Der Kampf ist eröffnet. Naja, beinahe zumindest. Electronic Arts schickt Battlefield 3 zum Aufwärmen schon einmal in den Ring, ehe der derzeitige Genre-König mit einem neuen Teil in wenigen Tagen folgt. Mit Werbeslogans wie "Go Above and Beyond the Call" haben es sich EA und DICE zum Ziel gemacht, die »Call of Duty-Reihe vom Thron zu stoßen. Wie gut die Chancen auf einen Sieg stehen, erfahrt ihr im GameRadio-Test.
Been there, done that
Battlefield 3 wird in der Xbox 360-Version nicht ohne Grund auf zwei Disks ausgeliefert. Neben einem exzellenten kompetitiven und interessanten kooperativen Mehrspielermodus ist in dem Paket nämlich auch eine für das Genre mittlerweile obligatorische Kampagne enthalten. Ego-Shooter scheinen heutzutage nicht mehr ohne Einzelspielerkomponente à la Michael Bay auszukommen. Damit ist es gegenüber einem Multiplayer-Modus schließlich auch möglich, die Konkurrenz durch eine noch pompösere Inszenierung einschließlich einstürzenden Gebäuden und Co. auszustechen. Die Handlung bleibt dabei oftmals auf der Strecke, doch das ist verkraftbar. Es ist die Action, die stimmen und fesseln muss. Das funktioniert in
Battlefield 3 jedoch nur mäßig gut. Mittlerweile hat man als Fan des modernen Kriegsszenarios eben schon nahezu alles gesehen.
Gelungene Unterhaltung findet ihr im Solo-Modus von
Battlefield 3 zweifelsohne. Allerdings macht das Spiel nichts neu, anders oder besser als die Konkurrenz. Im Gegenteil: DICE ist mit der Kampagne auf Nummer Sicher gegangen und hat so ziemlich jedem erdenkbaren Klischee einen Platz gesichert. Ob Terroristen, Russland, nukleare Sprengkörper oder vor euren Augen sterbende Soldaten, in
Battlefield 3 findet alles seinen Platz. "Been there, done that" mögt ihr euch vielleicht denken, doch daran ist weder das Spiel selbst noch das Entwicklerteam schuld. Hier und da wirft euch die Handlung in unspektakuläre Vehikelmissionen, die zuwenig Freiheit bieten, und ab und an geht euch die Sturrheit der KI-Kollegen auf den Geist, die jedes Mal unbedingt euren Platz in der Deckung wollen. Doch hauptsächlich ist es eben der schwindende Raum für neue Ideen im Genre, der die Kampagne in die Mittelmäßigkeit zieht. Lediglich im Falle der Handlung, die euch in eine Verhörsituation samt spielbaren Rückblenden steckt, könnte man DICE vorwerfen, nicht alle gestalterischen Möglichkeiten abgewägt zu haben. Das Ganze erinnert doch recht stark an das 2010 erschienene
»Call of Duty: Black Ops (dt.).
Die Symphonie des Schlachtfelds
Doch auch wenn
Battlefield 3 inhaltlich nichts Neues bietet, so könnt ihr euch zumindest sicher sein, dass besagter Inhalt diesmal besser denn je aussieht. Das ist zumindest dann der Fall, wenn ihr eure Aufmerksamkeit dahin richtet, wo das Spiel sie haben will. Charaktermodelle, Umgebung und Effekte sind absolut beeindruckend und gehören ohne Zweifel zum Besten, was PC und Konsolen derzeit zu bieten haben. Doch während die Fassung für erstere Plattform grafisch über jeden Zweifel erhaben ist, müssen PlayStation 3 und Xbox 360 mit ein paar kleineren Abstrichen leben. Schaut ihr zum Beispiel aus Fenstern weit abseits der Action, verschlägt euch die Detailarmheit schon beinahe in PlayStation 2-Tage zurück. Doch das ist ein Schönheitsfehler, der sich euch nur offenbart, wenn ihr danach sucht. Etwas auffälliger sind die wenigen und immer wiederkehrenden Modelle der Leichen und Verletzten. Den netten Herrn im blauen Hemd trifft man sogar so oft, dass man ihn schon fast zur Riege der Hauptcharaktere zählen könnte. Der einzig richtige Dämpfer, der den Gesamteindruck gegenüber der PC-Version schmälert, ist jedoch die fehlende Kantenglättung, die insbesondere in Stadt-Leveln präsent ist.
Während der visuelle Genuss zwar insgesamt, aber nicht vollkommen, überzeugt, haut euch das Spiel ein akustisches Feuerwerk um die Ohren, das sich gewaschen hat. Am besten genießt ihr es aber über den Kopfhörer, sonst könnte es durchaus passieren, dass eure Nachbarschaft in den nächstgelegenen Bunker flüchtet. Jedes Gewehr, jede Pistole, jedes Vehikel hört sich einzigartig und unglaublich realistisch an. Zumindest stellt man sich so - als jemand, dem der Krieg glücklicherweise nur virtuell begegnet - realistische Waffen-Sounds vor. Schon in
»Battlefield: Bad Company 2 war es mit ein wenig Übung möglich, unterschiedliche Schießeisen allein durch ein gut geschultes Gehör zu unterscheiden, und
Battlefield 3 macht hier keine Ausnahme. Gerade während den Mehrspieler-Schlachten fühlt ihr euch mitten im Geschehen.
Kriege führt man nicht alleine
Anders als die
Call of Duty-Reihe liegt
Battlefields Ursprung im Multiplayer-Modus. Die mittlerweile zehnjährige Erfahrung in der Konzeption riesiger Online-Gefechte fällt in DICE' neuestem Schlachtfeld-Simulator sofort ins Auge. Über euch heizen Jets und Helikopter, während zu eurer Linken ein Panzer explodiert und die rechte Flanke unter heftigem Beschuss Deckung hinter Sandsäcken sucht: Virtueller Krieg vom Allerfeinsten.
Natürlich kommt ihr in Situationen wie diesen nicht alleine zurecht. In
Battlefield 3 ist Teamarbeit das oberste Gebot. Denn Position und clevere Verteilung auf der Map sind sogar noch wichtiger als individueller "Skill", deshalb ist Kommunikation gefragt. Darüber hinaus macht es einfach doppelt soviel Spaß, zu zweit mit einem Jeep durch die Gegend und über Felsformationen zu heizen, als alleine. Sogar durch das Aufstiegs- oder Belohnungssystem zieht sich das Gefühl der Kameradschaft. Vorbei sind die Tage, an denen euch ein Kollege nach einem längeren Zweikampf den "Kill" stiehlt und euch nichts weiter übrig bleibt, als doof aus der Wäsche zu schauen. Auch für die Unterstützung bei einer Tötung werdet ihr nämlich mit Punkten belohnt, durch die ihr in eurem Rang aufsteigt.
Viel Abwechslung trotz wenigen Spielmodi
Die 25 Millionen Punkte zu ergattern, die für den höchsten Rang notwendig sind, ist eine langwierige Angelegenheit. Doch hier gilt: Der Weg ist das Ziel. Immer wieder schaltet ihr bei Beförderungen neue Uniformen, Waffen oder Gerätschaften frei. Die verschiedenen Klassen verfügen über eine ganze Reihe von unterschiedlichen Apparaturen, zwischen denen ihr im richtigen Moment wechseln könnt und solltet. Sturmsoldaten führen beispielsweise Medikits und Defibrilator mit sich, um Verbündete zu heilen. Pioniere sind mit Panzerabwehr und Unterstützer mit zusätzlichen Munitionskästen bestückt. Aufklärer hingegen halten das Geschehen durch ein Zielfernrohr im Blick und stellen gelegentlich portable Wiedereinstiegspunkte für Squad-Mitglieder auf. Jede der spielbaren Klassen hat auf dem Schlachtfeld also etwas zu melden und unterscheidet sich in ihrer Spielweise nicht unerheblich von den anderen.
Das Gleiche lässt sich auch über die Spielvarianten und dem Spielerlebnis an sich sagen. Auf dem Papier scheinen neun Karten und im Grunde drei Spielmodi zunächst nicht für sonderlich viel Abwechslung zu sorgen, doch die Mischung macht's. Bei einem Eroberungsspiel in einer U-Bahn-Station geht ihr eben komplett anders vor als beim Versuch, über ein offenes Feld zu marschieren, fahren oder fliegen, um zwei Kommunikationsstationen zu zerstören. Der "Team Deathmatch"-Modus, der hingegen auf kleine Kartenabschnitte und Infanterie beschränkt ist, bringt vergleichsweise kurzweilige Action ins Geschehen.
Dennoch liegt das Hauptaugenmerk bei
Battlefield 3 auf weitläufige Szenarien, bei denen sich in den Konsolenfassungen leider nur maximal 24 Spieler die Köpfe einhauen dürfen. Wieder einmal scheint die PC-Variante mit Teamgrößen von 32 Mann die Nase vorn zu haben. Doch DICE ist es gelungen, die Maps entsprechend zu skalieren, sodass ihr nicht minutenlang ohne irgendwelchen Feindkontakt durch die Wüste latschen müsst.
Nobody's perfect
Battlefield 3 bietet auch im Multiplayer nur wenig Neues. Gerade im Vergleich zu
Bad Copmany 2 unterscheidet es sich spielerisch zunächst nur durch das veränderte Klassensystem und einen leicht stärkeren Fokus auf Vehikel. Dennoch macht es nahezu alles richtig: Teamplay wird groß geschrieben und belohnt, das Leveldesign ist vielseitig, und atmosphärisch packt das Spiel - nicht zuletzt auch dank zerstörbaren Gebäuden - von Anfang an. Die Perfektion hat DICE dann aber doch verfehlt. Den ein oder anderen kleinen Patzer haben sich die Entwickler nämlich schon geleistet, sowohl im Balancing als auch in der Organisation des Online-Spiels.
So sind bestimmte Seiten des Kriegs je nach Karte manchmal leicht bevorzugt. Als US-Aufklärer habt ihr von eurer Basis auf "Teheran-Schnellstraße" beispielsweise die halbe Map im Visier. Die selbe Klasse auf russischer Seite kann das nicht behaupten. Auf engeren Karten wie "Grosser Basar" ist hingegen der Pionier mit seiner Panzerfaust eine Nervensäge, weil oftmals weder der Platz noch die Zeit zum Ausweichen seiner Raketen gegeben ist. Das ist jedoch Meckern auf höchstem Niveau; der kompetitive Geist wird dadurch nicht ernsthaft gefährdet. Woran sich allerdings auch dieser stören wird, ist die Tatsache, dass ihr eine Sitzung nicht zwischen zwei Karten beenden könnt. Wer nach einer fertigen Runde den Server wechseln will, muss entweder das Spiel verlassen oder warten, bis die nächste Map geladen ist, um dann ins Hauptmenü zurückzukehren. Ärgerlich.
Dedizierte Server unterstützt
Battlefield 3 zwar nicht, doch via Filter habt ihr genügend Möglichkeiten, ein passendes Spiel zu finden. Und selbst wenn das mal nicht der Fall sein sollte, könnt ihr eure Zeit noch immer in einer der sechs kooperativen Online-Missionen totschlagen. Gerade hier besticht der Titel durch große Aufgabenvielfalt. Mal gilt es schlichtweg, ähnlich dem Horde-Modus aus
»Gears of War 3, Wellen von Gegnern zu überleben, mal müsst ihr als Scharfschütze einer Infanterie-Einheit Deckungsfeuer geben. Langeweile kommt hier definitiv nicht auf. Frustrieren dürfte euch der Koop-Modus jedoch schon hin und wieder, und zwar, weil es hier, anders als in der Kampagne, keine Checkpoints gibt. Wer zuviel Schaden nimmt, kann von seinem Kollegen kurz verarztet werden. Sterben jedoch beide Spieler, müsst ihr die jeweilige Mission wieder von vorne anfangen. Das nervt gerade im Helikopter-Level, in dem ein Fehler des Piloten also automatisch "Game Over" bedeutet.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:

