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X-MEN: DESTINY
 Test von Sven Reisbach (07.10.2011) Artikel-Feed (RSS) abonnieren
Genre:Action-Adventure Publisher:Activision Blizzard
Termin:30. September 2011 Entwickler:Silicon Knights

Nachdem Wolverine bereits sein eigenes - hierzulande indiziertes - Spiel erhalten hat, folgt nun ein Abenteuer mit drei komplett neuen Mutanten. Klar, dass diese auf allerlei bekannte Gesichter aus dem Universum der X-Men stoßen - doch die Kernfrage ist: Wem werden sie sich anschließen? Und welchen Weg werden ihre Kräfte nehmen? All das liegt in eurer Hand.


Ein hinterhältiger Anschlag


Die Geschichte von X-Men: Destiny spielt einige Zeit nach dem Kampf gegen Bastion. Im Laufe der Ereignisse verstarb Charles Xavier, Cyclops hat seinen Platz als Anführer der X-Men eingenommen. Bei einer Friedensveranstaltung kommt es zu einem Anschlag - doch wem galt er und wer steckt dahinter? Ging er von Magneto aus, der mit seiner Bruderschaft der Mutanten weiterhin danach strebt, die Mutanten über die Menschen zu erheben? Oder geht er auf das Konto der Purifier; Menschen, die Mutanten am liebsten ausgelöscht sähen? Möglich aber auch, dass eine dritte Partei ihre Griffel im Spiel hat. Am Ort des Geschehens sind drei Personen: Da ist die junge Japanerin Aimi und die Amerikaner Adrian und Grant. Aus den dreien dürft ihr zu Beginn des Spieles euren Charakter auswählen. Jeder hat seine eigenen Gründe, bei der Veranstaltung zu sein und natürlich auch seine eigene Vorgeschichte.

Alle drei Charaktere sind - natürlich! - im Besitz von Mutantenkräften. Welche genau, dürft ihr selber auswählen. Zur Wahl stehen etwa Elektro-Fähigkeiten, die denen von Cole McGrath (»inFAMOUS 2) nicht unähnlich sind. Aber nicht nur am Anfang, auch im Verlauf des Spieles entwickelt ihr eure Kräfte immer weiter. Ihr könnt vorhandene Kräfte aufpowern durch gesammelte Erfahrungspunkte, immer mal wieder bekommt ihr die Wahl aus mehreren Kräften eine neue für euch auszuwählen. Aber die Entscheidungen gehen noch viel tiefer: Ihr müsst bestimmen, ob ihr euch der Bruderschaft oder den X-Men anschließen wollt. Zwar könnt ihr eine ganze Weile neutral bleiben, irgendwann kommt aber der Punkt, wo ihr euch festlegen müsst. Doch im Grunde, und hier kommen wir zum ersten dicken Makel von X-Men: Destiny, ist das alles arg limitiert: Anderer Charakter, andere Kräfte, andere Missionen - das grundsätzliche Prinzip und der eigentliche Weg bleiben gleich.

Vom Veranstaltungsort aus macht ihr euch auf euren Weg, der quer durch die ganze Stadt führt und später auch darüber hinaus. Ihr werdet geheime Stationen und Einrichtungen erforschen, mit unzähligen Gegnern konfrontiert und bekommt den ein oder anderen dicken Bossgegner vorgesetzt. Das eigentliche Highlight von X-Men: Destiny sind aber wohl die Begegnungen mit bekannten Charakteren aus dem X-Men-Universum. Wer allerdings den realistischeren Look der Filme gewohnt ist, sollte umdenken: Das Spiel orientiert sich eher an der Comic-Vorlage. Entsprechend sind die Kostüme um einiges bunter. Ob man das nun mag oder nicht, es ist schon ein cooles Gefühl, mal eben mit Cyclops zu quatschen oder Seite an Seite mit anderen Mutanten zu kämpfen. Alle bekannten (und mitunter auch weniger bekannten) Mutanten werden schön in die Handlung eingeführt und haben ihre typischen Attitüden.


Verlaufen unmöglich

Verlaufen könnt ihr euch in X-Men: Destiny nicht. Grund ist nicht eine besonders ausgefeilte Navigation, sondern der äusserst geradlinige Aufbau der Level. Eine offenere Struktur hätte dem Spiel sicherlich nicht geschadet. So fühlt ihr euch jedoch oftmals von A nach B gescheucht. Einzige Abwechslung vom Marsch-Einerlei sind die Herausforderungen, die ihr allerortens antrefft. Aber die sind für Leute, die gerne ALLE komplettieren wollen, eine echte Qual. Einige erhaltet ihr nur im Gespräch mit bestimmten Mutanten, für andere müsst ihr bestimmte Orte erreichen - und die sind nicht markiert oder sonstwie erkennbar. Geht ihr etwa in einem Level in eine leere Zelle, startet eine solche Arena-Herausforderung. Hier gilt es dann meist, eine bestimmte Anzahl Gegner in einer bestimmten Zeit niederzuknüppeln. Und damit unterscheidet sich diese Herausforderungen dann auch in keinster Weise vom eigentlichen Gameplay, dem ihr auf euren Wegen immer wieder begegnet.

Eine nette Ausnahme sind die Bossgegner. Hier bekommt ihr es nur selten mit einfachen Mutanten zu tun, sondern meist mit richtig dicken Kreaturen und Maschinen. Leider greifen die Kämpfe auf ein altes, aber wohl bewährtes, Prinzip zurück: Angriffsmuster erkennen und Schwachstelle bearbeiten. Bei jedem Boss, egal wie haushoch er sein mag, gibt es diese Lücken, die ihr für eure Angriffe ausnutzen könnt. Ihr müsst nur erstmal erkennen, was die Designer genau von euch verlangen. Auf dem niedrigsten der drei Schwierigkeitsgrade sind aber auch diese Kämpfe eher ein Spaziergang als eine wirkliche Herausforderung für geschickte Fingerakrobaten.

Das größte Problem am Gameplay ist aber wohl, dass es einfach keinen Spaß machen will. Anfangs macht das simple Konzept den nämlich durchaus, spätestens ab der Hälfte des Spieles schaltet das Hirn dann aber auf Leerlauf. X-Men: Destiny ist reines Buttonmashing! Leichter und schwerer Angriff, Sprung und Blocken - das war's. Und daran tut sich auch nicht viel. Selbst wenn eure Kräfte voll aufgelevelt sind, fühlt ihr euch nie wirklich so richtig "Bad Ass", wie es vielleicht sein sollte. Daran ändert auch der X-Modus nichts, den ihr freischaltet, in dem ihr die Kostüme und Fähigkeiten (X-Gene) der bekannten Mutanten findet und ausrüstet. Grund ist hier vor allem die Tatsache, dass ihr nicht gezielt euch euren Charakter zusammenbasteln könnt, sondern nehmen müsst, was ihr auf dem Weg eben findet und so erst sehr spät im Spiel über komplette Sets verfügt, wenn überhaupt.


Für Sammler

Immerhin kommen Sammler ansonsten ganz gut auf ihre Kosten: In den Leveln sind immer mal wieder Anti-Mutanten-Plakate der Purifier zu finden. Diese könnt ihr zerreissen. Eine direkte Belohnung gibt es dafür nicht. Entsprechend lässt die Suchmotivation da mit einiger Zeit enorm nach - wir können euch also nicht sagen, ob es mehr als Achievements/Trophäen nach dem Motto "Du hast einen stumpfsinnigen Sammelquest erledigt." gibt. Mehr machen dagegen die immer mal wieder versteckten Sammelobjekte (ja, die Entwickler haben sich da einen wirklich kreativen Namen einfallen lassen) her. Die bringen euch nämlich die Charakter-Biographien verschiedener Charaktere aus dem X-Men-Universum. Leider sind diese mitunter nicht leicht in den Leveln auszumachen.

Neben der Story ist die andere große Stärke des Spiels der Sound. Die Musikstücke reichen von melancholisch über actionreich bis hin zu episch-heroisch und unterstreichen gut die Atmosphäre des Spiels. Auch die Sprecher machen allesamt einen guten Job. Zwar nur in englischer Sprache, aber dafür gibt es ja deutsche Untertitel und Bildschirmtexte. Die Grafik hält da leider nicht mit: Die Areale sind eher trist und einfach gehalten und wirken nicht unbedingt wie aus einem Spiel im Jahre 2011, eher wie 2006 oder so. Dennoch sind die Attacken effektreich in Szene gesetzt und können einigermaßen gefallen.





Ich will nicht unfair sein: Nicht alles an X-Men: Destiny ist schlecht. Aber leider viel zu vieles. Da ist zunächst mal die Technik, die bestenfalls zweckmäßig genannt werden kann. Das wäre verschmerzbar, würde das Gameplay nicht irgendwie belanglos vor sich hinplätschern. Das einzige, was da noch bei der Stange hält, ist die Story, die zwar nicht wirklich spannend erzählt ist, deren Verlauf man - gerade als X-Men-Fan - jedoch gerne sehen will. Dafür genügt es allerdings, sich das Game mal über's Wochenende auszuleihen. Viel Potential hat man leider mit den Kräften verschenkt - ich will, voll aufgelevelt, einfach mehr "Bad Ass" sein!
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Pro:
drei verschiedene Charaktere
viele bekannte Gesichter aus dem X-Men-Universum
Geschichte hält ganz gut am Pad
gelungener Soundtrack und (teilweise) Stimmen

Contra:
altbackene, triste Grafik
monotones Gameplay
wenige Unterschiede in der Storyline


Offizielle Website:
 @Hero HQ



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