Quizfrage: Wieviele Orks braucht man, um eine Burg zu erobern? Wenn es nach Robot Entertainments neustem Download-Spiel für Xbox Live Arcade und Steam geht, wohl mehrere tausend. Denn sovielen Orks werdet ihr im Laufe der Kampagne von Orcs Must Die! begegnen. Wir haben uns in das Schlachtgetümmel geworfen.
I am Legend
Ein kurzes Intro verrät euch, worum es in
Orcs Must Die! eigentlich geht. Ihr schlüpft in die Rolle eines Zauberlehrlings, der nach dem Tod seines Meisters schneller als gedacht zum Kriegsmagier befördert wird. Er soll mehrere magische Spalten vor der Herrschaft der Orks verteidigen, ansonsten ist die Welt dem Untergang geweiht. Eindeutiger und prägnanter geht es wohl kaum. Da auch alle anderen Kriegsmagier mysteriöserweise umgekommen sind, seid ihr mit der Verteidigung der Spalten ganz auf euch alleine gestellt. Auf die Story wird im Spiel trotz dieser eigentlichen guten Ansätze kaum eingegangen, die Handlung wird nur am Rande weitergeführt. Hier wäre sicher mehr drin gewesen.
Was kommt wohin?
Orcs Must Die! nimmt die gewohnten Zutaten eines Tower Defense-Spieles und würzt sie mit aktiven Hack'n'Slay-Elementen. Euch stehen nur begrenzte finanzielle Mittel zur Verfügung, um Fallen und Verteidigungsanlagen aufzustellen. Der Kriegsmagier wird aus der Third-Person-Perspektive gesteuert. Somit funktioniert das Platzieren von Fallen genauso wie das Schießen durch das Zielen über ein Fadenkreuz.
Die Entwickler konnten sich bei den Fallen kreativ austoben und drücken euch allerhand tödliche Werkzeuge in die Hand, mit denen ihr die Wände der Burgfestung "dekorieren" könnt. Neben Plattformen, die Pfeile verschießen, könnt ihr noch Katapulte oder explosive Fässer aufstellen. Wenn rasiermesserscharfe Klingen aus den Wänden fahren, bleibt von heranstürmenden Orks nur noch Frikassee übrig. Wie es sich für ein Tower Defense-Spiel gehört, müsst ihr eure Umgebung strategisch ausnutzen. Während die Fallen an Engpässen besonders effektiv sind, ist es an anderer Stelle sinnvoll, Schlupflöcher mit Barrikaden unbegehbar zu machen.
Überblick ist die halbe Miete
Es gibt insgesamt 24 verschiedene Karten in der Kampagne, die in drei Akte eingeteilt sind. Bevor ihr euch der heranstürmenden Ork-Horde entgegenstellt, ist es ratsam, die Karte genau unter die Lupe zu nehmen. Sind zu Beginn noch einfache, übersichtliche Wege zu überwachen, kommen schon bald verwinkelte Gassen, die über mehrere Etagen verlaufen. Schon früh müsst ihr mehr als nur einen Spalt verteidigen oder Angriffe aus allen Himmelsrichtungen erwarten. Über die Karte verteilte Portale erleichtern euch den schnellen Gang von Punkt A nach Punkt B. Oft findet ihr auch Säurebecken oder spitze Kronleuchter in der Burgfestung, die euch zusätzliche Angriffsmöglichkeiten geben. Nachdem ihr die Karte mitsamt ihren potenziellen Gefahrenstellen ausgekundschaftet habt, ist es an der Zeit, eure Ausrüstung auszusuchen. Euer Inventar hält nur wenige freie Slots bereit, die ihr mit Fallen belegen könnt, weshalb ihr euch die Auswahl gut überlegen solltet.
Doch selbst die am besten aufgestellten Fallen sind keine endgültige Lösung für das Ork-Problem. Ihr müsst euch auch eure Hände schmutzig machen, ansonsten habt ihr keine Chance, den Massen an Orks Herr zu werden. Ihr könnt zwischen Nah- und Fernwaffe sowie magischen Sprüchen wählen. Alle Waffen und Zauber sind zudem mit Primär- und Sekundärfunktionen ausgestattet. An dieser Stelle spielt sich
Orcs Must Die! verblüffend ähnlich wie
»Brütal Legend oder
Trenched. In all diesen Spielen entscheidet neben dem strategischen Part auch das Eingreifen des Spielers im Kampf über Sieg und Niederlage. Hack'n'Slay-Fans kommen also auch voll auf ihre Kosten, wobei diese kein umfangreiches oder ausgeklügeltes Kampfsystem erwarten dürfen.
Kein Weberknecht
Ab der zweiten Kampagnenhälfte bekommt der Lehrling Unterstützung von den sogenannten Weberinnen. Jede dieser Weberinnen kann euch gegen Bares spezielle Fähigkeiten verleihen. Die Weberin der Weisheit stärkt zum Beispiel die magischen Waffen des Kriegsmagiers, wodurch den aktiven Hack'n'Slay-Elementen eine größere Bedeutung zukommt. Wollt ihr lieber den Fallen die Drecksarbeit überlassen? Kein Problem, dank der Weberin des Stahls bringen euch durch Fallen getötete Feinde mehr Geld ein, das direkt in den Bau neuer Fallen investiert werden kann. Ihr könnt euch im Level nur für eine Weberin entscheiden. Dieser Kniff ist gut gemacht, denn so könnt ihr die Kämpfe eurer Spielweise anpassen und selber entscheiden, wie groß euer Anteil am Kampfgeschehen sein soll.
Grün, hohl und zahlenmäßig überlegen
Die Orks verhalten sich so, wie man es von ihnen erwartet: Strunzdumm. So laufen die meisten der grünen Luftverpester ohne großen Überlebenswillen schnurstracks in die nächstgelegene Falle. Wenn ein Ork auf ein Katapult tritt und im hohen Bogen in die nächste Mauer kracht, beweist das Download-Spiel eine gehörigen Portion Slapstick. Die Vielfalt der Feinde hält sich für ein Tower Defense-Spiel leider etwas in Grenzen. Neben den Standard Orks greifen euch auch noch widerstandsfähige Oger, wendige Echsen und fliegende Drachen an. Jeder dieser Gegnerklassen erfordert zwar eigene Herangehensweisen und Fallen, trotzdem hätte die Auswahl ruhig größer ausfallen können. Auch beim Aussehen der Gegner hätten wir uns mehr Abwechslung gewünscht.
Einstufig erweiterbar
Der Schwierigkeitsgrad steigt mit jedem absolvierten Level genregerecht ein Stückchen an. Die Anzahl an Wellen und Feinden nimmt konstant zu, bis sich der Kriegsmagier zum Ende des Spiels gegen ganze Armeen von Feinden wehren muss. Glücklicherweise vergrößert sich das Waffeninventar gleichermaßen. Jede Falle lässt sich außerdem einmal upgraden, was sich beispielsweise auf Kosten oder den Wirkradius auswirkt. Da es nur eine Aufbaustufe gibt, hält sich die Aufrüstung unserer Meinung nach sehr in Grenzen. Die strategische Tiefe hätte von mehr Upgrade-Möglichkeiten bestimmt profitiert.
Für ein Download-Spiel kann sich
Orcs Must Die! technisch durchaus sehen lassen. Der Grafikstil überzeugt mit einem schicken Comicstil. Die leuchtenden Spalten und Lava-Seen in der Burg erstrahlen in satten Farben. Die 3D-Optik begeistert zwar nicht durch scharfe Texturen, gravierende grafische Mängel sind jedoch nicht auszumachen. Der Sound präsentiert sich jedoch von einer schwachen Seite. In der kompletten Kampagne bekommt ihr das gleiche Musikstück zu hören, das die hektischen Kämpfe zwar passend unterlegt, auf Dauer aber auf die Nerven geht. Auch die Sprüche des Kriegsmagiers wiederholen sich zu oft und versuchen krampfhaft lustig zu sein, was die meiste Zeit misslingt. Insgesamt gesehen klingen die deutschen Synchronsprecher alles andere als motiviert.
Die Kämpfe gegen die Orks neigen dazu, schon nach einigen Spielrunden monoton zu werden, was daran liegt, dass zu häufig eingespielte Angriffsmuster wiederholt werden. Dank des ständig wachsenden Inventars findet man aber immer wieder Motivation, das nächste Level auszutesten. Der große Reiz von
Orcs Must Die! besteht darin, die Level so perfekt wie möglich abzuschließen. Daher spielt man immer wieder alte Level, um die eigene Bewertung zu verbessern und neue Fallen oder Waffen auszuprobieren. Ein großer Wiederspielwert ist damit auf jeden Fall gegeben. Die drei Schwierigkeitsgrade, wovon der mittlere schon ziemlich fordernd sein kann, sorgen für längere Spieldauer. Für den ersten Durchlauf dürftet ihr allein schon um die sieben Stunden brauchen.
Orcs Must Die! bietet zwar keinen Multiplayer-Modus, eure Punktzahl aus den einzelnen Levels könnt ihr dafür online mit anderen vergleichen.