Es gibt Anime-Serien, die einfach nicht tot zu kriegen sind - Pokémon, Naruto und wie sie alle heißen. Doch eine Serie existiert nun schon seit fast 30 Jahren: Dragon Ball. Nach zahlreichen Videospielen zu dem Manga/Anime versucht sich Namco Bandai nun daran, das ultimative Spiel zu Dragon Ball zu erschaffen. Warum das nicht ganz gelungen ist, lest ihr im Test zu Dragon Ball Z: Ultimate Tenkaichi.
Gelungene Präsentation und verkorkstes Gameplay
Fans der Serie bekommen beim Einlegen der Spieledisk nun kein vorgerendertes Intro mehr zu sehen, nein: In
Dragon Ball Z: Ultimate Tenkaichi ist die Eröffnungssequenz der Original-Vorspann aus der HD-Neuauflage der Anime-Serie. Sehr cool! Im Hauptmenü angekommen gibt es die gewohnten Modi zu entdecken. Story, Versus, Weltkampf, Online und der neue Heldenmodus, dazu aber später mehr. Nach Absolvierung des Tutorials stürzen wir uns also gleich in den Storymodus, um mit den Testosteron-Schwängeln Son Goku & Co mal kräfitg auszuteilen. Als Kenner der Vorgänger,
»Raging Blast und
»Raging Blast 2, sind wir jedoch verwundert wie anders sich
Dragon Ball Z: Ultimate Tenkaichi im Vergleich zu diesen doch spielt. Wurde von
Raging Blast zu
Raging Blast 2 lediglich der Charakterpool erhöht und neue Spezialattacken hinzugefügt, stellt die jüngste Umsetzung das gewohnte Gameplay nun zumindest teilweise auf den Kopf.
Kombos sind passé, stattdessen drückt man einfach dreimal auf den Angriffsbutton und entscheidet sich danach für einen schweren oder leichten Angriffsmove. Der Opponent hat die Möglichkeit den Angriff zu blocken, indem er die selbe Angriffstaste wie ihr wählt. Haben wir Erfolg, startet ein Quicktime-Event. Als Bardock schlagen wir Freezer effektvoll ein paar hundert Meter von uns, teleportieren uns hinter ihn, um ihm noch ein paar Schläge mitzugeben, ihn anschließend im Erdreich zu versenken und final mit Energiesalven einzudecken. "Mann, sieht das geil aus!" denken wir uns. Nur ist all das eben bloßes vorgegebenes Knöpfchendrücken, wirkliche Kontrolle sieht anders aus. Nach einer Stunde hat man dann auch schon alle möglichen Sequenzen gesehen, von der anfänglichen Begeisterung bleibt nichts mehr übrig. Wir sind ernüchtert, wie casual-lastig das neue
Dragon Ball-Spiel doch ausgefallen ist und dass jede zweite Aktion mit einem Quicktime-Event oder wildem Knöpfchen-Drücken verbunden ist.
Kame-Hame-Ha!
Der Story-Modus bietet die gewohnte
Dragon Ball-Geschichte, jetzt allerdings mit Original-Sequenzen aus dem Anime, auch die Ingame-Sequenzen sehen sehr hübsch aus. Die Präsentation stimmt also schon mal. Von der Sayajin-Saga bis hin zu den Kämpfen der GT-Reihe kann man so gut wie jedes Epos im
Dragon Ball-Universum nachspielen, die Charakterauswahl wurde im Vergleich zum direkten Vorgänger jedoch deutlich zurückgeschraubt. Unverständlich, da sich ohnehin jeder Protagonist gleich spielt, die unterschiedlichen Special-Moves (wie Kame-Hame-Ha, Dodonpa etc.) mal ausgenommen. Neu sind auch die Bossfights mit riesigen Gegnern wie z.B. Vegeta in seiner Form als Weraffe. Doch auch hier ist leider mal wieder stupides Button-Mashing angesagt.
Der Soundtrack des Spiels bewegt sich zwischen "ok" und "suizidfördernd". Mehr ist nicht zu sagen, außer dass wir die Lautstärke während des Testens von
Dragon Ball Z: Ultimate Tenkaichi kontinuierlich heruntergeregelt haben. Positiv sind mal wieder die Soundeffekte, die direkt aus der Anime-Serie entnommen wurden, ebenso wie die schreckliche englische Synchronisation.
Grafisch präsentiert sich die Optik des Spiels in hübschem Cel-Shading. Zudem gibts knallige Effekte im Sekundentakt. Führt Son-Goku ein Kame-Hame-Ha aus, kann dies schon mal dazu führen, dass ein Teil des Planeten in Mitleidenschaft gezogen wird. Trotzdem unverständlich, wie die Framerate teilweise derart in die Knie gehen kann, in Zeiten in denen ein
Crysis flüssig auf Konsole läuft. Online läuft
Dragon Ball Z: Ultimate Tenkaichi größtenteils rund.
Be my Hero
Brandneu in
Dragon Ball Z: Ultimate Tenkaichi ist der von vielen Fans geforderte Heldenmodus, in dem man endlich seinen eigenen
Dragon Ball-Recken erstellen kann. Die Charaktererstellung ist jedoch arg begrenzt, uns stehen drei Frisuren, vier Kostüme und drei mögliche Größen unseres künftigen Alter Ego zur Auswahl. Gott sei Dank erweitern sich die Möglichkeiten zur Charakterindividualisierung im Laufe der Spielzeit noch.
In einer hanebüchenen Story, die sich um ein
Dragon Ball-Paralleluniversum dreht, fliegt ihr also über die kleine Oberwelt und prügelt euch mit zahlreichen
Dragon Ball-Figuren. Die Dialoge vor den Kämpfen sind stellenweise so aufgesetzt und sinnbefreit, dass man dem Kontrahenten anschließend gerne auf die Neune gibt, bei dem ganzen Stuss, den man sich im Vorfeld anhören musste.
Im Verlauf der "Story", so wird hier die Aneinanderreihung von Kämpfen genannt, könnt ihr euch einen Meister suchen und bei ihm in Trainingsessions eure Stats aufbessern oder neue Spezialattacken lernen.
Gut gedacht, schlecht gemacht!
Schon der Name des Spiels durfte von den Fans ausgewählt werden, auch der Heldenmodus ist ein Geschenk für Freunde des
Dragon Ball-Universums. Doch trotz der guten Ansätze, verkommt
Dragon Ball Z: Ultimate Tenkaichi zu reinem Button-Mashing. Das Spiel gewordene Quicktime-Event hat einfach damit zu kämpfen, dass man nach gefühlt einer Stunde bereits alles gesehen hat. Der zurückgeschraubte Umfang der Kämpferriege ist indes zu verkraften, spielen sich die Charaktere ohnehin immer gleich. Als Spieler fühlt man sich hier oft nur als passiver Zuschauer statt als aktiver Akteur. Der Genickbruch für ein Videospiel, da kann man sich auch gleich die Serie im TV ansehen. Löblich hingegen ist die tolle Präsentation, die das
Dragon Ball-Flair perfekt rüberbringt. Alles in allem ein klarer Rückschritt der Reihe - bleibt nur zu hoffen, dass im Nachfolger die Stärken von
Raging Blast 2 und
Ultimate Tenkaichi vereint werden und wirklich ein "ultimatives" Spiel zur Serie daraus entsteht. Denn
Dragon Ball Z: Ultimate Tenkaichi ist wohl eher Ultimate Casual!