Die National Basketball Association, kurzum NBA, befindet sich momentan in der Pre-Season. Die Teams präsentieren sich durch Gastspiele international, passen ihre Kader an und stimmen sich auf die bevorstehende Saison ein, um dann um die begehrten Playoffplätze und schlussendlich die Larry O’Brien Trophy zu kämpfen. Wie immer zu dieser Zeit erscheinen mehrere Videospielumsetzungen des Korbspiels. Die zwei bekanntesten sind mit Sicherheit NBA Live und NBA 2K. Konnte die Live-Serie von EA immer mit einer sehr guten Präsentation überzeugen, so war die Spielmechanik das Zugpferd der 2K-Spiele. Doch in den letzten zwei Jahren haben die Entwickler der 2K-Reihe in Sachen Präsentation enorm aufgeholt, wenn nicht sogar die Führung übernommen, ohne jedoch die Spielbarkeit zu vernachlässigen. Seitdem hinkt die NBA Live-Serie stark hinterher und hat es bisher verpasst, NBA 2K die Stirn zu bieten. Doch mit NBA Live 10 macht EA einiges besser, als in den Vorgängern. Ob es reicht, um den Basketballthron zu erklimmen, erfahrt ihr in unserem ausführlichen Test.
In the Zone
Kommen wir am besten gleich zum Hauptelement: dem Gameplay. Das ist bei
NBA Live 10 - wie auch schon bei den Vorgängern - recht einsteigerfreundlich, darüber hinaus ist es auch nicht mehr so arcadelastig, wie noch letztes Jahr. Das ist definitiv eine enorme Verbesserung, dennoch nur ein Mittelweg. Arcadefreunde werden weiterhin auf ihre Kosten kommen, doch Spieler, die Simulationen bevorzugen, werden bei
NBA Live 10 einiges vermissen. Die Defensive ist meiner Meinung nach der Knackpunkt, denn hier habt ihr nicht allzu viele Möglichkeiten. Geht ihr zu sehr auf den Gegner drauf, lauft ihr Gefahr zu foulen oder aber er dribbelt euch mit einem Crossover geschickt aus. Lasst ihr dem Gegner jedoch zu viel Platz, ist die Zone oder Baseline offen. Man hat oft das Gefühl machtlos zu sein. Stellungsspiel und Pressing lassen sich kaum ausüben, das ist besonders für diejenigen schade, die realistisches Gameplay bevorzugen.
In der Offensive habt ihr die Möglichkeiten Spielzüge aufzurufen, das klappt auch ganz gut. Durch bestimmte Tastenkombinationen können eure Teammitglieder direkt angespielt werden, was besonders praktisch ist, da sich die KI oft versucht freizulaufen. Um zum Korberfolg zu kommen habt ihr mehrere Möglichkeiten, seien es Jumpshots, Fade Aways, Korbleger oder Dunks. Bekannte Spieler wie z.B. Kobe Bryant, Lebron James oder auch Dirk Nowitzki besitzen zudem noch Signature Moves, also Moves, für die ihre realen Vorbilder bekannt sind. Das alles ist schön in Szene gesetzt, besonders die Würfe aus der Bewegung beeindrucken, so sehen Offensivaktionen sehr flüssig und realitätsnah aus. Überhaupt sind die Animationen gelungen und wirken nicht künstlich oder gar abgehakt. So wird einem verlorenen Ball hinterher gehechtet oder Spieler stürzen sich auf den am Boden liegenden Ball, fast wie im Fernsehen.
Auch die Ballphysik wurde in
NBA Live 10 überarbeitet, und das war auch dringend nötig. Fand der Ball bei den vorherigen Titeln seinen Weg nur auf eine Weise in den Korb (nichts als Netz!), gibt beim aktuellsten Ableger mehrere Möglichkeiten, das weiß definitiv zu gefallen. An die Ballphysik der
NBA 2K-Serie reicht es aber bei weitem nicht heran. Hier springt der Ball ab und zu erst hin und her oder dreht sich im Ring, genau wie in der Realität, so dass man als Spieler teilweise richtig mitfiebert, wenn es um den entscheidenden Punkt geht. Aber wie gesagt: die veränderte Ballphysik bei
NBA Live 10 gefällt mir gut, wird sie weiter verbessert, werden zukünftige Spiele noch realistischer erscheinen.
Der Schwierigkeitsgrad lässt sich frei einstellen, Rookie für Anfänger oder Leute, die es einfach mögen, oder eben All Star oder gar Superstar für erfahrene Zocker, die eine Herausforderung suchen. Genre-Neulinge werden anfangs jedoch selbst auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad Probleme haben ihr Spiel zu gestalten und entsprechend Eingewöhnungszeit brauchen. Hier bietet sich der Hangar an (ähnlich wie die Arena bei
»FIFA 10), um den Würfen zu arbeiten und trainieren.
Was wollen wir spielen?
NBA Live 10 bietet einige Spielmodi: Den bereits erwähnten Hangar, der ein prima Tutorial darstellt und darüber hinaus die Ladezeiten überbrückt. Hier habt ihr ein in zwei Hälften unterteiltes Spielfeld, jeweils vier Spieler pro Hälfte, von denen ihr einen steuern könnt und eine ganze Menge Bälle zur Verfügung. Die Form einer interaktiven Pausenhalle hat schon bei
FIFA 10 gut funktioniert und das tut sie auch in
NBA Live 10. Des Weiteren habt ihr die Möglichkeit, ein schnelles Spiel zu absolvieren, führt euer Team im Playoffmodus zum Titel oder entscheidet euch für den Dynastie Modus. In diesem spielt ihr mit eurem Team mehrere Spielzeiten, übernehmt Managerfunktionen, kümmert euch um Verträge und trainiert den Kader. Dieser Modus ist recht umfangreich, leider reicht er jedoch nicht ganz an den Association Modus der 2K-Reihe heran.
In der „Dynamischen Saison“ könnt ihr wie auch schon bei
FIFA 10 quasi virtuell in die Realität eingreifen, indem ihr bereits absolvierte Turniere eurer Lieblingsmannschaft in
NBA Live 10 noch einmal nachspielt. Hierbei greift das Spiel auf die aktuellen Werte eurer Mannschaft zurück und ihr erhaltet die Möglichkeit, aus einer Niederlage einen virtuellen Sieg zu machen.
Ein weiteres nettes und einzigartiges Feature ist die FIBA Weltmeisterschaft. Hier könnt ihr mit etlichen internationalen Teams von den USA, Deutschland, Frankreich bis hin zu Angola, Argentinien uvm. um die Basketballkrone kämpfen. Das gibt es bei keinem anderen Basketballspiel, und macht richtig Spaß. Laut FIBA-Regularien ist das Spielfeld kleiner, die Drei-Punkte-Linie befindet sich fast einen Meter näher am Korb als in der NBA und man benutzt einen anderen Ball. Unterhaltsam, dennoch gibt es auch Kritikpunkte. Obwohl die Dreierlinie sich näher zum Korb befindet, wirkt sich das leider nicht auf das Spiel aus. Falls jemand zufällig die Olympischen Spiele letztes Jahr verfolgt haben sollte, war es speziell für viele Spieler der amrikanischen Mannschaft kein Problem Drei-Punkte Würfe zu versenken, auch ein bis zwei Meter hinter der Linie, da sie in der NBA an eine andere Drei-Punkte Distanz gewöhnt sind.
Davon ist bei
NBA Live 10 leider nichts zu merken. Sicherlich um die USA nicht noch stärker zu machen, als sie eh schon sind, jedoch raubt das ein wenig Realismus. Ein weiterer Kritikpunkt sind die internationalen Kader. Diese hätte ich mir aktueller gewünscht. Ein Stephen Arigbabu spielt schon seit geraumer Zeit nicht mehr in der deutschen Nationalmannschaft. Dies sei ein Punkt, den nur Kenner bemerken werden, und der dadurch nicht weiter ins Gewicht fallen sollte. Die grafische Umsetzung der Spieler gibt hingegen auch Anlass zur Kritik. Stars wie Dirk Nowitzki, Hedo Turkoglo oder Tony Parker sehen ihren Vorbildern überaus ähnlich, doch weitaus unbekanntere Spieler aus Angola oder auch der Deutschen Nationalmannschaft lassen zu wünschen übrig. In Anbetracht der Anzahl der Kader hätte ich mir etwas mehr Liebe zum Detail gewünscht.
Ein weiteres Manko ist der nicht vorhandene „Be a Pro“ Modus. Bei diesem konntet ihr im Vorgänger euren eigenen Spieler kreieren und diese dann eine NBA-Karriere durchlaufen lassen. Warum die Entwickler diesen Modus weggelassen haben, ist unklar, gerade weil
»NBA 2K10 mit dem „My Player“ Modus eine sehr umfangreiche Variante bietet.
Was Geht online?
NBA Live 10 beinhaltet natürlich auch einen Onlinemodus, und dieser funktioniert sehr gut. Ranglistenspiele über Xbox Live laufen stabil und bieten eine weitere Herausforderung. Das wahre Highlight jedoch stellt der „Adidas Live Run“ dar. Hier habt ihr die Möglichkeit, online ein Team zu gründen oder einem bereits bestehenden beizutreten. Die Teams umfassen hierbei zwei bis fünf Spieler und treten via Xbox Live gegeneinander an. Und das macht verdammt viel Spaß! Jeder Spieler muss sein Bestes geben um dem Team den Sieg zu sichern, Teamplay wird groß geschrieben und ist der Schlüssel zum Erfolg. Einziges Manko hierbei: Eure Teammitglieder müssen online sein, damit ihr Adidas Live Run spielen könnt. Sollte einer die Lust verlieren, muss man entweder 4 gegen 4 spielen, sich ein neues Mitglied suchen oder einem neuen Team beitreten.
Nichtsdestotrotz ist Adidas Live Run das Zugpferd von
NBA Live 10, selten hat ein Multiplayer so viel Spaß gemacht.
Optik und Sound – Nicht mehr die Referenz!
Lange Zeit war die
NBA Live-Reihe die unangefochtene Referenz in Sachen Optik und Sound, doch diese Zeiten sind vorbei. Versteht mich bitte nicht falsch,
NBA Live 10 sieht gut aus. Die meisten Spieler entsprechen ihren realen Vorbildern, die Animationen laufen flüssig ab und auch die Zuschauer sind nicht schlecht dargestellt. Abseits des Spielfeldes wird ebenfalls einiges geboten. Die Teamkameraden auf der Bank feuern euch an und bejubeln spektakuläre Dunks und Cheerleader versüßen euch die Pausen zwischen den Vierteln. Dabei läuft alles stabil, Frameeinbrüche sucht man vergebens. Klingt alles ganz gut, aber vergleicht man die Präsentation mit der von
NBA 2K10 wirkt sie etwas lieblos und steril. Bei
NBA 2K10 gleicht die Präsentation einer Liveübertragung, es gibt immer wieder kurze Einspieler von besonderen Spielszenen, versehen mit Statistiken und vieles mehr. Das ganze Spielgeschehen und das Drumherum wirkt viel lebendiger. Das gibt es in dieser Form bei
NBA Live 10 leider nicht. Das mag für viele nicht wichtig sein, jedoch runden diese Randerscheinungen ein Sportspiel meiner Meinung nach ab.
Soundtechnisch gibt es in
NBA Live 10 ebenfalls Licht und Schatten. Die Kommentare des englischsprachigen Reporterduos passen zwar zum Geschehen auf dem Parkett, jedoch kommt es mir so vor, als ob seit mehreren Jahren die gleichen Tonspuren benutzt werden und lediglich ein paar neue Spielernamen hinzugekommen sind. Hier hat sich nicht viel getan und das ist schade. Abgesehen davon kann der Sound überzeugen, die Zuschauer sorgen für Stimmung. Die Rufe und Jubelchöre klingen allesamt gut und man kann schon anhand des Zuschauerverhaltens erkennen, ob es sich um ein x-beliebiges Ligaspiel oder um eine entscheidende Playoffpartie handelt. Das haben die Entwickler wirklich gut hinbekommen. Der Soundtrack passt ebenfalls, hier sollte wirklich für fast jeden etwas dabei sein.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:

