Auch in diesem Herbst lässt eine Version des Musikspielsklassikers Guitar Hero natürlich nicht auf sich warten. Nach dem mäßigen Verkaufserfolg des letzten Serienspiels Guitar Hero: Van Halen möchte die Reihe nun wieder zurück zu alter Stärke finden. Guitar Hero: Warriors Of Rock orientiert sich dabei am dritten Teil der Serie, der immer noch den Höhepunkt der Marke darstellt. Da Stillstand jedoch Rückschritt bedeutet, haben sich Activision und Neversoft einen neuartigen Storymodus ausgedacht, der frischen Wind in die Musikspielszene bringen soll. Was aus diesem ungewöhnlichen Experiment geworden ist, erfahrt ihr in unserem Testbericht.
Während Konkurrent Harmonix mit
»Rock Band 3 auf echte Gitarre, erweiterte Drumkits, Keyboards und mehrstimmigen Gesang setzt, geht Neversoft mit
Guitar Hero: Warriors Of Rock einen anderen Weg. Der einzigartige und natürlich "epische" Storymodus soll neben einer gehörigen Portion Pathos auch ein neues, frisches Spielgefühl vermitteln.
Schaf im Wolfsfell
Bei dem Gedanken an ein storylastiges Musikspiel kommt manch einem Videospielfreund zunächst Jack Black und
»Brütal Legend in den Sinn. Der Kampagnenmodus von
Guitar Hero: Warriors of Rock bleibt seinen Wurzeln jedoch treu. Auch der neue Serienableger ist und bleibt in erster Linie ein Musikspiel klassischer Machart.
Die Geschichte erzählt zunächst von dem epischen Kampf zwischen dem Halbgott des Rock und der finsteren Bestie. Ein kurzer Moment des Zögerns reichte für die Bestie aus, dem Halbgott des Rock den finalen Schlag zu verpassen. Seit dieser Zeit verbringt der Halbgott des Rock seine Zeit in einen Gefängnis aus Stein. Zurückgelassen hat er dabei seine legendäre Gitarre, die es nun zurück zu erobern gilt. Dabei führt kein Weg vorbei an der finsteren Bestie, die einst die Rockikone bezwang. Um die legendäre Gitarre aus den Klauen der Bestie zu retten, braucht es zunächst einige tapfere Musiker, die bereit sind, diesen Kampf aufzunehmen.
An dieser Stelle kommen die bekannten und liebgewonnenen Figuren der
Guitar Hero-Franchise ins Spiel. Egal ob Johnny Napalm oder Lars Umlaut, sie sind alle auch im vorliegenden Spiel mit an Bord. Interessant gestaltet sich die Tatsache, dass jeder Charakter im Storymodus über einzigartige Fähigkeiten verfügt. So kann sich Speedrocker Johnny Napalm immer auf einen Punktmultiplikator von mindestens 2 verlassen.
Nüchtern betrachtet, gestaltet sich der Storymodus aber als recht bieder. Wie schon in vielen Serienteilen zuvor, arbeitet ihr eine vorgegebene Setliste ab und müsst eine bestimmte Anzahl von Sternen sammeln. Ist diese erreicht, verwandelt sich der Rocker in einen Dämonen. Nachdem sämtliche Charaktere ihre neue Form angenommen haben, zieht die dämonische Armee gegen die Bestie in den Kampf.
Alte Stärken
Wer den (kurzen) Storymodus hinter sich gelassen hat, darf sich auf die alten Tugenden eines
Guitar Hero freuen. Hier kann
Warriors Of Rock auftrumpfen und weiß auch im Jahre 2010 zu gefallen. Routiniert und gekonnt hat Neversoft auch diesmal die Noten gesetzt und eine gute Mischung aus Anfängersongs und richtig fordernden Titeln getroffen. Mit insgesamt 93 Songs fällt die Trackliste zumindest quantitativ gut aus. Inhaltlich ist eine Rückkehr zum guten alten Rock zu verzeichnen. Deutlich weniger poppige Lieder haben ihren Weg ins Spiel gefunden. Ob die Mischung für den einzelnen Spieler angenehm ist, muss nach wie vor aber noch jeder für sich selbst herausfinden. Mein persönliches Highlight ist Rush 2112. Auf insgesamt drei unterschiedlichen Bühnen dürft ihr das progressive Meisterwerk von Rush in sieben Episoden performen.
Die komplette Setliste von
Guitar Hero: Warriors Of Rock findet ihr
»hier.
Erweitert wurde die Option „Schnelles Spiel“, die sich nun „Schnelles Spiel+“ nennt. Darin dürft ihr euch in jedem Song satten 13 Herausforderungen stellen. Steigert euren Rocklevel, kämpft euch durch Online-Ranglisten und vergleicht eure Erfolge mit Freunden. Damit die Motivation nicht zu kurz kommt, werden in diesem Modus auch etliche Boni wie neue Instrumente, Charaktere oder Bilder freigeschaltet.
Party on!
Ein Kerneinsatzgebiet von Musikspielen ist immer noch die Verwendung auf Partys. Auch hier hat
Guitar Hero: Warriors Of Rock die Stärken des fünften Serienteils übernommen. Die Wahl der Instrumente liegt vollkommen in der Hand des Spielers. Zudem darf auch im laufenden Song jederzeit ein- oder ausgestiegen werden. Ein lästiges Freischalten der Songs im Karrieremodus entfällt ebenso. Lediglich einige wenige Bonussongs müssen erst erspielt werden.
Diverse Spielmodi für Duellanten runden das Paket ab. Egal ob on- oder offline, ob als Band oder einzeln. In den zahlreichen Variationen sollten sich genug Möglichkeiten finden, die Fingerfertigkeit mit anderen Spielern zu messen.
Neue Songs kaufen, schreiben und importieren
Wem die 93 Songs in
Guitar Hero: Warriors Of Rock nicht genug sind, der darf die Setliste auf unterschiedliche Art und Weise erweitern. Kreativköpfe gehen ins
Guitar Hero Studio und basteln ihre eigenen Songs. Ein wenig Geduld und Einarbeitungszeit solltet ihr aber schon mitbringen. Mit ein paar wenigen Knopfdrücken ist es nicht getan. Zusätzlich steht euch natürlich der Rock Shop zur Verfügung, der wöchentlich mit neuen Titeln aufgestockt wird. Ein Song kostet derzeit 160 MS-Punkte (ca. 2€). Mittlerweile bietet der Rock Shop ein ansehnliches Portfolio, das mit der Konkurrenten von
Rock Band allerdings nicht ganz mithalten kann. Dafür können Besitzer von alten
Guitar Hero-Spielen ihre Lieder in das neue Spiel integrieren. Möglich ist dies für alle Serienteile ab
»Guitar Hero: World Tour.
Erwähnenswert ist auch die neue Hardware zum Spiel. Wer einige Euros mehr auf den Tisch legt, darf das Bundle erwerben, dem eine neue Gitarre beiliegt. Optisch macht der kabellose Controller einen guten Eindruck. Allerdings wurde die Slidebar wieder entfernt. Auffällig ist der kürzere Gitarrenhals, der möglicherweise nicht jedermanns Geschmack trifft.