Codemasters weiß, wie man hervorragende Rennspiele entwickelt. Das bewiesen die Engländer nicht nur mit der populären “DTM Race Driver”-Reihe, sondern jüngst auch mit ihrem exzellenten NextGen-Debüt “Dirt”. Mit “Race Driver Grid” bescheren uns die Briten nun einen Titel, der die besten Elemente des Genres mixt, auf sinnlosen Schnickschnack verzichtet und sich vollends dem selbstgegebenen Motto It's all about the race widmet. Während es den Jungs also vornehmlich um die Rennen geht, interessiert uns vor allem eines: What about the quality?
Race Driver Dirt?
Mit “Race Driver Grid” krempeln die britischen Entwickler aus Warwickshire die Serie gehörig um. Die DTM fliegt raus, der ultrahohe Simulationsanspruch auch. Das könnte Fans der Reihe sauer aufstossen, ermöglicht Codemasters aber den wichtigen Schritt in Richtung Massenpublikum. So lässt sich “Grid” noch am besten mit “Dirt” vergleichen: Das Fahrmodell bietet die perfekte Balance zwischen Fahrspaß und Anspruch, die stylische Aufmachung und die hervorragende Optik lassen selbst Grafikfetischisten staunen. Hierzu aber später mehr.
“Grid” verzichtet auf die stur lineare Karriere der Vorgänger, wartet vielmehr mit drei Kontinenten auf, die wiederum in drei Wettbewerbsklassen unterteilt sind. Das Schöne daran: Ihr könnt euch frei entscheiden, wann ihr welchen Kontinent besucht. Wer also erstmal in die japanische Streetracer-Szene abtauchen will, kann dies genauso tun, wie in Europa klassische Tourenwagenrennen oder in bekannten US-Metropolen rassige Muscle Cars Event bestreiten. Jedes Land wartet nicht nur mit Karossen einheimischer Autohersteller, beispielsweise Ferrari, Viper oder Nissan - insgesamt 44 lizensierte Karossen gibt es - sondern auch mit speziellen Wettbewerben auf. So absolviert ihr Japan mitunter Drift-Rennen, während es euch in unseren Gefilden auch einmal nach Le Mans verschlägt – wenn auch nur für 20 Minuten, und nicht 24 Stunden. Die Anzahl der Strecken ist ordentlich, hätte aber gerne etwas umfangreicher sein können: Mit Varianten sind es 80, beschränkt man sich allerdings direkt auf die Kurse und lässt Variationen außen vor, kommt man lediglich auf 15 Austragungsorte.
Wenn “Grid” auch vollends auf Tuning und Setups verzichtet - lediglich die Optik eurer Fahrzeuge lässt sich beeinflussen – bietet das Spiel auch zwischen den Rennen Beschäftigung. So könnt ihr, genug Kohle vorausgesetzt, etwa einen eigenen Boxenstall gründen, Sponsoringverträge aushandeln und einen zweiten Fahrer einstellen. Nett.
Spul mich zurück!
Ein interessantes Feature ist die Replay-Funktion. Hiermit ist nicht etwa die Wiederholung der Rennen im Stile einer TV-Übertragung gemeint, sondern die Möglichkeit, die Ereignisse auf Knopfdruck für ein paar Sekunden zurückzusetzen. Kracht ihr also kurz vor Rennende in eine Bande und versaut euch so den ersten Platz, spult ihr einfach kurz zurück, und fahrt die kritische Stelle nochmal ab – hoffentlich mir mehr Erfolg. Das verhindert Frust. Je nach Schwierigkeitsgrad ist die Anzahl der Replays natürlich begrenzt, im Profimodus müsst ihr gar vollends auf dieses Feature verzichten.
Die Rückspulfunktion lässt es vermuten: “Grid” hat mit den simulationslastigen Vorgängern nur noch wenig zu tun. Gerade das Fahrmodell tendiert doch sehr stark in Richtung Arcade. Erfreulicherweise erlaubt das Spiel hier ein paar Einstellungen – etwa im Bereich der Fahrhilfen – weshalb “Grid” trotzdem deutlich mehr fahrerische Substanz bietet, als etwa ein “Need for Speed”. Das Handling ist bei Rennspielen aber eh Geschmackssache: Wer Spiele wie "Dirt" gemocht hat, findet in “Grid” seinen neuen Messias. Jedes Fahrzeug reagiert unterschiedlich, jeder Bodenbelag fühlt sich anders an, jede Beschleunigung lässt die Kraft und die Bodenhaftung des Wagens spüren, jede Strecke ist voller lebendiger Details, so dass sich “Grid” – zumindest atmosphärisch – echter anfühlt als jedes Rennspiel zuvor.
“Grid” bietet natürlich auch einen Mehrspielermodus, der Online oder per LAN bis zu zwölf Spieler pro Rennen erlaubt. Zu bestreiten gibt es 32 Wettbewerbe auf den bekannten Strecken. Ähnlich wie in “Dirt” wählen die Spieler per Voting aus, welche Strecke befahren werden soll. Daraus ergibt sich auch die Wagenauswahl – schließlich soll niemand benachteiligt werden. In einer Online-Rangliste verewigt ihr zudem eure Ergebnisse.
Eine Präsentation für die Götter
Zur hervorragenden Atmosphäre trägt maßgeblich die Optik des Titels bei. Kurzum: Kein Rennspiel war bisher schöner. Das fängt bei der Menüführung an, die ein wenig an “Dirt” erinnert, und hört auf der Strecke auf: Wunderschöne Kurse mit massenhaft animierten Zuschauern, vielen Details, toller Beleuchtung und Fahrzeugen, die man am liebsten streicheln möchte, zeigen, was grafisch möglich ist. Kaum verwunderlich, schließlich werkelt im Hintergrund eine modifizierte Version der Engine, die schon “Dirt” zu grafischen Höchsleistungen angetrieben hat. Schade: Wettereffekte gibt es nicht – in “Grid” scheint fast immer die Sonne.
Ebenfalls erwähnenswert ist das Schadensmodell. Egal ob Bandenberührung oder Frontalcrash: “Grid” stellt Einwirkungen auf das Fahrzeuge sehr realistisch dar. Apropos Realismus: Auch der Sound hat sich ebenfalls ein Lob verdient: Knackige Motorensounds, eine lebendige Geräuschkulisse und ein mitreisender Soundtrack schaffen ein hervorragendes Gesamtbild.
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