Bei der Ankündigung von Batman: Arkham Asylum dürften einige Zocker nicht gerade in Begeisterungsstürme ausgebrochen sein. Schon wieder eine Comic-Versoftung und nicht mal ansatzweise zeitgleich mit dem neuesten Blockbuster „The Dark Knight“ im Handel. Lediglich auf der Comic-Lizenz basierend und dann auch noch von Eidos, die sich bei der neuesten Tomb Raider-Ausgabe nicht gerade mit Ruhm bekleckerten. Das kann ja nur schief gehen und eine weitere Lizenz-Gurke reiht sich in die endlose Schlange der gescheiterten Versuche ein. Warum sich der dunkle Ritter am Ende doch als strahlender Held entpuppt und Entwickler Rocksteady mit Batman: Arkham Asylum einen waschechten Sommer-Blockbuster hinlegt, erfahrt ihr in unserer Review.
Farbloser Held in Strumpfhosen
Schauplatz von
Batman: Arkham Asylum ist die namensgebende Insel am Rande von Gotham City, die seit jeher als Endlager für verbrecherischen Abschaum und Großstadt-Psychopathen dient. Mit dem Joker im Schlepptau wollte Batman alias Bruce Wayne der Einrichtung eigentlich nur einen Routine-Besuch abstatten, um den ewig lächelnden Irren wieder hinter Schloss und Riegel zu bringen. Doch wie im Story-Handbuch für Videospiele-Designer vermerkt, kommt natürlich alles ganz anders als geplant. Die Tür fällt hinter dem Fledermausmann ins Schloss und es stellt sich heraus, dass die Gefangenen längst die Kontrolle über Arkham übernommen haben. Batman ist dem Joker ins Netz gegangen und muss nicht nur den entführten Commissioner Gordon retten, sondern die gesamte Insel aus den Fängen der Comic-Bösewichte befreien.
Was anfangs noch wie ein relativ lineares Actionspiel mit Klettereinlagen wirkt, entpuppt sich schon nach der ersten Spielstunde als motivierendes Allround-Talent mit Open-World-Ansätzen und viel Tiefgang. Selbiger ist dabei natürlich nicht beim makellosen Gutmenschen Batman zu finden, sondern beim Level-Aufbau sowie der spielerischen Vielfalt von
Batman: Arkham Asylum. Bereits nach dem ersten Spielabschnitt, in dem ihr euch durch den Hochsicherheitstrakt der Irrenanstalt kämpft, ist die komplette Insel frei begehbar. Die Story, in der ihr den Machenschaften des Jokers auf die Schliche kommt, zieht sich dabei wie ein roter Faden durch das komplette Spiel. Hier bekommt ihr nacheinander Hauptaufgaben, die mit einem „i“ auf der Übersichtskarte gekennzeichnet sind und euch so systematisch über die ganze Insel und durch deren Gebäude-Komplexe lotst.
Detektiv in Lack und Leder
Das ganze ist jedoch nicht so plump inszeniert wie in manch anderem Genre-Vertreter, sondern fordert auch euer detektivisches Können. Über Funk steht ihr ständig mit Commissioner Gordons Tochter alias Ex-Batgirl Oracle in Kontakt, die euch von Zeit zu Zeit mit neuen Informationen über Jokers Treiben auf Arkham Island informiert. Dadurch werdet ihr durch neue Hinweise zu wichtigen Orten geleitet, wo sich weitere Puzzle-Teile für eure nächste Aufgabe finden lassen. So stoßt ihr auf der Suche nach Commissioner Gordon beispielsweise auf eine Tabakspur am Batmobil, der ihr fortan folgen müsst, um den gekidnappten Polizeichef zu finden. Um sie zu erkennen, schaltet ihr mit „LB“ eure Detektiv-Sicht ein, mit der ihr Hinweise, Gegner und wichtige Orte erkennen könnt. Auf dem Weg trefft ihr in regelmäßigen Abständen auf verängstigtes Personal oder Einsatzkräfte, die nach eurer Hilfe verlangen. So befreit ihr beispielsweise zwei Polizisten aus einem Überwachungsraum, woraufhin sich auch für euch der nächste Gebäude-Abschnitt öffnet.
Mit Faust und Fuß gegen Gothams Parasiten
Batman: Arkham Asylum bietet einen ausgewogenen Mix aus Kampf- und Schleicheinlagen sowie der Erforschung eurer Umgebung. Die Prügel-Passagen funktionieren hier jedoch nicht nach Schema F, wobei ihr einfach Gegner-Welle auf Gegner-Welle in einem engen Gang über euch ergehen lasst, sondern je nach Räumlichkeit habt ihr zahlreiche Optionen, um eure Kontrahenten unschädlich zu machen. Unbewaffneten Angreifern tretet ihr am besten mit Batmans purer Muskelkraft entgegen und nutzt dabei das so genannte Free Flow-Kampfsystem. Geprügelt wird hier eigentlich nur mit dem blauen Button und einer Richtung, die ihr per linkem Analogstick bestimmt. Das funktioniert so gut, dass sich Rocksteady die obligatorische Anvisieren-Taste kurzerhand sparen konnte. Kombiniert mit dem grünen Sprung-Button wirbelt ihr so durch die Gegner-Reihen und teilt blitzschnell Hiebe und Tritte aus. Mit Gelb kommt ein zweiter Button und die Möglichkeit zum Kontern von Angriffen hinzu. Auch hier müsst ihr nicht genre-typisch jede Bewegung eurer Kontrahenten studieren, um den richtigen Moment abzupassen, nein, das perfekte Timing wird einfach anhand von Blitzen über dem Kopf des gerade attackierenden Gegners angezeigt. Dadurch bleibt euch genügend Zeit, dessen Versuch zum Scheitern zu bringen.
Mit jedem erfolgreichen Schlag bekommt ihr einen Punkte-Multiplikator, der sich erhöht und damit Spezial-Manöver ermöglicht. So kann Batman beispielsweise Highspeed-Kopfnüsse verteilen. Die Prügel-Steuerung geht so leicht von der Hand, dass auch eine Blocken-Taste in
Batman: Arkham Asylum keine Verwendung findet und ihr schon innerhalb kurzer Zeit zum Nahkampf-Profi werden dürftet. Auch die zahlreichen Boss-Kämpfe im Spiel passen sich nicht den gängigen Quicktime-Konventionen an und lassen sich ebenfalls mit den vorhandenen Schlag-Buttons bestreiten. Hier gilt es, die richtige Taktik zwischen Ausweichen sowie Angriffen von hinten zu finden und im Handumdrehen bringt ihr sogar einen Koloss wie Bane zu Fall.
Sam Fisher mit fliegenden Bat-Gadgets
Tragen Jokers Schergen jedoch eine Waffe, was sich über die Detektiv-Sicht bereits von weitem erkennen lässt, empfiehlt sich selbst für Superheld Batman eine vorsichtigere Taktik. Hier ist schleichen und klettern angesagt. Dreht euch ein Gegner den Rücken zu und ist keiner seiner Kollegen in Sichtweite, geht ihr mit dem rechten Trigger einfach in Schleich-Haltung, nähert euch vorsichtig und macht ihm dann per kontext-sensitiver „Y“-Taste den Garaus. Ungünstiger positionierte Kontrahenten erreicht ihr über euren Bat-Haken. Der lässt sich durch „RB“ abfeuern und an höher gelegenen Mauer-Vorsprüngen oder Wasser-Speiern befestigen. Von dort aus könnt ihr ungesehen in Sam Fisher-Manier Gegner ausschalten, sie per Sprungtritt zu Boden werfen oder lautlos hinter ihnen zu Boden gleiten und einen Stealth-Kill ausführen. Der Bat-Haken und der zusätzliche Bat-Greifarm erweisen sich zudem als hilfreiche Tools beim Erreichen von höher gelegenen Durchgängen. Eine weitere Möglichkeit, Bösewichte lautlos zu umgehen sind die zahllosen Lüftungsschächte im Spiel. Die lassen sich per „A“-Taste aufhebeln und bieten eine sichere Möglichkeit, ungesehen an euren Kontrahenten vorbei zu schleichen. Denn auch ein weniger mordlustiges Vorgehen ist in
Batman: Arkham Asylum möglich.
Zwei weitere, nützliche Waffen stellen zudem der Batarang und das Sprengstoff-Gel dar. Mit ersterem betäubt ihr Gegner und legt unerreichbare Schalter um, während die explosive Flüssigkeit per Hand und aus sicherer Entfernung gezündet für eine heiße Überraschung sorgt oder unzugängliche Bereiche freilegt. Um das Spiel auch nach längerer Zeit interessant zu gestalten hat Rocksteady die Möglichkeit eingebaut, jede eurer Waffen und Eigenschaften durch im Kampf gesammelte Punkte aufzuwerten. So verstärkt ihr damit beispielsweise Batmans Panzerung, lasst zwei Batarangs fliegen oder zündet Sprengladungen zeitversetzt. Um weit entfernte Punkte auf der Insel schneller zu erreichen, kommt zudem Batmans charakterisischer Umhang zum Einsatz. Beim Absprung haltet ihr dabei einfach die „A“-Taste gedrückt und manövriert den Fledermausmann im Gleitflug zum gewünschten Ziel.
Kontext-sensivite Extra-Herausforderungen
Batman: Arkham Asylum überzeugt vor allem durch seine gelungene Steuerung. Ihr könnt zwar sehr viele unterschiedliche Aktionen ausführen, diese sind jedoch nicht wie in so manch anderem Genre-Vertreter jeweils auf einen eigenen Button gelegt. Viele Tasten im Spiel funktionieren kontext-sensitiv, wobei ihr zum Beispiel erst über eine Kiste klettern könnt, wenn die „A“-Taste auf dem Bildschirm aufleuchtet. Das funktioniert überraschend gut, womit panisches Knöpfchen-Drücken auf der Suche nach der passenden Aktion ausbleibt.
Fans der Batman-Comics kommen nicht nur mit der Pixel-gewordenen Verkörperung ihres Helden, sondern auch mit jeder Menge Bonus-Material auf ihre Kosten. Überall im Spiel hat der Riddler für euch Rätsel und Trophäen hinterlegt. Durch das Auffinden selbiger schaltet ihr nähere Details zu den Figuren, 3D-Modelle oder Tonband-Aufzeichnungen frei, anhand derer ihr mehr über Arkhams Insassen wie den Joker oder Harley Quinn erfahrt. Zudem finden sich nach abgeschlossenen Levels neue Herausforderungen im Hauptmenü ein. Die kleinen Arenen versorgen euch unter anderem mit einer bestimmten Anzahl an Gegnern, die es mit höchstmöglicher Punktzahl zu erledigen gilt. Die Ergebnisse lassen sich dann in einer Online-Rangliste einsehen und mit euren Freunden vergleichen.
Eye-Candy mit Orchester-Soundtrack
Doch nicht nur spielerisch kann das Action-Adventure überzeugen, auch die Grafik ist ein absoluter Leckerbissen. Die Charaktere überzeugen mit großem Detailreichtum und wirken dadurch fast lebensecht. Auch die Animationen müssen sich nicht hinter aktuellen Blockbustern wie
»Resident Evil 5 verstecken. Der Titel bietet einen ausgewogenen Mix aus Innen- und Außen-Arealen, die vor allem durch eine stimmungsvolle Beleuchtung sowie organisches Design hervorstechen. So bewegt ihr euch nicht durch sterile Gänge, sondern findet an jeder Ecke kleine Details, die Arkham Asylum zu einem glaubhaften Schauplatz machen. Auch die Locations, an denen es unseren Helden in Strumpfhosen verschlägt, sind sehr abwechslungsreich. Eben streift ihr über einen verfallenen Friedhof, schon hangelt ihr euch durch ein unterirdisches Gewölbe, während ihr euch anschließend in der Bat-Höhle über einem gähnenden Abgrund wiederfindet.
Akustisch ist
Batman: Arkham Asylum ebenfalls ein AAA-Titel. Ein Mix aus Orchester-Musik und Electro unterlegt die entsprechenden Situationen perfekt und sorgt situationsabhängig für Hochspannung oder entspanntes Explorer-Feeling. Die deutsche Synchronstimme von Christian Bale, David Nathan, - mag man sie nun sympathisch finden oder nicht - setzt der Inszenierung noch das Sahnehäubchen auf.
Fans von Batman sollten unbedingt einen Abstecher in unsere beiden Galerien wagen. Dort findet ihr die schicksten Bat-Babes und Cosplays rund um den Dunklen Ritter.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
