Seit nunmehr 21 Jahren schlägt sich der Prinz von Persien säbelschwingend durch das Abendland. Auch wenn der betagte Haudegen nicht grade für seine Geschichten aus 1001 Nacht bekannt ist, hat er sich doch eine solide Anhängerschaft aufgebaut, die dem blaublütigen Veteranen vor allem aufgrund seiner akrobatischen Kampfkunst und seines Charmes treu ergeben ist. Seit wenigen Tagen könnt ihr sein neustes Abenteuer Prince of Persia: Die vergessene Zeit miterleben. Ob ein Abstecher ins ferne Persien lohnenswert ist, erfahrt ihr in unserem ausführlichen Test.
Der vergessene Feind
Es hätte alles ganz anders laufen sollen… Mit Schrecken erinnert sich der namenlose Prinz, Sohn des großen persischen Königs Sharaman, an die Ereignisse zurück. Ein Festessen, ein heißes Bad, eingelassen von den Schönsten der Schönen und ein glücklicher Bruder, der ihn per herzhaften Handschlag in seinen Hallen am Rande des Königreichs empfangen sollte. Das war es, was ihm im Geiste vorschwebte. Seine Augen jedoch ließen ihn ohne jegliches Gefühl für Mitleid die Wahrheit erkennen. Die einst so prachtvollen Bauten der Stadt liegen in Trümmern, der Palast ist verwüstet, die Einwohner geschändet. Feindliche Soldaten soweit das Auge reicht. Die Verteidiger haben dem Ansturm nicht standhalten können. Aus den Augenwinkeln heraus kann der junge Prinz seinen Bruder erkennen. Mit einer Schar seiner Getreuen zieht er sich in die Schatzkammern zurück, die reich verzierten Stahltüren hinter sich schließend. Ein zweckloses Unterfangen, haben doch die schweren Geschosse der Katapulte längst etliche Löcher in die Kammerwände gerissen. Wie die Geier machen sich die Feinde des Königs über seine Reichtümer her. Schlimmer kann es nicht mehr kommen. Welch törichter Gedanke, das wird dem Prinzen nun schmerzhaft klar…
Der vergessene Fluch
Malik, Bruder des Prinzen und Erstgeborener des Königs Sharaman - daher dessen Thronerbe - sieht nur einen Ausweg, um seine Stadt zu retten: Salomons Armee muss befreit werden, bevor sie in die Hände des Feindes fällt. Tief in den Katakomben der Schatzkammer verbirgt sich ein schweres, steinernes Portal. Mit Hilfe des Artefaktschlüssels öffnet Malik daher, die Warnung seines Bruders ignorierend, die Kammern. Ein leises Klicken ist zu vernehmen, als der Schlüssel in zwei Teile zerbricht und sich gleichzeitig ein schmaler Spalt in der Wand öffnet. Gelblich leuchtender Sand ergießt sich in kleinen Rinnsalen über die verbliebenen Soldaten Maliks. Kurz darauf bricht die Hölle los: Das steinerne Portal fällt laut krachend auseinander, grotesk anmutende Kreaturen bilden sich aus dem magischen Sand heraus. Die verbliebenen Verteidiger der Stadt, nun in wilder Panik flüchtend, werden von Salomons Schergen in Stein verwandelt. In dem draus resultierenden Tumult nimmt sich jeder der beiden Prinzen ein Stück des Artefakts und beide suchen, getrennt durch einen herunterfallenden Schuttberg, ebenfalls das Weite.
Die vergessene Bedrohung
Mit einer Hälfte des Amuletts schlagen wir uns in
Prince of Persia: Die vergessene Zeit durch das halb eingestürzte Gemäuer. Eigenartig, alle Soldaten des Palastes scheinen zu Stein geworden zu sein – mit Ausnahme der beiden Prinzen. Doch bevor wir uns näher mit diesem Phänomen beschäftigen können, erscheint ein seltsam anmutendes Portal direkt vor uns. Da kein anderer Weg übrig bleibt, müssen wir uns wohl oder übel durch den blau leuchtenden Durchgang wagen. In einer surrealen Zwischenwelt treffen wir auf Razia, einem fast 1000 Jahre alten Dschinn. Sie macht die Ausmaße unserer Tat deutlich: Salomons Armee kann nicht von Menschen kontrolliert werden, ihre Zahl ist groß und wächst rapide. Der einzige Grund für das Überleben der blaublütigen Brüder ist das Artefakt. Sie sind Quellen großer magischer Energie und schützen ihren Träger vor dem Fluch. Gleichzeitig verbannen sie die gerufene Armee zurück in die Tiefen die Erde. Dafür, teilt uns Razia mit, benötigen wir allerdings beide Teile des Amuletts. Wie jedoch sollen wir zur Malik gelangen, steht doch Salomons Armee zwischen den beiden Prinzen. Auch auf die Frage weiß die 1000-jährige Schönheit rat. Die Kraft der Elemente ist vonnöten, um gegen die Armee des Sands bestehen zu können. Glück für uns, denn Razia, Königin des Stammes der Dschinn, kann uns eben jene Fähigkeiten vermitteln. So ausgerüstet besteht zumindest eine Chance Salomons Fluch aufzuheben.
Die vergessene Abwechslung
Mit eben jenen Geschehnissen werdet ihr in das eigentliche Spiel entlassen. Die Ereignisse in
Prince of Persia: Die vergessene Zeit werden wie gewohnt grandios in Szene gesetzt und stellen neben dem Intro auch eine Art Tutorial dar. In kurzen Texteinblendungen wird euch die Steuerung des Prinzen erklärt. Viel hat sich im Vergleich zum Vorgänger nicht geändert. Abermals könnt ihr die Klettereinlagen mit nur zwei Buttons meistern. Wichtig ist nach wie vor das richtige Timing. Wandlauf, Sprünge und sonstige akrobatische Künststücke lasst ihr den Prinzen so mit nur wenigen Befehlen ausführen. Auch wenn die Sprungeinlagen von Veteranen inzwischen im Schlaf gemeistert werden, macht es dennoch Laune, mit dem persischen Königssohn durch die Levels zu hetzen. Veränderungen hingegen gibt es in den Kämpfen. Habt ihr im Vorgänger noch gegen einzelne Gegner kämpfen müssen, stellen sich euch im neuen Teil wahre Heerscharen entgegen. Kämpfe mit bis zu 30 Feinden sind keine Seltenheit. Dabei geht das Gameplay vom taktischen Kampf ins Hack & Slay über. Wer einfach wild zuschlägt kommt letzten Endes zum Ziel. Auf spezifische Taktiken werdet ihr nur in den seltensten Fällen zurückgreifen müssen.
Um ein wenig mehr Abwechslung in die stark eintönige Messerarbeit zu bringen, könnt ihr in
Prince of Persia: Die vergessene Zeit auf Zauber zurückgreifen. In einem übersichtlichen Talentbaum könnt ihr euch auf die einzelnen Elemente spezialisieren. Aufgrund des geringen Schwierigkeitsgrades und mangelnder Daseinsberechtigung der Zauber ist es letztendlich egal, in welche Richtung ihr euren Prinzen ausbildet – verschenktes Potential. Gelungen hingegen sind die Rätsel und Sprungeinlagen, kombiniert mit den Mächten der Elemente. Bereits früh im Spiel bekommt ihr beispielsweise die Fähigkeit Wasser in Eis zu verwandeln. Per Knopfdruck könnt ihr das kühle Nass für einen gewissen Zeitraum erstarren lassen. Die damit verbundenen Knobeleien sorgen für Spass.
Der vergessene Charme
Man mag dem neuen Teil der Prince of Persia Reihe viel vorwerfen, schlechte Grafik gehört nicht dazu. In
Prince of Persia: Die vergessene Zeit haben die Entwickler Abstand von der Comic-Grafik genommen und sind zu Altbewährtem gewechselt. Ein zweischneidiges Schwert, denn der Vorgänger sah trotz Comicstil hervorragend aus. Einzig in den Zwischensequenzen nutzte man das volle Potential moderner PC-Systeme und Konsolen nicht aus. Diesen Makel hat man nun beseitigt. Die zugegebenermaßen selten auftretenden Sequenzen können sich sehen lassen. Lebensechte Animationen, Mimik und Gestik könnten aus dem Kinosaal entsprungen sein. Ebenfalls gelungen, wenn auch nicht ganz so sehenswert wie die Rendervideos, ist die Spielgrafik. Auch hier bewegt sich der namenlose Prinz geschmeidig durch den halb eingefallenen Palast. Was dennoch negativ auffällt sind die mangelnden Details. Jeder dritte Raum sieht gleich aus, Töpfe, Vasen und Risse im Mauerwerk wiederholen sich wieder und wieder.
Weit größere Kritikpunkte jedoch sind die dünne Story und die blassen Charaktere. Erstere wird anfangs noch groß inszeniert und im schnellen Tempo vorangetrieben, erweist sich aber zur Spielmitte hin als Rohrkrepierer. Nun mögen Fans der Reihe behaupten, dass der persischen Prinz noch nie mit einer wirklich gut erzählten Geschichte brillieren konnte. Der Charme des Spiels wurde doch vor allem durch die vielschichtigen und gut vertonten Charaktere vermittelt. Genau an dieser Stelle scheint Ubisoft diesmal gespart zu haben. Weder Prinzen noch Dschinn Razia können eine Bindung zum Spieler aufbauen. Bis zum Spielende hin bleiben alle drei mehr oder weniger gesichtslose Personen. Die witzigen Wortgefechte sind, ebenso wie die in allen sonstigen Teilen vertretene Prinzessin, außen vor geblieben.