Seit dem 20. Juni ist "Top Spin 3" bereits erhältlich. Dass unser Test erst jetzt aufschlägt, bitten wir zu entschuldigen – wir konnten uns von der dritten Auflage des ebenso hoch gelobten wie stark kritisierten Filz-Gekloppes einfach nicht losreißen. Ob es nun das blanke Entsetzen, oder doch die pure Tennissucht war, die uns drei wochenlang an der Xbox360 hat kleben lassen, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.
Die nächste Generation des Tennis?
Der Name ist Programm. "Top Spin 3" entführt euch in der Haut eines virtuellen Sportlers ins Filzball-Metier. Im Hauptmenü angelangt, bleibt es euch überlassen, ob ihr euch in Einzelmatches, der gelungenen Tennisschule, dem netten Onlinemodus oder einer Karriere widmet. Für letztere dürft ihr euch in einem mächtigen Editor einen eigenen Spieler zusammenbasteln: Größe, Gewicht, Gesichtsmerkmale, Muskulatur – alles lässt sich individuell einstellen. Das ist auch gut so, schließlich wirkt die Aufmachung des Modus wieder recht unpersönlich. Klar, mit zwanzig lizenzierten Sportlern – darunter Urgesteinen wie Boris Becker und Roger Federer – und ebenfalls so vielen Plätzen mangelt es nicht an Spieltiefe, letztlich reiht der Karrieremodus dann aber doch nur ein Event an das andere. Das ist nicht weiter schlimm, schließlich überzeugt der Titel genau da, wo wir es erwarten: Auf dem Platz. Die Matches sind im Stile einer TV-Übertragung gehalten und fühlen sich tatsächlich noch einen Tick echter an als im Vorgänger. Das liegt vorrangig an der überarbeiteten Steuerung: Die ist selbst für Veteranen etwas gewöhnungsbedürftig, weil sie einfach anspruchsvoller daherkommt. Wie gehabt legt ihr per Tastendruck fest, ob ihr nun einen Top Spin, Lob und Slice ausführen wollt. Um das gelbe Filz nun aber zu schlagen, fallen Stellungsspiel und Timing deutlich stärker ins Gewicht. Mit dem Drücken der Taste baut ihr Energie auf, geschlagen wird aber erst, wenn ihr jene wieder loslasst. Das fühlt sich am Anfang etwas komisch an, kommt dem realen Abschlag aber überraschend nahe. Natürlich solltet ihr auch zusehen, dass ihr euren Spieler in eine optimale Schlagposition manövriert, sonst bleibt meist kaum Zeit, Einfluss auf die Platzierung des Balls im gegnerischen Feld zu nehmen. Wir empfehlen übrigens die gelungenen Tutorials, die euch das neue Bedienungskonzept exzellent erklären.
Lob und Tadel
Im Vorfeld groß angepriesen, im fertigen Spiel doch etwas enttäuschend: Der Einfluss von Kraft und Umgebung auf den Spieler. Schön sieht es schon aus, wenn unserem virtuellen Sportler Schweißperlen über die Stirn rinnen oder der Staub an der Kleidung haftet, wirklich zu beeinflussen scheint das unseren Spieler aber nicht. Immerhin dürft ihr die Fähigkeiten eures Tennis-Stars zwischen den Matches aufwerten.
Wenn auch in spielerischer Hinsicht nicht vollends überzeugend, so tut es Schweiß und Dreck in optischer Hinsicht. Der realistische Ansatz schlägt sich auch in der Präsentation wieder: Die Spieler wurden ihren echten Vorbild größtenteils recht realistisch nachempfunden, auch die Animationen sind erstklassig. Ebenfalls gut gefallen haben uns die detaillierten Stadien, die allerdings mit recht kantigen Klonzuschauern aufwarten. Mittelmäßig gibt sich der Sound: Die Tracks überzeugen, wiederholen sich allerdings recht schnell, die Effekte wirken etwas drucklos, tun der gelungen Atmosphäre glücklicherweise aber keinen Abbruch.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
