Die Xbox 360 mausert sich mehr und mehr zur Rollenspiel-Konsole. Und so erscheint auch der jüngste Ableger der Star Ocean-Reihe exklusiv für Microsofts Konsole. Ob es sich lohnt, das Prequel Star Ocean: The Last Hope zu spielen? Wir haben reingeschaut - und zeigen euch, dass auch schlechte Designentscheidungen einem guten Gameplay nicht immer schaden müssen.
Auf Erkundungstour im All
Die Geschichte des neuesten
Star Ocean-Teiles spielt vor den bisherigen drei Episoden, so dass ihr euch schonmal keine Sorgen machen müsst, wenn ihr diese nicht kennt. Nachdem 2064 der dritte Weltkrieg ausgetragen wurde, ist die Erde ein unbewohnbares Trümmerfeld geworden. Die Menschen haben sich in den Untergrund zurückgezogen, in Städten unter der Erde fristen sie ihr Dasein. Da dies kein Dauerzustand sein kann, fasst man den Plan, eine neue Heimat für die Menschheit zu suchen. Raumschiffe mit einem neuartigen Warpantrieb ausgestattet starten 2087 unter der Flagge der
Universal Space and Technology Administration (USTA) ins All, um einen für die Menschen sicheren Planeten zu finden. Unter ihnen auch der junge Edge Maverick und seine Kindheitsfreundin Reimi Saionji. Dummerweise kommen die Schiffe im Warptunnel einem mysteriösen Meteoriten zu nahe - und müssen auf dem bislang unerforschten Planeten Aeos notlanden. Edge wird vorgeschickt, den Himmelskörper zu erforschen und die verbleibenden Schiffe ausfindig zu machen.
Bis ihr es hierhin geschafft habt, vergeht einige Zeit. Das Intro erzählt in sehr eindrucksvollen Bildern die Geschichte und ihr dürft euch im Kampfsimulator mit den Grundfunktionen der Steuerung vertraut machen. Leider etwas dröge - ein wenig Text zum Lesen, dann die Aktion ausführen, ab zur nächsten Lektion. Daher werdet ihr vermutlich kaum alle Übungen direkt zu Anfang machen wollen, das ist aber glücklicherweise kein Problem.
Karten-Chaos - Steuerungsfreiheit
Seid ihr auf dem Planeten unterwegs, steuert ihr den Blondschopf Edge aus der Verfolgersicht. Später zu eurer Party hinzustoßende Charaktere seht ihr dabei nicht. Die Kamera könnt ihr frei drehen, um euch nach Belieben umzusehen. Auch an eine Mini-Karte haben die Entwickler gedacht, diese könnt ihr aber auch abschalten oder mit einem Kompass versehen. Die große Karte, die ihr ebenfalls aufrufen könnt, überzeugt allerdings wenig. Diese ist nämlich weder scroll- noch zoombar, sondern bietet nur eine umfassendere Ansicht als die Mini-Version.
Eure Gegner sind stets in der Landschaft zu sehen. Ihr könnt direkt auf diese zustürmen und frontal angreifen, sinnvoller ist es aber, dem Feind in den Rücken zu fallen. So nutzt ihr den Vorteil der Überraschung für euch - und Vorsicht: Eure Gegner beherrschen das auch! Sobald ihr den Gegner berührt, wird in einen eigenen Bildschirm umgeblendet. Hier kommt dann das Echtzeit-Kampfsystem zum Einsatz, eine der größten Stärken des Spieles. Ihr steuert grundsätzlich den Anführer eurer Party, während die restlichen Mitglieder der Truppe alleine agieren. Ihr könnt aber auch jederzeit die Kontrolle über einen eurer Mitstreiter übernehmen.
Das Kampfsystem ist recht simpel gehalten: Es wird der Gegner markiert, der euch am nächsten steht. Per Druck auf die A-Taste greift ihr an - die Distanz ist dabei unerheblich, Nahkämpfer laufen nötigenfalls zum Gegner hin. Beschränkt ihr euch (bei kleinen Gegnern) nur auf diesen Angriff, kommt fast schon Buttonmashing-Gefühl auf. Natürlich kann das Kampfsystem in
Star Ocean: The Last Hope aber auch mehr: Drückt ihr die B-Taste und betätigt eine Richtung, springt ihr zur Seite. Interessant wird dieser Sprung, wenn euch ein Feind angreift und ihr diesen selber als Ziel ausgewählt habt. Für kurze Zeit bekommt ihr nämlich die Möglichkeit, an diesem vorbei zu huschen und ihm so in den Rücken zu fallen. "Blindside" nennt sich diese Vorgehensweise. Daneben gibt es natürlich auch noch die Möglichkeit, Items und Magie auszupacken. Übrigens: Die Items wählt ihr in einem komfortablen Menü aus, während das Spiel angehalten wird. Das erspart euch einiges an Stress. Dennoch solltet ihr in den Kämpfen Gas geben - nicht aus zeitlicher Sicht, aber von euren Attacken her. Denn schafft ihr mit euren Mitstreitern brachiale Kombos, räumt ihr die Feinde nicht nur schneller vom Bildschirm, sondern füllt noch nebenher eine Bonustafel auf, wodurch ihr noch mehr Erfahrungspunkte und Geld aus den Kämpfen herausbekommt!
Starke Truppe
Eure Leute unterscheiden sich recht stark in ihrer Kampfweise. Während Edge vor allem auf sein Schwert setzt, greift Reimi eher zu ihrem Bogen. Der später zur Truppe stoßende Faize nutzt hingegen einen Degen. Es gibt aber auch Magie in der Welt von
Star Ocean, Symbologie genannt. Die kleine Lymle nutzt diese, um beispielweise eine Bestie namens Cerberus zu rufen.
Natürlich sammeln eure Charaktere rollenspieltypisch Erfahrungspunkte durch Kämpfe. Die Charakterwerte leveln mit eurem Statuslevel automatisch, ihr bekommt aber auch immer wieder Erfahrungspunkte, die ihr euren Fähigkeiten gutschreiben könnt. Die Fähigkeiten bekommt ihr aus Büchern beigebracht und könnt sie euren Charakteren dann zuweisen. Dazu zählen Spezialangriffe, Fähigkeiten wie Heilen, Taschendiebstahl und vieles mehr, was sich in mehreren Stufen aufleveln lässt.
Ihr findet immer wieder die verschiedensten Items, die ihr dann mit euch herumtragt. Dabei erweist sich euer Inventar nicht als Loch ohne Boden, es gibt also durchaus Grenzen des Tragbaren. Dennoch schleppt ihr meist einiges an Equipment mit euch rum, bevor ihr dieses in Städten dann endlich verkaufen könnt. Über ein komfortables Menü lassen sich alle eure Gegenstände bequem verwalten. So rüstet ihr eure Charaktere mit besseren Waffen und Rüstungen aus, legt ihnen mit Attributen versehene Schmuckstücke an, greift auf die unterschiedlichen Fähigkeiten zu und vieles mehr. Zudem enthält das Menü noch eine Art Datenbank. Kämpft ihr das erste Mal gegen einen Monstertyp, wird dieser dort aufgenommen. Je häufiger ihr nun gegen dieses kämpft, desto mehr Informationen sammelt ihr. Habt ihr 100% erreicht, könnt ihr dieses Monster in einen speziellen Stein einschliessen und euch so dessen Kräfte zunutze machen.
Die Kämpfe gegen eure Gegner werden im Verlauf des Spieles natürlich immer herausfordernder. Glücklicherweise könnt ihr vor Beginn selber einen für euch passenden Schwierigkeitsgrad auswählen. Auf dem niedrigsten Niveau ist großartiges Aufleveln eurer Party kaum nötig und ihr kommt recht gut durch, auf den höheren Stufen kann das Spiel aber, ohne entsprechende Levelling-Runden, sehr schwer werden.
Star Ocean Sims?
Später bereist ihr auch noch andere Planeten, mit eurem eigenen Schiff. Hierbei kommt dann auch noch eine kleine soziale Komponente ins Spiel. Während der Reise führt ihr immer mal wieder Dialoge mit den Mitgliedern eurer Crew. Durch die Verteilung der Leute auf die Quartiere schafft ihr kleinere Freund- und Feindschaften. Dementsprechend ändern sich auch mitunter die Dialoge, die ihr mit ihnen führt. Und nicht nur das ändert sich: Das Spiel verfügt über mehrere Enden, die es zu entdecken gilt. Zudem gibt es jede Menge Nebenquests, die ihr lösen müsst. Auch geheime Bossgegner sind wieder mit dabei. Somit wird es kaum bei einem einmaligen Durchspielen, für das ihr etwa 30-40 Stunden veranschlagen könnt, bleiben - zumindest nicht, wenn ihr wirklich jeden Winkel der Welt von
Star Ocean: The Last Hope erkunden wollt.
Auch wenn sich
Star Ocean eines Science Fiction-Szenarios bedient, wird vieles aus anderen Anime-inspirierten Fantasy-Rollenspielen adaptiert - angefangen bei Edge, dem Archetyp eines Anime-Jünglings bis hin zu den Monstern, die typische Japano-Rollenspielkost darstellen. Grafisch präsentiert sich der neue Ableger sehr ordentlich. Ruckler fallen nicht weiter auf, das Spiel läuft die meiste Zeit über angenehm flüssig. Die Gegenden, die ihr erkundet, sind recht liebevoll gestaltet und teilweise sehr detailreich; wohingegen einige Gegenden eher spärlich designt sind. Richtig aufgefahren wird bei den Zwischensequenzen, die (typisch SquareEnix) recht ausufernd ausgefallen sind - manchmal könnt ihr hier für gute 30 Minuten und mehr das Pad zur Seite legen.
Akustisch wird euch ein gelungener Soundtrack geboten, der (auch wieder typisch SquareEnix) mit einigem Bombast aufwartet. Die englische Synchro ist durchaus gelungen, die japanische Sprachversion hat es leider nicht auf die drei DVDs geschafft. Dafür ist die deutsche Übersetzung sehr gut ausgefallen - auf eine lokalisierte Synchronisation müsst ihr zwar mal wieder verzichten, die Bildschirmtexte jedoch wurden gut ins Deutsche übersetzt.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
