Der Vergleich mit Mario Kart mag abgedroschen klingen und optisch sogar unpassend zu sein. Auch der Bezug zu Bizarres Project Gotham Racing-Reihe liegt natürlich nahe. Tatsächlich liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Blur bedient sich sowohl bei der Mutter aller Funracer, als auch an den hauseigenen Rennspielprojekten. Nachdem wir in der Multiplayer-Beta schon ausführlich Gas geben konnten, ist nun die Vollversion bei uns in der Redaktion aufgeschlagen. Wir haben den Bleifuß für euch durchgedrückt und uns wagemutig auf den heißen Asphalt gewagt. Unsere Gesamteindrücke erfahrt ihr in unserem ausführlichen Testbericht.
Von einem Funracer erwarten wir eine unkomplizierte Steuerung, Multiplayerspaß und tonnenweise Action auf der Piste. Doch kann
Blur diese Ansprüche auch wirklich erfüllen? Möchte das Spiel überhaupt ein Funracer sein? Diese Frage lässt sich erst nach einem längeren Antesten genauer beantworten. Auf den ersten Blick würden die meisten Videospielfans letztere Frage wohl eindeutig mit einem „Ja!“ beantworten. Durch den Einbau der vielseitigen Power-Ups ist durchgehend für Action gesorgt, gerade mit vielen Mitspielern hat
Blur durchaus das Potential für eine Partybombe. Einschränkungen gibt es aber dennoch.
Arcadige Simulation
In Sachen Zugänglichkeit müssen bei
Blur klare Abstriche hingenommen werden. Für geübte Spieler stellt die Steuerung zwar sicherlich keine allzu hohe Hürde dar, Non-Gamer geraten ob einiger Feinheiten aber schnell ins Schwitzen. So gestaltet sich das Handling der einzelnen Fahrzeuge doch ungleich schwerer als bei mariokartesquen Funracern. Die durchweg lizensierten Originalfahrzeuge steuern sich alle unterschiedlich, so dass es schon einiger Übung bedarf, um sich mit allen Feinheiten vertraut zu machen. Auf einer Party mit weniger videospielaffinem Publikum könnte sich dieser Punkt als nachteilig für
Blur herausstellen. Unter dem Strich bleibt aber dennoch ein Rennspiel, das sich bezüglich der Steuerung deutlich näher am Arcadegame bewegt als an einer Simulation. Verstärkt wird das arcadelastige Spielgefühl natürlich durch die aufsammelbaren Items auf der Strecke.
Power-Ups
Im Gegensatz zu
Mario Kart & Co. können die Fahrer schon von weitem erkennen, welche Items sich auf der Wegstrecke befinden. Wir kaufen nicht die Katze im Sack, sondern können genau auswählen, welches Power-Up wir als nächstes aufsammeln möchten… sofern es die Strecke zulässt. Da besagte Power-Ups auch mal gerne in den Kurven platziert werden, sind die Auswahlmöglichkeiten trotzdem häufig sehr eingeschränkt. Wie sich schnell herausstellt, stellen die Power-Ups ein zentrales Spielelement dar und ermöglichen ein taktisches Vorgehen im Rennen. Insgesamt gibt es in
Blur acht verschiedene Power-Ups:
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Schock: Der Schock sendet eine EMP-Welle über die Piste. Alle Fahrzeuge, die durch sie hindurchfahren, werden für eine Zeit außer Gefecht gesetzt.
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Stoß: Dieses Item löst eine Lenkrakete aus, die Autos durch die Luft wirbelt. Alternativ kann der Stoß auch zu Abwehr von Angriffen eingesetzt werden.
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Mine: Auch die Mine kann entweder nach vorne oder nach hinten eingesetzt werden. Ihre Explosion bringt die Gegner gehörig ins Schlittern.
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Nitro: Das Äquivalent zur Mario-Zwiebel lässt euer Fahrzeug erheblich beschleunigen. Kann auch zum Ausbremsen von Gegnern verwendet werden.
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Abräumer: Mit diesem Power-Ups können gegnerische Fahrzeuge durch Anstubsen aus dem Weg geräumt werden. Zudem kann es zur Abwehr von feindlichen Angriffen eingesetzt werden.
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Schild: Äußerst nützliches Item, das euer Fahrzeug vor Rammattacken und gegnerischen Power-Ups schützt. Die Wirkung ist natürlich zeitlich begrenzt.
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Blitz: Bis zu drei Angriffen können mit dem Blitz ausgeführt werden. Der Blitz beschädigt andere Autos und bringt diese vom Kurs ab.
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Reparieren: Füllt die Energie eures Fahrzeugs wieder auf.
Besser tot als Zweiter
Wie ihr seht, ist für reichlich Abwechselung gesorgt. Da auch mehrere Power-Ups – insgesamt bis zu drei - gesammelt werden können, bietet
Blur allerhand Möglichkeiten, um die Gegner außer Gefecht zu setzen. Ein Reparatur-Item kann zur rechten Zeit eingesetzt, den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausmachen. Taktisches Feingefühl ist also von Vorteil. Ebenso abwechslungsreich wie die Power-Ups sind die unterschiedlichen Spielmodi. Den Kern des Spiels bildet dabei sicherlich der Karrieremodus. Diese besteht aus insgesamt neun Levels, an deren Ende stets ein Bossgegner auf euch wartet. Die Rennen gegen den Obermotz stellen eine besondere Herausforderung dar. Um gegen diesen zu bestehen, müsst ihr entweder als Erster die Ziellinie überqueren oder euren Opponenten mittels Power-Ups zermalmt haben. Habt ihr die Herausforderung geschafft, werdet ihr im Anschluss mit dem (reparierten) Auto des Endgegners belohnt.
Bevor es jedoch soweit ist, gilt es einige Rennen zu überstehen. Schließlich geben sich die Endbosse nicht mit jedem dahergelaufenen Autobesitzer ab. So müsst ihr euch das Duell erst redlich verdienen. Während der vorlaufenden Rennen werden „Lichter“ für die ersten drei Plätze vergeben. Habt ihr eine bestimmte Anzahl von „Lichtern“ gesammelt, werden neue Strecken und Events freigeschaltet. Sehr motivierend!
Weiterhin solltet ihr die Zahl eurer Fans im Auge behalten. Die Anhängerschaft in
Blur lechzt nach spektakulären Drifts und brutalen Unfällen. Erfüllt ihr die Anforderungen der Zuschauer, steigt auch die Zahl eurer Fans. Dazu werden den Fahrern während eines Rennens diverse Sonderaufgaben gestellt. Diese sind ähnlich vielseitig wie die dabei einzusetzenden Power-Ups. „Ramme drei Gegner gleichzeitig unter der Verwendung des Power-Ups Abräumer“ könnte etwa einer der zahlreichen Fanwünsche lauten. Es ist zwar nicht zwingend notwendig, viele Fans hinter sich zu wissen, es bringt aber dennoch einen ungemeinen Vorteil: ihr schaltet neue Autos frei.
Somit hat Bizarre die Sammelleidenschaft der Videospieler auf drei unterschiedlichen Ebenen geweckt. Gute Platzierungen bringen neue Events, viele Fans schalten neue Autos frei und der Sieg über einen Bossgegner wird ebenfalls mit einer neuen Karre belohnt.
Spielmodi – die blure Abwechselung?
Neben dem Karrieremodus haben die Entwickler einige andere kurzweilige Spielmodi in
Blur eingebaut. Bei „Zerstörung“ ist der Name Programm. Ziel ist es ganz einfach so viele gegnerische Fahrzeuge wie möglich zu crashen. Macht zwischendurch sicherlich Spaß, die große Langzeitmotivation bietet es aber nicht. Gleiches gilt für „Kontrollpunkt“. Hier hat sich Bizarre Creations beim guten alten
Out Run bedient. Das Überfahren eines Checkpoints füllt die heruntertickende Uhr wieder um einige Sekunden auf. Ist die Zeit abgelaufen, endet das Spiel.
Natürlich darf bei einem Rennspiel auch ein zünftiger Multiplayermodus nicht fehlen. Zum Zeitpunkt des Tests war bereits eine ausreichende Anzahl an Mitspielern vorhanden. Es wird sich erst noch herausstellen, ob
Blur auch langfristig eine aktive Community aufrecht erhalten kann. Das Potenzial dazu ist sicherlich vorhanden. Mit seinen Social Network Gimmicks lädt
Blur reichlich zur Interaktion über das Internet ein. So dürfen eure Facebook- und Twitter Accounts mit dem Spiel verbunden werden. Mit dem witzigen Fotomodus könnt ihr Screenshots bearbeiten und diese natürlich auch anschließend hochladen.
Blure Grafik
Allein der Titel des Spiels lässt Übles erahnen. Bezüglich der grafischen Präsentation hat sich Bizarre Creations ganz an den Produktnamen gehalten. Ein grafischer Leckerbissen ist
Blur keineswegs. Die gesamte Optik wirkt durchweg verwaschen. Echtes HD-Feeling will da nicht aufkommen. Immerhin sorgen die unscharfen Texturen für eine konstant hohe Framerate, sogar wenn sich zwölf Autos gleichzeitig auf dem Bildschirm befinden. In Sachen Sound hingegen haben die Macher von
Blur solide Arbeit geleistet. Die treibenden Beats sind in einem Racer dieser Machart durchaus adäquat und erhöhen den Adrenalinspiegel zusätzlich… zumindest wenn diese nicht von den Dauerexplosionen übertönt werden.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
