Mit dem vierten Teil der "Call of Duty" Reihe will Entwickler Infinity Ward die ausgelatschten Pfade der WWII-Shooter verlassen und das Gameplay mit aktuellen Waffen und einem fiktiven Konflikt in nie da gewesene Sphären katapultieren.
Der Kundenstamm der Shooterfans, die wieder und wieder in die realen Konflikte des Zweiten Weltkriegs eintauchen wollen, scheint zu schwinden. Kein Wunder: EA melkt den Tiefpunkt der deutschen Vergangenheit mit der alljährlich veröffentlichten "Medal of Honor" Reihe bereits seit acht Jahren – deutlich länger als der vermeintliche Verteidigungskrieg unserer Urgroßväter tatsächlich gedauert hat. Konkurrent Activision nutzt die Gunst der Stunde und verlässt mit "Call of Duty 4: Modern Warfare" endlich die immer wiederkehrenden Schützengräben der Ostfront, die obligatorische Landung in der Normandie und den Kampf um Stalingrad. Stattdessen werdet ihr in einen fiktiven Konflikt geworfen, der mit aktuellen Waffensystemen ausgetragen wird.
Hinter dir, ein dreiköpfiger Affe!
Die missionsübergreifende Hintergrundgeschichte von "Call of Duty 4" verbindet die einzelnen Aufträge zwar teilweise recht geschickt, fällt Shooter-typisch jedoch etwas flach aus: Der russische Nationalist Sakajew zettelt in seiner Heimat einen Bürgerkrieg an. Natürlich stehen die Rächer von Freiheit und Öl sofort auf der Matte, um dem Treiben ein Ende zu machen. Zur Ablenkung der USA soll daher ein zweiter Konflikt im Nahen Osten inszeniert werden, der perfekt in das Terrorismus-Schema passt und die Weltmacht so beschäftigt. Den Putschbestrebungen in den Tiefen Russlands gehen indes die Briten auf die Spur.
Zweifrontenkrieg
Die auf den ersten Blick notdürftig gestrickte Story beschert euch zwei gänzlich unterschiedliche Einsatzgebiete. In der Uniform des US-Soldaten Paul Jackson kämpft ihr euch durch die meist menschenleeren Straßen einer orientalischen, nicht näher benannten Stadt. Als SAS-Mitglied Mac Tavish agiert ihr hingegen eher in verdeckten Missionen in Russland, leistet Schützenhilfe aus der Luft oder infiltriert ein auf dem Ozean treibendes Schiff. Der ständige Wechsel von Akteur und Location verschafft "Call of Duty 4" wirklich mehr spielerische Vielfalt. In der einen Mission bahnt ihr einem amerikanischen Panzer den Weg durch eine zerbombte Großstadt, rettet nebenbei eine abgestützte Hubschrauberpilotin und versucht eine atomare Bedrohung auszuschalten. Wenige Minuten später säubert ihr ein russisches Bergdorf von Aufständigen, unterstützt den Vorstoß eurer Truppen aus der Luft oder robbt durch die radioaktiv verseuchte Umgebung von Tschernobyl.
Notwendige Schützenhilfe
Bei eurem Kampf an beiden Fronten seid ihr nie allein unterwegs. Mehrere Teammitglieder stehen euch mit Rat und Tat zur Seite, warnen vor Scharfschützen oder heben selbstständig feindliche Stellungen aus. Das geht sogar soweit, dass ihr auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad oft das Gefühl habt, immer zu spät am eigentlich Geschehen anzukommen, da euer Team bereits alle Bedrohungen aus dem Weg geräumt hat. Auf der mittleren Stufe und im späteren Verlauf des Spiels müsst ihr jedoch deutlich offensiver vorgehen. Die ständige Gesellschaft wirkt sich jedoch besonders auf die Atmosphäre aus. Ihr fühlt euch immer als Teil einer Einheit und nicht wie ein übermächtiger Einzelkämpfer. Die hervorragende deutsche Synchronisation tut dabei ihr Übriges.
Modern Presentation
Gerade im Vergleich zum etwas betagt wirkenden "Medal of Honor: Airbone" kann "Call of Duty 4" optisch und spielerisch auf ganzer Linie punkten. Mehr Action pro Quadratpixel findet sich in keinem anderen Spiel. Da donnern Hubschrauber zur Unterstützung über den eigenen Helm, dort rückt ein gepanzerter Spähwagen an und Raketen verwandeln beschauliche Geschäfte in Staub und Asche. Aufgrund der pausenlosen Action auf dem Bildschirm solltet ihr während eurer Frontaufenthalte ab und an lieber eine Pause einlegen. Bei einer Spieldauer von lediglich acht Stunden, die dafür aber absolut souverän gefüllt werden, wohl auch kein schlechter Rat. Auch technisch gibt sich der Titel keine Blöße: Egal wie viele Gegner euch gerade beharken oder euren Kollegen mit Granaten zusetzen, die Grafik läuft jederzeit flüssig über den Bildschirm und sieht dazu noch umwerfend gut aus.
(Dr)Eingabe
Mit dem Mehrspielermodus haben die Entwickler von "Call of Duty 4" nicht nur den obligatorischen Ballert-online-bis-der-Arzt-kommt-Modus integriert, sondern ein fast schon eigenständiges Spiel geschaffen. Besonders motivierend ist das Klassensystem, mit dem ihr für jeden Abschuss belohnt werdet. Schon nach wenigen Minuten steigt ihr einen Rang auf und erhaltet neue Waffen, Items, Spielmodi oder Herausforderungen. So rüstet ihr eure Lieblingswaffe nach und nach mit Schalldämpfer oder Laser-Visier aus, profitiert von mehr Durchschlagskraft oder dürft nach dem eigenen Tod noch mehrere Schüsse abfeuern. Die eigene Verbesserung wird dadurch nicht nur in öden Statistiken abgehandelt, sondern durch rollenspiel-typische Elemente auch wirklich sichtbar.
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