Oh nein, nicht schon wieder so ein Ding mit Kinect! So oder ähnlich mag vielleicht der ein oder andere von euch denken, wenn es um Microsofts Kamerasteuerung geht. Wirft man einen Blick auf die Releaselisten, stellen die verfügbaren Games nicht unbedingt die Speerspitze der Videospielunterhaltung dar. Dennoch verkauft sich Kinect nach wie vor auf konstant hohem Niveau. Es muss also eine Zielgruppe geben, für die Kinect tatsächlich interessant ist. Und die gibt es in der Tat! Ein Teil von ihr wohnt bei mir zu Hause, hört auf den Namen Daniel und ist mein Sohn, der sich mit wachsender Begeisterung für Videospiele interessiert. Kommen dann auch noch die Figuren seiner Lieblingsfilme zum Zug, ist die Begeisterung natürlich groß. Gute Chancen also für Kinect Rush: Ein Disney Pixar Abenteuer?
Mit
Kinect Rush: Ein Disney Pixar Abenteuer verfolgt Disney ein ähnliches Konzept wie schon zuvor bei
Disneyland Adventures. Erneut erkundet der Spieler einen virtuellen Themenpark, in dem es ein Wiedersehen mit beliebten Filmfiguren gibt. Statt Mickey, Donald & Co. tummeln sich nun jedoch die Pixar-Charaktere im Park. Insgesamt fünf Pixar-Filme haben sich die Macher hierbei als Vorlage für das Spiel ausgesucht. Es wurden die Filme
Oben,
Toy Story,
Die Unglaublichen,
Ratatouille und
Cars im Park aufgearbeitet. Jeder Film hat eine eigene kleine Themenwelt bekommen, in der es verschiedene Abenteuer zu bestehen gilt.
Ein junger Videospieler geht auf Entdeckungsreise
Es ist nicht ganz einfach ein Spiel wie
Kinect Rush wirklich fair zu beurteilen. Aus der Sicht eines Spielers, der schon seit der Videospiel-Urzeit an der Konsole klebt, fallen mir am vorliegenden Titel unweigerlich einige Mängel auf. Doch dieses Spiel wurde nicht für mich gemacht. Es zielt auf jüngere Spieler ab, die keine hochkomplexe Steuerung oder eine tiefschürfende Story suchen. Deshalb habe ich auch meinen Sohn vor die Kinect-Sensorbar gestellt und ihn auf das Spiel losgelassen. Schnell ist sein Avatar durch das Scannen der Person angelegt und es kann losgehen.
Durch das Schlenkern der Arme bewegt sich der Avatar nach vorne, kleine Drehungen der Schultern navigieren die Figur nach links und rechts. Nach wenigen Sekunden hat mein Kleiner das Schema durchschaut und läuft mit sicheren Schritten durch den Erlebnispark. Zunächst ist von den Animationsfiguren wenig zu sehen, lediglich ein paar Kinder sind im Park unterwegs. Als erstes betritt er den
Cars-Bereich. Als großer Fan der Filme ist er natürlich begeistert vom Wiedersehen mit den Serien-Charakteren. Wenig später schlüpft er in die Rolle eines Autos im typischen
Cars-Look. Am Rande der Strecke stehen Hook und Lightning McQueen bereit, um seine Fahrerqualitäten kritisch zu beäugen. Bei bestandenem Test winkt ihm die Aufnahme ins
Cars-Team als Belohnung. Gesteuert wird mit einem imaginären Lenkrand. Um das Gasgeben muss sich mein Sohn keine Gedanken machen, dies geschieht ganz automatisch. Somit kann sich der Kleine auch ganz auf das Lenken konzentrieren. Die Steuerung mit Kinect fluppt überraschend gut.
Kinect Rush ist allerdings auch nicht sonderlich kritisch und verzeiht so manchen Fahrfehler. So werden eventuelle Kollisionen kaum durch einen Verlust von Geschwindigkeit bestraft. Der Frustfaktor wird gering gehalten und auch die Worte der Jury fallen motivierend aus: Sie sind begeistert und natürlich darf sich Daniel nach dem Rennen über die Aufnahme ins Team freuen.
Flache Lernkurve
Wohlwollend habe ich auch die flache Lernkurve zur Kenntnis genommen. Die jungen Spieler werden nicht mit einem Feature-Overkill überfordert, sondern langsam an die neuen Möglichkeiten herangeführt. Mit jeder neuen Strecke wird ein neues Gameplay-Element hinzugefügt. Sprünge und die Betätigung des Geschwindigkeitsboost folgen erst in den späteren Abschnitten.
Gut gefallen hat mir auch, dass die kleinen Spielchen immer in nette Geschichten eingebettet werden. Dieses Konzept zieht sich durch das komplette Spiel hindurch. Auch Daniel ist von der Idee so begeistert, dass er gleich alle Strecken am Stück durchspielt, was allerdings auch nur rund zwanzig Minuten dauert. Ein kurzes, aber unterhaltsames Vergnügen. Für den gewissenhaften Erziehungsberechtigten ist dies jedoch kein Nachteil, schließlich möchte er seinen Nachwuchs auch nicht stundenlang an der Konsole sehen.
Fünf Themenwelten in drei Stunden
Dennoch muss man
Kinect Rush doch eher einen geringen Umfang bescheinigen. Dies wird mir schnell klar, als sich mein Sohn daran macht die Welt von
Toy Story zu erkunden. Wie in jeder Welt gibt es auch hier wieder insgesamt drei Level, die der Spieler jedoch erst freischalten muss. In der ersten Aufgabe müssen die
Toy Story-Figuren in einem Kindergarten Batterien sammeln, um ein Spielzeug wieder mit der notwendigen Power zu versorgen. Der Weg zum Ziel führt jedoch durch einen Hindernis-Parcours. Als größtes Problem erweist sich dabei der Bewegungsdrang meines Sohnes, der sich immer wieder zu weit nach vorne an den Fernseher bewegt und damit aus dem Fokus der Kamera gelangt. Ansonsten klappt bei der Erkennung der Bewegungen alles wie geschmiert. Zudem erweist sich der Parcours als ziemlich abwechslungsreich. Es gibt Kletterpassagen, bei denen der Spieler beide Hände zu Hilfe nehmen und sich Stück für Stück nach oben ziehen muss. Das Laufen auf Seilen erfordert hingegen ein gewisses Balancegefühl. Weiterhin wird gesprungen, gelaufen und gerutscht und dabei Hindernissen ausgewichen. Wie schon zuvor bei
Cars ist das Spiel sehr gnädig und fragt die Bewegungen nicht allzu genau ab. Nach gut zehn Minuten ist der Parcours abgeschlossen und die Spielzeuge sind wieder mit Batterien versorgt. Wesentlich länger dauern die beiden weiteren Strecken ebenfalls nicht. Wer jetzt hochgerechnet hat, wird schon erkannt haben, dass es kaum mehr als 3 Stunden dauern wird, bis man alle Spiele absolviert hat.
Altbewährtes im neuen Gewand
Doch nicht nur von der Dauer, sondern auch inhaltlich ähneln sich die unterschiedlichen Themenwelten sehr. Die Gameplay-Elemente aus
Cars und
Toy Story finden sich auch in den drei anderen Arealen wieder. So unterscheiden sich die Hindernisstrecken in
The Incredibles hauptsächlich optisch von denen aus
Toy Story. Auch hier wird geklettert, gesprungen und Hindernissen ausgewichen. Zwischendurch gibt es so manche Fahreinlage mit dem Luftlenkrad. Immerhin, in jedem der kleinen Abenteuer wird wieder eine neue Geschichte erzählt, was das Geschehen doch ein wenig auflockert.
Bevor ich jedoch wieder falsche Kriterien ansetze und
Kinect Rush aus der Perspektive eines Erwachsenen beurteile, halte ich mich lieber wieder an Daniels Urteil. Trotz der repetetiven Gameplays zeigen sich auch nach mehrfachen Sitzungen keine Abnutzungserscheinungen beim Spiel. Die wenigen Elemente reichen völlig aus, um einen jungen Spieler im Alter von 6 Jahren zufrieden zu stellen. Im Gegenteil, eine komplexere Steuerung hätte ihn wohl doch noch überfordert. So bekommt er schnell ein gutes Gefühl für das Spiel und gewinnt immer mehr Sicherheit. Sicherlich wäre es schön gewesen, wenn der Park um weitere interessante Pixar-Streifen wie
Findet Nemo oder
Monster AG ergänzt worden wäre, doch unter dem Strich bleibt für die Kleinen genug zu Erkunden.