
Ende Mai brachte Publisher Eidos das "Tomb Raider 1"-Remake "Anniversary" für den PC sowie die PS2 auf den Markt. Xbox360-Zocker, die sich nach dem hervorragenden "Legend" wieder in die Reihe verguckt hatten, gingen leer aus. Der großen Fanbasis hat man es wohl zu verdanken, dass das Spiel Ende Oktober nun auch für Microsofts NextGen-Konsole erschienen ist – als Downloadversion via Xbox-Live, und als Verkaufsversion für günstige 35 €. Wir haben uns mit Lara ein zweites mal auf Schatzsuche begeben.
Aus Alt mach Neu
"Tomb Raider: Anniversary" legt den Einstand der erfolgreichen Spielereihe von 1996 neu auf. Die Jungs und Mädels von Crystal Dynamics, die sich bereits für das gelungene "Legend" verantwortlich zeichneten, verpassten dem zehn Jahre alten Titel aber nicht einfach nur ein zeitgemäßes Grafikgewand. Vielmehr hat man Level für Level, Abschnitt für Abschnitt und Rätsel für Rätsel analysiert, liebevoll nachgebaut, und an den richtigen Stellen verändert, verbessert, modernisiert. So kommt nicht nur das flottere Gameplay von "Legend" zum Einsatz, sondern auch neue Moves, kleinere interaktive Filmchen und überarbeitete Knobeleinlagen. So erleben Spieler der Ersten Stunde permanent Momente, in denen sie sich an die Ur- Version erinnern - müssen jedoch oft andere Lösungswege angehen. Perfekt - so bleibt "Anniversary" auch für Späteinsteiger interessant.
Im Vergleich zu "Legend" hat sich nicht nur die Spielzeit von knapp 7 - 8 auf 16 - 20 Stunden erhöht, sondern auch, ganz im Zeichen des ersten Teils, der Schwierigkeitsgrad. Ganz fiese Stellen, wie etwa den berüchtigte Feuerraum, hat man zwar entschärft, ein Spaziergang ist "Anniversary" trotzdem nicht - die Fans, für der Titel primär gemacht ist, wird es kaum stören, Einsteiger greifen dann doch lieber erstmal zu "Legend".
Dazugelernt
Lara setzt nicht nur Ihre "Legend" - Fähigkeiten ein, sondern hat in "Anniversary" einiges dazu gelernt. So kann Sie beispielsweise auf Masten balancieren oder diese hochklettern. Mithilfe Ihres Greifhakens hechtet sie außerdem, ganz in Matrix - Manier, an Wänden entlang. Vorallem in größeren (Boss-) Kämpfen, wie z.B. das kultige gekloppte mit dem berüchtigten T-Rex, gibt es kleinere Reaktionstests. So müsst Ihr den Koloss mit möglichst viel Beschuss erzürnen, um ihm dann im richtigen Moment ausweichen zu können. Steht Lara richtig, kracht das Vieh anschließend gegen eine Felswand und verletzt sich somit selbst - nett. Die aus dem Vorgänger bekannten interaktiven Filmchen aka Quicktime-Events gibt es in entschlackter Form auch wieder: So müsst Ihr, ähnlich wie in einem Tanzspiel, flink vorgegebene Tasten drücken, damit Lara Ihrem Gegenüber ausweichen kann.
Die gute alte Zeit
"Anniversary" erzählt euch die Geschichte des Ur-Tomb Raiders. Die verdient zwar keinen Oscar, ist dennoch äußerst spannend aufgemacht und erinnert wohltuend an die guten alten "Indiana Jones" - Filme. Das Intro, in dem Lara erstmals auf ihren Konkurrenten Larson trifft, erstrahlt, wie alle weiteren Filmchen, in neuem Glanz. Ein weiterer Teil des Intros, die Ankunft in Peru, wurde direkt ins Spiel integriert, und kann als kleines Tutorial betrachtet werden.
Verschlagen wird es Lara aber nicht nur nach Peru: Auch Griechenland, Ägypten, und, naja Ihr wisst schon, Atlantis, stehen auf dem Programm. Außenlevels gibt es, wie im ersten Teil, wenige - die meiste Zeit haltet Ihr euch in abwechslungsreich gestalteten Höhlensystemen und Grabkammern auf. Achja: Lara sucht in besagten Regionen im Auftrag der eher zwielichtigen Geschäftsfrau Natla ein mysteriöses Artefakt namens Scion. Was es bewirkt, ist zwar unklar - was man lediglich weiß ist, dass es ungeheure Macht besitzen soll. Und das scheint vorallem Bösewichter magisch anzuziehen.
NextGen?
"Anniversary" nutzt die schicke Engine von "Legend". Die zaubert nette Charktermodelle , hübsche Level, scharfe Texturen und sehenswerte Lichteffekte auf den Bildschirm. Die aus "Legend" bekannten NextGen- Effekte wurden allerdings gestrichen – auch auf der Xbox360. Schade, denn so sieht "Anniversary" nicht ganz so gut aus, wie das für die aktuellen Konsolen optimierte "Legend".
In Sachen Akustik gibt sich das Spiel exzellent: Der alte Soundtrack wurde leicht verändert und neu aufgenommen, die Synchronisation ist äußert gelungen und die Geräusche wirken realistisch. Schade allerdings, dass "Anniversary" nur mit Stereosound daher kommt.
Was die Steuerung angeht, spielt sich die Xbox360-Variante exzellent. Die meisten Bedienungsmacken des Vorgängers wurden ausgemerzt, die eingängige Bedienung von "Legend" bleibt dennoch erhalten. Sehr löblich ist die Preisgestaltung seitens Publisher Eidos: Wie schon die PC-Variante schlägt die Xbox360-Verkaufsbox mit günstigen 35 € zu Buche. Trotz des fairen Preises enthält auch die grüne Verkaufsbox eine Bonusdisc mit Trailern, Soundsamples und vielen Hintergrundinformationen. Klasse!
Kleinere Kritikpunkte
Die Neuauflage kämpft mit einigen kleineren Fehlern, die den Spielablauf aber kaum trüben. In den Kämpfen mit Gegnern wie Wölfen oder Dinosauriern fällt beispielsweise die schwache KI auf. So verhalten sich die Viecher nicht nur ziemlich stupide, sondern frieren das eine oder andere mal auch für kurze Zeit ein. Ab und an kann es außerdem vorkommen, dass die Kamera bei schwierigen Sprüngen oder schnellen Bewegungen zickt - ein nachjustieren ist aber möglich.