Harry Potter macht Schluss. Mit dem zweiten Teil von Harry Potter: Heiligtümer des Todes endet eine echte Ära. Grund genug für Electronic Arts, das Ganze auch noch mal als Videospiel aufzulegen. Doch haben die Entwickler aus dem enttäuschenden Vorgänger gelernt? Immerhin erhielt dieser in »unserem Test damals nur grottige 55 Prozent. Wir haben Harry auf seinem letzten Abenteuer begleitet und wollen Voldemort endlich das Handwerk legen. Wir können euch sagen, ob das Videospiel zum Film noch einmal alles aus der Vorlage herausholt oder doch wieder nur ein billiger Film-Abklatsch geworden ist.
Film hui, Spiel pfui
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 2 hat in den US-Kinos bislang alle Rekorde gebrochen und zählt damit zu den erfolgreichsten Filmen der Welt. Das heißt aber noch lange nicht, dass auch das Videospiel zum Film ein Pflichtkauf ist. Leider zeigt sich auch diesmal wieder der krasse Unterschied zwischen dem genialen Film und dem weniger gelungenen Spiel. Da das Spiel gleichzeitig zum Filmstart veröffentlicht wurde, haben die Entwickler von Electronic Arts wohl wieder Dollarzeichen in den Augen gehabt. Richtige Fans werden erst in den Film gehen und sich danach direkt das Spiel kaufen. Hoffentlich haben das nicht ganz so viele gemacht...
Nach dem stimmigen und musikalisch gewaltigen Intro geht es los. Und die ersten grafischen Eindrücke lassen ein wenig Hoffnung aufkeimen. Doch optisch sahen die Spiele zum Film eigentlich immer gut aus, nur an der Spielbarkeit hat es immer wieder gehapert. Harry, Hermine und Ron sind auf der Suche nach den fehlenden Hokruxe und kehren nach Hogwarts zurück.
Leider haben die Todesser und andere Gestalten aus der Filmvorlage ganz klar etwas dagegen. Ausgerüstet mit Zauberstab und viel Magie nehmt ihr den Kampf mit den unheimlichen Gestalten auf. Schon hier wird schnell klar, dieses Spiel ist eher im Genre der Action-Shooter angesiedelt.
Die Hauptaufgabe besteht darin, eure Gegner mit gezielten Schüssen oder Zauberkräften aus dem Weg zu räumen. Habt ihr das erledigt, gibt es immer wieder kleine Zwischensequenzen. An manchen Stellen müsst ihr eure Schnelligkeit beweisen und vor herabstürzenden Bücherregalen oder Feuer flüchten. Aber auch dabei dürft ihr euch mit dem Zauberstab wehren. Hier wird die Steuerung schnell hakelig und die ersten echten Frustmomente kommen auf. Nach ein paar Versuchen klappt es aber dann doch noch.
In
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 2 habt ihr nicht nur die Kontrolle über Harry Potter, sondern könnt insgesamt acht Charaktere wie Professor Gonagall, Ginny oder Neville steuern. Das sorgt für ein wenig Abwechslung, bringt aber trotzdem nicht mehr Spieltiefe.
Kurze Spieldauer für viel Geld
Der Spielablauf von
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 2 wird leider schnell öde. Immer wieder geht es nur darum, eure insgesamt acht Zauberkräfte erfolgreich gegen eure Gegner einzusetzen. Viel verkehrt machen könnt ihr dabei eigentlich nicht, in unserem Test haben wir das Spiel nach knappen vier Stunden durchgespielt und hatten dabei nicht einmal ein echtes Problem. Doch ein Spiel für knapp 60 Euro sollte schon ein wenig mehr Umfang bieten. Zwar dürft ihr euch nach dem Story-Modus auch noch mit dem Herausforderungs-Modus auseinandersetzen, doch auch dieser hat keinen hohen Wiederspielwert.
Hier spielt ihr die absolvierten Storys noch einmal auf Zeit und könnt euch danach in Bestenlisten eintragen. Außerdem dürft ihr noch nach einigen versteckten Extras wie Musikstücken oder Charakteren Ausschau halten. So dürft ihr euch diese dann von allen Seiten anschauen und erhaltet ein paar Informationen zu den Darstellern – nicht wirklich spannend.
Am Ende des Spiels haben sich die Entwickler von Electronic Arts aber doch noch etwas Nettes einfallen lassen. Hier seht ihr noch mal alle Harry Potter Spiele in kleinen Ausschnitten und erlebt noch mal den virtuellen Weg von damals bis heute. Auch wenn Harry, Ron und Hermine ihre bekannten Synchronstimmen erhalten haben, fehlen diese bei anderen Charakteren. Hier waren andere deutsche Sprecher am Werk, wobei die Atmosphäre des Spiels deutlich sinkt. Die Sounduntermalung ist dagegen gelungen und passt sich der Filmvorlage an.
Keine wirklichen Herausforderungen
Grafisch ist
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 2 ein zweischneidiges Schwert. Mal sieht es richtig gut aus, an manchen Stellen aber auch wieder mächtig schlecht. Besonders ärgerlich sind vereinzelte Pop-Ups oder die trägen Bewegungen der Charaktere. Auch wenn ihr die richtigen Buttons drückt, will euer virtueller Kollege nicht so wie ihr. Das kratzt an den Nerven und sorgt so für schlechte Laune in der Harry Potter Fangemeinde.
Auch bei den vereinzelten Endboss-Kämpfen kommt keine wirkliche Spannung auf. Der Endkampf mit Lord Voldemort ist ein Kinderspiel und hätte ruhig ein wenig schwerer ausfallen dürfen, auch wenn ihr den nasenlosen Typen dreimal besiegen müsst. Auf kleinere Rätseleinlagen müsst ihr ebenfalls komplett verzichten.
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 2 spielt sich wie an einer Linie gezogen. Und selbst ein höherer Schwierigkeitsgrad bringt euch nicht dazu, das Spiel noch einmal in die Konsole zu legen. Ein Xbox Live Modus bzw. Koop Modus ist gar nicht im Spiel vorhanden, obwohl er doch so gut gepasst hätte. So bleibt das letzte Harry Potter Abenteuer im Kino ein Highlight und auf der Konsole wieder nur ein Schauermärchen.
Schade, die Ansätze bei Grafik und Sound waren gegeben, der Rest wurde leider wieder lieblos umgesetzt. Echte Fans sollten lieber zweimal ins Kino gehen und sich das Geld für die Konsolenversion sparen.