Mit dem Start der Xbox 360 und der PlayStation 3 haben Microsoft und Sony nicht nur das Zeitalter der hochauflösenden Grafik, sondern auch die Ära der Remakes fast vergessener Spieleklassiker eingeläutet. Kaum eine traditionsreiche Spielereihe kam im aktuellen Konsolenzyklus um eine Sammlung mit der Bezeichnung "HD" herum. Warum sollte da die Spieleschmiede von id Software nicht auch nachziehen und ihre Vorzeigereihe DOOM in ein zeitgemäßes Gewand pressen? Gesagt, getan. Seit Freitag steht sie im Handel: Die DOOM 3: BFG Edition. Mit an Bord sind auch die beiden Klassiker DOOM und DOOM II samt einigen interessanten Boni. Ob sich die Sammlung auch heute noch lohnt oder ob es zum Genuss von DOOM einen kräftigen Zug aus dem Retropfeifchen braucht, verrät unser Testbericht.
Bei Spielern älteren Semesters hat der Name
DOOM einen wundervollen Klang. Endlose Nächte am PC, das Verlegen von Nullmodem-Kabeln und literweise virtuelles Blut... das war der Stoff, aus dem junge Videospieler vor 20 Jahren gemacht waren. Ja, so lange ist das tatsächlich fast schon her, als id Software den ersten Serienteil auf den PC brachte. Mit verklärtem Blick öffne ich die Packung der
DOOM 3: BFG Edition und lasse meine Erinnerungen an alte Tage noch einmal Revue passieren. Als sich die Lade meiner Xbox 360 schließt, bleiben für solche sentimentalen Augenblicke keine Zeit mehr.
Back to the roots
Der dritte Teil der
DOOM-Serie ist natürlich noch keine zwanzig Jahre alt. Im August 2004 ließ id Software das Spiel über Activision vertreiben. Seit dem Erstling sind demnach also schon einige Jahre vergangen, so dass sich
DOOM 3 wohl auch am ehesten als Vorlage für ein Remake geeignet hat. Dennoch sind gerade im Shootersegment acht Jahre eine verdammt lange Zeit. Inzwischen hat sich das Genre stark verändert. Serien wie
Halo,
Half-Life oder auch
Gears of War sorgten für frischen Wind und brachten wichtige Neuerungen wie Deckungssysteme oder die automatische Heilungsfunktion. Zudem hat sich der Fokus auf das Erzählen einer spannenden Geschichte immens verstärkt. Ebenso sind Rollenspielelemente heutzutage ein wichtiger Bestandteil vieler aktueller Shootergrößen.
DOOM 3 setzt auf traditionelles Gameplay. Viele Spieler behaupten indes sogar, dass
Doom 3 schon seinerzeit in Sachen Spielmechanik nicht mehr state-of-the-art war. In der Tat reduzierte id Software seinen Shooter auf das Wesentliche. Es gibt den Spieler, es gibt die Waffen, es gibt die Gegner. Letztere tauchen sogar gleich stapelweise auf. Nahezu hinter jeder Ecke verbirgt sich ein Dämonoid, dem wir mit einem gezielten Kopf die Lebenslichter auslöschen.
Viel Action, wenig Horror
Durch dieses Wissen halten sich die Schockmoment in
DOOM 3 natürlich auch in Grenzen. Schon früh im Spiel werdet ihr bemerken, dass es den Machern auch nicht so sehr darum ging, dem Spieler wohlige Schauer über den Rücken laufen zu lassen.
DOOM 3 ist ein Ego-Shooter, mehr will es auch gar nicht sein.
Dabei würde die Hintergrundgeschichte durchaus den Stoff für eine packende Handlung hergeben. Die Geschichte ist im Jahr 2145 angesiedelt und spielt auf einer Forschungsstation auf dem Mars, die der Spieler als letzter Überlebender des Bravo-Teams betritt. Ein
Dead Space, das seine Monstrositäten sparsam einsetzt, solltet ihr jedoch nicht erwarten. Die Gegner kommen euch gleich scharenweise entgegen. Dafür besitzt ihr jedoch glücklicherweise auch die entsprechende Ausrüstung zur Gegenwehr. Jede nur erdenkliche Waffe von der klassischen Shotgun bis zum Raktenwerfer fällt dem Protagonisten in die Hände. In diesem Punkt hatte id Software schon 2004 für viel Abwechslung gesorgt.
Strafe and Gun
Weniger abwechslungsreich ist dafür die Spielmechanik aufgefallen. Im Wesentlichen kommt man mit vorsichtigem Strafing und anschließendem Ballern ganz gut durchs Spiel. Vergleicht man
DOOM 3: BFG Edition mit aktuellen Vorzeigetiteln wie
Killzone 3 oder
Gears Of War 3, dann wirkt das Spiel gnadenlos altmodisch. Die Abläufe wirken derart steif und veraltet, als kämen sie aus dem letzten Jahrtausend... was in gewisser Weise ja sogar wirklich zutreffend ist.
Weniger schlecht gealtert ist dabei überraschenderweise die Grafik. Natürlich zählt
DOOM 3 nicht mehr zu den Referenztiteln in Sachen grafischer Darstellung, kann sich aber durchaus sehen lassen. Etwas in Hintertreffen geraten die Animationen der Figuren, die einfach nicht mehr zeitgemäß sind. Dafür hat sich id Software sichtlich Mühe bei der Optimierung der Texturen gegeben. Auch die Licht- und Schatteneffekte wirken in heutigen Produktionen deutlich ausgereifter. Natürlich, unter dem Strich kann
DOOM 3: BFG Edition in punkto Grafik keinen Blumentopf mehr gewinnen. Doch wer hat das auch ernsthaft erwartet? Dafür könnt ihr die Optik des Shooters jedoch auch in stereoskopischem 3D bewundern, die nötige Hardware vorausgesetzt.
Was ist neu?
Eine wesentliche Verbesserung sollte in jedem Fall erwähnt werden. Im Gegensatz zum Vorgänger müsst ihr nun nicht länger ständig zwischen Taschenlampe und Waffe hin und her wechseln. In der
BFG Edition könnt ihr beide Elemente gleichzeitig bedienen. Beim 2004er Original war diese Möglichkeit nicht gegeben, da das Spiel die Zeit zwischen dem Wechsel von Waffe zur Lampe benötigte, um die Lichteffekte zu berechnen. Diese Zeit benötigen die aktuellen Plattformen natürlich nicht. Auch so läuft
DOOM 3: BFG Edition durchgehend mit geschmeidigen 60 Frames pro Sekunde. Der Gruselfaktor wird durch die ständig eingeschaltete Lampe zwar noch weiter reduziert, macht den Spielablauf insgesamt aber deutlich flüssiger.
Neu – zumindest für deutsche Spieler – ist auch die Erweiterung
Resurrection Of Evil, die der
BFG Edition ebenfalls beiliegt. Damals war das Addon aus Gründen des Jugendschutzes nicht bei uns erschienen. Ebenfalls mit dabei sind die
Lost Levels, die den Umfang nochmals um sieben Level erweitern. Wirklich viel Neues bringen die verlorenen Welten jedoch nicht. Sie erweitern lediglich das ohnehin schon umfangreiche Spiel um ein wenig "Mehr vom Gleichen".
Für Retrofreunde hat Bethesda der Sammlung auch noch die beiden Oldies
DOOM und
DOOM II beigelegt, die erst vor kurzer Zeit vom Index entfernt wurden. Einen wichtigen Hinweis gibt es an dieser Stelle noch für alle User einer Xbox 360. Bethesda rät dringend von der Installation des Spiels auf Festplatte ab. Wer das Spiel auf seiner Konsole installiert hat, kann die beiden Spiele nicht starten. Hier hilft derzeit nur eine Deinstallation des gesamten Spiels oder das Starten der Spiele über die Arcade - sie erscheinen nämlich wie Arcade-Spiele im Reiter "Meine Spiele".
99% uncut
Wer sich einmal die Verkaufsverpackung von
DOOM 3: BFG Edition geschnappt hat, dem wird vielleicht der Uncut-Hinweis aufgefallen sein. Dieser Hinweis ist natürlich richtig, wenn man das US-Original der
DOOM 3: BFG Edition zum Vergleich heranzieht. Beide Fassungen sind in der Tat vollkommen identisch. Dennoch haben sich id Software und Bethesda dazu entschlossen, die Nazis und Hakenkreuze aus dem 2004er Original zu entfernen.
Leider wurde auch die englische Tonspur von der Disc entfernt, was einen viel größeren Verlust bedeutet, da die deutschen Sprecher im Vergleich zu den englischsprachigen Kollegen doch stark abfallen.