Mit »Transformers: Kampf um Cybertron bewiesen High Moon Studio, dass es tatsächlich möglich ist, ein richtig ordentliches Game um die Verwandel-Roboter zu stricken. Passend zum dritten Kinofilm wurde das Studio dann auch wieder eingespannt, ein Spiel abzuliefern - »Transformers: Dark of the Moon erwies sich allerdings als ziemlicher Lizenzschrott. Nun schickt sich der Entwickler an, diese Schlappe vergessen zu machen. Und, soviel sei vorab verraten: Es ist ihnen gelungen!
Flucht vor dem Untergang
Statt erneut Vorgeschichte zu einem anstehenden Kinofilm zu sein, führt
Untergang von Cybertron die Handlung aus
Kampf um Cybertron fort. Cybertron, der Heimatplanet der transformierenden Roboter, verfügt mittlerweile kaum noch über Ressourcen. Die Autobots, angeführt von Optimus Prime, setzen ihre Hoffnung auf ein gigantisches Raumschiff, die Arche, welches sie ins All hinaus bringen soll, wo sie eine neue Heimat zu finden hoffen. Erzählt wird die Suche nach Energon zum Betrieb der Arche und der interne Machtkampf bei den Decepticons. All das gipfelt dann letztlich in einer finalen Schlacht epischen Ausmaßes, bei dem Autobots und Decepticons ordentlich aneinandergeraten. Je nach Kapitel schlüpft ihr in die Rolle eines anderen Transformer und folgt recht gradlinig dem Storyverlauf. Kleinere Abzweigungen sind zwar auch vorhanden und führen euch zu einigen Collectibles, im Kern geht es aber von Missionsmarker zu Missionsmarker. Dazwischen wird natürlich einiges Alt-Metall produziert. Und genau da liegt auch die Stärke des Spieles, denn primär ist
Untergang von Cybertron ein Third-Person-Shooter im
Transformers-Universum.
Der Story entsprechend erwarten euch metallische Schauplätze rund um Cybertron. Diese sind zum Glück den Proportionen eines Transformers entsprechend, weswegen ihr anders als in
Dark of the Moon deutlich weniger mit der Enge der Räumlichkeiten zu kämpfen habt. Spürbare Limitierung habt ihr aber natürlich trotzdem, etwa wenn ihr mit einem Transformer unterwegs seid, der fliegen kann. Dann nämlich könnt ihr mitunter an unsichtbare Höhenbegrenzungen stoßen, die ziemlich niedrig liegen. Ein großer Nachteil des Wechsels zwischen den unterschiedlichen Transformers ist sicherlich, dass ihr die Eigenheiten des gerade aktuellen Charakters gerne mal vergesst. So schien es an einer Stelle partout nicht weiterzugehen, weil wir tatsächlich vergessen hatten, einfach mal in die Fahrzeugform zu wechseln, die Fliegen erlaubte! Das passierte tatsächlich noch ein oder zwei weitere Male, dann war das Spiel aber auch schon zu Ende. Mit 13 Kapiteln kommt es aber immerhin auf eine ordentliche Spielzeit von etwa acht bis zehn Stunden.
Während dieser Spielzeit fährt
Untergang von Cybertron aber auch nahezu alles auf, was Rang und Namen hat. Selbstverständlich ist, dass ihr in die Blechhüllen von Optimus Prime und Megatron schlüpft, aber auch Bumblebee, Starscream, Cliffjumper, Grimlock, Bruticus und andere dürfen nicht fehlen. Alle haben, neben der Verwandlung in ihre Fahrzeugform, auch noch spezielle Fähigkeiten an Bord. Dadurch bleibt das Gameplay jederzeit abwechslungsreich, Feuergefechte wechseln sich mit Stealth-Abschnitten ab, hin und wieder werden brachiale Zerstörungsorien eingestreut und diverse Male geht es auch in die Lüfte. Im großen Finale schließlich wechselt ihr ständig zwischen Autobots und Decepticons. High Moon Studios schaffen es damit, die Geschichte in den Vordergrund zu stellen und nicht die Ereignisse um eine einzelne Fraktion. Wer mit den wandelbaren Robotern bislang nicht viel anfangen konnte, dürfte auch hier kaum auf seine Kosten kommen. Dennoch machen die großen, actionreichen Schlachten, die den Michael-Bay-Verfilmungen in kaum etwas nachstehen auch dann richtig Laune, wenn man nicht gerade ein Fan der Roboterkrieger ist. Als solcher hat man aber eindeutig mehr von einigen Anspielungen.
Aufrüstbare Roboter
Bis zu zwei Waffen kann euer gewählter Charakter bei sich tragen. Viele dieser Gerätschaften stammen aus dem Standard-Repertoire eines Shooters: Pistolen, Schrotgewehre, Sniper-Rifle oder Maschinengewehr, verständlicherweise in gigantischem Ausmaß. Diese lassen sich zudem noch ein wenig durch eingesackte Energon-Splitter aufwerten - ein mitunter teures Vergnügen. Waffen wechseln könnt ihr entweder, indem ihr diese in den Leveln findet oder an speziellen Stationen. Letzteres setzt allerdings einen Bauplan dieser jeweiligen Waffe voraus, welchen ihr ebenfalls in den Leveln erstmal entdecken müsst. Auch gilt es, nebenher einige Audio-Logs aufzuspüren, die euch mehr zu den Hintergründen der Geschichte von
Untergang von Cybertron verraten. Fans sollten sich das nicht entgehen lassen!
Auch nicht entgehen lassen solltet ihr euch den Mehrspieler-Part. Auf einen Coop-Modus wie im Vorgänger wurde zwar verzichtet, als kleinen Ersatz dafür gibt es den
Escalation-Modus. Hierbei geht es gemeinsam gegen Wellen von Angreifern; ein typischer Survival-Modus also. Dem steht der komperative Team-Deathmatch-Modus gegenüber. Wie auch im Vorgänger dürft ihr euch aus einzelnen Teilen, die ihr durch Level-Ups erlangt, einen eigenen Transformer zusammenbauen. Dabei habt ihr jetzt aber auch mehr Möglichkeiten. Allerdings, da solltet ihr euch nichts vormachen: Steigt ihr jetzt erst in den Multiplayer ein, trefft ihr auf jede Menge Gegner, die bereits sehr gute Teile verbaut haben und entsprechend übermächtig scheinen im Vergleich zu dem, was ihr aufbieten könnt. Das macht den Einstieg ziemlich frustrierend, hier hätten wir uns ein besseres Balancing gewünscht. Als guter Einstieg erweist sich die Wissenschaftler-Klasse, bei der die Fahrzeugform ein Jet ist - so könnt ihr euch weit schneller über das Schlachtfeld bewegen und nötigenfalls ebenso schnell wieder verschwinden. Die Höhenbegrenzung greift aber auch hier, weswegen ihr richtige Sturzflüge leider nicht hinlegen könnt.
Kein Optik-Glanz
In technischer Hinsicht kann
Untergang von Cybertron nicht ganz punkten. Viele der Texturen sind verwaschen, dafür liefert die Engine aber meist flüssige, effektreiche Bilder. Untermalt werden die Zerstörungen nicht nur von den krachenden Soundeffekten, sondern auch von einem epischen Soundtrack, welcher in den Credits in "
The Touch" von Stan Bush mündet. Auch die Sprecher lieferten allesamt saubere Arbeit ab, leider jedoch nur auf Englisch. Dem Spielspaß tut das aber nur bei Verfechtern einer deutschen Synchronisation wirklich einen Abbruch.