Hallelujah! Selbst die optimistischsten Videospieler hatten damit wohl nicht mehr gerechnet: Gears of War 3 kommt nach Deutschland... ungeschnitten! Eine kleine Sensation? Oder ist Epics Vorzeigetitel mittlerweile zu einem zahmen Kätzchen mutiert? Natürlich haben auch wir uns den vielleicht wichtigsten Titel für Xbox 360 in diesem Jahr nicht entgehen lassen und das Spiel gründlich von allen Seiten beleuchtet. Ob Gears of War 3 den Vorschusslorbeeren wirklich gerecht wird, der Titel das versprochene Grafikbrett wird und warum der Test des Spiels für den Redakteur heikel ist, erfahrt ihr in unserem Testartikel.
Aus dem Redaktionsalltag...
Micha:
OK, Basti! Das Testmuster von Gears of War 3 ist eingetroffen. Du übernimmst den Test.
Basti:
Geht klar, Chef!
Micha:
Und guck, dass du die Story ein wenig deutlich machst. Schließlich ist es der erste Teil von Gears of War, der auch in Deutschland erscheint.
Basti:
Geht klar, Chef!
Micha:
Aber sei vorsichtig. Die ersten beiden Spiele stehen noch immer auf dem Index. Nicht, dass wir den Test am Ende noch deshalb offline nehmen müssen.
Basti:
Geht klar, Chef!
Micha:
Ach ja… und noch was, Basti...
Basti:
Hmmm?
Micha:
Mach’s fertig bis morgen…
Adrenalin, harte Sprüche und fette Wummen: Das ist Gears of War
Meine Wortkargheit lässt vielleicht schon erahnen, dass der Testbericht vom Finale einer Trilogie, deren Vorgänger in unseren Landen nicht erschienen sind, eine echte Herausforderung darstellt. Aber es hätte schlimmer kommen können. Schließlich zeichnet sich die
Gears of War-Reihe nicht unbedingt durch einen besonders komplexen Handlungsstrang aus. Als Leser von GameRadio und interessierte Beobachter der Videospielszene dürftet ihr ohnehin bereits wissen, dass sich die Story um den epischen Kampf zwischen der Menschheit und den widerwärtigen Locust dreht. Wieder einmal kämpfen die letzten Menschen um ihre schiere Existenz. Nur ein Held, ein echter Held, ist in dieser ausweglosen Situation noch in der Lage, uns alle vor dem Untergang zu bewahren.
Wer könnte für diesen Job qualifizierter sein als Marcus Fenix? 110% reine Muskelmasse, wenn nicht mehr... immer einen fiesen Machospruch auf den Lippen und stets bis an die Zähne bewaffnet. Ein echter Kerl eben, der nicht eine Sekunde zögert, wenn es darum geht einem dieser ekligen Locust eine Wagenladung voll Blei zwischen die Augen zu rotzen.
Die Schlacht zwischen den Locust und den Menschen dauert nun schon eine ganze Zeit an. Auch wenn es den Menschen immer wieder gelungen ist, im entscheidenden Moment den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, wird die Bedrohung durch die Aliens immer immenser.
My shining star
Grund dafür sind die Leuchtenden, eine mutierte Abart der Locust. Doch auch wenn die Lage durch den erstarkten Gegner nahezu aussichtslos erscheint, gibt es einen Hoffnungsschimmer am Horizont. Der längst verstorben geglaubte Vater der Hauptfigur meldet sich aus der Gefangenschaft der Locust. Via Funk bekommt Marcus von einer angeblichen Superwaffe Wind, die sein Vater gegen diese Monster entwickelt hat. Blöderweise ist der Aufenthaltsort von Waffe und Vater gänzlich unbekannt. Aber Fenix wäre nicht Fenix, wenn ihn das von einer grandiosen Rettungsmission abhalten würde. Also schnallt sich unser Superheld sein gesamtes Waffenequipment auf den Rücken und zieht abermals in die Schlacht gegen die Locust.
Bigger, better, faster, more
Als das krachende Finale einer Trilogie muss
Gears of War 3 natürlich noch mal eine ganze Schippe drauflegen. Wir wollen mehr Aliens, mehr Gewalt, mehr Blut... ähm... mehr Story! Aber fangen wir doch am besten bei den Basics an. Mittlerweile hat die gute alte Xbox 360 schon fast sechs Jahre auf dem Buckel. Grafische Quantensprünge haben wohl selbst die kühnsten Optimisten nicht mehr erwartet. Doch haben uns nicht auch immer wieder Spiele überrascht, die zum Ende einer Konsolenära noch mal das Letzte aus der Hardware herausgekitzelt haben? Dies trifft in jedem Falle auch auf
Gears of War 3 zu. Die Optik ist dermaßen "epic" und "awesome", dass man gar nicht mehr weiß wohin mit seiner "Mindblowingness". Kurzum:
Gears of War 3 verweist die Genrekonkurrenz auf die Plätze und sorgt mit seiner Bombastgrafik für offene Münder. Erstaunlicherweise geht der hohe Detailgrad der Grafik auch nicht zu Lasten eines flüssigen Bildaufbaus. Marcus Fenix & Co. bewegen sich so geschmeidig durch die Gegend wie eh und je. Keine Frage, mit
Gears of War 3 hat Epic sein technisches Meisterwerk abgeliefert.
Zur Steuerung müssen bei einem
Gears of War 3 nicht viele Worte verloren werden. Obwohl so ziemlich jeder Button der komplexen Steuerung belegt ist, funktioniert die Navigation schon nach kurzer Eingewöhnung wie aus einem Guss. Auch das bei vielen Spielen oftmals unrunde Coversystem lässt sich kaum kritisieren. Ist ja auch kein Wunder, schließlich arbeitet Epic nicht erst seit gestern an Ego-Shootern.
Aber auch abseits der technischen Details bekommen wir von allem noch ein wenig mehr. Das scheint zwar wenig innovativ zu sein, dem Spielspaß tut dies jedoch keinen Abbruch. Schließlich waren schon die ersten Teile... aber lassen wir das! Kinder von Traurigkeit sind die Protagonisten in
Gears of War 3 – wie war es anders zu erwarten – ebenfalls nicht. Neben den vielen markigen Sprüchen, die manchem Spieler möglicherweise etwas zuviel des Guten sein könnten, lassen es die Retter der Menschheit ziemlich krachen. So geht es in Bezug auf den Härtegrad oftmals in Regionen eines hierzulande indizierten Prüglers. In Sachen Waffenauswahl erwartet den Spieler ein solides Arsenal an allen möglichen und unmöglichen Knarren. Die Wahl des Offensiv-Equipments spielt jedoch auch eine taktische Rolle, da die Gegnertypen jeweils andere Schwachstellen besitzen. So kann sich im Zweifelsfall ein Waffenwechsel durchaus lohnen. Lobenswerterweise fühlen sich die unterschiedlichen Waffentypen auch alle anders an. Dies gilt natürlich in besonderem Maße für die Nahkampfwaffen, die nicht selten das richtige Mittel der Wahl sind. Abwechslung schaffen auch die vielen Fahrzeugpassagen, die immmer wieder eingestreut werden. Darunter befinden sich auch einige besondere Highlights, die an dieser Stelle aber noch nicht verraten werden sollten.
Insgesamt dauert die Kampagne an die zehn Stunden Spielzeit, die ihr vorzugsweise im Koop-Modus durchzockt. Neben dem obligatorischen Spiel über Xbox Live dürft ihr bei
Gears of War 3 auch den Splitscreen bemühen.
Die Story selbst – keine Sorge dieser Artikel bleibt natürlich absolut spoilerfrei – bewegt sich für einen Shooter der Marke
Gears of War durchaus auf einem hohen Niveau. Wer eine komplexe Geschichte mit überraschenden Wendungen und tiefgründigen Charakteren erwartet, wird natürlich enttäuscht. Aber der Spieler darf sich über einen würdigen Abschluss der
Gears of War-Trilogie freuen.
Multiplayer unter der Lupe
Wichtiger Bestandteil von
Gears of War 3 ist natürlich auch der Mehrspielerpart. Da wäre zunächst natürlich der Koop-Modus der Kampagne. An einigen Stellen sind Absprachen der Spieler und strikte Zusammenarbeit notwendig. Gerade solche Momente machen einen guten Koop-Titel aus, da es das Team auch als solches erkennen lässt und die extreme Dramatik in denen sich die Charaktere befinden, unterstreicht. Auch die KI lässt euch im Feuergefecht nicht im Stich und hilft euch – wenn ihr mal zu Boden gehen solltet – wieder auf die Beine. Erst wenn wirklich alle Mitstreiter das Zeitliche gesegnet haben, heißt es dann tatsächlich "Game Over". Das reduziert zwar auf den ersten Blick ein wenig den Schwierigkeitsgrad, aber den könnt ihr ja nach Belieben in die Höhe schrauben. Epic hat schon dafür gesorgt, dass auch echte Cracks ihre Herausforderung bekommen.
Aber auch die restlichen Mulitplayer-Varianten können sich sehen lassen. Zwar bietet hier Epic nicht wirklich viel Neues, Spaß machen die verschiedenen Varianten aber trotzdem. Da sollte für so ziemlich jeden Spieler etwas dabei sein. Ein Level-System fehlt ebenso wenig wie das klassische Deathmatch. Insgesamt stehen zehn Karten zur Verfügung, auf denen ihr euch mit andern Spielern messen könnt.
Im Horde-Modus können die Spieler nun auch Kohle verdienen und dieses in neue Ausrüstung investieren. Dazu gehören interessanterweise auch nette Gimmicks wie Selbstschussanlagen und andere störende Hindernisse für die Gegner. Damit erhöht sich der taktische Faktor in
Gears of War 3 nochmals ein wenig. Auch der Gegenpart – der Beastmodus – wurde dezent überarbeitet. In der Rolle der Locust schlachtet ihr so ziemlich alles ab, was sich bewegt. Die besondere Herausforderung ist es dabei mit seinen Ressourcen hauszuhalten, denn jeder Angriff kostet euch eine bestimmt Menge Energie.
Mit den vielen unterschiedlichen Modi für den Multiplayer hat Epic damit wohl gesorgt, dass
Gears of War 3 auch nach dem Abschluss der Kampagne noch für eine ganze Zeit in eurem Laufwerk rotieren dürfte.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:

