Wenn ein Spiel vom Start weg zum Budgetpreis erhältlich ist, dann ist neben Freude auch Anlass zur Skepsis gegeben: Hat der Publisher sowenig Vertrauen in das Spiel? Gerade, wenn es sich um den zweiten Teil einer Reihe handelt? Wir haben Ninety Nine Nights 2 (N3II) auf den Zahn gefühlt und verraten euch, ob es günstig oder billig daherkommt.
Der Herr mit seinem Heer
Wie auch der Vorgänger spielt
Ninety Nine Nights 2 in einem Fantasy-Setting. In diesem koexistieren Menschen und Elfen, Magie ist etwas alltägliches. Friedlich ist die Welt dennoch nicht: Der Herr der Nacht greift nach der Macht - und unterwirft mit seinem Heer ein Land nach dem anderen. Nun stehen die Truppen vor der Burg Orphea und alle Hoffnung scheint verloren. Fantasy-Fans dürften allerdings wissen, dass es damit nicht getan ist, sondern dies nur der Auftakt für eine epische Heldenreise ist. Und so seid ihr zunächst mit dem Krieger Galen unterwegs, um euch zur Burg Orphea durchzuschlagen. Dort lernt ihr Prinzessin Sephia kennen, die ihr danach ebenfalls als spielbaren Charakter freischaltet. Im weiteren Verlauf gesellen sich noch drei weitere Mitstreiter hinzu: Maggni, Zazi und Levv.
Jeder Charakter in
Ninety Nine Nights 2 geht seinen eigenen Weg durch die Geschichte des Spieles, ab und an kreuzen sich die Wege der Helden. Es liegt an euch, ob ihr zwischen den Charakteren wechseln oder euch lieber erstmal einer Figur und seiner Geschichte widmen wollt. Stimmigkeit schien den Entwicklern dabei nicht so wichtig zu sein. Beispiel gefällig? Mit Galen bahnt ihr euch euren Weg durch eine Festung und tötet den Endgegner. Direkt im Anschluß habt ihr Zugriff auf die Geschichte von Levv. In dieser metzelt ihr euch als erstes durch eben diese Festung (warum waren bei Galen dann noch Gegner da?) und tötet den Endgegner (obwohl laut Cutscenes Levv Galen dabei beobachtet hat, wie er das getan hat). Gratulation, liebe Entwickler, so erzählt man eine Geschichte aus mehreren Blickwinkeln... nicht!
Blutig, und doch sauber...
Im Kern ist
Ninety Nine Nights 2 ein Hack'n'Slay mit starker Tendenz zum Button-Mashing. Ihr streift also durch die Welt, das Spiel schmeisst euch hunderte von Feinden in den Weg und ihr metzelt euch durch. Dazu genügen die X- und Y-Buttons als zwei unterschiedliche Attacken - entscheidet euch einfach für eine der beiden Tasten und hämmert drauf, dann ist das Gegner-Problem schnell beseitigt. Magie-Attacken gibt es auch, diese müssen allerdings aufgeladen werden und sind daher eher selten in Gebrauch. Mit einigen davon könnt ihr euch jedoch etwas Luft verschaffen, wenn die Herden euch mal wieder auf den Pelz rücken. Blut und fliegende Körperteile sind bei euren Schlachten an der Tagesordnung, davon zurück bleibt jedoch nichts: Die Körper besiegter Feinde verschwinden nach kurzer Zeit und Blut spritzt zwar durch die Gegend und auch mal an die virtuelle Kamera, der Boden und die Charaktere bleiben jedoch stets sauber.
Angesichts der Gegnermassen wohl ein Zugeständnis an die Rechenpower der Konsole. Ebenso wie die Gegnervielfalt in
Ninety Nine Nights 2, die ist nämlich recht gering. So wirkt die euch entgegenstürmende Formation oft recht homogen und aus ein, vielleicht auch mal zwei bis drei verschiedenen Gegnertypen bestehend. Aber auch auf die gesamte Spielzeit bezogen gibt es nur wenige verschiedene Gegnertypen, zehn vielleicht, über den Daumen gepeilt. Eine Ausnahme bilden hier die dicken Bosse, die oftmals am Ende eines Levels auf euch warten. Vom Bombast eines
God of War sind diese zwar weit entfernt, dennoch erfordern sie geschicktes Vorgehen, damit ihr die Kämpfe übersteht.
Apropos Überstehen: Kommt bloss nicht auf die Idee,
Ninety Nine Nights 2 mitten im Spiel abzubrechen! Es gibt zwar Checkpoints, an denen ihr nach eurem Ableben wieder einsteigen könnt, gespeichert wird aber nur nach einem abgeschlossenen Level. So könnt ihr zwar etwa einen Endgegner mehrmals versuchen, habt ihr die Konsole aber ausgeschaltet, bleibt nur, das ganze Level nochmal zu absolvieren. Und das kann mitunter dauern. Zwar sind die Areale meist gradlinig und euer nächstes Ziel klar ersichtlich, aber bis ihr den Levelausgang erreicht habt, können gut 15 Minuten und mehr pro Level draufgehen.
Aufrüsten kann nie schaden
Zwischen den Leveln könnt ihr eure Charaktere im Menü wechseln, um so etwa die Story eines anderen Helden weiterzuspielen. Zudem könnt ihr hier mit den von besiegten Gegnern eingesammelten roten Orbs euer Level verbessern. Das sorgt für höhere Gesundheit. Auch dürft ihr eure Waffen oder magischen Fähigkeiten austauschen und aufleveln. Das unterscheidet
Ninety Nine Nights 2 von seinem Vorgänger, der nicht ansatzweise soviele Möglichkeiten bot. Von dem, was Rollenspiele so bieten, könnt ihr hier aber nur träumen.
Verglichen mit einem
»Onechanbara, welches spielerisch in eine ähnliche Kerbe schlägt wie
N3II, macht Konamis Metzelspiel technisch einiges besser, kann aber mit aktuellen Blockbuster-Titeln nicht mithalten. Unscharfe Texturen, hakelige Animationen, ständig gleiche Gegner, dafür aber eine beachtliche Feindeszahl und schicke Effekte. Auch der Soundtrack hätte einiges mehr an epischen Maßen vertragen können, passt aber meist ganz gut ins Geschehen. Die englischsprachigen Synchronsprecher machen ihren Job ganz erträglich, lippensynchron ist die Vertonung aber trotzdem nur selten.