Der auf dem PC gestartete Militär-Taktiksimulator Operation Flashpoint geht in die nächste Runde - und wie schon bei »Operation Flashpoint: Dragon Rising mussten einige Zugeständnisse an die Konsolenzocker und die Zugänglichkeit gemacht werden. Ob das dem Spielgeschehen gut tut? Wir haben uns in die Schlacht geworfen...
Semper Fi, Marine.
Im neuesten Teil der
Operation Flashpoint-Reihe verschlägt es euch im Jahr 2013 nach Tadschikistan. In der Region zwischen Afghanistan und China geratet ihr in einen neuen Konfliktherd: Euer US-Marine-Corps greift direkt in die Auseinandersetzungen zwischen der chinesischen Volksbefreiungsarmee und aufständischen Guerillas ein. Als Einstieg gibt es ein Filmchen, welches den Bogen spannt von Ronald Reagon über Osama Bin Laden, Saddam Hussein und George Bush hin zu 9/11 und eben zum jetzigen Konflikt in der Region. Da dies aus Sicht der US-Marines erzählt wird, wird natürlich mit Hurra-Patriotismus nicht gespart. Und, damit da keine Illusionen aufkommen: Trotz aller Versprechungen wird das im Spielverlauf nicht weniger.
Die Kampagne von
Operation Flashpoint: Red River könnt ihr mit einer Klasse eurer Wahl angehen. Am ausgewogensten ist sicherlich der Gewehrschütze, ihr könnt euch aber natürlich auch als Kundschafter samt Scharfschützengewehr, Granatwerferschütze oder MG-Schütze in die Schlacht stürzen. Auf die Weise sollt ihr den Kriegseinsatz aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten können, großer Wiederspielwert inklusive. Das stimmt allerdings nur begrenzt: Zwar unterscheiden sich die Klassen aufgrund ihrer Bewaffnung sehr wesentlich, an eurem grundsätzlichen Vorgehen wird sich aber kaum etwas ändern. Dafür mangelt es an spielerischer Freiheit (worauf wir später noch zu sprechen kommen). Mit in den Kämpfen gewonnenen Erfahrungspunkte steigt eure verwendete Klasse im Rang auf und kann fortan über mehr Ausrüstung verfügen. Euer Marine kann nämlich zwei Waffen mit sich tragen, zwei Ausrüstungsgegenstände und zwei Perks einsetzen. Das System ist sicherlich nicht so ausgefeilt wie es etwa bei einem
»Call of Duty: Black Ops der Fall ist, reicht aber aus, um euch gut zu individualisieren. Gerade, wenn es in den Häuserkampf geht, ist eine Pistole oder Pumpgun als Zweitwaffe einem weiteren Sturmgewehr definitiv vorzuziehen. Aber auch die Ausrüstung kann entscheidend sein: Fernglas... oder doch lieber eine Granate? Ihr habt die Wahl. Auch bei den Perks, welche euch etwa schnelleres oder längeres Sprinten gestatten oder es ermöglichen, schneller verwundete Teamkameraden zu verarzten.
Volle Befehlsgewalt
Euch erwarten im Spielverlauf sehr unterschiedliche Aufgabenstellungen: Mal sollt ihr ein Gebiet von Feinden säubern, mal einen Konvoi beschützen und mal eine Stellung verteidigen. Im späteren Verlauf von
Operation Flashpoint: Red River werden diese Missionen immer größer. So wird in einer Mission, nachdem ihr durch Zurückhalten der Angreifer einem Sanitätstrupp die Bergung von Verwundeten ermöglicht habt, euer Abholhubschrauber abgeschossen und ihr müsst improvisieren. Schade nur: Wirkliche Freiheit wird euch dabei nicht gelassen. Es ist vom Spiel klar vorgegeben, was wann passieren soll. In diesem speziellen Fall müsst ihr also einem Trupp Deckung geben, während diese Humvees reparieren, damit ihr damit verschwinden könnt. Wir hätten lieber selbst entschieden, wie es weitergeht - ein Marine sollte nichts gegen einen kleinen Fußmarsch einzuwenden haben! Ansonsten dürft ihr euren Trupp aber natürlich frei kommandieren. Dazu dient das bereits aus dem Vorgänger bekannte Befehlsmenü, welches allerdings stark entschlackt und vereinfacht worden ist. Dennoch: Es braucht eine Weile, bis ihr die zur Verfügung stehenden Optionen aus dem Gedächtnis abrufen könnt, ohne erst schauen zu müssen, wo sie stehen. Dann jedoch funktioniert die Steuerung eures Trupps intuitiv. Ob ihr ein Gebäude stürmen lassen wollt, eine Position verteidigt werden soll oder ihr einfach nur wollt, dass euch die Jungs folgen, ihr könnt schnell Befehle erteilen. Sowohl dem ganzen Trupp als auch einzelnen Mitgliedern.
Hier ist aber auch der Haken an dem System: Wenn ihr eine komplexere Taktik nutzen wollt, stoßt ihr schnell an eure Grenzen. Scharfschütze in die obere Etage eines Gebäudes, den MG-Schützen nach unten... das ist eine Menge Lauferei und Rumkommandiererei. Wenn ihr dann noch schnell umdisponieren müsst, seid ihr mehr mit Koordination eures Trupps als mit dem Kampf beschäftigt.
Wer die Kampagne hinter sich hat, kann sich an den Truppgefechten von
Operation Flashpoint: Red River versuchen. Leider gibt es pro Modi nur zwei Karten - ein bisschen wenig, um länger bei Laune zu halten. Zur Auswahl stehen "Letztes Gefecht" (ihr verteidigt eine Stellung gegen einen angreifenden Feind), "SAR" (ihr befreit Gefangene aus der Gewalt der Gegner), "Rollender Donner" (ihr beschützt einen Konvoi) und "Gefechtsserie" (hier müsst ihr gegnerische Trupps angreifen und deren Waffenlager vernichten). Damit orientieren sich diese Mini-Missionen stark an den Aufgaben der Kampagne, nur dass ihr hier auf Punkte spielt. So bringen gefallene Kameraden Minuspunkte, getötete Feinde und erfüllte Missionsziele hingegen Bonuspunkte. In einer Bestenliste könnt ihr dann später sehen, wie ihr im Vergleich zu anderen Zockern abgeschnitten habt.
Euch stehen drei Schwierigskeitsgrade zur Auswahl: Normal, Erfahren und Hardcore. Im ersten Moment mag man sich fragen, warum - immerhin ist
Operation Flashpoint: Red River serientypisch auch auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad so gemacht, dass ein eingesteckter Treffer tödlich sein kann. Die Unterschiede liegen in der Unterstützung und den Hilfen, die ihr im Spiel erhaltet: Auf der niedrigsten Stufe verfügt über eine Zielhilfe, einen ständig eingeblendeten Kompass, Markierungen innerhalb der Spielwelt um euer nächstes Ziel anzuzeigen und einiges mehr. In den Einstellungen könnt ihr aber auch festlegen, was ihr davon nutzen wollt. Spielt ihr aber auf Hardcore, steht euch nichts davon zur Verfügung. Aber auch wenn ihr nicht gleich in die Vollen geht: Der Schwierigkeitsgrad ist definitiv nicht ohne und zieht im Verlauf der Kampagne ordentlich an.
Wandelnde Zielscheiben
Sowohl die Kampagne als auch die Truppgefechte könnt ihr nicht nur alleine spielen, sondern mit bis zu drei Freunden per Xbox Live oder System Link zusammen einen Squad bilden. Müsst ihr aber natürlich nicht, dann wird der Rest eures Trupps von KI-Gesellen übernommen. Diese verrichten ihren Job bestenfalls brauchbar, zumal das kooperative Gameplay mit menschlichen Mitspielern die größte Stärke von
Operation Flashpoint: Red River darstellt. Innerhalb des Squads lassen sich Taktiken so wesentlich schneller absprechen als mit dem Ringmenü. Aber gerade in der Kampagne seid ihr öfter auch auf die Intelligenz anderer Squads angewiesen, nämlich den anderen beteiligten Truppen, über die ihr keine Befehsgewalt habt. Und wenn die sich mitten auf dem Weg positionieren, um auch ja jede Kugel der feindlichen Verbände abzukriegen, dann sorgt das für Frust. Besonders dann, wenn ihr für ihren Schutz verantwortlich seid und die Mission mit deren Ableben gescheitert ist.
In
Operation Flashpoint: Red River kommt wie auch im Vorgänger - und diversen anderen Codemasters-Spielen - die EGO-Engine zum Einsatz. Und der merkt man ihr Alter mittlerweile doch ein wenig an, auch wenn sie manche sehr atmosphärische Szene auf den Bildschirm zaubert. Effekthascherei gibt es selten, das Spiel konzentriert sich klar auf eine realistische Darstellung des Geschehens. Matschige Texturen sind jedoch keine Seltenheit, sondern eher die Regel. Dafür läuft die Action stets flüssig und größere Einbrüche der Framerate gibt es keine zu vermelden. Schade ist sicherlich, dass die von den Entwicklern versprochene "Präsentation im Doku-Stil" sich darauf beschränkt, ähnlich wie in
»Kane & Lynch 2: Dog Days Kompressionsartefakte als Stilmittel einzustreuen, etwa wenn ihr getroffen werdet. Wir hatten uns da eher eine Präsentation in Richtung des
Starship Troopers-Filmes versprochen.
Zumindest Staff Seargent Damien Knox versucht ein wenig, mit seinen zynischen Sprüchen diesem Anspruch gerecht zu werden. Sämtliche Aussprüche sind allerdings so sehr auf cool getrimmt, dass sie mitunter einfach nur nerven. Ja, er ist ein ganz harter Kerl und alle anderen sind Mädchen, ist klar. Tausendfachst in Kriegsfilmen und -spielen gehört und wirkt einfach nur aufgesetzt. Lobenswert muss man aber erwähnen, dass
Operation Flashpoint: Red River mit einer deutschsprachigen Synchronisation daherkommt. Und die ist sogar nichtmal schlecht ausgefallen! Warum einige Videos allerdings nicht eingedeutscht wurden, bleibt offen. So ist das Intro wie auch die Einsatzbesprechungen komplett in englischer Sprache gehalten.
Ansonsten ist das Sounddesign erfreulich gut ausgefallen. Die Waffen klingen glaubwürdig, Explosionen krachen. So muss das sein. Und sogar Musik gibt es auf dem Schlachtfeld - allerdings nur, wenn ihr mal wieder mit einem Fahrzeug von A nach B gekarrt werdet. Dabei sind vor allem rockigere Klänge angesagt, von Bands wie Disturbed, Drowning Pool, Bullet For My Valentine, Pantera und Megadeth.