Obercharismat Peter Molyneux hat uns einmal wieder das Blaue vom Himmel versprochen. Fable III wird größer, schöner, besser und emotionaler als sein Vorgänger. Das Gras ist grüner, das Licht ist heller... alles ist so persilweiß porentiefrein, dass selbst der Werbeindustrie kein besserer Superlativ mehr einfallen könnte. Wenn Peter Molyneux das Wort erhebt, staunen die Fans und die Presse hört aufmerksam zu. So auch wir... denn auch bei uns war die Vorfreude auf Fable III immens. Nun steht das neue Rollenspielepos endlich in den Läden. Der Tag der Abrechnung ist gekommen. Kann Fable III die hohen Erwartungen erfüllen? Diese und viele weitere Fragen beantwortet unser ausführlicher Testbericht.
In den zwei Jahren, die
Fable III an Entwicklungszeit verschlungen hat, haben die Leute bei Lionhead die Serie natürlich nicht vollends auf den Kopf gestellt. Dennoch bietet das Spiel genug Alleinstellungsmerkmale, die es zu mehr machen als einem
Fable 2.5.
König werden ist nicht schwer, König sein, dagegen sehr!
Auf den ersten Blick fällt natürlich das neue Setting auf, in dem sich die Welt von Albion befindet. Wir haben in
Fable III einen Zeitsprung von fünfzig Jahren gemacht. Damit befindet sich Albion an der Schnittstelle zu Industrialisierung. Wer sich ein wenig mit den Scheibenwelt-Romanen von Terry Pratchett befasst hat, kann sich sicherlich schnell ein Bild von dem hier vorliegenden Szenario machen.
In den letzten Jahren hat sich einiges getan. Der Held aus dem Vorgänger
»Fable II hat sein glorreiches Leben verwirkt und seinem Nachkommen Logan das Zepter und den Thron überlassen. Mit harter Hand regiert dieser fortan das Königreich von Albion. Von eitel Sonnenschein kann keine Rede sein. Missmut macht sich breit im Volke! Auch der Spieler selbst, der in
Fable III in die Rolle von Logans Bruder respektive Schwester schlüpft, hat mit seinem Geschwisterherz gebrochen. So kann es nicht weitergehen! Ihr entscheidet euch, das Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und den bösen Bruder vom Thron zu stoßen. Da ihr natürlich nicht allein gegen die mächtige Armee des Königs in die Schlacht ziehen wollt, ist es nun eure Aufgabe, Mitstreiter für die eigene Sache zu gewinnen. Und damit hat euer langer steiniger Weg gerade erst begonnen.
Versprochen ist versprochen... und wird auch nicht gebrochen
Als Anführer der Revolution kommt ihr mit vielen Leuten im ganzen Königreich in Kontakt. Nun gilt es, diverse Deals abzuschließen und das Volk von euren guten Absichten zu überzeugen. Damit die Leute auch hinter euch stehen, gebt ihr (mehr oder weniger leichtsinnig) einige Versprechungen ab. Habt ihr erst einmal den Königsthron erklommen, holen euch diese hohen Worte möglicherweise wieder ein. Oftmals stellt sich hier die Frage, ob ihr als König auch weiterhin zu euren Aussagen stehen wollt. Denn jede eurer Aktionen führen auch zu einer entsprechenden Konsequenz.
Dies unterscheidet
Fable III nicht wesentlich von seinem Vorgänger… auf den ersten Blick. Allerdings sind eure Handlungen nun deutlich weitreichender. Schließlich habt ihr als Herrscher über das Königreich von Albion eine besondere Verantwortung zu stemmen. Für gutmütige Videospieler, die stets den ruhmreichen Strahlemann-Helden spielen, erscheint es zunächst einfach, dem Volke ein guter König zu sein. Doch dieser Eindruck täuscht! Denn plötzlich ist das Königreich einer besonderen Bedrohung ausgesetzt.
Es naht die große Schlacht
Als König von Albion gehört es in
Fable III zu euren Aufgaben, nicht nur auf das Wohl und Wehe eurer Untertanen zu achten, sondern auch auf einen ausgeglichenen Staatshaushalt. Wer als Herrscher dem Volke am laufenden Band rauschende Feste, niedrige Steuern und sonstige sündhaft teure Luxusgüter gönnt, sollte sich nicht wundern, wenn er bald in finanzielle Nöte gerät. Denn schon bald wird klar, dass nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist im Märchenland. Eine finstere Bedrohung lauert auf Albion und seinen König. Nun liegt es an euch, eine schlagkräftige Armee aufzubauen und das Land zu verteidigen. Diese Armee rekrutiert sich jedoch nicht von selbst, sondern kostet einen ganzen Batzen Kohle. Geld, das nun nicht mehr eurem Volke zugute kommen kann.
Im Laufe des Spiels werdet ihr so immer wieder vor die Frage gestellt, wie viele gute Entscheidungen ihr euch überhaupt leisten könnt. Die Versuchung, einen Haufen Gold einzustreichen (auch auf Kosten der Untertanen), wird dem König immer wieder vor Augen geführt. So manches mal geratet ihr in
Fable III so in eine moralische Zwickmühle.
Fernab eurer Aufgaben als König, dürft ihr Albion natürlich auch diesmal frei bereisen. Wie wir es von Peter Molyneux gewohnt sind, werden euch dabei weitgehende Freiheiten eingeräumt. Eheschließen, Kinder zeugen… die darf man ja mittlerweile zum molyneuxschen Standard zählen.
Quests, Quests, Quests
Doch nicht nur an der Tragweite der Entscheidungen haben Molyneux & Co. in
Fable III gearbeitet. Insgesamt wirken die unterschiedlichen Aufträge nun stimmiger und fügen sich gut in die Gesamtstimmung der Welt ein. Mehr Rollenspieltiefe also für alle?
Mitnichten, denn Lionhead hat das ohnehin schon eher rudimentäre System weiter vereinfacht. Für eure Kampfeshandlungen stehen euch Nahkampf, Fernkampf sowie Magie zur Auswahl. Gesteigert werden diese Fertigkeiten durch Gildensiegel (Lionheads Version der Erfahrungspunkte). Interessant gestaltet sich in
Fable III insbesondere der Magieaspekt. Gezaubert wird mittels diverser Handschuhe, die jeweils für eine unterschiedliche Art von Magie stehen. Zieht ihr zwei unterschiedliche Handschuhe an, dürfen so beispielsweise Blitz- und Eismagie kombiniert werden. Richtig komplex wird das Kampfsystem jedoch nie. Es reicht ein einziger Button, um eure Heldenfigur durch den Kampf zu navigieren. Haltet ihr den Knopf länger gedrückt, verstärkt sich entsprechende die Intensität eures Angriffs. Einfach und schnell erlernt.
Die Steigerung eurer Fertigkeiten in
Fable III geschieht ebenso denkbar einfach. An dieser Stelle kommt eure persönliche Königs-Cave ins Spiel. Ein Druck auf die Starttaste genügt und schon teleportiert sich eure Figur in seine Privat Lounge, wo schon der treue Diener Jasper auf euch wartet. In aller Seelenruhe könnt ihr hier an eurem Äußeren werkeln, die Waffen wechseln und natürlich eure Fertigkeiten steigern. Die nötige Anzahl an Gildensiegeln vorausgesetzt, bedient ihr euch an unterschiedlichen Truhen, um eure Kampffertigkeiten oder sozialen Möglichkeiten zu verbessern.
Die technische Seite von Albion
Inhaltlich und atmosphärisch kann sich
Fable III sicherlich in die Riege der ganz großen Rollenspiele einreihen. Aus technischer Sicht verpasst der Titel jedoch den Rollenspielolymp. Im Vergleich zum Vorgänger hat sich in Bezug auf die Grafik nur wenig getan. Ganz großes Kino bieten hingegen erneut die Sprecher, die durchgehend höchstes Niveau an den Tag legen. Freunde englischsprachiger Videospiele dürfen sich zudem kostenfrei das entsprechende Sprachpaket auf Xbox Live herunterladen, vollkommen kostenfrei.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
