„Midnight Club“ - wer bei diesem Titel an nicht ganz jugendfreie Etablissements in verruchten Stadtgegenden denkt, hat entweder die Endphase der Pubertät noch nicht erreicht, oder - was plausibler erscheint - die letzte Konsolengeneration verpasst. Nun, „Midnight Club“ ist eine Rennspielserie aus dem Hause Rockstar die, anders als Konkurrenzspiele gleichen Metiers, nicht auf peinliche Pseudo-Coolnes, sondern Fahrspaß und eine gehörige Portion Realismus setzt. Ob das reicht, um den neuesten Ableger „Midnight Club: Los Angeles“ an die Genre-Spitze zu hiefen, lest ihr in unserem vor Lack und Gummi nur so triefenden Test - äh, um was ging es in diesem Spiel nochmal?
Prollfreier Fahrspaß
Fast dreieinhalb Jahre ist es her, seit sich der letzte Teil der Reihe auf den heimischen Konsolen einnistete. Umso gespannter waren wir vor dem Test: „Wie wird sich der erste Xbox 360- bzw. PS3-Ableger gegen Titel wie „Juiced 2“ und „Need for Speed: Pro Street“ wohl schlagen?“ Kurzum: „Midnight Club L.A.“ wischt mit beiden Titeln den Boden auf. Rockstar erzeugt eine Welt weitab der prolligen Pseudo-Coolnes mancher Konkurrenzprodukte. In kinoreif geschnittenen Zwischensequenzen, die etwa auf dem Niveau von „GTA IV“ liegen - erzählt das Spiel die Story eines zugezogenen Rennfahreres, der in L.A. sein Glück versucht. Zugegeben: Die Rahmenhandlung ist ziemlich banal und wartet auch nicht wirklich mit großen Überraschungen auf. Die wenigen, aber sehr unterhaltsamen Filmchen haben es allerdings in sich – allein die in Englisch belassene Vertonung hat sich unseren Soundaward verdient.
Man könnte nun natürlich weitere Worte über verschwendete Chancen im Hinblick auf die Geschichte verlieren – doch „Midnight Club: L.A.“ ist natürlich vorrangig ein Rennspiel, und zwar ein sehr gutes. Als Schauplatz dient das namensgebene Los Angeles, das im Großen und Ganzen sehr realistisch nachempfunden wurde. Nur hier und da haben sich die Entwickler ein wenig kreativen Freiraum genommen – etwa beim Design des Straßennetzes. Die Stadt ist frei erkundbar und wirkt dank umher laufender Passanten und des realistischen Verkehrssystems pulsierend. Rennen werden direkt im Spiel angenommen, auch das Tuning findet in speziellen Werkstätten statt. Gespeichert wird im Minutentakt automatisch, sodass euch beim Beenden kein Fortschritt verloren geht. Klasse ist die interaktive Karte – auf Wunsch zoomt die Kamera direkt aus dem Spielgeschehen in eine Draufsicht der Stadt – ohne jegliche Ladezeiten. Ein Navigationsmenü und die gelungene Darstellung relevanter Gebäude, Kontakte und Rennen (grüne Rennen sind am leichtesten zu meistern, orangene sind mittelschwer, rote äußerst knackig) sorgen für Übersicht. Kontakt mit euren Konkurrenten und Freunden haltet ihr über einen PDA.
Da geht doch gleich die Sonne auf
Eine der größten Neuerungen ist das dymanische Tag- und Nachtsystem. Richtig, in „Midnight Club: L.A.“ seid ihr auch tagsüber unterwegs. Hier lässt die Engine auch ihre Muskeln spielen: Es sieht einfach klasse aus, wenn ihr, von den orange-goldenen Strahlen der untergehenden Sonne Richtung begleitet, des Abends Richtung Santa Monica flitzt. Als technisches Gerüst dient eine aufgebohrte Version der "GTA IV"-Engine, die erfreulicherweise ohne die flimmernden Schatten des Blockbusters auskommt. Wie von Rockstar gewohnt, werden auch eure Lauscher verwöhnt – ein gelungener Soundtrack mit namhaften Interpreten, druckvolle Motorengeräusche und eine exzellente Vertonung geben keinen Grund zu Beanstandungen.
Das Gameplay dürfte Kennern der Reihe noch bekannt vorkommen. Prinzipiell fahrt ihr verschiedene Rennen ab und absolviert so nach und nach den Karriere-Modus. Die Rennen müssen allerdings nicht immer gewonnen werden – vielmehr sammelt ihr Reputationspunkte, von denen ihr immer ein gewisses Maß braucht, um weitere Events freizuschalten. Ein Groß der Rennen findet mithilfe von Checkpoints statt, natürlich gibt es aber auch wieder abwechslungsreiche Spezialaufgaben. Für weitere Adrenalinkicks sorgt die stetige Polizeipräsenz: Wer sich bei waghalsigen Manövern erwischen lässt, darf entweder eine Geldstrafe zahlen, oder sich eine Verfolgungsjagd liefern. Der Fuhrpark ist mit 48 Autos und Motorrädern gut gefüllt, auch das Tuning macht dank des komfortablen Editors und witziger Ausstattungsextras wie EMP-Schocker und Slow-Motion-Funktion viel Spaß. Das Fahrmodell ähnelt die ersten Minuten ein wenig dem von „GTA IV“, fühlt sich auf den zweiten Blick aber deutlich ausgeklügelter an. Der Mix aus Fahrspaß und Realismus dürfte sowohl Einsteigern als auch Profis zusagen. Ein paar Worte hat sich auch der Mehrspielermodus verdient – mit bis zu 15 Mitspielern könnt ihr Rennen austragen, oder in Modi wie „Capture the Flag“ sowie „Rate my Ride“ durch die Stadt rasen. Ebenfalls ist es möglich, eigene Strecken abzustecken und so ganz individuelle Rennen auszutragen.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:

