Schon seit vielen Jahren tobt zur Herbstzeit der Kampf der Giganten. Pro Evolution Soccer gegen FIFA Football. Konami gegen Electronic Arts. Japan gegen Kanada. Dickes Lizenzpaket gegen tolle Ballphysik. Nachdem in den letzten Jahren meist der Konkurrent aus dem Hause EA Sports den Thron der Fußballsimulationen ersteigen konnte, rüstet sich Konami jetzt zur großen Schlacht 2013. Eine Woche vor dem Release von FIFA 13 taucht Pro Evolution Soccer 2013 in den Händlerregalen auf. Wir erwarten auch für diese Saison einen heißen Tanz um die Meisterschaft. Jetzt ist es erstmal an Konami einen guten Start hinzulegen. Wir haben die Fußballsimulation aus Japan auf Herz und Nieren geprüft. Ob es sich bei Pro Evolution Soccer 2013 um einen ernsthaften Titelaspiranten handelt,zeigt unser Testbericht.
Vor einigen Tagen habe ich den Fußballoldie
Sensible Soccer gespielt. Lege ich jetzt Konamis neues Werk
Pro Evolution Soccer 2013 in das Laufwerk der Xbox 360, so habe ich das Gefühl in eine ferne Zukunft gebeamt worden zu sein. Klar, optisch kann das Amiga-Spiel von einst nicht mit den aktuellen Fußballsimulationen mithalten. Aber die Grafik ist noch nicht einmal der gravierendste Unterschied zu den aktuellen Fußballspielen. Während der Spieler zu Zeiten von 16-Bit-Heimcomputern mit einem einzigen Feuerknopf sowie den Richtungsangaben des Joysticks auskommen musste, ist
Pro Evolution Soccer 2013 derart komplex ausgefallen, dass es schwer fällt sämtliche Möglichkeiten von Konamis Kick in einem Testartikel unterzubringen.
Aller Anfang ist schwer
Junge Spieler mögen vielleicht erstaunt darüber sein, dass ich mich an dieser Stelle darüber auslasse, dass Aktionen wie Übersteiger, Hackentricks und Antäuschmanöver in
Pro Evolution Soccer 2013 enthalten sind. Diese und viele weitere spektakuläre Tricks gibt es schon seit einigen Jahren. Allerdings blieb der gezielte Einsatz der technischen Feinheiten den Profispielern vorbehalten. Gelegenheitsspieler und Neueinsteiger waren froh, wenn sie die Basics verinnerlicht hatten. Mit dem schönen Tutorial in
Pro Evolution Soccer 2013 haben jetzt allerdings auch Nicht-Profis die Chance, den Kick von der Pike auf zu erlernen.
Doch wie überall wird einem auch bei Konamis Fußballspiel nichts geschenkt. Wer sich in die Feinheiten des Spiels hineinfuchsen möchte, dem bleiben auch hier lange Trainingseinheiten nicht erspart. Das Traning bietet dafür einen guten Überblick über alle Spezialaktionen, die sich im Spiel finden lassen. Sowohl Timing als auch die Einblendung der notwendigen Tasten lassen sich so wunderbar nachvollziehen. Ob euch die tollen Spielzüge und Dribblings dann auch im Spiel gelingen, hängt von eurem Talent und vor allem eurem Trainingseifer ab.
Die Wahrheit liegt auf dem Platz
Wer schon jetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlägt bei den vielfältigen Möglichkeiten in
Pro Evolution Soccer 2013, kann beruhigt werden. Für die komplexen Spielzüge bleibt in der Praxis mehr Zeit als gewohnt. Denn Konami hat die Spielgeschwindigkeit in diesem Jahr wieder ein wenig nach unten geschraubt. Dies fällt gerade im Vergleich zum schnellen
FIFA auf. Wer sich damit gar nicht anfreunden kann, darf die Geschwindigkeit aber auch an seine eigenen Vorlieben anpassen.
Neben der langsameren Spielgeschwindigkeit gibt es weitere Hilfen, die sich optional hinzuschalten lassen. Gerade zu Beginn hat sich der Richtungspfeil für den Laufweg des Balls als sehr hilfreich erwiesen. Damit sind ungewollte Pässe in die Reihen des Gegners passé. Gleichzeitig lassen sich die Mitspieler nun – ein wenig Übung vorausgesetzt – viel besser in Szene setzen als zuvor. Profis können auf solche Hilfen sicherlich verzichten, aber
PES-Neulinge nehmen die Hilfestellung gerne an.
Mehr Kontrolle am Ball
Eine schöne Möglichkeit, um dem eigenen Spiel mehr Kontrolle zu verpassen, ist das enge Dribbling mit dem Ball. Haltet ihr die rechte hintere Schultertaste gedrückt, so führt der Spieler das Spielgerät besonders nah am Fuß. So ist auch auf engem Raum für eine gute Ballkontrolle gesorgt. Dies geht zwar zulasten des Tempos, aber dank des analogen Tastendrucks könnt ihr die Balance zwischen Tempo und Ballkontrolle stufenlos selbst festlegen und sie jederzeit variieren.
Wie gut die Einzelaktionen dann tatsächlich gelingen hängt natürlich auch von der jeweiligen Stärke des Spielers ab. Während Barca-Star Messi butterweich durch die Abwehrreihen der Gegner spaziert, fällt Haudegen wie dem Abwehrrecken Heiko Westermann die gleiche Aktion schon deutlich schwerer. Ob Konamis Einschätzungen in Bezug auf die tatsächliche Stärke der Spieler gelungen ist, darüber ließe sich bestimmt vortrefflich streiten. Einige merkwürdige Eintragungen habe ich beim Durchwühlen der Kader bereits erspäht, doch solche Fehleinschätzungen gab es auch bei Konkurrent
FIFA immer mal wieder.
PES 12 vs. PES 13
Natürlich kämpft
Pro Evolution Soccer 2013 nicht nur gegen die Konkurrenz von Electronic Arts, sondern auch gegen den eigenen Vorgänger. Lohnt sich das Upgrade von 2012 auf 2013 wirklich? Oder kann man als
PES-Jünger auch mal eine Saison auslassen und das Geld in andere Spiele investieren?
Neben den oben bereits erwähnten Veränderungen hat der Entwickler nämlich auch an der Ballphysik gearbeitet. Verhielt sich die Kugel in vielen Situationen als ziemlich explosiv, wirkt die Physik des Balles in der aktuellen Version nun realistischer. In
PES 2012 sprang der Ball doch ein wenig zu flummihaft über den Rasen. Weitere Optimierungen lassen sich bei der KI der Spieler finden. Die Stürmer laufen sich viel besser frei als noch beim Vorgänger. Zur Not kann man seine Vorderleute aber auch manuell auf Position schicken. Dies erfordert jedoch einiges an Übung, es ist aber trotzdem schön, diese Option mit an Bord zu haben.
Ein Hinzugewinn gibt es auch im Defensivbereich zu verzeichnen. Vor allem Star-Verteidiger sorgen mit gutem Stellungsspiel für enge Räume und fangen so manchen Pass schon im Vorfeld ab. Die Balance zwischen Abwehr- und Angriffsverhalten bleibt damit also auch bei
Pro Evolution Soccer 2013 intakt. Lediglich die Torhüter wirken auch in der aktuellen Auflage der Fußballsimulation noch ausbaufähig. In manchen Situationen reagieren sie doch ziemlich inadäquat, laufen ungestüm aus ihrem Kasten nach vorne oder setzen zu einer Flugparade an, auch wenn sie den Ball einfach so aus der Luft pflücken könnten.
Das Lizenzproblem von PES
Eine wichtige Frage ist natürlich, ob es Konami gelungen ist, den Umfang der Lizenzen weiter auszubauen. Und tatsächlich haben die Japaner die Rechte wieder ein Stück erweitert. Leider ist der Ausbau für deutsche Spieler nur mäßig spannend. Dass sich unter den deutschen
PES-Fans viele Spieler für die Mannschaften der ersten brasilianischen Liga erwärmen können ist wohl eher unwahrscheinlich. Herausgeflogen ist Bayer 04 Leverkusen. Dafür gesellt sich Champions League-Teilnehmer FC Schalke 04 zu den neuen Teams mit Originalmannschaften hinzu.
Überhaupt bleibt die Präsentation ein Kritikpunkt. Vor allem das auftretende Tearing sorgt für Verdruss. Die Spielermodelle hingegen gehen in Ordnung, auch wenn es im Vergleich zu
Pro Evolution Soccer 2012 kaum Fortschritte zu verzeichnen gibt. Nervig fallen auch in diesem Jahr wieder die langen Ladezeiten aus, die den Spieler immer wieder zur Passivität verurteilen.
Gute Nachrichten gibt es allerdings von der Online-Front. Hier haben wir mit der
PES-Serie schon viel schlechtere Erfahrungen durchlebt. Diesmal gibt es am Onlinespiel wenig zu kritisieren. Auch bei einer mäßig guten Leitung verliefen alle Testpartien ohne merkbare Lags. Bis zu acht Spielern können sich gleichzeitig an einem Match beteiligen. Damit befindet sich
PES 2013 natürlich immer noch ein ganzes Stück vom Konkurrenten
FIFA entfernt, kommt dem Rivalen aber zumindest langsam näher. Für die Suche nach geeigneten Mitspielern hat Konami auch ein neues Ranking-System eingeführt. Fast unumgänglich ist die Anbindung an das soziale Netzwerk Facebook. Dort lassen sich Communities bilden und auch die Ergebnisse komfortabel miteinander vergleichen.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
