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WWE 12
 Test von Sebastian Hamers (01.12.2011) Artikel-Feed (RSS) abonnieren
Genre:Sport Publisher:THQ
Termin:22. November 2011 Entwickler:Yuke's

Wie in jedem Jahr schicken THQ und Yuke’s das neue Smackdown vs. RAW ins Rennen. Ähm… Moment! Die namensgebenden Brands der WWE wurden komplett aus dem Spieletitel verbannt, auf dem Cover des aktuellen Ablegers prangt schlicht der Name WWE 12. Bahnt sich mit dem neuen Namen der erfolgreichen Spielereihe etwa auch eine Revolution des Gameplays an? Erhält das Wrestlingspektakel endlich die heißersehnte neue Grafikengine? Gehören steife Animationen und Clippingfehler endlich der Vergangenheit an? Diese und viele weitere Fragen beantwortet unser ausführlicher Test.


Seit drei Jahren besuche ich nun Publisher THQ in Köln auf der gamescom. Als Freund des Sport-Entertainments lasse ich mir dort natürlich auch jedes Mal das neue WWE-Spiel zeigen. Jedes Mal befragt mich Kollege Sven nach meinem Besuch, ob Yuke's endlich die angestaubte Grafikengine ausgetauscht hat. Und jedes Mal musste ich enttäuscht abwinken. Seit Jahren stagniert die Serie, zumindest auf technischer Seite. 2011 ist alles anders. Nicht nur der Name hat sich geändert, auch am Gameplay und – man höre und staune – an der Grafik hat sich einiges getan. Die betagte Smackdown vs. RAW-Engine wurde begraben. Die neue "Predator" getaufte Engine soll es nun richten und für eine modernere Optik sorgen.


The Future Of Wrestling

Spieleserien, die regelmäßig in jedem Jahr erscheinen, müssen sich die Frage stets gefallen lassen, ob sie gegenüber dem Vorgänger einen echten Mehrwert bieten. Dies gilt auch für THQs Wrestlingspektakel. In den letzten beiden Jahren konnte man die Frage nicht uneingeschränkt mit "Ja" beantworten. In diesem Jahr hat sich der Entwickler viel vorgenommen und die Serie auf den Kopf gestellt. Größter Wunsch der Fans war die Verwendung einer frischen Grafikengine. Dieser Wunsch wurde erhöhrt und doch erweist sich die "neue" Grafik als eher moderater Qualitätszuwachs. Sicherlich sehen die neuen Charaktermodelle nun noch eine Spur realistischer aus und die Kamera schwenkt nun noch einen Tacken weicher um die Muskelprotze umher. Auch in Sachen Animation gibt es einen sanften Fortschritt zu verzeichnen. Im Vergleich zum Vorgänger sind die Bewegungen der Wrestler und Diven einen Hauch geschmeidiger geworden. Von den Qualitäten eines »UFC Undisputed, das seltsamerweise vom gleichen Entwickler kommt, ist man aber noch weit entfernt. Kritik gibt es für die Zuschauermenge, die stellenweise immer noch wie Pappkameraden anmuten. Im Jahr 2011 darf man diesbezüglich einfach mehr erwarten. Clippingfehler, ein weiterer großer traditioneller Negativpunkt der Serie, wurden reduziert, treten aber immer noch in steter Regelmäßigkeit auf. Es trägt nicht unbedingt zur Atmosphäre bei, wenn der Kopf von Triple H plötzlich im massiven Oberkörper von Big Show verschwindet. Verbesserungspotenzial für WWE 13 bleibt somit auf jeden Fall vorhanden.


Back to the roots

Auffälligste Neuerung bei WWE 12 dürfte wohl die vollkommen überarbeitete Steuerung sein. Kam in den letzten Jahren dem rechten Analogstick große Bedeutung zu, lassen sich die unterschiedlichen Schläge und Griffe nun wieder über die Aktionstasten aktivieren. In gewisser Weise geht die Serie somit nun wieder zu ihren Wurzeln zurück. Die Änderungen in Sachen Steuerung sind tiefgreifend, aber dennoch habt ihr das Prinzip schnell verinnerlicht. Die Attacken, die euer Wrestler oder eure Diva ausführt, variieren je nach Position zum Gegner. Vor allem Neulinge profitieren von dem System, da es unter'm Strich doch wesentlich einfacher zugänglich ist. Eine Portion Taktik ist dabei jedoch auch gefragt, da die Beinarbeit nun einen höheren Stellenwert hat. Außerdem zeigen sich die Superstars der WWE durch diese Neuerung auch deutlich abwechselungsreicher in ihren Moves. Kam es früher doch häufig vor, dass man immer wieder den gleichen Angriff durchführte, fördert ihr jetzt schon alleine durch die ständigen Positionsveränderungen immer wieder neue Attacken zutage. Dadurch wird das Wrestling-Geschehen in WWE 12 noch mal etwas authentischer. Interessant ist außerdem die Möglichkeit, gezielt einzelne Körperpartien zu schwächen. Für WWE-Profis steigt somit die Komplexität und die Möglichkeiten einen Gegner außer Gefecht zu setzen.

Ebenfalls entschlackt wurde das Kontersystem. Gab es in den Vorjahren unterschiedliche Tasten zum Kontern von Schlägen und Griffen, so dürfen sämtliche Angriffe nun mit der rechten hinteren Schultertaste geblockt werden. Ganz so einfach wie es sich anhört, ist es jedoch nicht. Gerade in den höheren Schwierigkeitsgraden erfordert das Blocken schon ein gutes Timing und jede Menge Übung.


Näher dran am TV-Erlebnis

Insgesamt haben THQ und Yuke's großen Wert darauf gelegt den Fans das Wrestling so "echt" – sofern man davon beim Wrestling überhaupt sprechen kann – rüberzubringen wie möglich. Dazu zählen neben den verbesserten Kamerafahrten, dem variantenreicheren Move-Arsenal und den optimierten Charaktermodellen auch die Dynamik des Spiels. Wer kennt nicht folgende Szene? Big Show hebt seinen schmächtigen Gegner Rey Mysterio zu einem Chokeslam in die Luft, hält ihn gefühlte 30 Sekunden in der Luft und hämmert ihn fast durch den Ringboden. Nebenan steht sein Tag-Team-Partner John Morrison, der tatenlos mit ansehen muss, wie sein Kollege KO geht. Jetzt dürfen die WWE-Superstars jederzeit aktiv ins Geschehen eingreifen. Das bedeutet, dass endlich auch die Animationssequenzen bei einem gelungenen Griff unterbrochen werden können. Gerade wenn sich mehrere Athleten im Ring befinden, erhöht das die Hektik des Spiels ungemein und sorgt für Laune unter den Beteiligten.


WWE Online

Neben den vielen Neuheiten hat sich die Serie jedoch auch auf ihre ureigensten Stärken besonnen. Die Editoren, die Yuke's auch WWE 12 wieder spendiert hat, bieten kreativen Usern einen Baukasten, der seinesgleichen sucht. Nahezu sämtliche Aspekte der Wrestlingwelt können nach den eigenen Vorlieben erstellt oder verändert werden. Egal ob Superstar, Wrestlingring, eigene Storylines oder Match-Arten, der Kreativität der Fans werden kaum Grenzen gesetzt. Wer will, kann seine Selbstkreationen natürlich wieder einmal mit den anderen Usern teilen. Wie schon im letzten Jahr ist mit einer wahren Flut an neuen Inhalten zu rechnen. Wrestlingfans bekommen somit eine echte Langzeitmotivation geboten.

Wie gewohnt bietet auch WWE 12 wieder die Möglichkeit, sich online mit anderen Spielern zu messen. Die obligatorische Rangliste ist natürlich ebenfalls mit von der Partie. Gleiches gilt leider auch für die immer wieder auftauchenden Lags, die ein Onlinespiel zu einer zwiespältigen Erfahrung machen. Gerade beim Kontern, das einen hohen Stellenwert auf das richtige Timing legt, gibt es hier oft Probleme. Für ein spaßiges Mehrspielerduell reicht es aber allemal.


Soap Opera at its best!

Wer die WWE einige Zeit im Fernsehen verfolgt hat, der weiss, dass es beim Wrestling nicht einzig und allein um die Kämpfe geht. Vielmehr sind die Matches stets in eine kleine Geschichte eingebettet, die mal mehr und mal weniger komplex ist. Hier nimmt Yuke's den beliebten "Road To Wrestlemania"-Modus wieder auf, bei dem man einen Superstar in der Zeit vor dem wichtigsten Event im Wrestlingjahr begleitet. Insgesamt drei Stories mit drei unterschiedlichen Wrestlern stehen hier für euch bereit. Leider lassen sich die Geschichten aber nicht mehr frei auswählen, sondern müssen strikt nacheinander durchgespielt werden. Der maue und von den Fans weitgehend verschmähte Gang in den Backstagebereich wurde in WWE 12 weitgehend gestrichen, eine gute Entscheidung.

Deutlich interessanter ist dafür der neue "WWE Universe"-Modus, der sich im Deutschen schlicht "WWE Welt" nennt. Es handelt sich dabei um ein fortlaufendes Spiel, dass sich etwa durch Zufallsereignisse und natürlich dem Verhalten des Spielers dynamisch verändert. Matchpartien können abgeändert und Fehden gestrickt werden. Greift beispielsweise Layla in einen Kampf ein, könnte dies eine andere Diva auf den Plan rufen, die ihrerseits Partei für den anderen Superstar ergreift. Daraus entwickelt sich wiederum eine neue Fehde. Wie ihr seht ist für langanhaltende Unterhaltung bei WWE 12 gesorgt.





Nach vielen Jahren des Stillstands, hat sich Yuke's diesmal ein Herz gefasst und die WWE-Serie einer gründlichen Überholung unterzogen. Für langjährige Kenner der Serie mag die Umstellung auf die Steuerung zunächst ungewohnt sein, geht aber nach kurzer Eingewöhnungszeit in Fleisch und Blut über. Auch 2011 ist nicht alles im WWE-Universum Gold, was da so glänzt, aber es wurde ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung gemacht. Einer der größten Wünsche der Wrestlingfans aber bleibt nach wie vor bestehen: An den grafischen Qualitäten des Wrestling-Games muss noch gearbeitet werden. Dafür geht der Daumen für den riesigen Umfang klar nach oben.
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Pro:
riesiger Umfang
tolle Editoren
entschlackte Steuerung
verbesserte Spieldynamik
neue WWE-Welt Modus

Contra:
geringe grafische Weiterentwicklung
Clippingfehler
Lags im Onlinemodus
Qualität der Storylines schwankend


Offizielle Website:
 @THQ.com



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