Es war ein echtes Geduldsspiel für die Mannen von Ubisoft Montreal. Nach den tollen Erfolgen der ersten Agentenspiele um Sam Fisher, schien die Serie auf der Stelle zu treten. »Double Agent nutzte die Potenziale der NextGen-Konsolen nur unzureichend aus und sorgte bei eingesessenen Fans für lange Gesichter. Mit dem neuen Teil soll nun alles besser werden, doch die Arbeiten am neuen Splinter Cell zogen sich hin. Eine relativ weit gediehene Version wurde gar komplett eingestampft, da die Qualitätskontrolle von Ubisoft ihre Bedenken angemeldet hatte. Dreieinhalb Jahre nach der Veröffentlichung des letzten Teils, ist es schließlich nun doch soweit. Splinter Cell: Conviction steht in den Regalen der Videospielhändler. Hat Ubisoft Montreal die lange Entwicklungszeit gut genutzt, um die Serie zu neuen Höhen zu führen? GameRadio hat sich das redaktionsinterne Nachtsichtgerät geschnappt und ist mit Sam Fisher um die Häuser gezogen.
Nach Max Payne und Solid Snake hat es nun also auch Sam Fisher erwischt. Die aufreibende Karriere des smarten Agenten ist auch an dem beliebten Videospielcharakter nicht spurlos vorbeigegangen. Die einschneidenden Erlebnisse zogen eine intensive Persönlichkeitsveränderung nach sich. Mr. Fisher musste den Tod seiner Frau ertragen und sorgte höchstselbst für das Ende seines Freundes Irvine Lambert. Besonders getroffen hat ihn aber der Tod seiner Tochter Sarah, die bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam.
Welcome to the beautiful city of Valetta, Malta
Die Geschichte von
Splinter Cell: Conviction beginnt in einem gemütlichen Café in Maltas Hauptstadt Valetta. Viel Zeit, um die Vorteile der maltesischen Sonneninsel genießen zu können, habt ihr jedoch nicht. Denn schnell überschlagen sich die Ereignisse. Als ein Kellner Sam ein Handy reicht, gilt es schnell zu schalten. Am anderen Ende der Leitung hört Sam die Stimme einer alten Bekannten: Grim. Mit ihrer Hilfe gelingt es dem Agenten mit knapper Not einer ganzen Armee von Auftragskillern zu entkommen. Ubisoft Montreal nimmt diese ersten Szenen zum Anlass, dem Spieler gleich mit den zahlreichen neuen Features vertraut zu machen… ihr werdet sie benötigen.
A-B-X-Y oder die Steuerungsvielfalt des Sam Fisher
So findet ihr auf dem Bildschirm in
Splinter Cell: Conviction immer wieder hilfreiche Einblendungen, die euch zeigen, wie ihr mit bestimmten Objekten interagieren könnt. Mit dem A-Knopf hüpft Sam über Tische und Bänke, öffnet Fenster und Türen oder schiebt sich von einer Deckung zur nächsten. Soweit, so einfach. Dank der vielfältigen Möglichkeiten des Agenten, erweist sich die Steuerung ansonsten jedoch als recht komplex. Die Möglichkeiten des Xbox 360-Controllers mit all seinen Knöpfen und Sticks werden nahezu restlos ausgeschöpft. Videospielneulinge sollten also schon mit einer längeren Eingewöhnungszeit rechnen.
Profis hingegen freuen sich über die ausgefeilten Möglichkeiten des Superagenten. Neu hinzugekommen ist etwa der „Mark And Execute“-Modus. Dieser kann aktiviert werden, nachdem ihr einen Gegner per Nahkampfattacke außer Gefecht gesetzt habt. Anschließend kann per rechter Schultertaste eine Anzahl von zwei bis fünf Feinden markiert und mit der Y-Taste zielgenau eliminiert werden. So sind auch größere Gegneransammlungen ein lösbares Problem.
Drei…zwei…eins…Action!
Insgesamt ist
Splinter Cell: Conviction deutlich actionlastiger geworden als noch seine Vorgänger, das Spiel verliert seine Wurzeln aber auch nicht gänzlich aus den Augen. Noch immer kraxelt Mr. Fisher an Wänden und Rohren entlang, um sich dann von oben herab überraschend auf seine Gegner zu stürzen. Doch es geht auch anders: Mit dem Sturmgewehr in der Hand, könnt ihr nun auch einen deutlich rabiateren Stil an den Tag legen. Rauchgranate in den Raum werfen, Knarre zücken und alles über den Haufen ballern, was sich bewegt, ist zumindest eine der möglichen Optionen, eine Situation zu lösen.
Geduldige Naturen dürfen sich aber nach wie vor auch in den Schatten flüchten. Dabei färbt sich der Bildschirm in ein beruhigendes Schwarz-Weiß, wenn Sam Fisher für seine Umwelt unsichtbar wird. Aus sicherer Position könnt ihr euch dann auf leisen Sohlen an euer Opfer heranpirschen und es überwältigen. Wunderbar funktioniert auch die „Letzte bekannte Position“-Funktion. Haben die gegnerischen Agenten Sam einmal entdeckt, entsteht an der Stelle ein durchsichtiges Abbild des Protagonisten, welches praktisch den letzten bekannten Aufenthaltsort von Fisher markiert. Schleicht nun in eine günstige Schussposition und wartet ab, bis eure Gegnerschaft in die Falle tappt.
Interessant sind dabei auch die zahlreichen Gadgets, die Sam Fisher in
Splinter Cell: Conviction unterwegs aufpicken kann. Diese reichen vom einfachen Spiegel, mit dem ihr etwa unter Türen hindurchgucken könnt, über fernzündbare Minen bis hin zur Splittergranate. Auch Sams Waffen lassen sich hin und wieder upgraden. Durch das Lösen bestimmter Aufgaben – den PEC Challenges – erarbeitet ihr euch Punkte, die ihr dann zur Verbesserung eurer Waffen einlösen könnt. Schalldämpfer, größere Magazine oder ein Laseraufsatz sind hilfreiche Gimmicks, die euch das Agentenleben erleichtern. Leider kann Sam nicht immer sein ganzes Waffenarsenal mitnehmen, sondern muss sich für zwei Waffen entscheiden, die natürlich unterschiedliche Vor- und Nachteile mit sich bringen.
Solo vs. Multiplayer
Befürchtungen,
Splinter Cell: Conviction sei ein Spiel mit einer extrem kurzen Solokampagne, haben sich nicht bewahrheitet. Zwar weist das Spiel mit etwa 8–10 Stunden Spielzeit keine Rekordlänge auf, hält sich aber durchaus im Schnitt moderner Actiongames. Dafür erlaubt sich das neue
Splinter Cell auch keine storymäßigen Längen. Die Handlung wird konsequent vorangetrieben und überzeugt mit unerwarteten Wendungen. Einzig die etwas dümmlichen Gegenspieler trüben den sehr guten Gesamteindruck.
Als Dreingabe hat Ubisoft Montreal dem Spiel zudem noch einen starken Mehrspielermodus beschert. Für diesen haben sich die Entwickler gleich einen eigenen Plot mit neuen Charakteren ausgedacht. Im Koop-Modus dreht sich alles um den US-Agenten Archer sowie den russischen Spion Kestrel. Sämtliche Funktionen und Gadgets aus dem Hauptspiel finden auch im kooperativen Modus Anwendung. Allerdings setzt der Koop-Modus auch auf eure Zusammenarbeit als Team. Geht etwa ein Spieler zu Boden, hat der Partner nun ein Zeitkontingent, um seinen Freund zu retten.
Weiterhin gibt es auch kompetitive Mehrspielervarianten. Bei „Duell“ etwa bekriegen sich Archer und Kestrel gegenseitig. Hinzu kommen einige Computergegner, die für etwas mehr Leben auf der Karte sorgen. Ziel ist es, einfach so viele Gegner wie möglich zu erledigen. Im Modus „Letztes Gefecht“ hingegen gilt es einen EMP-Generator gegen seine Feinde zu verteidigen. In „Jagd“ müssen die Spieler wiederum ein Gebiet von Gegnern säubern. Werdet ihr dabei jedoch entdeckt, wird umgehend Verstärkung zu Hilfe gerufen.
Am besten funktioniert der Multiplayer-Modus von
Splinter Cell: Conviction via Xbox Live, er kann aber auch per Splitscreen an einer Konsole gespielt werden. Dabei ist neben dem kleineren Bildschirmausschnitt, jedoch auch zeitweise mit einigen Rucklern zu rechnen. Ansonsten gestaltet sich die Multiplayerhatz aber sehr unterhaltsam und technisch einwandfrei.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards: