Hoch gelobt und trotzdem ein kommerzieller Flop. So erging es 2003 dem Spiel »Beyond Good & Evil. Trotzdem bildete sich eine eingeschworene Fangemeinde, die nun sehnsüchtig auf den zweiten Teil wartet. Um die Fans bei Laune zu halten und neue Annhänger dazu zu gewinnen veröffentlicht Ubisoft nun ein HD Remake von Beyond Good & Evil auf dem Xbox Live Marktplatz und im PSN Network. Ob das Spiel gut gealtert ist, erfahrt ihr in unserem Testbericht.
Viva la Revolution!
Ich gebe zu, auch ich habe
Beyond Good & Evil, trotz guter Kritiken, damals links liegen lassen. Ein Fehler, wie ich jetzt feststellen musste. Schon der Spielstart beginnt fulminant mit einem Bossfight. Der Planet Hillys wird seit geraumer Zeit von der Alienrasse der Domz heimgesucht. Und die haben alles andere als gute Absichten im Sinn. Bewohner des friedlichen Planets werden ohne Vorwarnung angegriffen und der einzige Schutz vor den Invasoren scheint die sogenannte Alpha Abteilung zu sein. Nachdem Heldin Jade ihren Leuchtturm von Dom Angreifern gereinigt hat, um ihre Freunde zu schützen, erscheint die Alpha Abteilung, um sich die Loorbeeren für ihren Sieg abzuholen. Die Presse spielt brav mit und schon bald fragt sich nicht nur der Spieler, ob da auch wirklich alles mit rechten Dingen zugeht.
Nach Prüfung ihrer Fähigkeiten wird Jade von der Untergrundorgansiation Iris rekrutiert, um die wahren Absichten der Alpha Abteilung aufzudecken. Investegativer Enthüllungsjournalismus ist also angesagt, um die Bevölkerung gegen die zwiellichtige Alpha Abteilung aufzuwiegeln und die Revolution zu starten. Mit Sidekick Pey'j (ein Schwein mit Kultcharakter) und eurem wichtigsten Gadget, der Kamera, zieht ihr los in ein fantasievolles Abenteuer, dass es in sich hat. An der Story hat sich im Vergleich zu 2003 also nichts verändert. Wie es bei HD Remakes eben so ist, sind die Änderungen rein optischer Natur, in Form einer höheren Auflösung. Immerhin wurde auch der grandiose Spielesoundtrack neu abgemischt.
Genrepotpourri Beyond Good & Evil HD
Die kleine, aber liebevoll designte, Oberwelt von
Beyond Good & Evil HD bereist ihr mit einem Hovercraft (später im Spiel dürft ihr sogar den Weltraum erkunden). Da die Welt hauptsächlich aus Inseln besteht, könnt ihr so nahezu jeden Ort erreichen. Entdeckernaturen haben abseits der straff erzählten Storyline einiges zu tun. In kurzweiligen Hovercraftrennen, die von psychodelischer Rockmusik untermalt werden, könnt ihr beispielsweise einiges an Geld und Perlen verdienen. Geld dient standesgemäß als Zahlungsmittel um Nahrung zu kaufen oder eure Gesundheit durch Powerups dauerhaft zu erhöhen. Perlen wiederum braucht ihr um euer Hovercraft zu upgraden. So rüstet ihr euer Gefährt nach und nach mit Sprungdüsen oder Raketen auf, was auch zwingend notwendig ist, um in der Story voranzukommen. Gewisse Punkte von Hillys könnt ihr nämlich erst mit diversen Upgrades erreichen.
Abseits der Rennen wartet
Beyond Good & Evil HD mit einer bunten Mischung aus Minispielen auf. Hütchenspiele, eine Abwandlung von Airhockey, Verfolgungsjagden mit dem Hovercraft und und und - da ist bestimmt für jeden etwas dabei.
Aber auch abseits der freiwilligen Aktivitäten erweist sich
Beyond Good & Evil HD als genreübergreifende Spielspassgranate. Seid ihr zu Fuss unterwegs, gibt es neben Jump & Run-Einlagen, nett inszenierten Kämpfen mit eurem Dai-Jo Kampfstab und einigen Schleicheinlagen auch einige Rätsel zu lösen. Diese sind durchweg logisch und niemals unfair designt, so dass man mit ein bischen grübeln jedes Rätsel löst. Während ihr durch alte Fabrikhallen, Höhlen oder durch Weltraumstationen streift, solltet ihr immer darauf achten, mit euerer Kamera möglichst viele Bilder von den heimischen Tieren zu knipsen, so spült ihr zusätzliches Geld und Perlen auf euer Konto.
Die Kamera dient in
Beyond Good & Evil HD aber natürlich auch dazu, kriminelle Aktivitäten der Alpha Abteilung festzuhalten. Habt ihr z.B. ein Foto von einem helmlosen Alpha Sektion Soldaten eingefangen (kein schöner Anblick - siehe Screenshots), sendet ihr es an die Iris Organsiation. Sind genug Beweise zusammengekommen, wird eine neue Zeitung publiziert, die die wahren Machenschaften der angeblichen Schutzorganisation aufdeckt. Die "Alphas" wiederum setzen alles daran, durch Propaganda in Funk und Fernsehen das Volk vom Gegenteil zu überzeugen.
Eine in sich stimmige Fantasywelt
Die Reise durch Hillys gestaltet sich ungemein atmosphärisch. Auf dem Weg zur Stadt erfreuen wir uns an riesigen Fischen, die aus dem Wasser hüpfen, an überdimensionalen Mantarochen, die über uns hinwegfliegen (!) und an dem dynamischen Tag- und Nachtwechsel, der das Meer bei Sonnenuntergang in einen angenehmen Rotton färbt. In der Stadt angekommen, führt uns unser Weg vorbei an großen Bildschirmen, auf denen die Propaganda-Nachrichten der Alpha Abteilung zu sehen sind. Wir steuern zielsicher die Bar an und sehen uns erst mal genauer um. Ein riesiges Walross begrüsst uns und auch ansonsten ist die Bar vorwiegend von lustig aussehenden tierischen Mitbürgern bevölkert.
Durch die symphatischen Protagonisten, die interessante Story und die liebevoll designte Welt in
Beyond Good & Evil HD könnt ihr völlig in Hillys versinken, bis der Abspann über euren Bildschirm läuft. Zur packenden Optik gesellt sich noch ein unverwechselbarer Soundtrack mit Kultcharakter. In ruhigen Momenten begleiten euch sanfte Klavierstücke. In Actionszenen kann es schon mal rockig werden. Das alles fügt sich zu einer wunderbar harmonischen Welt zusammen, die man nur allzu bereitwillig retten will. Michel Ancels (Vater von Rayman) Konzept geht auch 2011 noch auf. Der Kurzurlaub in Hillys dauert je nach Spielweise 8-12 Stunden und kostet günstige 800 Microsoft Points bzw. 10 €.
Nobody's Perfect
Bei der ganzen Schwärmerei wären nun doch beinahe die Schattenseiten von
Beyond Good & Evile HD unter den Tisch gefallen. Das HD Remake erstrahlt zwar in neuem Glanz, leider wurden Kinderkrankheiten aus der alten Konsolengeneration mit übernommen. In Kämpfen treten häufig Kameraprobleme auf, so dass ihr schnell den Überlick über das Geschehen verliert. Ladebildschirme gibt es im Minutentakt zu sehen, auch wenn sie zugegebenermaßen relativ kurz sind. Auch der ein oder andere Clippingfehler hat sich ins Spiel geschlichen, nichts ist jedoch so fatal, dass es den Spielspass groß einschränken würde. Bei einer Neuauflage hätte man jedoch erwarten können, dass derartige Probleme aus der Welt geschafft werden. Den fordernden Endbosskämpfen stehen jedoch viel zu einfache Fights mit Standard Gegnern gegenüber, kein Wunder bei einem 2-Knöpfe-Kampfsystem. Erwähnenswert ist auch die überraschend gute Synchronisation ins Deutsche. Ausnahmsweise brauchen wir also nicht neidisch auf den O-Ton sein. Selbst unbedeutende Nebenfiguren wurden gut besetzt.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:


