WET konnte in unserer Preview (»hier) ja bereits einen guten Eindruck hinterlassen - nun endlich konnten wir uns selber in der deutschen Fassung mit Rubi durch das stylische Abenteuer ballern. Was euch erwartet und warum die deutsche Fassung wenig empfehlenswert ist, erfahrt ihr hier im Test.
Die Waffen der Frauen
Der Titel
WET bedeutet wörtlich übersetzt soviel wie "feucht". Das bezieht sich allerdings nicht auf Hauptdarstellerin Rubi Malone, sondern stellt einen Euphemismus für mit Blut befleckte Hände dar. Und die bekommt Rubi auch recht häufig, denn sie ist eine Frau, die Probleme löst - meist mit zwei Colt Python und ihrem Schwert. Ihr aktueller Auftrag, mit dem ihr auch in das Spiel einsteigt, ist da keine Ausnahme: Rubi soll einen Koffer mit einem Spenderherzen an sich bringen. Dabei bekommt sie es mit einigen Kleinganoven zu tun, also genau die richtige Gelegenheit, euch in die Steuerung und die Spielelemente von
WET einzuführen.
Spielerisch erwartet euch bei
WET etwa das, was schon
Max Payne oder auch
»Stranglehold ausgemacht hat: Stylisch inszenierte, gnadenlose Action! Wie auch bei den vorgenannten Genrevertretern verfolgt ihr das Geschehen aus der Verfolgerperspektive und ballert euch durch eine Überzahl an Gegnern. Diese erweisen sich jedoch als recht schwierig zu treffen. Wenn ihr akrobatische Manöver ausführt - beispielsweise an Stangen rumturnt, Wände entlanglauft oder über den Boden rutscht - und dabei eure Waffen abfeuert, verlangsamt sich jedoch die Zeit, was gezielte Treffer erleichtert. Und da Rubi über zwei Feuerwaffen verfügt, wird ein Ziel automatisch anvisiert und ein zweites könnt ihr selber bestimmen. Während die Zeit langsamer abläuft, könnt ihr die Kamera 360 Grad um Rubi drehen und so in jede Richtung schießen. Für besiegte Gegner erhaltet ihr Punkte, für stylische Abschüsse bekommt ihr zudem einen Punkte-Multiplikator gefüllt. Diese Style-Punkte könnt ihr am Ende bestimmter Bereiche in einem Shop gegen neue Moves und Verbesserungen eurer Waffen investieren. In zerstörten Kisten findet ihr zudem neue Munition für eure Waffen, während hochprozentige Getränke eure Lebensleiste wieder auffüllen.
Um für ein wenig Abwechslung zu sorgen, gibt es auch einige Abschnitte, in denen ihr z.B. an einer Autoverfolgungsjagd teilnehmt. Da Rubi allerdings keinen fahrbaren Untersatz zur Verfügung hat, verfolgt sie ihren Widersacher, indem sie von Fahrzeug zu Fahrzeug springt. Nicht realistisch, aber cool inszeniert. Während dieser Sequenzen könnt ihr nur mit euren Waffen feuern, die Sprünge von Fahrzeug zu Fahrzeug sowie Einsatz eures Schwertes erfolgen durch Quicktime-Events. Wie in der
God of War-Reihe müsst ihr an vorgegebenen Stellen schnell die angezeigte Taste drücken, um die jeweilige Aktion auszuführen. Quicktime-Events kommen übrigens auch bei einigen Kämpfen und Zwischensequenzen zum Einsatz. Für weitere Abwechslung sorgen Missionen, bei denen Rubi im wahrsten Wortsinn Rot sieht. Dann wird das Bild von der Farbe Rot dominiert, durchsetzt von einigen schwarzen und weißen Akzenten. In diesen Rage-Modus genannten Abschnitten müsst ihr euch durch Gegnerhorden ballern und einen Levelausgang erreichen. Zudem kommt ihr öfter mal in abgegrenzte Bereiche, Arena genannt, in denen ihr Zugänge verschließen müsst, aus denen immer wieder neue Feinde kommen.
Prince of Tomb Raider?
Ab und an müsst ihr auch die ein oder andere Kletterei bewältigen. Diese Abschnitte erinnern ein wenig an
Prince of Persia oder auch
Tomb Raider, wirklich schwierig wird es dabei aber nie. Der nächste Greifpunkt ist (meistens) klar zu erkennen, da die Kamera entsprechend Position bezieht. Das klappt nicht immer hundertprozentig, zumeist werdet ihr jedoch keine Probleme bekommen. Apropos Probleme: Egal, auf welchem der drei (+ zwei freischaltbaren) Schwierigkeitsgrade ihr das Spiel angeht, eure Gegner sind nicht gerade mit übermäßiger Intelligenz gesegnet. Das ist auch nicht weiter beklagenswert, da
WET den Fokus vor allem auf die schnelle Action legt, statt auf taktieren. Auf den höheren Stufen teilen eure Feinde somit auch einfach nur kräftiger aus und stecken mehr Treffer ein.
Ein wenig Frust-Resistenz solltet ihr, besonders auf den höheren Schwierigkeitsgraden, dennoch mitbringen. So sind einige Abschnitte im Rage-Modus recht unübersichtlich ausgefallen. In den Arena-Kämpfen solltet ihr bei einem hohen Schwierigkeitsgrad auch wissen, worauf ihr euch einlasst, sonst beisst ihr sehr schnell ins Gras. Ein anderer gewaltiger Frustmoment ist der freie Fall aus einem brennenden und zerbrechenden Flugzeug. Eine kleine Berührung mit einem der Trümmerteile, und ihr könnt von vorne beginnen. Mit ein wenig Übung ist der Abschnitt aber auch schnell gemeistert. Ansonsten kommt ein recht faires Checkpoint-System zum Einsatz, so dass ihr nach eurem Ableben nicht immer wieder am Beginn eines der 12 Kapitel einsteigen müsst. Auf niedrigster Stufe werdet ihr dann auch nur etwa sechs Stunden brauchen, um durchzukommen. Das Finale wirkt dabei sehr ernüchternd - hier hat man den Eindruck, als fehlt davor noch etwas, als hätte man das Spiel schnell zu Ende haben wollen. Schade, denn so bleibt zur Verlängerung der Spielzeit nur das erneute Durchspielen auf einem anderen Schwierigkeitsgrad.
Mit dem Durchspielen schaltet ihr nicht nur weitere Schwierigkeitsgrade frei, sondern auch einige Extras. Beispielsweise eine Jukebox, in der ihr die Songs des Spieles in Ruhe geniessen könnt. Auch kleine Charakterbiografien und Artworks sind enthalten. Ihr könnt auch zurück auf Rubis Flugzeugfriedhof und dort einige Herausforderungen angehen oder die Missionen nochmal spielen.
Zwar leistet sich die Technik von
WET keine großen Schwächen, ist aber auch nicht gerade zeitgemäß. Gerade in optischer Hinsicht hat man schon besseres gesehen - die Charaktere wirken eher cartoonhaft als realistisch-glaubwürdig. Ein wenig wird dieser Eindruck jedoch durch die Präsentation als Retro-Movie gemildert. So sorgen (abschaltbare) Filmkratzer für Atmosphäre und die zwischen den Leveln eingestreuten Commercials für ein Grinsen. Diese Inszenierung wird auch im Soundtrack wieder aufgegriffen: Der Rockabilly-Sound aus lizenzierten Tracks passt einfach wunderbar zur Action und wirkt richtig treibend. Dafür hat sich
WET einen Sound-Award auf jeden Fall verdient! Nicht so für die Soundeffekte, die etwas lasch wirken - da fehlt einfach der nötige Rumms hinter den Schüssen und Explosionen.
Deutsche Zensur
Obwohl die deutsche Fassung von
WET eine USK-Freigabe ab 18 Jahren hat, gab es einige Schnitte im Vergleich zur internationalen Fassung. So wurden sämtliche Bluteffekte und abgetrennte Körperteile entfernt, sowie der Kombo-Zähler im Rage-Modus. Ein paar Szenen mussten gekürzt werden und auch einige als menschenverachtend und zynisch eingestufte Kommentare wurden entfernt. Ärgerlich: Die Charaktere bewegen dann zwar ihre Lippen, zu hören gibt es allerdings nichts. Spielerisch ändert das zwar wenig, dennoch muss hier ganz klar eine Import-Empfehlung ausgesprochen werden. Mit den Dialogzeilen und dem Blut hat man nämlich zugleich auch eine Menge der Badass-Atmosphäre aus dem Spiel herausgeschnitten.
Was auch eine Menge Atmosphäre nimmt, ist die deutsche Synchronisation: Die Sprecher machen ihren Job zwar insgesamt ganz gut, die Sprüche sind 1:1 ins Deutsche übersetzt worden... aber sie wirken so einfach eher lächerlich. Beispiel gefällig? In wieviel Spielen durfte die Heldin mittlerweile schon den Standard-Spruch "Ihr bumst hoffentlich nicht so wie ihr schiesst!" ablassen? Und wenn das dann noch derart belanglos daherkommt, geht viel von der dreckigen Atmosphäre flöten. Kein Vergleich zur Pissed-off-Attitüde von Eliza Dushku ("
Buffy - Im Bann der Dämonen", "
Dollhouse"), die Rubi im Original spricht.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
