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LOLLIPOP CHAINSAW
 Test von Sebastian Hamers (21.06.2012) Artikel-Feed (RSS) abonnieren
Genre:Action Publisher:Warner Interactive
Termin:15. Juni 2012 Entwickler:Grasshopper Manufacture

Mr. Suda 51 ist nicht unbedingt dafür bekannt auf bereits festgestampften Pfaden der Videospielindustrie zu wandeln. Mit seinem Studio Grasshopper Manufacture möchte der japanische Altmeister des schrägen Gameplays auch diesmal für ein Erlebnis der besonderen Art sorgen. Die Schlagworte sind eingängig und passen prächtig zusammen: Highschool, Zombies, Cheerleader, Kettensäge. Mit diesen vier Begriffen lässt sich Lollipop Chainsaw ganz gut beschreiben. Oder wie ich es gerne umschreibe: "Was für ein kranker Japan Scheiß!"


Juliet Starling ist heute 18 Jahre alt geworden. Sie ist der Kopf der örtlichen Highschool-Cheerleadertruppe, blond, hat ein zuckersüßes Lächeln und mag neben ihrem Freund Nick gerne Lollipops... natürlich. Es ist ein ganz besonderer Tag für die junge Highschool-Absolventin, den sie natürlich gerne mit ihrem Liebsten verbringen will. Verträumt schwelgt Juliet in den Erinnerungen an ihre Jugend, als das Chaos seinen Lauf nimmt. "Oh mein Gott, es ist schon spät! An meinem Geburtstag! Nick wartet schon auf mich! Kann es noch schlimmer kommen an einem Tag wie diesem?". Es kann...


Mit Lollipops, Pompons und einer Kettensäge

Mit diesen Utensilien, die bequem in Juliets Handtäschchen Platz finden ausgerüstet, eilt die Cheerleaderin zur Schule. Dort hat sich ihr Lover Nick allerdings schon reichlich Ärger eingefangen. Der Schulhof wurde leider von Zombies gestürmt, kann ja mal vorkommen. Zu allem Überdruss hat sich eines dieser untoten Biester über Nick hergemacht. Da bleibt Juliet erstmal wohl nichts anderes übrig als ihre Kettensäge zu zücken und die Brut niederzumähen. Ein Kinderspiel!

Ärgerlicher ist hingegen schon, dass ein Zombie seine faulen Zähne in Nick versenkt hat. Dieser ahnt bereits, dass er nun selbst zum Zombie mutieren muss und erklärt seiner Freundin ganz romantisch seine unsterbliche Liebe. Nach dieser herzzerreißenden Szene geht Juliet bis an's Äußerste. Jetzt helfen nur noch ganz drastische Maßnahmen. Bevor das Zombiefieber die Kontrolle über Nick ergriffen hat, führt die Cheerleaderin ein Ritual mit Nick durch. Die Zeremonie ist kurz und schmerzlos... halt, streicht das letzte Wort. Mit ihrer Kettensäge säbelt sie kurzerhand Nicks Kopf von seinem Torso. Immerhin bleibt ihr Nick so doch noch erhalten, irgendwie. Juliet verspricht ihrem Boyfriend jedoch eine Lösung für das Problem zu finden. Hand drauf... oder auch nicht. Doch zuerst muss sie mit den Zombies abrechnen. Nick darf natürlich mit. Also steckt sie den Kopf ihres Freundes einfach an ihr Röckchen und die Party kann beginnen.


Eine nicht ganz klassische Highschool-Geschichte mit klassischem Gameplay

So viel zunächst zur Geschichte hinter Lollipop Chainsaw. Wie ihr euch schon denken könnt, nimmt sich das Spiel nicht gerade sonderlich ernst. Mit Gags wird im Verlauf des Spiels dann auch nicht gegeizt. Ob sich der Spieler an den teils anzüglichen Bemerkungen auf American Pie-Niveau erfreuen kann, sei jedem selbst belassen. Mit Sicherheit wandelt der Titel stets in den unteren Regionen des Trashs, was jedoch nicht unbedingt negativ sein muss. Wer hinter Lollipop Chainsaw eine tiefgründige Geschichte vermutet hatte, sollte sich ohnehin dringend einmal den Puls fühlen lassen.

Doch was bleibt von Lollipop Chainsaw übrig, wenn man die bizarren Charaktere und die trashige Geschichte abzieht? In erster Linie steht dort dann ein Hack'n'Slay der ganz klassischen Machart. Juliet hat zwei Möglichkeiten sich der Zombies zu erwehren. Zunächst einmal darf die Blondine zu den Chearleaderwuscheln, auch Pompons genannt, greifen. Diese ermöglichen schnelle Schläge, mit denen sie die Zombies zunächst betäuben kann. Das Finish kann sich Juliet dann für ihre Kettensäge aufheben, mit der sie den Untoten endgültig dem Erdboden gleichmacht. Durch die Erst-Betäuben-Dann-Abschlachten Strategie lassen sich auch schöne Kombos ausführen. Vernichtet Juliet drei Zombies mit einem Kettensägenstreich gibt es neben einem schönen Sternenhimmel auch noch ein paar Extrapunkte.


Über Kombos, Lutscher und Minispiele

In der Defensive setzt die Cheerleaderin voll und ganz auf ihre Akrobatik. Mit ihrer ungeheuren Beweglichkeit weicht sie den Attacken der Zombies geschickt aus oder springt mit einem Bocksprung über diese hinweg. Bei einigen Gegnern ist dies auch unverzichtbar, da manche etwas widerspenstiger sind als der Standardzombie. Mit gezielten Attacken in den Rücken dürfte es euch aber ohne größere Probleme gelingen, euch der Zombies zu entledigen. In den unteren Schwierigkeitsstufen braucht es auch keine großartige Taktik, um bis zum Ende vorzudringen. Besonders lang ist der Ausflug mit der blonden Cheerleaderin ohnehin nicht. Nach rund sechs Stunden flimmert bereits der Abspann über den Bildschirm. Danach geht es zur Highscorejagd. Mehrmaliges Durchspielen ist erwünscht.

Möglicherweise findet ihr ja auch das Sammeln neuer Kampftechniken oder Kostüme motivierend. Durch das Abschlachten der Untoten sammelt Juliet Münzen ein, die ihr in den immer wieder auftauchenden Shops investieren könnt. Cheerleader lieben Shopping... habe ich gehört. Neben eher nebensächlichen Dingen wie Artworks oder neuen Outfits lassen sich hier auch Upgrades (mehr Schaden, mehr Leben, mehr Power) und vor allem neue Kampftechniken erwerben. Ganz nach dem Motto "Bigger, Better, Faster, More!" nehmen die Kampfkombos immer mehr an Schaden und Spektakel zu. Genretypisch gilt es aber auch in Lollipop Chainsaw dann wiederum Tastenkombinationen auswendig zu lernen und immer wieder zu üben. Hier unterscheidet sich der Titel nicht sonderlich von den üblichen Verdächtigen wie Devil May Cry & Co. Garniert wird das Ganze schließlich noch mit einigen Reaktionstests und den obligatorischen Endbossen, insgesamt fünf an der Zahl, die sich lobenswerterweise alle ziemlich unterschiedlich anfühlen.


Die Tücken der Technik

Einen kritischen Blick müssen wir zum Abschluss aber noch auf die technische Seite von Lollipop Chainsaw werfen. Die Diskussion, ob die japanischen Entwickler der Konkurrenz aus dem Westen technisch hinterherhinken, bekommt mit diesem Spiel wieder neues Futter. Da Grasshopper Manufacture jedoch auf einen Comiclook setzt, fallen die kleinen Unzulänglichkeiten aber erst auf den zweiten Blick auf. Die Bewegungen der Figuren wirken häufig doch arg steif und unrund. Ob des vollkommen linearen Spielablaufs hätte man die ein oder andere Textur auch sicher noch ein wenig besser hinbekommen können. Möglicherweise würde Kreativkopf Suda 51 entgegnen, dass dies alles Teil des Gesamtkonzepts ist. Trash zu Trash. Vielleicht...





Zwischen den ganzen dicken Rollenspielblockbustern, die sich derzeit die Klinke in die Hand geben, kommt ein Titel wie Lollipop Chainsaw ganz gelegen. Es hat wenig von der Schwere und Ernsthaftigkeit, die derzeit so viele Spiele umgeben. Lollipop Chainsaw nimmt sich selbst nicht ernst und bietet eine gute Portion Trash mit starkem japanischen Einschlag. Erfrischend! Doch die Welt stellt Suda 51 mit diesem Spiel nicht auf den Kopf. Zwar handelt es sich um eine wirklich absurde Geschichte, doch dahinter verbirgt sich reichlich viel klassisches Gameplay, das im Grunde wenig Neues bietet. Doch muss das immer etwas Schlechtes sein? Ich finde nicht...
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Pro:
japanisch bizarre Story
japanischer Humor
japanische Charaktere
japanisch bekloppte Ideen
japanischer Sound

Contra:
japanisch technische Unzulänglichkeiten
japanisch kurze Spieldauer
japanisch repetetives Gameplay


Offizielle Website:
 LollipopChainsaw



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