Auf der E3 2009 konnte Raven Squad bereits vorab einige Preise absahnen - der Mix aus First-Person-Shooter und Echtzeitstrategie kam bei den Preisjuroren recht gut an. Nun ist das fertige Spiel da und wir fragen uns: Bekam der Genre-Mix die Vorschußlorbeeren zu Recht?
Ende der Wirtschaftskrise in Sicht
Im Jahr 2011 ist die Wirtschaftskrise überwunden, die reicheren Länder kamen gut aus der Geschichte heraus. Nur für die ärmeren Nationen sieht es düster aus, ihre Situation verschärfte sich. Sagt zumindest der Einstieg zu
Raven Squad so voraus. Viel mit der Geschichte hat das jedoch nicht zu tun. Ihr seid als Teil eines Söldnertrupps unterwegs, bestehend aus zwei Teams zu je drei Leuten. Dabei übernehmt ihr nicht die Rolle einer bestimmten Person, sondern könnt zwischen den Teams und den Charakteren nach Belieben hin- und herwechseln. Nach einem kurzen Prolog, der euch als Tutorial dient und die wichtigsten Grundzüge der Steuerung vermitteln soll, werdet ihr auf eine Mission geschickt. Ein Flugzeug ist im Amazonas-Gebiet abgestürzt und ihr sollt eine Diskette aus dem Wrack bergen. Doch eure Ankunft verläuft alles andere als planmäßig: Euer Flugzeug wird abgeschossen und ihr könnt gerade so mit dem Fallschirm abspringen. Nicht nur, dass ihr noch immer eure Mission zu erfüllen habt, nun müsst ihr auch noch einen Weg aus der grünen Hölle finden.
Ihr kämpft euch also mit einem sechs Mann starken Trupp durch den Dschungel. Jeder Charakter verfügt über eine primäre und eine sekundäre Waffe - dadurch spielen sich alle Kameraden sehr unterschiedlich. Während der eine auf eine Maschinenpistole und das Scharfschützengewehr setzt, nutzt ein anderer Gewehr und Raketenwerfer. Die Waffen sind somit allesamt recht konventionell ausgefallen, sehr shootertypisch. Und so steuert sich
Raven Squad dann auch erwartungsgemäß wie jeder andere x-beliebige First-Person-Shooter, mit dem Unterschied, dass ihr über das Digikreuz jederzeit zwischen den Teams und deren Mitgliedern hin- und herwechseln könnt. Steckt ihr zuviele Treffer ein, müsst ihr mit einem anderen Mitglied aus dem Team oder des anderen Teams zum Medikit greifen und damit eine Weile bei dem Verwundeten stehen bleiben, damit dieser sich wieder erholt. Schafft ihr das nicht innerhalb eines Zeitlimits, verstirbt der Charakter und die Mission ist gescheitert.
Von oben betrachtet
Da ihr zwei Teams und deren Mitglieder unabhängig voneinander steuern und koordinieren müsst, stößt die Ego-Perspektive schnell an ihre Grenzen. Darum spendierten die Entwickler dem Shooter eine Kommando-Ebene, die stark an Echtzeitstrategie-Spiele wie
Command & Conquer erinnert. Auf Knopfdruck schaltet ihr in die strategische Ansicht, wo ihr das Spielgeschehen aus der Vogelperspektive sehen und steuern könnt. Feindliche Truppen werden euch so in roter Farbe dargestellt, ihr könnt euer nächstes Ziel auschecken, ... auf Knopfdruck setzt ihr eure Einheiten dann in Bewegung. Diese Ansicht bietet euch somit die Möglichkeit, den Feind beispielsweise auch von zwei Seiten gleichzeitig unter Beschuß zu nehmen. Der Wechsel vom direkten Kampfgeschehen hoch auf die Kommandoebene wird teilweise sogar wirklich sinnvoll eingesetzt; beispielsweise, wenn ihr eure Trupps durch verwinkelte Gassen oder ein Labyrinth aus Hecken führen müsst.
Achja, einen Multiplayer-Modus gibt es auch. Hier könnt ihr die einzelnen Missionen im Coop angehen, wobei jeder die Führung eines der beiden Trupps übernimmt.
Falsche Konsole?
So gut die dem Spiel zugrunde liegende Idee auch sein mag, die grottige Umsetzung macht all das zunichte!
Raven Squad sieht nicht ansatzweise aus wie ein Titel, der auf einer Xbox 360 läuft. Matschige Texturen lassen den Dschungel alles andere als lebendig wirken, die Effekte (vor allem Feuer und Rauch) könnten aus einem PlayStation 2-Spiel stammen. Dazu kommen jede Menge unsichtbarer Levelbarrieren, an denen eure Teams partout nicht vorbeikommen wollen.
Die Kampagne mit ihren 12 Missionen könnt ihr zwar auf drei verschiedenen Schwierigkeitsgraden angehen, dabei ist die KI eurer Gegner allerdings meist gleichbleibend - unberechenbar. Und das leider nicht im positiven Sinne: Mal könnt ihr direkt neben einem Trupp an Feinden stehen, ohne dass diese euch bemerken, um ein anderes Mal von ihnen auf zehn Meilen gegen den Wind gerochen zu werden. Zudem seid ihr nach geschätzten drei bis vier Stunden mit der Kampagne durch! Im Grunde genügt es auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad, eure Söldnertrupps ohne jede Taktik in der RTS-Ansicht zum nächsten Zielpunkt zu befehligen.
Aber auch akustisch wird euch wenig geboten. Zwar sind die Soundeffekte ganz ordentlich ausgefallen und die Dschungel-Kulisse lässt schon ein wenig Atmosphäre aufkommen... sobald aber die (deutschen) Sprecher zu Wort kommen, ist jede Stimmung auch wieder dahin! Zu bemüht der Versuch, wie harte Söldner zu klingen; die Sprüche sind nahe an der Grenze zur Lächerlichkeit... und überschreiten diese teils sogar. Stellt ihr die Konsole auf englisch um, wird es dann zwar einen Tick erträglicher, aber Spannung will auch da nicht aufkommen.