Der Abschluss einer großen Saga hat stets etwas Ernüchterndes an sich. Man nimmt Abschied von Freunden, Helden, Geschichten, oder - im Falle des neusten Werkes aus dem Hause Bungie – gleich von allen drei Dingen. Mit sechs Titeln und vielen Millionen verkauften Einheiten hat sich das bereits damals sehr ambitionierte Projekt namens Halo zu einer der beliebtesten Exklusiv-Serien der Videospielgeschichte entwickelt. Die Entwickler nehmen mit Halo Reach nun Abstand von der Serie. Wir haben uns das Spiel angesehen und verraten euch, ob der Master Chief mit Würde und Anstand in Rente gehen kann.
Der Abschied
Wenn wir uns schon verabschieden, dann standesgemäß. Das muss sich die US-amerikanische Spieleschmiede bei der Entwicklung des letzten Teils ihrer Halo Saga als oberste Prämisse auf die Fahnen geschrieben haben. Seit ihrem Erstauftritt vor über acht Jahren hat die Spielserie gleich mehrere Standards setzen können und sich nicht nur aus diesem Grunde zu einer bekannten Größe im Action-Genre entwickelt. Obwohl
Halo Reach den Abschluss einer der erfolgreichsten Exklusiv-Serien darstellt, haben Fans wenig Anlass zum Trauern. Zwar verkündete Bungie im Jahre 2007 seine Unabhängigkeit von den Microsoft Game Studios, möchte aber dem Halo-Universum auch weiterhin treu bleiben. Angesichts der hohen Verkaufszahlen der Saga ist das nicht weiter verwunderlich. Vor allem der Multiplayermodus bannte begeisterte Spieler vor ihre Konsolen, während die erzählten Geschichten in den jeweiligen Kampagnen vergleichsweise mäßig präsentiert wurden. Zugegebenerweise handelt es sich hierbei um Kritik auf sehr hohem Niveau. Für einen Shooter üblich lebt die Atmosphäre des Spiels weniger von tiefgründigen Dialogen als von beinharter Action – so auch im finalen Teil der Saga.
Fragen und Antworten
Halo Reach spielt zeitlich noch vor dem im Jahre 2002 erschienenen ersten Part und stellt somit ein Prequel der Serie dar. Mit einer geschickten Inszenierung wird hier eine wichtige, noch offen stehende Frage beantwortet: Wie konnte es nur soweit kommen? Die Antwort dazu verbirgt sich auf dem Planeten Reach, auf dem die Menschen ihren militärischen Hauptstützpunkt errichtet haben. In einer von der Basis nicht weit entfernten Relaisstation scheint etwas im Argen zu liegen. Der Kontakt zur dortigen Mannschaft ist abgebrochen. Auch der entsendete Soldatentrupp, welcher in der Station nach dem Rechten sehen sollte, ist nicht mehr zu erreichen. Scheinbar haben die hiesigen Rebellen einen erneuten Vorstoß gewagt – so zumindest die Vermutung des Oberkommandos. Um nicht noch weitere Opfer zu provozieren, wird eine Einheit Spartans - eine schwer gepanzerte und noch besser bewaffnete Elitetruppe – entsandt, deren neustes Mitglied ihr mimen dürft. Unter dem wenig persönlichen Namen „6“ werdet ihr fortan eure Kameraden bei ihren gefährlichen Einsätzen unterstützen. Mit herben Sprüchen heißt man euch im „Noble Team“ willkommen. Am Einsatzort angekommen ist die Stimmung leider weit weniger herzlich – und das nicht nur wegen dem anhaltenden Funkausfall zur Basis: Ausgebrannte Autowracks, zerstörte Häuser und Bombenkrater zeugen von heftigen Kämpfen, die hier erst kürzlich stattgefunden haben müssen. Vor allem die Einschusslöcher muten eigenartig an. Zumindest eines wird uns schnell deutlich: Rebellen waren das nicht. Schon wenige Augenblicke später wird unsere Vermutung bestätigt. Ein Landungsschiff der Allianz schält sich unvermittelt aus den Wolken und spuckt Welle um Welle Krieger aus, die allesamt wenig Lust auf eine diplomatische Konversation zu haben scheinen. In der Relaisstation angekommen bietet sich uns ein altbekanntes Bild. Ein Teil der Anlage wurde zerstört, die Station wird in den nächsten Wochen wohl nicht mehr zum Einsatz kommen können. Ein Elitetrupp der Allianz hat sich an der Steuerkonsole zu schaffen gemacht. Ein Kuriosum; was könnte die Allianz bewegt haben, eine militärische Relaisstation so weit ab von ihrem Territorium außer Gefecht zu setzen? Kat, die technische Offizierin der Gruppe, schafft es allen Widrigkeiten zum Trotz, eine instabile Verbindung zum Hauptquartier aufzunehmen.
Invasion
Mit Entsetzen wird dem entsandten Noble Team der Grund hinter der Sabotage der Anlage bewusst. Das Hauptquartier steht unter massiven Beschuss. Die Elitetruppe muss unverzüglich aufbrechen, um ein Überrennen der Basis zu verhindern. Trotz aller Eile sind weite Teile der militärischen Anlage bereits an den Feind verloren. Mit dem Mut der Verzweiflung verteidigen die dort stationierten Soldaten die Kommandozentrale. In einem ausufernden Feuergefecht schafft es die Eliteeinheit, den Vorhof der Anlage zurück zu erobern. Schnell wird jedoch klar, dass das Schlachtschiff, das unweit der Basis kontinuierlich neue Einheiten am Boden absetzt, die Wurzel allen Übels darstellt. Während der Großteil des Teams mit der Verteidigung der Stellung für etwas Ablenkung sorgen wird, habt ihr die Aufgabe, das Trägerschiff vom Himmel zu holen. Mit einem kleinen Einsatztrupp müsst ihr euch auf das Dach der Anlage kämpfen. Freilich wird eben jenes schwer bewacht. Erst nachdem wir die dortigen Truppen besiegt, einfliegende Banshees – schwach gepanzerte, dafür sehr wendige Flugeinheiten der Allianz – beseitigt und etwas entsprechend Großkalibriges besorgt haben, können wir dem Alienkreuzer ein Ende bereiten. Einen Grund zum Feiern haben wir dadurch dennoch nicht. Am Horizont zeichnet sich bereits die nächste Bedrohung ab: Ein gigantisches Mutterschiff nähert sich langsam aber sicher der Hauptstadt des Planeten. Die Invasion hat begonnen…
Auf in die Schlacht
Der Ausbruch des Krieges zwischen Menschheit und Allianz steht im Mittelpunkt von
Halo Reach. Im weiteren Spielverlauf werdet ihr Zeuge, wie sich die Aliens nach und nach auf dem Planeten breit machen, dabei militärische Anlagen und gar ganze Städte zerstören. Euch fällt die Aufgabe zu, eben jenes zu verhindern. Dass die Verantwortung nicht nur auf euren Schultern lastet, versteht sich von selbst. Immer wieder schließen sich kleinere und größere Soldatenverbände eurem Vorhaben an. Diese können, ganz im Gegensatz zu den restlichen Mitgliedern des Noble Teams, durchaus das Zeitliche segnen. Bereits nach wenigen Spielminuten wird der Krieg seine ersten Opfer fordern. Auch wenn das frühzeitige Ableben eines Soldaten nicht immer verhindert werden kann, steht es dennoch in eurer Macht, die Anzahl der Toten gering zu halten. In Feuergefechten sieht der normale Krieger stets zum Spartan auf, verlässt sich auf deren Kampfgeschick und leistet dementsprechend vorrangig Feuerunterstützung. Das Vorrücken zum Feind wird daher euch überlassen. Genau dieser Punkt spielt in den meisten Missionen eine tragende Rolle. Werft ihr euch rücksichtlos dem Feind entgegen, werdet ihr die ersten Angriffswellen wohl nicht überstehen. Eine rein defensive Kampfweise hingegen ist ebenfalls keine gute Wahl. Bei all zu langen Belagerungen kann es vorkommen, dass ihr die Mission fortan alleine bewältigen müsst. Selbst der zähste Haudegen muss sich irgendwann den Angriffen der Allianz beugen. Das ist besonders dann eine unangenehme Situation, wenn ihr auf eines der vielen Vehikel zurückgreifen müsst. Jeep, Panzer oder auch Helikopter können mit nur einem Besatzungsmitglied nicht ihre volle Feuerkraft entfalten.
Die Rollenverteilung dabei ist sehr flexibel. Als Elitesoldat könnt ihr euch entscheiden, ob ihr als Fahrer die Richtung vorgeben oder am Geschütz die feindlichen Reihen lichten wollt. Egal welche Position ihr besetzt, die KI übernimmt den jeweils anderen Part und das – bis auf einige wenige Pannen – sehr gekonnt.
Kriegsgeschehen
Obwohl die Halo Saga durchweg mit einer solide erzählten Geschichte aufwarten konnte, geht der Großteil der Faszination dennoch von dem imposanten Schlachtengemälden aus. Der Mangel an tiefgehenden Dialogen und prägnanter Charakterzeichnungen ist daher problemlos zu verschmerzen. Wer denkt schon an Konversation, wenn man sich mitten im Kampfgetümmel befindet. Und obwohl ihr euch in einer permanenten Großschlacht befindet, weiß Bungie mit geschickten Kniffen den Spieler immer wieder zu begeistern. Sei es durch eine halsbrecherische Fahrt mit einem Jeep, dem Rundflug in einem Helikopter durch den heißumkämpfen Himmel der Hauptstadt oder eine ausufernde Weltraumschlacht, in der ihr als Pilot eines Kampfjets reihenweise Alienschiffe ins Nirwana pustet. Wie bereits auch in den anderen Halo Titeln geht die Steuerung der Vehikel locker von der Hand. Gleich verhält es sich mit dem Kampf zu Fuß. Auch im stärksten Kampfgetümmel geht die Übersicht nur selten verloren. So weit so bekannt. Gibt es auch etwas Neues aus dem Halo-Universum zu berichten?
Waffenarsenal
Die Neuerungen in
Halo Reach sind spärlich gesät. Neben einigen neuen Verbesserungen für euren Kampfanzug - beispielsweise dem Jetpack - einigen neue Waffen und dem Kampfjet als Fortbewegungsmittel, werdet ihr kaum Neuentdeckungen machen können. Anlass zur Kritik gibt es dennoch nicht. Kaum ein anderer Shooter kann eine solch breite Palette an Kanonen, Fahrzeugen oder Schauplätzen bieten. Vor allem letzteres hat man nochmals kräftig optimieren können. Der Planet Reach bietet ein sehenswertes Panorama. Dank einer beeindruckenden Weitsicht kann man sich trotz des im Hintergrund tobenden Schlachtenlärms nicht von der wunderschönen Aussicht losreißen. Dieses Feature wurde von dem Entwickler mehr als nur einmal gekonnt in Szene gesetzt. Mit einem Schaudern im Rücken werdet ihr im Spielverlauf Zeuge wie das Alienmutterschiff ein ganzes Stadtviertel in Schutt und Asche legt.
In Sachen Balance hat man dank acht Jahren Erfahrung das nötige Fingerspitzengefühl entwickelt, um ein ausgewogenes Waffenarsenal auch für den Multiplayermodus zusammen zu stellen. Dieser schafft es abermals, langfristig zu motivieren. Egal ob ihr euch mit anderen Spielern messen oder gemeinsam mit ihnen Missionen bestreiten wollt, dank der breiten Auswahl an Spielmodi wird für jeden etwas Passendes geboten. Wie auch bereits in den Vorgängern, könnt ihr die Kampagne von
Halo Reach mit bis zu drei Freunden gleichzeitig angehen – vorzugsweise mit mehreren Konsolen, da sowohl Übersicht als auch Optik im Splitscreen stark zu wünschen übrig lassen.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:

