Seit dem ersten Teil der "Dynasty Warriors"-Serie sind mittlerweile fast elf Jahre ins Land gezogen und doch scheint die Flut an Nachfolgern und Spin-Offs nicht abzuebben. Von den Schlachtfeldern Chinas über die Kriegsstätten des feudalen Japans bis hin zu den unendlichen Weiten des Weltraums durften treue Anhänger der "Warriors"-Reihe nun schon so ziemlich jeden erdenklichen Schauplatz mit Leichen- bzw. Roboterteilen übersäen. Ob es die Entwickler von Koei nach 22 Ablegern geschafft haben, mit „Warriors Orochi 2“ neue Akzente zu setzen, verrät unser Test.
Die Rückkehr des Königs
„Warriors Orochi 2“ stellt den erneuten Versuch Koeis dar, das Rundum-Sorglos-Paket für loyale Gefolgsmänner der Traditionsreihe zu schnüren: Nachdem Schlangenkönig Orochi im ersten Teil nach erbitterten Schlachten voller Blut, Schweiß und Tränen die weiße Fahne schwenken musste, treten im Nachfolger abermals alle Recken aus den "Dynasty"- und "Samurai-Warriors"-Spielen auf den Plan, um die Überreste von Orochis widerspenstiger Armee zu zerschlagen. Aus welcher Sicht ihr die Kampagne und damit auch die Geschichte erlebt, bleibt ganz allein euch überlassen, da ihr die Wahl habt zwischen den Kämpfern von drei unterschiedlichen Dynastien Chinas, den japanischen Samurai sowie den Schergen des Schlangenkönigs; das Story-Grundgerüst bleibt aber bei allen fünf Fraktionen unangetastet, weshalb es sich nur für eingefleischte Fans lohnt, nach einmaligem Durchspielen nochmals durch die unzähligen Gegnerhorden zu preschen.
Wie schon im direkten Vorgänger zieht ihr bei „Warriors Orochi 2“ immer als Dreiergespann zu Felde; allerdings kann jeweils nur ein Harnischträger zur gleichen Zeit das Schwert schwingen, während die anderen zwei Mitstreiter im Hintergrund verharren, um sich von den Strapazen des Kampfes zu erholen. Da jeder Kämpfer mit unterschiedlichen Fähigkeiten ausgestattet ist, verleiht das Tag-Team-System dem ansonsten eher tristen Kampfgeschehen eine angenehm taktische Note: Wer auch noch auf den höheren Schwierigkeitsgraden die Oberhand über das Schlachtfeld erringen will, ist darauf angewiesen, zur richtigen Zeit auf den richtigen Kämpfer zu setzen.
Die Herrschaft des Daumens
Sieht man einmal von dieser Finesse ab, gestaltet sich der Alltag der schwertschwingenden Koryphäen leider allzu eintönig; auf den riesigen Karten müsst ihr euch schlicht von einer Gegnertraube zur anderen hangeln und dabei mit solcher Emsigkeit den Angriffs-Knopf bearbeiten, dass schon nach kurzer Zeit die Ermüdung der Daumenmuskulatur zu eurem verheerendsten Feind wird. Abseits davon bietet das Kampfsystem zwar noch einige Spezialmanöver, die zwar nett anzuschauen, aber für das Vorankommen im Spiel völlig unerheblich sind.
Im Gegensatz dazu präsentieren sich die traditionellen Rollenspiel-Elemente von „Warriors Orochi 2“ weitaus motivierender: So schürt es noch immer ungemein den Kampfeswillen, wenn der Erfahrungsbalken gen Ende der Leiste wandert und somit die nächste Charakterstufe in greifbare Nähe rückt. Ferner können besonders tüchtige Generäle das Schlachtfeld nach Waffen, Schätzen und temporären Power-Ups absuchen, um auch noch das letzte bisschen aus ihrem Recken herauszukitzeln. Wirklich nötig ist dies allerdings nicht.
Das widerwärtige Gesicht des Krieges
Den größten Vorwurf muss man den Entwicklern in puncto Präsentation machen: Bei den Metzelorgien beschlich uns zunehmend das Gefühl, dass sich die Playstation 2-Version des Spiels in das Laufwerk unserer Xbox 360 verirrt hatte. Eine solche Anhäufung von altbackener Grafik und technischen Pannen ist selbst für die hartgesottenen Augen eines Redakteurs eine echte Zumutung: egal, ob niedrige Framerates, grobschlächtige Texturen, madige Kameraführung oder grenzdebile Gegner-Intelligenz – „Warriors Orochi 2“ lässt wirklich kein Fettnäpfchen aus.
Nicht viel besser ist es um die Vertonung bestellt: Der anachronistische Mix aus Synthesizer-Rock und traditionell asiatischen Klängen mag noch Geschmackssache sein; bei der hingehudelten englischen Synchronisation hört der Spaß jedoch auf. Die Dialoge werden stellenweise so übermotiviert vom Blatt abgelesen, dass es den Grad zur Lächerlichkeit streift. Ausweichmöglichkeiten gibt es leider keine, da die japanische Original-Synchro nicht mit auf die Scheibe gepresst wurde.
Einzig lobenswert zu erwähnen bleibt nur noch die Modi-Vielfalt, da „Warriors Orochi 2“ abgesehen von der Kampagne noch den sogenannten Dream-Modus bietet, der euch verschiedene Szenarios mit vorgegebenen Charakteren durchstreifen lässt. Überdies könnt ihr eure Recken in einem unausgegorenen Versus-Modus in bester Tekken-Manier gegeneinander antreten lassen: Das macht kurz Spaß, verliert wie der Rest des Spiels aber schon nach wenigen Minuten seinen Reiz.