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DUNGEON SIEGE 3
 Test von Tobias Hamers (27.06.2011) Artikel-Feed (RSS) abonnieren
Genre:Rollenspiel Publisher:Obsidian
Termin:17. Juni 2011 Entwickler:Square Enix

Die ersten Eindrücke beim Antesten dieses Rollenspiels muten schon eigenartig an. Erstens: Dungeon Siege 3 wurde, obwohl die beiden Vorgänger exklusiv für den PC erschienen sind, nicht für den heimischen Rechner, sondern für die Spielekonsolen PS3 und Xbox 360 optimiert. Zweitens: Ein wohliges Diablo-Feeling, mit ausladenden Mausklick–Orgien kommt bei Obsidians Neustem Werk nicht auf, wenngleich Fans des Genres durchaus einen Blick riskieren und die Wartezeit bis zum Erscheinen von Blizzards potentiellen Wunderwerk im vierten Quartal diesen Jahres überbrücken können. Auch wenn Dungeon Siege 3 seine Ecken und Kanten hat, sollen die Stärken letztlich doch überzeugen.


Aufstieg und Fall der Zehnten Legion

Vor mehr als 400 Jahren einten die Krieger der zehnten Legion das Königreich Ehb und sorgten seitdem für Ruhe und Ordnung. Im Jahre 1264 jedoch endet das Zeitalter des Wohlstands mit dem Tod von König Hendrick. Die Umstände seines Ablebens sind nebulös und unklar. Fakt ist jedoch, dass die Untertanen, angestachelt von einer magisch begabten und von Hass zerfressenen Rebellin namens Jeyne Kassynder, die Jagd auf die Anhänger der Legion eröffnet haben. Grund für den aufkeimenden Unmut der Bevölkerung sind Gerüchte über den Verrat der Legion. Sie sollen neben allerlei Gräueltaten auch den Tod am König zu verantworten haben. Infolgedessen zerbricht die öffentliche Ordnung der vereinigten Königreiche. Brandschatzung und Schlimmeres stehen auf der Tagesordnung. Als letztes Bollwerk der Vernunft stellt sich der vertriebene Legionsanhänger Odo gegen die Rebellenarmee und versucht, das Königreich erneut zu einen. Selbstredend hat eine Person allein nur wenig Chancen auf Erfolg. Genau an dieser Stelle springt der Spieler in Dungeon Siege 3 als einer der wenigen direkten Nachfahren der 10. Legion in die Bresche.


Zum Helden geboren

Bevor es jedoch daran gehen kann, Recht und Ordnung wiederherzustellen, gilt es in Dungeon Siege 3 einen Helden auszusuchen. Zur Auswahl stehen vier Charaktere, die sich allesamt grundverschieden spielen. Schwertkämpfer Lucas beispielsweise teilt mit seinem Breitschwert vornehmlich im Nahkampf aus und kann erstaunlich viele Hiebe einstecken. Dadurch eignet er sich hervorragend, um anstürmende Gegner an sich zu binden, während weniger robuste Helden wie Katarina mehr oder weniger unbehelligt ihrer Messerarbeit frönen können. Die auf Fernkampf spezialisierte Schönheit geht zwar schon nach wenigen Treffern zu Boden, kann aber im Gegensatz zu Lucas schnell Boden wettmachen und so feindlichen Angriffen entkommen. Zudem ist der von ihr ausgeteilte Schaden um ein Vielfaches höher. Selbst schwer gepanzerte Gegner begutachten nach einem konzentrierten Angriff ihrerseits schnell die Radieschen von unten. Auch Magier Reinhart kann auf Entfernung effektiv vorgehen. Mit seinen starken Zaubersprüchen pulverisiert er schwächere Feinde, bevor sie die Gelegenheit bekommen, einen Treffer zu landen. Die letzte im Bunde ist Feuergeist Anjali, die, wer hätte es gedacht, ihrem Element alle Ehre macht.


Teamarbeit

Habt ihr eure Wahl getroffen, geht es zunächst alleine, später im Duo auf Reisen. Während ihr die Kontrolle über euren Avatar erhaltet, übernimmt die gelungene KI den Part des Begleiters. Schnell wird klar, Teamwork ist hier der Schlüssel zum Sieg. Wer kopflos drauf los stürmt und sich nicht um die Geschicke des Partners kümmert, wird in Dungeon Siege 3 schon nach kurzer Zeit ins Gras beißen. Wer nun befürchtet, als Babysitter über seinen KI Kollegen wachen zu müssen, kann beruhigt werden. Obwohl ihr keinerlei Befehle geben dürft, macht der Begleiter einen durchweg soliden Job. In Arealen, in denen nicht gekämpft wird, habt ihr zudem die Möglichkeit, euren Partner auszutauschen. Weiterhin müsst ihr neben eurer Ausrüstung auch die eures Begleiters festlegen. Gleiches gilt für den Talentbaum, in dem ihr bei jedem Stufenaufstieg Punkte in Spezialfertigkeiten investieren könnt. Durch die dadurch gebotene taktische Vielfalt lassen die anspruchsvollen Gefechten kaum Langeweile aufkommen – ganz im Gegensatz zu den ersten beiden Teilen der Dungeon Siege Serie, deren Kämpfe eher an eine interaktive Grafikdemo erinnerten.


Gehobenes Mittelmaß

Weniger erfreulich als die Kämpfe erweist sich die Geschichte hinter der Hatz nach Oberbösewichtin Jayne Kassynder. Zwar bieten die Geschehnisse durchaus fruchtbaren Boden für eine mitreißende Story, werden aber durch einen präsentationstechnischen Super-GAU zur Mittelmäßigkeit verdammt. Grund dafür sind die statischen Zwischensequenzen, mit denen die Handlung in zugegebenermaßen gut vertonten Dialogen vorangetrieben wird. Passende Kamerafahrten oder ausdrucksstarkes Mienenspiel sucht ihr jedoch vergebens. Wiederum positiv: In den Dialogen habt ihr weitgehend die Möglichkeit, den Storyverlauf zu bestimmen. Stellt ihr euch beispielsweise gut mit den Bewohner der Stadt Stonebridge, könnt ihr im Folgenden mit ihrer Unterstützung rechnen. Auch wenn sich dadurch das Ende nicht verändert, laden die verschiedenen Handlungsmöglichkeiten zum mehrmaligen Durchspielen ein – zumal der Handlungsverlauf zusätzlich durch den von euch gewählten Helden beeinflusst wird. Getrost vergessen hingegen können die Geschehnisse abseits der Hauptstory. Zwar werden diese ansprechend in Szene gesetzt, sie nerven aber auf Dauer mit unverschämt langen Laufwegen, die sich gut und gern einmal bis zu 15 Minuten hinziehen können.


Kooperatives Kloppen

Die mittelmäßige Story wird in den actiongeladenen Kämpfen schnell vergessen. Herzstück und größte Stärke von Dungeon Siege 3 ist ohnehin der Multiplayermodus. Mit bis zu drei Freunden könnt ihr das Spiel im Koop Modus zusammen erleben. Das geschieht vornehmlich via Internet. Sollte der Internetanschluss einmal nicht verfügbar sein, könnt ihr dennoch immerhin zu zweit an einer Konsole bzw. an einem PC spielen, und das sogar ohne Splitscreen. Verständlicherweise können sich die Helden dabei jedoch nicht beliebig weit voneinander entfernen. Mehr Freiheiten habt ihr hingegen beim Ein- und Ausstieg ins Spiel. Per Knopfdruck übernimmt der zweite Spieler die Rolle des KI Begleiters. Aus Balancing Gründen dürfen Helden nicht doppelt besetzt werden. Das würde in taktischer Hinsicht ohnehin wenig Sinn ergeben.


Konsolenspieler im Vorteil

Nicht nur spielerisch hat Obsidians neustes Werk einiges zu bieten. Die musikalische Untermalung ist sehr gelungen, auch wenn die Soundeffekte etwas mehr Biss vertragen könnten. Optisch wird Dungeon Siege 3 niemanden aus den Socken hauen. Zu wenig Details und streckenweise matschige Texturen werden den Konsolenbesitzer weniger verschrecken. PC-Spieler sind da jedoch besseres gewohnt. Überzeugen hingegen können die Kampfeffekte, die einen durchweg soliden Eindruck hinterlassen. Weiterhin merkt man vor allem in Sachen Steuerung, dass das Spiel für die Konsole und nicht für den heimischen Rechner konzipiert worden ist. Mit Maus und Tastatur lässt es sich nur schlecht Monster verkloppen. Mit einem Gamepad ist man also weit besser beraten.

Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:






Das was uns Obsidian hier vorgesetzt hat, kann man nur schwerlich als Dungeon Siege bezeichnen. Das ist nicht abwertend, sondern vielmehr als Kompliment gemeint. Nach einem durchwachsenen zweiten Teil hat man erfolgreich die Kurve bekommen und etwas Neues erschaffen, was durchaus Potential für einen vierten Teil bietet. Zugegeben, die Geschichte um die Hatz nach Jayne Kassynder ist nicht gerade ein Ausbund an Kreativität und die langen Laufwege sind teils unzumutbar. Das Kampfsystem, also das Herzstück der Spiels, kann dafür um so mehr überzeugen. Letztendlich ist es jedoch der Multiplayermodus, der mich eine klare Kaufempfehlung aussprechen lässt.
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Pro:
ordentlich vertonte Dialoge
mitreißendes Kampfsystem
großer Umfang

Contra:
Grafik veraltet
sehr lange Laufwege
Story wird lieblos präsentiert


Offizielle Website:
 Dungeon Siege 3



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