Im Weltall hört dich niemand schreien. Diese Weisheit ist so alt wie das Genre des Space-Horrors. Egal ob in Filmen oder Spielen: Wenn der Mensch die unbekannten Weiten des Weltraums betritt, entdeckt er oftmals mehr, als ihm lieb ist. Und so erwartet euch auch in „Dead Space“ Nervenkitzel pur – Klaustrophobie inbegriffen.
Vom Ingenieur zum Chirurgen
Ingenieur Isaac Clark wird, zusammen mit einem Team von Technikern, zu einem Abbau-Raumschiff gerufen. Da von der Besatzung der USG Ishimura keiner antwortet, startet die Truppe ein manuelles Andock-Manöver, welches jedoch in einer Bruchlandung endet. Nachdem man sich gesammelt hat, beginnt die Erforschung des gewaltigen Schiffes. Ächzende Geräusche aus dem tiefsten Innern des Potts lassen nichts Gutes erahnen, auch das Kratzen aus den Ventilationsschächten klingt nicht gerade nach einem Willkommensgruß. Was auch immer hier passiert sein mag: Clark und sein Team werden sich dieser Gefahr stellen müssen.
Was euch von da ab erwartet, ist der pure Alptraum. Euer Trupp wird recht bald nach eurer Ankunft dezimiert und ihr vom Rest der Überlebenden getrennt. Euch bleibt nur eine Funkverbindung und ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Sehr früh schon sammelt ihr eure erste Waffe ein – einen Plasma-Schneider. Eigentlich ein Arbeitsgerät, erweist es sich als DIE perfekte Wahl, um sich der häßlich entstellten Monster an Bord des Schiffes zu erwehren. Denn diese zeigen sich als äusserst robuste Gegner, denen ihr am besten durch gezieltes Abtrennen ihrer Gliedmaßen Herr werden könnt. Klingt brutal, und das ist es auch – aber wer hier überleben will, darf definitiv nicht zimperlich sein. Der rote Lebenssaft spritzt auch in der deutschen Fassung aus allen Öffnungen. EA hat der USK "Dead Space" dreimal vorlegen müssen, um schlussendlich doch eine Freigabe für den deutschen Markt zu bekommen. Gut so, denn gekürzt wäre dieses Spiel kaum so packend gewesen.
Ausflug in die Schwerelosigkeit
Einen harten Magen braucht ihr aber auch an anderer Stelle: In bestimmten Situationen lässt sich die Schwerkraft aufheben. Ihr könnt euch dann in der Schwerelosigkeit von den Wänden abstoßen und zu eurem anvisierten Ziel springen. Hier vergesst ihr schnell, wo nun eigentlich oben und unten ist. Das macht die Kämpfe in diesen Bereichen alles andere als leicht. Dazu kommt, je nach Gebiet, auch noch ein Vakuum. Hier gilt es, den Sauerstoff-Vorrat eures Anzuges im Auge zu behalten und diesen durch Kanister oder an Tankstationen rechtzeitig nachzufüllen.
Weitere wichtige Hilfsmittel, die ihr im späteren Verlauf erhaltet: Stase und Kinese. Ihr könnt mit der Stase Gegner zum Stillstand zwingen, um diese etwa zu umrunden und von hinten anzugreifen. Ihr könnt aber auch sehr schnell bewegende Objekte damit bremsen - kaputte Türen, die auf- und zuschlagen, lassen sich dann bequem passieren. Die dafür nötige Energie habt ihr nicht endlos zur Verfügung, sondern müsst sie über entsprechende Items oder an Stase-Stationen auffüllen. Anders verhält es sich bei der Kinese: Mit dieser könnt ihr etwas aus der Entfernung greifen und so ohne Berührung verschieben oder zu euch ziehen. Die Energie dazu steht euch, anders als die Energie für die Stase, unbegrenzt zur Verfügung.
Wo ist mein HUD?
Ein HUD oder generell Bildschirmanzeigen sucht ihr vergebens. Alle Anzeigen wurden geschickt in das Spiel integriert. Eure Lebensenergie lest ihr am Anzug ab, gleiches gilt für den Sauerstoff-Vorrat und die Energie für die Stase-Funktion. Wieviel Munition euch noch zur Verfügung steht, zeigt euch eine Anzeige an der Waffe an. Und auch die Karte, das Inventar und Videobotschaften werden direkt im Spiel angezeigt – euer Anzug erzeugt einfach ein entsprechendes Hologramm direkt vor euch.
Im Großen und Ganzen versucht „Dead Space“ Frust zu vermeiden. Es gibt zu Anfang drei unterschiedliche Schwierigkeitsgrade, die eigentlich für jeden Spieler das passende Leistungsniveau bereithalten sollten. Während das Spiel auf „einfach“ kaum einen (erfahreneren) Spieler überfordern sollte, üben die höheren Stufen einen enormen Druck aus. Das wirkt sich aber auch positiv auf die Atmosphäre aus – weniger Munition und mehr Gegner zwingen euch zu einem vorsichtigeren Vorgehen. Aber wer denkt, "Dead Space" wäre ein gemütlicher Marsch, der irrt: Der Schwierigkeitsgrad zieht etwa zur Mitte des Spieles hin nochmal ein ganzes Stück an.
Eine weitere große Hilfe ist die Orientierungslinie. Diese könnt ihr auf Knopfdruck einblenden und so sehen, wohin ihr als nächstes aufbrechen solltet. Über eure 3D-Karte könnt ihr nach Shops, Werkbänken und Speicherpunkten Ausschau halten. An Shops dürft ihr nicht nur gefundene Credits in Waffen, Munition oder Medi-Packs investieren, sondern auch einen Safe nutzen. Dies ist äusserst praktisch, da das Inventar eures Anzuges begrenzt ist. Legt die Sachen, die ihr nicht benötigt, einfach im Tresor ab und ruft sie später bei jedem Shop wieder ab. Werkbänke ermöglichen es euch hingegen, eure Ausrüstung aufzurüsten. Dazu benötigt ihr Energieknoten, die ihr immer mal wieder auf eurem Weg durch die Ishimura findet. Damit erhöht ihr die Trefferpunkte oder Luftmenge eures Anzuges, verstärkt eure Waffen, erhöht Nachladezeiten, und vieles mehr. Leider gibt es nur wenige Energieknoten zu finden, und im Shop sind diese recht teuer – ihr werdet also beim ersten Durchspielen kaum alle Ausrüstung maximal aufgerüstet kriegen. Dafür dürft ihr aber nach dem Ende das Spiel von vorn beginnen – dezent verändert, aber immer noch im gleichen Schwierigkeitsgrad. Ihr könnt euch also nicht auf den untersten Schwierigkeitsgraden aufrüsten, um für die höheren Stufen gewappnet zu sein.
High-Tech im All
"Dead Space" schafft es, über die gesamte Spielzeit von 12-14 Stunden hinweg, ein recht hohes Niveau aufrecht zu erhalten. Hier sei vor allem der geniale Sound hervorgehoben, der einfach wahre Referenz-Klasse hat! Wenn es überall schabt und kratzt, kann man es vor Spannung kaum aushalten. Aber auch optisch ist der Weltraum-Trip ein Genuss: Dunkle Korridore, die nur so vor Details strotzen, knackige Texturen und fein ausmodellierte Gegner, die an Widerlichkeit alles auffahren, was man sich nur vorstellen kann... und mehr. Es gelingt "Dead Space" einfach grandios, die beklemmende Atmosphäre zu transportieren - und jedes einzelne Element des Spieles trägt seinen Teil dazu bei. Einziges Manko ist das Backtracking: Einige Orte müsst ihr im Laufe des Spieles immer wieder besuchen, das ist allerdings auf einem Raumschiff auch irgendwo logisch. Eine andere Sache ist die träge Beweglichkeit des Protagonisten. Ja, mit Eisenstiefeln ist man nicht gerade der Schnellste, bei vielen kleineren Gegnern jedoch wird das auch gerne mal zum Problem. Es fehlt mitunter einfach die Wendigkeit, um schnell genug reagieren zu können. Was auch fehlt ist die Möglichkeit, sich mit Isaac zu identifizieren, da er selber über das gesamte Spiel stumm bleibt.
Nichtsdestotrotz: "Dead Space" ist ein wahres Fest für Horror-Fans!
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:

