Jackie Estacado ist zurück und mit ihm die Finsternis! In The Darkness 2 führt Digital Extremes die spannende Handlung des Erstlings fort und setzt dabei auf ein flottes, intuitives Gameplay. Warum die deutsche Version dabei etwas hinter der Original-Fassung zurückfällt, erfahrt im im Test.
Am Anfang war die Finsternis
Wir erinnern uns, in
The Darkness ermorden kaltblütige Mafia-Killer die heißgeliebte Freundin unseres Protagonisten Jackie Estacado, der - gezwungen durch die Darkness - die Hinrichtung hilfos mit ansehen muss. In den nachfolgenden Spielstunden führen wir einen Rachefeldzug gegen die Mafia. Gut, dass unser Antiheld über die Mächte der Finsternis verfügt, was uns quasi eine "Fast-Unbesiegbarkeit" im Schutze der Dunkelheit beschert. Am Ende nimmt Jackie sogar selbst den Platz des Dons ein. Ende gut, alles gut?! Zumindestens hat es zu Beginn von
The Darkness 2 den Anschein, dass unser Held den Verlust von Freundin Jenny verdaut hat und sich ganz auf seine Tätigkeit als Mafiaoberhaupt konzentriert. Selbst die Finsternis hat Jackie nun schon seit geraumer Zeit erfolgreich unterdrückt.
Vinnie, unsere rechte Hand, füht uns durch ein Nobelrestaurant im Stil der 50er-Jahre. Dinniert wird mit zwei sexy Zwillingen, deren Namen Jackie wohl gerade entfallen sind. Doch bevor wir uns an das "Good Fellas"-Flair gewöhnen können, bricht die Hölle über uns herein. Zwilling Nummer eins geht durch einen Kopfschuss zu Boden, fast zeitgleich rast ein Van in das Restaurant und haucht auch unserer zweiten Begleitung das Leben aus. Jackie himself hat es schlimm erwischt, ein Bein hat den Geist aufgegeben. Während Vinnie versucht uns aus dem Chaos heraus zu schleifen, dürfen wir Blei unter der Feindesschar verteilen. Schlussendlich sind wir aber doch so schwer verletzt, dass Jackie nicht mehr umhin kommt, die Darkness einzusetzen. In Sekundenbruchteilen heilen Jackies Verletzungen in der Dunkelheit. Die herannahenden Gegner werden mit Dämonenarmen in Windeseile zerfetzt. Nach dem Angriff gilt es herauszufinden, wer uns nach dem Leben trachtet.
Pssst, nichts von dem hier ist real!
Unser Antagonist ist in Gestalt von Victor Valente schnell gefunden. Victor, seinerseits Anführer des Geheimbundes der Bruderschaft, will sich Jackies Kräften bemächtigen. Doch Gefahr droht nicht nur von außerhalb. Jackie hat mit der Rückkehr der Finsternis zu kämpfen. Die Angst, ein willenloser Sklave der Darkness zu werden, ist groß und warum um Himmels Willen sieht er plötzlich Jenny wieder? Ein Trugbild der Finsternis oder ist Jackie dabei, endgültig verrückt zu werden? Spätestens wenn Jackie Estacado in einer Irrenanstalt erwacht, fragt sich auch der letzte Spieler, was hier eigentlich gespielt wird. Die Abschnitte in der Anstalt werden untermalt von seichtem Klavierspiel, wir treffen uns bekannte Personen wieder, allerdings in anderer Funktion. So ist unser Ratgeber Jimmy die Traube plötzlich einer unserer behandelnden Ärzte, der uns weismachen will, wir würden unter Wahnvorstellungen leiden.
The Darkness 2 lebt von der Spannung der Story und der bedingungslosen Liebe Jackies zu seiner toten Freundin. Während der Erstling noch ihren dramatischen Tod inszenierte, ist Jenny ironischerweise als Tote präsenter denn je. Auf jeder Ebene des Spiels, ob in Jackies Kopf oder in einer der beiden Realitäten, spielt sie eine wichtige Rolle (ob nun als geisterhafte Vision oder als Krankenschwester der Irrenanstalt), treibt unseren Helden voran. Jackie klammert sich an den Glauben, dass ein Teil Jennys noch immer existiert, wo auch immer, dass sie ihm eine Botschaft übermitteln zu versucht. Und so sehr es auch schmerzt, irgendwie scheint es Jackie zu genießen, dass seine große Liebe wieder in sein Leben tritt. Als wären die Begegnungen mit einer Toten nicht schlimm genug, hört unser Mafiosi ja auch noch die Stimme der Finsternis. Zu dem manipulativen Wesen kommt noch erschwerend hinzu, dass Jackie stellenweise die Kontrolle über seine Kräfte verliert und die Dämonenarme zum Beispiel einfach mal eigenständig einen wichtigen Informanten lynchen. Gegen Ende von
The Darkness 2 lässt uns das Spiel sogar die Wahl, welche Realität wir annehmen wollen, wobei es zu diesem Zeitpunkt nicht schwer ist zu unterscheiden was Wirklichkeit und was Fiktion ist. Die Entscheidung einfacher macht es allerdings nicht.
Es werde Licht
Was noch bei
»Alan Wake unsere beste Waffe war, ist in
The Darkness 2 unser größter Feind: Das Licht, in dem die Kräfte der Finsternis wirkungslos sind. Und so gilt es zu jeder Zeit erst einmal, sich aller Lichtquellen zu entledigen. Aber nicht nur Straßenlaternen oder Scheinwerfer können Jackie gefährlich werden, auch unsere Feinde der Bruderschaft oder feindliche Mafiosi greifen hin und wieder zur Taschenlampe und machen uns so das Leben schwer. Sind erst einmal alle Lichter ausgeknippst, sinken die Lebenschancen der Widersacher jedoch rapide. Mit dem linken Dämonenarm greifen wir dabei nach Objekten, um sie als Wurfgeschosse zu nutzen oder um uns zu schützen (dafür bieten sich beispielsweise Autotüren an). Auch Gegner können wir damit greifen, um sie mit einer Attacke hinzurichten. Der rechte Arm wiederum lässt sich wie eine Peitsche benutzen, mit der Jackie in alle Richtungen ausholen kann. Natürlich können wir auch ganz klassisch mit Sturmgewehren, Maschinenpistolen und Schrotflinten hantieren, auf Wunsch auch beidhändig. Das Interessante an
The Darkness 2 ist, dass wir sowohl unsere Arme als auch unsere Waffen stets gleichzeitig einsetzen können. Hat man sich erstmal eingespielt, wütet man wie ein wahrer Berserker durch die Gegnerhorden, auch Dank der guten Steuerung.
Welche Fähigkeiten wir anwenden können, hängt davon ab, wie wir unsere Finsternispunkte auf die Talentbäume verteilt haben. So schalten wir nach und nach Fähigkeiten frei, wie zum Beispiel die Waffenkanalisierung, mit der wir die Kräfte der Darkness in unsere Wummen umleiten und so für kurze Zeit gewaltigen Schaden anrichten. Je spektakulärer wir Feinde ausschalten, desto mehr Finsternispunkte erhalten wir. Diese Neuerung motiviert enorm, auch zum nochmaligen Durchspielen, da es unmöglich ist alle Fähigkeiten in einem Durchlauf freizuschalten.
Hatte man im ersten Teil noch die Möglichkeit mehrere Finsterlinge auf seine Gegner loszulassen, muss man sich in
The Darkness 2 mit nur einem Finsterling begnügen. Der hat es jedoch faustdick hinter den Ohren! Selbstständig oder per Wurf von Jackie stürzt sich das kleine Ungetüm auf die Gegner und lenkt diese so von seinem Meister ab. Nach einem gewonnenen Feuergefecht erleichtert sich der Kleine auch mal gern über seinem Opfer und lässt dabei flotte Sprüche vom Stapel.
Blutiges Cel-Shading-Erlebnis
The Darkness 2 ändert zwar nicht viel am aus dem Vorgänger bekannten Gameplay, dafür gehts grafisch deutlich näher Richtung Comic-Vorlage. Der neue Cel-Shading-Look passt dabei wie die Faust aufs Auge. Apropos: Der Gewaltgrad ist hoch, auch in der deutschen Version, wenn auch in abgeschwächter Form. So war das Abtrennen von Körperteilen der USK ein Dorn im Auge, was dazu führt, dass Jackie weit weniger Hinrichtungen vollführen kann als in der ungeschnittenen PEGI-Version. Blut strömt trotz allem noch in Massen. Eine Stelle im Spiel ist jedoch extrem stark geschnitten, wir können lediglich hören, was vor sich geht... und das lässt nichts Gutes vermuten. Egal wie brutal die Szene auch sein mag, als volljähriger Spieler hat man unserer Meinung nach ein Recht darauf, diese zu sehen und sich selbst eine Meinung zu bilden. Ähnlich rabiate Schnitte kennt man bereits aus Spielen wie
»Saints Row 2. Beim Sound erlaubt man sich währenddessen keine Schnitzer, der Egoshooter im Film-Noir-Stil untermalt stets passend das Geschehen, mal mit ruhigen Klavierpassagen, mal mit treibenden Rocksongs. Einzig ein paar Waffen, beispielsweise die Standard-Pistolen, klingen arg kraftlos. Die deutsche Synchronisation ist indes hervorragend, wobei der O-Ton noch einen Tick besser klingt.
Neben dem kurzen Singleplayer-Erlebnis hat es auch noch ein Koop-Modus ins Spiel geschafft, der wiederum noch mal bis zu vier Stunden vor den Bildschirm fesselt. Mit bis zu drei weiteren Mitspielern bestehen wir dabei eigenständige Missionen, die zeitlich während der Ereignisse von
The Darkness 2 spielen. Wir können aus einem Pool von vier Charakteren wählen. Ob irischer Trunkenbold oder asiatischer Kampfkünstler, allesamt strotzen sie nur so vor Klischees, was kein Vorwurf sein soll. Die von kurzen Zwischensequenzen eingeleiteten Missionen beschränken sich zumeist darauf, alle Gegner auszuschalten oder eine Stellung lange genug zu halten. Trotzdem machen die Koop-Keilerein eine Menge Spass, auch der charaktereigenen Talentbäume sei Dank. Die Darkness haust nämlich nicht nur in Jackie, sondern auch in mit der Finsternis durchzogenen Gegenständen, was nebenbei eine ausgezeichnete Erklärung für die Fähigkeiten der vier Helden liefert, die alle solche Artefakte besitzen. Unser afrikanischer Vodoo-Krieger lässt zum Beispiel einfach mal so schwarze Löcher entstehen oder hebt weit entfernte Gegner mit seinem Stock in die Luft, um ihn für die anderen Teammitglieder leichter treffbar zu machen.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
