Als Teenager hatte ich drei Traumberufe: Spieleredakteur, Rockstar und DJ. Nachdem ich dank Web 2.0 und Guitar Hero bereits zwei der Tätigkeitsfelder abklopfen konnte, darf ich mit Activisions DJ Hero nun auch den dritten Job ausprobieren.
Schallplatten-Allein-Unterhalter
Während Rockstars häufig durch ihr großes Ego auf der Bühne überzeugen und Sänger auf das von der Natur mitgegebene Instrument der Stimme vertrauen, bleibt dem DJ nur das Arrangieren bereits fertig gestellter Musikstücke. Zwar steht auch er auf einem Podest – und damit im Mittelpunkt – aber im Vergleich zu anderen Musikern muss er allein durch seinen Sound überzeugen. Ausladende Performances oder Stage-Diving sind einfach nicht drin. Doch eignet sich das eher handwerkliche Arbeiten am Plattenteller für ein eigenes Musikspiel? Reichen die unterschiedlichen Stilrichtungen aus, um auch wirklich alle Zocker zu befriedigen? Diese beiden Fragen entscheiden, ob ihr euch die teure
DJ Hero-Hardware anschaffen oder doch lieber bei
SingStar,
Guitar Hero und Co. bleiben solltet.
Kommen Sie bitte mal vor ans Pult!
DJ Hero wird neben dem Datenträger mit einem Plattenteller ausgeliefert. Drei farbige Tasten auf dem nachgeahmten Vinyl treten an die Stelle der Buttons am Gitarrenhals anderer Bandspiele. Im Gegensatz zu
Guitar Hero und Konsorten müsst ihr damit aber keine einzelnen Noten oder Gitarrensaiten erwischen, sondern die einzelnen Tonspuren des jeweiligen Songs aktivieren. Da der Plattenteller wie sein reales Vorbild auf einem Kugellager sitzt, lassen sich damit aber auch Scratch-Einlagen umsetzen. Drückt den Button zum angegebenen Zeitpunkt und bewegt die Platte vor und zurück, um dieses bekannte Stilmittel einzusetzen. Damit ihr allein durch die Betätigung der drei Buttons nicht unterfordert werdet, haben die Entwickler auch das Mischpult nachgeahmt. Darin verbirgt sich nicht nur ein kompletter Controller, der die Navigation durch die Menüs erleichtert, sondern auch der Cross-Fader. Auf höheren Schwierigkeitsgraden könnt ihr damit das Umschalten zwischen zwei Platten simulieren, indem ihr den Regler zu angegebenen Zeitpunkten nach links oder rechts bewegt. Durch die unabhängig voneinander notwendigen Eingaben beider Hände (farbige Buttons und Cross-Fader) dürften auch Fingerakrobaten bis an ihre Grenzen gefordert werden.
Simpler ist da schon die Verwendung des Effektreglers in
DJ Hero. An bestimmten Abschnitten eines jeden Songs lässt sich damit durch eine Drehbewegung die Aussteuerung des Tracks verändern: tiefe Bässe oder pfeifende Höhen, das entscheidet ihr. Zwar handelt es sich dabei eher um eine wenig anspruchsvolle Spielerei, doch das Drehen am Effektregler gehört neben dem Scratchen dann doch zu den bekanntesten Aufgaben eines DJs und darf dementsprechend nicht fehlen. Ebenfalls über den Effektregler lassen sich in bestimmten Bereichen eines Mixes unterschiedliche Soundsamples auswählen, die ihr über die farbigen Tasten des Plattentellers aktiviert. Leider passen diese Einspieler nicht zu jeder der enthaltenen Stilrichtungen. In den meisten Fällen ergibt sich dadurch also eher ein Sound wie auf einem Jahrmarkt am Autoscooter-Stand.
Mit dem Euphorie-Button kommt schließlich noch die aus anderen Bandspielen bekannte Funktion der Starpower hinzu. Habt ihr eine bestimmte Anzahl an glühenden Symbolen mit den farbigen Buttons erwischt, lässt sich damit ein Fanbonus aktivieren, der euch die doppelte Punktzahl beschert. Das letzte Element der DJ-Simulation ist der Rewind. Nach perfekt getimten Eingaben lässt sich der gespielte Mix durch eine Drehung des Plattentellers zurückspulen. Leider endet diese Aktion mitunter an einer schwierigen Stelle des Tracks, so dass ihr euch nach dem durch die Drehung notwendigen „Einfangen“ des Plattentellers nicht gleich wieder ins Spiel findet. Cool ist diese Aktion aber allemal.
Was nicht passt, wird passend gemacht
Ein Musikspiel wie
DJ Hero steht und fällt mit der Trackauswahl. Um euch nicht den Großteil der Zeit tatenlos neben dem Plattenteller stehen zu lassen, setzen die Macher bei allen Tracks auf einen vorgegebenen Mix aus zwei Songs, die mitunter aus gänzlich unterschiedlichen Stilrichtungen stammen. Da werden schon mal Daft Punk und Queen oder die Beastie Boys und Blondie zusammengewürfelt. Grundsätzlich stammen die meisten der 93 Tracks aus dem HipHop-, Elektro- oder Pop-Genre. Den Mixes merkt man zudem an, dass bei der Erstellung wahre Profis am Werk waren. Selbst unpassende Stilrichtungen ergeben mitunter einen tollen Sound. Überzeugt euch selbst und werft einen Blick auf die
»Video-Setlist.
Leider dürfte
DJ Hero bei den meisten Spielern zur Ein-Mann-Party verkommen. Zwar könnt ihr euch theoretisch auch ein DJ Battle liefern, hierfür ist jedoch ein zweiter Controller notwendig. Auch das eventuell bereits angeschaffte Equipment von
Guitar Hero oder
Rock Band nützt euch wenig. Zwar dürft ihr euch bei einigen Mixes von einem Gitarristen unterstützen lassen, der dadurch entstehende Sound ist allerdings Geschmackssache. Mich hat dieser Stil-Mix dann doch sehr schnell genervt. Hier findet ihr ein ganz besonders schreckliches Beispiel:
»Foo Fighters vs. Beastie Boys.
Den Langzeitspielspass muss
DJ Hero daher aus dem Karriere-Modus schöpfen, der euch viele freischaltbare Plattenteller, Outfits oder Bühnen beschert. Euren DJ dürft ihr damit zwar modifizieren, ein umfangreicher Editor wie in
Guitar Hero oder
Rock Band fehlt aber leider komplett. Daher seid ihr auf die enthaltenen DJ-Größen wie Grandmaster Flash und Co. angewiesen.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
