Bereits im Sommer 2006 erschien das Actionspiel „Bullet Witch“ von AQ Interactive in Japan beziehungsweise Asien. Zwischenzeitlich schnappte sich Atari die Veröffentlichungsrechte an dem Spiel und bietet es seit dem 1. März unter anderem auch in Deutschland an. Seit dem Release im asiatischen Raum haben die Entwickler den Titel noch ein wenig optimiert. Ob sich diese Arbeit gelohnt hat, erfahrt Ihr in unserem Test.
Siegt das Böse?
Das Jahr 2013. Es steht nicht gut um die Menschheit. Durch Hungersnöte, Katastrophen, Seuchen und Kriege wurde die Erdbevölkerung bereits beträchtlich dezimiert. Auf dem Höhepunkt dieser Ereignisse taucht plötzlich eine gewaltige Dämonenarmee auf und schlägt gnadenlos zu, bis die Population bei unter einer Milliarde Menschen angelangt ist. Doch mit einem Gegner haben sie nicht gerechnet: Alicia. Eine Hexe, die quasi aus dem Nichts auftaucht und einen Dämonen in ihrem Bewusstsein mit sich trägt. Gemeinsam mit den verbliebenen Soldaten nimmt sie den Kampf gegen die Ausgeburten des Bösen auf.
Sexy Hexi
Alicia kann ohne Zweifel als schärfste Actionheldin seit Lara Croft bezeichnet werden. Mit ihren grünen Haaren und dem aufreizenden Outfit ist sie zugleich attraktiv und tödlich. Ihre riesige Waffe erinnert, typisch für eine Hexe, entfernt an einen großen Besen. Sie selbst kann damit zwar nicht fliegen, allerdings spuckt das gute Stück zahlreiche Bleikugeln in ihre Gegner.
Euer halbwegs normales Waffenarsenal umfasst zu Beginn des Spiels lediglich ein Maschinengewehr. Klingt erstmal wenig, aber da gibt es ja noch die Magiekräfte einer Hexe. So kann Alicia zum Beispiel á la Luke Skywalker Objekte durch die Gegend schubsen oder eine magische Mauer errichten. Im späteren Verlauf werden die Zauber immer mächtiger. Den gewaltigen Blitzschlag bekommt Ihr bereits am Anfang zur Verfügung gestellt. Später gesellt sich ein waschechter Tornado hinzu, der nicht nur Gegner, sondern auch Gebäudeteile und andere Objekte ansaugt. Noch einen Tick spektakulärer ist letztendlich der Meteoritenschauer. Wo der niedergeht, wächst anschließend kaum noch Gras.
Sämtliche magischen Kräfte verbrauchen Energie. Davon habt Ihr keinen unbegrenzten Vorrat. Wer zum Beispiel eine der mächtigen Spezialattacken auslöst, kann anschließend lediglich ein drittel des eigentlichen Energievorrats wieder regenerieren. Je mehr Gegner Ihr aber erledigt, desto höher steigt der Balken. Nach einer Mission erhält man übrigens Fertigkeitspunkte, die Ihr in verschiedene Bereiche investieren könnt. So schaltet Ihr beispielsweise neue Waffen frei oder verbessert vorhandene Schießeisen, Zaubersprüche oder die Regenerationsgeschwindigkeit von Gesundheit und Mana.
Leider ist „Bullet Witch“ insgesamt doch recht kurz geraten. Gerade mal fünf Level braucht Ihr, bis Euch im sechsten Abschnitt schon der Endgegner erwartet. Was die Anzahl der Schauplätze und Obermacker betrifft, kann das Spiel durchaus überzeugen. Da kämpft Ihr zum Beispiel hoch über den Wolken auf einem fliegenden Flugzeug gegen ein riesiges Monster, durchstreift einen Flughafen oder einen nebligen Wald. Eure Hauptfeinde, die ungefähr 90 Prozent der Opfer ausmachen, sind die Geistersoldaten. Sie nutzen hauptsächlich menschliche Waffen, etwa Maschinengewehre oder Raketenwerfer, und sind ein eher geringeres Problem.
In regelmäßigen Abständen erwarten Euch meistens noch so genannte Gigas oder gepanzerte Fahrzeuge. Mit der richtigen Taktik sind die aber ebenfalls kein Problem. Weitaus kniffliger agieren da schon die feindlichen Scharfschützen. Sofern diese Alicia mit ihrem Laser anpeilen, können sie die Hexe mit einem Schuss ausschalten. Da hilft dann nur das Aufsuchen von Deckung oder eine magische Mauer, hinter der man sich kurzzeitig versteckt. Viele der Levelabschnitte in Städten sind übrigens durch Energiefelder abgegrenzt. Um diese passieren zu können, müsst Ihr erst einen Walnusskopf finden, oder besser ausgedrückt: Ein schwebendes Gehirn. Diese (und die Energiefelder an sich) tauchen oftmals in verschiedenen Farben auf und können etwa Fahrzeuge sowie andere Objekte per Telekinese anheben und auf Euch schleudern.
Ein zweischneidiges Schwert
Spielerisch kann sich „Bullet Witch“ durchaus sehen lassen, allerdings zeigt die technische Seite doch etwas mehr Mängel. Die Grafik reicht von Aha-Momenten bis hin zu Augenblicken, in denen man einfach nur „Oh mein Gott“ denkt. Besonders die schicken Effekte, speziell bei Explosionen, wissen zu gefallen. Die eine oder andere Textur könnte jedoch noch etwas schärfer sein. Probleme gibt es vor allem mit den Schatten, die zum Teil nicht richtig dargestellt werden. Störend sind außerdem aufpoppende Charaktere oder Fahrzeuge. Nebenbei macht hin und wieder gar die Kollisionsabfrage Schwierigkeiten. Das fällt vor allem dann ärgerlich auf, wenn man beispielsweise hinter einer eigentlich sicheren Häuserecke steht und die Rakete dennoch durchkommt. Die Grafik lässt sich zusammenfassend am besten als eine Achterbahnfahrt beschreiben: Ein ständiges Auf und Ab. Von Genial bis Schlecht ist so ziemlich alles dabei.
Die KI der menschlichen Soldaten und Feinde kann man leider nicht gerade als clever bezeichnen. Oftmals reagieren die gar nicht oder laufen schlicht gegen Wände. Soundtechnisch überzeugen hingegen vor allem die Explosionsgeräusche. Die Synchronisation der deutschen Fassung betrifft lediglich die Texte. Sämtliche gesprochenen Sätze sind in englischer Sprache vorhanden und mit deutschen Untertiteln versehen worden. Die Sprecher selbst klingen recht gut, speziell Alicia überzeugt mit ihrem fast schon gelangweilten Tonfall. Sie will einfach nur ihr Ding durchziehen und kümmert sich nicht wirklich um den Rest.