Und jährlich grüßt das Murmeltier! Auch in diesem Jahr lässt Electronic Arts wieder eine komplette Salve neuer Sportspiele auf die Videospielgemeinde los. Da darf natürlich auch eine aktuelle Version von Tiger Woods PGA Tour nicht fehlen. Trotz Sexskandalen prangt auch diesmal das Konterfei des wohl bekanntesten Golfsportlers auf dem Cover. Inhaltlich hoffen Serienkenner auf einige wohltuende Änderungen im Vergleich zur 2010-Ausgabe. Ob sich die Hoffnungen der Golf-Fans erfüllt haben, verrät unser ausführlicher Test. Es geht aufs Green!
Schon seit 1998 geht der virtuelle Tiger Woods auf die Jagd nach den Golftrophäen dieser Welt. EA Sports typisch erfährt dabei auch die Golfserie ein jährliches Update. Kritiker bemängeln nicht erst seit gestern die marginalen Qualitätssprünge der EA Sportspiele. Doch gerade in der jüngsten Vergangenheit wurden diese eines Besseren belehrt. Die aktuellsten Ausgaben von
FIFA oder
NBA Live zeichneten sich durch sinnvolle Erweiterungen aus, die einen Neukauf durchaus rechtfertigten. Gute Aussichten also auch für Konsolengolfer?
Wii vs. NextGen
Um eines gleich deutlich zu machen: Der vorliegende Test behandelt ausschließlich die Xbox 360-Variante. Dies müsste eigentlich nicht extra eine Erwähnung finden, wenn es zwischen der Wii-Version und den beiden HD-Varianten nicht deutliche Qualitätsunterschiede geben würde. Während die Wii-Ausgabe mit einer intelligenten Integration der Wii-Fernbedienung aufwartet, baut das Spiel auf der PS3 und der Xbox 360 auf traditionelle Gamepad-Steuerung. Für die PS3 hat Electronic Arts aber erst kürzlich ein Update für die Zusatzhardware
»Move angekündigt.
Golfer im Baukasten
Bevor es richtig losgeht, dürfen sich Freunde individueller Charaktergestaltung erstmal ausgiebig im Baukasten austoben. Hier hat EA Sports nicht an Möglichkeiten gespart und dem Spieler viele Freiheiten eingeräumt. Bei der optischen Gestaltung sind euch nahezu keine Grenzen gesetzt. Jedes Detail des Golfer oder der Golferin kann genau ausgearbeitet werden. Wer im Besitz der Xbox Live Vision Kamera ist, kann gar sein eigenes Gesicht verwenden, um sein virtuelles Ebenbild in
Tiger Woods PGA Tour 11 zu integrieren. Die Berechnung der Gesichtskonturen kann jedoch einige Minuten in Anspruch nehmen. Wer sich partout keinen eigenen Golfer zusammenschrauben möchte, darf natürlich auch auf einen prominenten Golfsportler zurückgreifen.
Überhaupt fällt dem eigenen Golfer eine hohe Bedeutung zu. Durch gute Schläge erarbeitet sich euer Sportler Erfahrungspunkte, die er später in seine Fähigkeiten investieren kann. Dies sorgt auch längerfristig für einen hohen Motivationsgrad. Schlechte Leistungen hingegen werden aber auch gerne mal mit einem Abzug von Erfahrungspunkten bestraft.
"Wichtig ist aufm Platz"
Im Gegensatz zu vielen anderen Golfspielen verfolgt
Tiger Woods PGA Tour schon seit jeher den Anspruch einer realitätsnahen Simulation. Entsprechend haben sich die Entwickler auch in diesem Jahr bemüht, den Golfsport möglichst authentisch auf eine Gamepad-Steuerung zu übertragen. Eine ambitionierte Aufgabe, wie sich abermals herausstellt. In einem ausführlichen Tutorial erklärt euch der Golftrainer die Handhabung des Spiels und weist euch in die Tiefen des Golfsports ein.
Mit dem linken Analogstick führt euer Golfer den Schlag aus. Zieht den Stick nach hinten, um den Golfschläger nach hinten auszuschwingen. Eine Bewegung nach vorne sorgt für einen erfolgreichen Schlag. Klingt simpel, aber wie so oft liegt der Teufel im Detail. Denn je stärker ihr mit dem Schläger ausholt, desto weiter wird auch der Schlag. Je nach Distanz zum Loch müsst ihr euren Stick mal mehr und mal weniger nach hinten durchziehen. Dabei ist ein Umschalten in den GPS Mode hilfreich, der euch die Entfernungen zu wichtigen Punkten auf dem Feld genau anzeigt. Habt ihr die Distanz abgecheckt, geht es an die Wahl des richtigen Schlägers.
Jedes Eisen hat in
Tiger Woods PGA Tour 11 eine unterschiedliche potenzielle Reichweite, die unter anderem auch vom Bodenbelag abhängig ist. Selbstredend hat der Caddy nicht für jede Distanz den richtigen Schläger parat, so dass ihr die Schlagkraft gegebenenfalls anpassen müsst. Liegt das Loch etwa einige Meter näher als die potenzielle Reichweite des Schlägers, solltet ihr die Schlagkraft eures Golfers mäßigen. Hier ist eine gute Portion Übung und Fingerspitzengefühl gefragt. Um gekonnt eine Schlagkraft von 80 Prozent anzusteuern, bedarf es schon einiger Übungsstunden. Unerfahrene Videospielgolfer werden sicherlich das ein oder andere Mal gehörig über das Ziel hinausschießen.
Die richtige Einschätzung der Schlagkraft ist jedoch nicht alles, was für eine erfolgreiche Golftour notwendig ist. Hier kommt schließlich der rechte Analogstick ins Spiel. Mit diesem peilt ihr die Stelle des Balls an, um die Flugkurve in die richtige Bahn zu lenken. Mit ein wenig Geschick gelingen dann selbst Lupfer über größere Baumwipfel.
PGA – Zwischen Arcade und Simulation
Je nachdem welchen Schwierigkeitsgrad ihr gewählt habt, ist ein weiteres Einarbeiten in die Feinheiten des Spiels dringend notwendig. Ein weiteres wichtiges Element von
Tiger Woods PGA Tour 11 ist das Fokussieren von Präzision und Kraft. Dies ist jedoch leider nicht immer möglich, sondern erst wenn ihr durch gute Schläge genug „Fokus Energie“ gesammelt habt. Dann aber dürft ihr euren Schlag beispielsweise mehr Reichweite verpassen. Hämmert einfach beim Zurückschwingen des Schlägers auf die A-Taste, um dem Ball einen ordentlichen Reichweitenboost zu verschaffen. Wer sich hingegen ein wenig mehr Genauigkeit des Schlages wünscht, darf sich mit seiner Fokusenergie das Zielfeld des Balles näher ansehen und den Landekreis etwas einengen.
In der Bedienung gelingt dies mühelos, ob dies aber den Ansprüchen einer beinharten Simulation gerecht wird, darf an dieser Stelle bezweifelt werden. Echte Hardcore Golfer schalten ohnehin in den True Aim Modus. Dieser schaltet sämtliche Hilfen ab. Golfer gegen Golfball… kein technischer Schickschnack, keine Zoomfunktion, keine Zusatzinformationen! Umgekehrt dürfen blutige Anfänger auch zur stark vereinfachten Drei-Klick Steuerung greifen. Mittels dieser Steuerungsmechanik light werden zwar recht schnell gute Ergebnisse erzielt, sie macht den Simulationsaspekt des Spiels aber vollends zunichte.
Neu im der 11er Ausgabe von
Tiger Woods PGA Tour ist zudem der Wind in unterschiedlicher Stärke. Während im Vorgänger stets ein gleichmäßiges Lüftchen blies, variiert das Wetter nun zwischenzeitlich auch mal. Gerade bei weiten Schlägen ist die Einberechnung von Windstärke und Windrichtung natürlich absolut erforderlich für ein erfolgreiches Spiel. Auch andere Wetterfaktoren wie Regen können die Vorraussetzungen für den Golfer verändern.
Der Ball muss ins Loch
Die Kür eines jeden Golfers ist natürlich das Putten. Hier hat sich im Vergleich zum Vorgänger wenig getan. Auf einer Skala müsst ihr den linken Analogstick zurückziehen. Achtet dabei darauf, dass dieser möglichst mittig im markierten Feld stehenbleibt, um einen genauen Schlag abzuliefern.
Tiger Woods PGA Tour 11 erweist sich dabei aber als recht pingelig. Kleinste Abweichungen vom geraden Kurs werden direkt mit einem Fehlschlag bestraft. Gerade für Golfanfänger dürfte sich das als recht frustig gestalten.
Tolle Tour – tolle Plätze – tolles Spiel?
Es gibt viel zu tun in
Tiger Woods PGA Tour 11. Auf insgesamt 17 Golfkursen dürft ihr eure Fertigkeiten zur Genüge ausprobieren. Wie wir es von EA Sports gewohnt sind, haben die Macher auch diesmal auf eine möglichst detailgetreue Umsetzung der Plätze geachtet. Die Menge der Spielmodi lässt zudem viele Möglichkeiten zu. Neben der standardmäßigen Karriere bietet das Spiel zudem interessante Multiplayermodi. Dabei sei insbesondere der neue Ryder Cup erwähnt. In diesem treten europäische und amerikanische Profigolfer im Team gegen einander an. Hier können sich vier Golfer gleichzeitig auf dem Grün messen (zwei von jedem Team), wobei der beste Golfer den Punkt für sein Team holt. Auch ein Single Match mit zwei Spielern gegeneinander ist möglich. Sehr interessant ist auch der Foursome-Modus. Hier schlagen die beiden Spieler eines Teams den Ball immer abwechselnd bis zum jeweiligen Loch.
Vorbildlich gestaltet sich auch der Online-Modus. Wie schon in anderen EA Sports Spielen lassen sich alle Optionen schnell finden. In kurzer Zeit habt ihr ein Team für den Ryder Cup gegründet oder seid einer Mannschaft beigetreten. Mitspieler sollten sich bei
Tiger Woods PGA Tour 11 jedenfalls schnell finden lassen. Kritik hingegen musste EA für die Einführung des Online Passes einstecken. Dem Spiel liegt ein Code bei, mit dem der Online Modus erst freigeschaltet werden muss. Nach dem Einlösen wird dieser ungültig. Für Erstkäufer bleibt also alles beim Alten. Wir sich jedoch in der Gebrauchtwarenabteilung diverser Videospielgeschäfte bedient, muss damit rechnen, dass dieser Code bereits verbraucht ist. Wer nachträglich einen Code für den Online Modus erstehen will, wird mit 10 Euro zur Kasse gebeten. Immerhin räumt EA auch Zweitkäufern eine Probezeit von 7 Tagen ein, um alle Funktionen ausgiebig zu testen.