Ein falscher Schritt, eine falsche Bewegung und das Leben kann ein jähes Ende nehmen. Gut, dass es dabei nur um das virtuelle Leben geht. Diese spannenden nervenaufreibenden Sekunden will Sniper: Ghost Warrior so gut wie möglich in einem Spiel umsetzen. Als Scharfschütze in einer Elite-Einheit ist es eure Aufgabe, ohne großes Auffallen verzwickte Missionen zu erfüllen. Dabei berechnet ein Ballistik-System realistisch die Umwelteinflüsse wie Schwerkraft, Wind und Regen. Mit einem einfachen Schuss ist es also nicht getan. Doch kann Sniper: Ghost Warrior auch für längere Zeit motivieren? Wir haben uns den Tarnanzug angezogen und sind durch die tiefen Gräser des Dschungels gekrochen. Was dabei am Ende herausgekommen ist, wird euch unser Test zur Xbox 360-Version genauer erklären.
Sieht aus wie Urlaub in der Karibik
Es könnte so schön sein. Traumhafte Strände, wunderbare Klippen und strahlend blauer Himmel. Alles perfekt für einen unvergesslichen Urlaub auf der Insel Trueno. Doch leider steht für euch hier nur Arbeit an. Die Regierung wurde gestürzt und miese Machenschaften und Drogengeschäfte bestimmen das Geschehen auf der Insel. Ein Grund mehr für eure Elite-Einheit hier mal ein wenig aufzuräumen und dem Terror- Regime ein Ende zu setzen. Nach dem kurzen Intro findet ihr euch auch schon im Spiel wieder. Getarnt von oben bis unten, schleicht ihr euch durch den Dschungel. Die ersten Gegner lassen nicht lange auf sich warten und werden mit gezielten Schüssen ins Jenseits befördert.
Dabei dürfen die Kugeln im Bullet-Cam- Modus präzise verfolgt werden. In Zeitlupe fliegt euer Projektil auf die Schläfe eures Gegners. Und dabei spritzt natürlich auch eine Menge Blut, nicht umsonst ist
Sniper: Ghost Warrior auch erst ab 18 Jahren freigegeben. Seid ihr allerdings zu hektisch oder zu schnell, ist eure Mission schnell wieder erledigt. Sobald ihr gesehen werdet, ertönt der Alarm und ihr könnt das ganze noch mal versuchen. Immerhin sind die Rücksetzpunkte fair verteilt. Minen, C4-Sprengladungen und Wurfmesser gehören ebenfalls zu eurem Inventar. In manchen Fällen reicht aber auch eine schallgedämpfte Pistole, um eure Gegner zu erledigen.
Grafisch ist
Sniper: Ghost Warrior ganz gut gelungen und bringt dank der Chrome Engine Dschungel-Atmosphäre auf den Fernseher. Doch kleinere Aussetzer stören den Ausflug auf die Insel. Müsst ihr mit einem Seil einen Berg runterhangeln, kommt Hektik ins Spiel. Nicht, dass ihr nur von allen möglichen Seiten beschossen werdet, ihr versucht auch noch krampfhaft, den rettenden Boden zu erreichen. Ruckelnde Einlagen und plötzlich verschwundene Grafiken sind die Folge. Und wenn es ganz hart auf hart kommt, weigert sich der Protagonist auch schon mal weiterzuschleichen. Da hilft nur ein Sprung oder das Aufstehen, wobei das in vielen Fällen wiederum zu einem Alarm führt. Und wenn ihr einmal richtig im Gras gelandet seid, verliert ihr auch schnell mal den Überblick.
Ich bin ein Sniper - holt mich hier raus
Dank des intregrierten HUD in
Sniper: Ghost Warrior solltet ihr aber oft wieder aus der Misere herauskommen. Ähnlich nervig ist es, wenn mehrere Gegner gleichzeitig das Feuer auf euch eröffnen. So schnell könnt ihr gar nicht reagieren, so dass ihr einfach ins Blaue feuert. Mit ein bisschen Glück sitzt der Treffer und ihr solltet schnell verschwinden. Wirklich Ruhe geben eure Verfolger aber nicht, sie ballern was das Zeug hält und wollen euch unbedingt erledigen. Eure Kollege im Spiel versucht zwar alles, um euch zu helfen, aber meistens seid ihr dank der miesen KI auf euch alleine gestellt. Per Funkkontakt erhaltet ihr dabei neue Aufträge oder werdet zurückgezogen.
Die deutsche Sprachausgabe ist gut gelungen und fügt sich gut ins Geschehen ein. Hätten die Entwickler soviel Mühe auch ins Spiel gesteckt wäre vielleicht was besseres dabei heraus gekommen. Das ewige Rumwuseln im Gras wird schon nach wenigen Minuten nervig und lässt dabei auch noch matschige Texturen erkennen. Was von weitem so gut aussieht ist aus der Nähe eher eine Mogelpackung. Schade, am Anfang habt ihr nämlich das Gefühl, dass City Interactive ein richtig cooles Spiel entwickelt hat. Profis haben
Sniper: Ghost Warrior nach knapp sechs Stunden durchgespielt und werden es danach wohl auch nicht mehr in die Konsole einlegen.
Das erwähnte Ballistik System findet im Schwierigkeitsmodus Leicht und Normal übrigens gar nicht statt. Nur wer sich den schwersten Modus zu Gemüte führt darf diese besondere Eigenschaft im Spiel erleben. Doch das sollten wirklich nur echte Profis wagen, denn hier ist neben Geduld auch jede Menge Feingefühl gefragt.
Langeweile mal zwölf
Bevor wir es vergessen: Einen Mulitplayer-Modus gibt es in
Sniper: Ghost Warrior auch. Drei Spielmodi sollen hier zwölf Spieler online zusammenbringen. Nach mehreren Versuchen haben wir es geschafft, ins Spiel zu kommen, die Wartezeit hat sich allerdings nicht gelohnt. Neben dem mittelmäßigen Story Modus ist der Multiplayer-Modus keinen Deut besser. Schade, die Möglichkeiten waren gegeben, wurden aber vom Entwickler leider nicht wirklich ausgenutzt. Ein bisschen langweilige Story mit ein paar Sniper Einsätzen macht noch lange kein gutes Spiel.