst verändert. Die Entrüstung – nicht nur in der GameRadio-Community – ist entsprechend groß. Ein gerade erst veröffentlichtes Gerät derart zu verändern, spricht nicht gerade von ausreichenden Überlegungen beim Design des Produkts. Hätte man da nicht vorher dran denken können? Schließlich hat schon Sonys PSP gezeigt, dass ein zweiter Analogregler nicht die schlechteste Idee gewesen wäre. Die Vorstellung den 3DS in eine klobige Hülle zu packen, um in den Genuss der vollen Pracht zu gelangen, missfällt vielen Spielern.

Nicht wenige unken bereits heute, wann Nintendo den zweiten linken Schulterbutton nachreichen wird, der im Konzept von Big N wohl derzeit (noch) nicht vorgesehen ist. Immerhin… bringt der Konsolenhersteller mit einem externen L2-Button noch ein drittes Gerät, haben sie einen guten Grund um auch noch die offizielle Batterietasche zu veröffentlichen. Oder gar gleich die offiziellen Nintendo-Batterien. Eines ist jedoch klar, der Batteriehaushalt wird beim User nun einen noch höheren Stresspegel hervorrufen als bereits heute. Denn natürlich wird auch das Slide Pad über eine eigene Stromquelle verfügen müssen. Damit darf der Spieler unterwegs nun nicht nur auf den Batteriestand des Handhelds, sondern auch auf den der Zusatzhardware achten. Nicht unbedingt die besten Voraussetzungen für ein entspanntes Spielen unterwegs.

Noch ist aber nicht aller Tage Abend. Bestimmt wird Nintendo zu gegebener Zeit auch eine Revision veröffentlichen, bei der das Slide Pad schon integriert ist und dennoch erträgliche Ausmaße bieten wird. Die Early-Adopter... pardon, Botschafter... werden sich darüber vermutlich besonders freuen. Aber vielleicht spendiert Nintendo seinen treusten Anhängern dann ja noch mal 20 Spiele…







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