Nach »Dynasty Warriors 6: Empires aus dem Jahre 2009 ist Warriors: Legends of Troy Koeis jüngster Versuch, das Genre des Massenprüglers an den Mann zu bringen. Dabei bedient man sich diesmal nicht der Geschichten des alten Chinas, sondern der griechischen Mythologie und insbesondere des trojanischen Kriegs. Wie gut der Wechsel des Settings letztendlich gelungen ist, erfahrt ihr in unserem Test.
Weniger ist oft mehr
Mit
Warriors: Legends of Troy ist es es Koei hervorragend gelungen, die bekannten Sagen nahtlos mit eigenen Vorstellungen zu verknüpfen. Weniger erfolgreich war man hingegen mit dem eigentlichen Erzählen der Handlung. Statt sich auf einen Teil oder eine Facette des Krieges zu beschränken, versuchte man, den kompletten Zeitraum von etwa zehn Jahren in acht bis zehn Spielstunden zu quetschen. Die Folgen sind an allen Ecken und Kanten spürbar: Während den teilweise sehr langen und von Wandmalereien beglittenen Erzählungen fühlt man sich schon beinahe in den Geschichtsunterricht versetzt. Von der schieren Anzahl an Namen, mit denen das Spiel um sich wirft, sieht man sich, als mit der Materie nicht sonderlich Vertrauter, schnell überfordert. Wenigstens kann man den Entwicklern zugute halten, dass sie sich mit der griechischen Antike für ein noch relativ unterrepräsentiertes Szenario entschieden haben. Von der Spielmechanik kann man das allerdings nicht behaupten.
Beat'em Up für Anfänger
In insgesamt 21 Missionen kämpft ihr in
Warriors: Legends of Troy sowohl für die trojanische als auch griechische Seite des Krieges und schlüpft dabei in die Haut acht verschiedener legendärer Helden, wie beispielsweise Achilles, Hektor und Odysseus. Die Charaktere unterscheiden sich dabei spielerisch natürlich in ihren Waffen und Angriffskombinationen - mal mehr und mal weniger. Als mit Schwert und Schild bewaffnete Anführer verfügen Achilles und Hektor z.B. größtenteils über die gleichen Attacken. Dennoch spielen sich die beiden recht verschieden im Vergleich zu Odysseus und Paris, die mit Wurfmessern bzw. Pfeil und Bogen ausgerüstet sind und durch Fernkampfattacken etwas Abwechslung ins Spiel bringen.
Abwechslung sucht man an anderen Stellen aber leider vergebens, und hier steckt auch schon der größte Kritikpunkt an
Warriors: Legends of Troy. Denn ganz egal, mit welchen antiken Helden ihr unterwegs seid, eure eigentliche Aufgabe beschränkt sich letztendlich schlichtweg auf das Zertrümmern der Aktionstasten. In jeder Mission konfrontiert euch das Spiel mit Wellen von Gegnerhorden, die es zu verhauen gilt.
"Nach allen Regeln der Kunst" möchte man hier einfügen, doch das ist leider nicht der Fall. Das Kampfsystem lässt sowohl den strategischen Tiefgang eines
»Demon's Souls als auch die Komplexität eines
»Bayonettas arg vermissen. Im Grunde verfügt ihr über drei verschiedene Angriffe: eine schwache Attacke, die mehrere Gegner gleichzeitig erwischt, eine stärkere, aber nur gegen einen Feind gerichtete, und einen Schildschlag, mit dem sich euer Gegenüber für kurze Zeit betäuben lässt. Diese drei Angriffsarten können durch Kombination miteinander vermischt werden, wobei sich die Zahl der Möglichkeiten aber stark beschränkt. Viermal X, gefolgt von einmal Y gehört mit zu dem Kompliziertesten, was man bei
Warriors: Legends of Troy erwarten darf.
Been there, done that
In den meisten Fällen ist es allerdings nicht mal vonnöten, sich auf mehr als eine Taste zu konzentrieren, zumindest nicht gegen Standardgegner. Etwas interessanter wird
Warriors: Legends of Troy, wenn es euch mit Offizieren konfrontiert, die in vielen unterschiedlichen Varianten daherkommen. So gibt es beispielsweise turmhohe Muskelprotze, die sich hinter einem riesigen Schild verstecken und nicht so einfach von den Füßen zu holen sind. Oder aber rollenschlagende und mit zwei Schwertern bewaffnete Schurken, die einen wahren Kombosturm auf euch einhageln lassen können. In diesen Fällen gilt es, das Angriffsverhalten eurer Feinde zu beobachten, und im richtigen Moment zuzuschlagen. Ähnlich spielen sich auch die Zweikämpfe mit kleineren Zwischenbossen, die anfangs recht beeindruckend sind, sich nach einiger Zeit aber häufig wiederholen und somit euer Interesse verlieren. Die richtigen Bossbegegnungen sind hingegen Highlights. Jeder der Kämpfe, sei es gegen eine wandelnde Statue oder einen keulenschwingenden Zyklopen, ist einzigartig in Szene gesetzt und leidet lediglich unter übertrieben langen Quicktime-Events.
Abseits der Endgegnerkämpfe zieht sich die Problematik der repetitiven Spielmechanik jedoch durch nahezu alle Aspekte in
Warriors: Legends of Troy. Zwar gibt es stellenweise unterschiedliche Primär- und Sekundäraufgaben zu bewältigen, wie etwa das Beschützen eines Rammbocks oder die Befreiung von Kameraden, doch diese tragen nur den Deckmantel der Variation und laufen im Prinzip immer auf ein und dasselbe hinaus: Buttonmashing bis der Arzt kommt. Auch die freischaltbaren Wettkampfmodi, in denen ihr eine Reihe von Zwischenbossen besiegen bzw. eine möglichst große Folge von Treffern aufbauen oder einfach so lange wie möglich überleben müsst, sorgen zwar für zusätzliche Spielzeit, nicht aber für ein reicheres Spielerlebnis.
Ein Sahnehäubchen ohne Torte
Was dem Gameplay von
Warriors: Legends of Troy aber dennoch einen gewissen Reiz verleiht, ist der nicht zu unterschätzende Schwierigkeitsgrad des Titels. Das Vermöbeln der gewöhnlichen Fußsoldaten, mit denen ihr es zu tun bekommt, ist zwar keine große Herausforderung, doch die bereits erwähnten Offiziere können euch schon das ein oder andere "Game Over" auf den Bildschirm zaubern. Einer der Hauptgründe hierfür ist vor allem die schwache KI eurer Kollegen, die im besten Fall den Kopf bei mächtigeren Attacken hinhalten, aber nur selten selbst zur Tat schreiten und euch dementsprechend oftmals alleine dastehen lassen. Glücklicherweise habt ihr die Möglichkeit, in eine Bullet-Time-artige Raserei zu verfallen, in der sich eure Gegner deutlich langsamer bewegen, als ihr selbst. Dadurch sinkt die Schwierigkeit vieler Begegnungen teilweise enorm. Um euren Rasereimeter nach Benutzung wieder aufzufüllen, müsst ihr nichts weiter tun, als euch fröhlich am Gemetzel der Griechen und Trojaner zu beteiligen, wodurch sich im Übrigen auch eure Lebensenergie wieder auffrischt.
Und als wäre das nicht genug, werdet ihr für die aktive Teilnahme an der Front sogar mit Kleos belohnt – der hauseigenen Währung in
Warriors: Legends of Troy. Diese dürft ihr zwischen Missionen für Schmuckstücke ausgeben, die unter anderem bestimmte Angriffstypen verstärken oder eure maximalen Lebenspunkte erhöhen. Selbstverständlich habt ihr für all die Klunker nur begrenzten Stauraum, weswegen ihr die Ringe und Juwelen in eurem Inventar sorgfältig anordnen müsst. Je mehr ihr im Spiel erreicht, umso mehr Schmuckstücke werden im Shop für euch freigeschaltet, und nach einiger Zeit müsst ihr euch wirklich gut überlegen, mit welchen Gegenständen ihr euch zu einem bestimmten Zeitpunkt ausrüsten wollt. Dieses kleine RPG-Element bringt etwas frischen Wind in das Spiel und gehört mit den Bosskämpfen definitiv zu den Höhepunkten in
Warriors: Legends of Troy. Doch unglücklicherweise fehlt es dem Grundgerüst der Spielmechanik einfach an Tiefgang und Abwechslung, sodass die Ergötzung an jenen netten Zierden nicht viel mehr bewirkt, als der berüchtigte Tropfen auf dem heißen Stein.
Töten mit Stil
Vom technischen Standpunkt aus gesehen ist
Warriors: Legends of Troy hingegen etwas beeindruckender, zumindest in den vorberechneten Zwischensequenzen. Während des Spielgeschehens werden die eigentlich äußerst schön gestalteten Landschaften jedoch von flackernden Schatten und teilweise kaum geglätteten Kanten geplagt. Erstaunlich gut gelungen sind allerdings die Animationen. Vor allem die zahlreichen Finishing-Moves sind schön brutal und zugleich glaubhaft in Szene gesetzt. Dabei hält sich das Vergießen von Blut in Grenzen. Lediglich im Zeitlupenmodus spritzt der Lebenssaft etwas heftiger. Extremen Gewaltdarstellungen, wie etwa abgetrennten Gliedmaßen, bedient sich der Titel ganz und gar nicht.
Dennoch wird das Flair des Krieges und der Antike recht gut eingefangen. Einen nicht unerheblichen Teil trägt dazu die hervorragende Sprachausgabe bei. Etwas störend ist bei all den talentierten Sprechern lediglich die scheinbare Verwendung nicht ganz erstklassiger Mikrophone. Doch die suboptimale Produktionsqualität wird meist nur in Zwischensequenzen deutlich, in denen es mal etwas lauter zur Sache geht. Nicht ganz so herausstechend wie die Vertonung der Charaktere ist die Musikuntermalung, die zwar ihren Job erledigt, euch nach dem Spiel aber nicht mehr im Ohr liegt. Auch die Soundeffekte von Waffen und Rüstungen gewinnen sicherlich keinen Blumentopf, sind aber glaubwürdig genug, um den Massenschlachten eine gewisse akustische Präsenz zu verleihen.