Retro Spiele sind schwer in Mode. Kaum ein großer Publisher lässt die Chance verstreichen, seine alten Perlen noch einmal an den geschichtsinteressierten Zocker zu verkaufen. Ganz egal ob in Downloadform via Xbox Live und Playstation Network oder als umfassende Sammlung auf DVD, das Geschäft mit den Oldies boomt wie nie zuvor. Besonders Namco Bandai hat in der Vergangenheit schon zahlreiche Retrobündel geschnürt. Beinahe jede Spieleplattform wurde mit einer ganzen Sammlung alter Titel bedacht. Nun erscheint mit Namco Virtual Museum Arcade auch erstmals eine Zusammestellung für die Xbox360. Doch lohnt sich der Mix aus original belassenen Spielen der frühen 80er Jahren und Re-Arrangements alter Titel wirklich? GameRadio hat sich quer durch die Geschichte der Videogames gespielt…
Neben Atari, Activision und Nintendo gehören die japanischen Spielebastler von Namco zu den Urgesteinen der Branche. Bereits 1980 konnte Namco einen der ersten echten großen Videospielhelden vorweisen. Die Rede ist natürlich vom Allesfresser
Pacman, der nun bald schon seinen dreißigsten Geburtstag feiern kann. Wie bei allen Klassikern dieser Zeit, ist das Spielprinzip auch bei
Pacman mehr als simpel. Die gefräßige Spielfigur düst durch ein Labyrinth, um dort gierig alle platzierten Punkte aufzufuttern. Dabei wird sie jedoch von vier Geistern gescheucht, die eurem Held das Leben schwer machen. Eine einfache Kollision mit den Geistern genügt, um
Pacman das Lebenslicht auszulöschen. Sammelt ihr jedoch eine der vier größeren Eckpunkte am Rande des Spielfeldes ein, dreht sich der Spieß um und
Pacman geht auf Geisterjagd. Sind alle Punkte von der Bildschirmfläche getilgt, beginnt der nächste Level.
Die Beschreibung eines Klassikers wie
Pacman erscheint müßig, hat doch jeder ambitionierte Gamer schon einmal mit dem gelben Videospielurgestein ein paar Runden durch die Labyrinthe gedreht. Das mag daran liegen, dass
Pacman in seinen dreißig Jahren bereits mehr Revivals erlebt hat als die Rolling Stones in ihrer Bandhistorie.
Dies zeigt sich auch deutlich in der vorliegenden Spielesammlung
Namco Museum Virtual Arcade. Satte sieben Versionen versprechen den absoluten
Pacman-Overkill. Dabei reicht die Bandbreite vom Arcade-Original aus dem Jahre 1980 bis zur überraschend gut gelungenem
Pac-Man Championship Edition vom Xbox Live Arcade Marktplatz.
Pacman-Fans kommen also voll auf ihre Kosten.
Galaga – Ein Klassiker für Shoot´em Up Freunde
Namcos zweites großes Standbein in den frühen 80er Jahren darf sich ebenfalls zu den großen Klassikern der Videospielgeschichte zählen. In den Arcade-Hallen gehörte
Galaga zu den beliebtesten Shoot´em Ups überhaupt. Wie in vielen Spielen dieses Genres, steuert ihr ein kleines Raumschiff, das durchgehend von gegnerischen Alienformationen angegriffen wird. Was zuerst noch recht einfach anmutet, artet schon bald in regelrechten Stress aus. Denn schon bald füllt sich der Screen mit immer mehr ausgefallenen Angreifern. Wer hier nicht den Überblick behält, bekommt schon recht bald den „Game Over“- Bildschirm zu Gesicht. Auch hier hat Namco der Sammlung gleich drei Variationen spendiert. Natürlich darf auch das Spielhallenoriginal von 1981 nicht fehlen. Zusätzlich befinden sich
Galaga Arrangement, das 2005 für die PSP neu aufgelegt wurde, sowie
Galaga Legions auf der DVD. Letzteres erschien erst letztes Jahr exklusiv für Xbox Live Arcade und zählt zu den Highlights der Sammlung. Der Geist von
Galaga blieb hier zwar im Kern erhalten, das Spielprinzip wurde jedoch sinnvoll erweitert. Auf dem Spielfeld können zwei Satteliten platziert werden, die euch per Dauerfeuer im Kampf gegen die anströmenden Aliens unterstützen. Mit seinen psychedelischen Farben erinnert [b[Galaga Legions stark an Bizarres
Geometry Wars und stellt durchaus eine gute Alternative dazu dar.
Shoot´em Up: Ein aussterbendes Genre
Während heute die klassischen Shoot´em Ups kaum noch eine Rolle spielen, zählte das Genre damals zu den beliebtesten Spieltypen. Dementsprechend groß ist auch die Auswahl auf der Sammlung. Insgesamt zwölf Titel fallen im
Namco Museum Virtual Arcade in diese Kategorie. Doch längst nicht alle Spiele reichen an die gute Spielbarkeit eines
Galaga Legions heran. Einige sind seit ihrer Veröffentlichung nicht besonders gut gealtert und machen – wenn überhaupt – nur durch die rosarote Retrobrille betrachtet noch Spaß.
Xevious zum Beispiel mag 1982 noch als durchaus ernstzunehmende Shooter-Konkurrenz hergehalten haben, kann aber 2009 nicht mehr überzeugen. Für geschichtlich interessierte Gamer sind solche Titel zumindest für ein kurzes Anspielen aber dennoch interessant.
Simple Einknopf-Steuerung – auch für Anfänger geeignet
Die einfache Steuerung zeichneten die meisten Titel aus der Pionierzeit der Videospiele aus. Komplexe Tastenbelegungen mit 10 verschiedenen Buttons waren zu dieser Zeit noch undenkbar. Viele Spiele lassen sich gar mit nur einem einzigen Feuerknopf steuern, während sich
Pacman völlig ohne Buttons spielen lässt. Als Namco 1980 die ersten Spielautomaten in Kneipen und Kaufhäusern aufstellen ließ, waren Videospiele eine Randerscheinung und den meisten Leuten gänzlich unbekannt. Entsprechend gering musste die Einstiegshürde für die ersten Arcade-Games wie
Galaga oder
Pacman sein. Tiefgründige Stories, innovative Steuerungskonzepte oder komplexes Gameplay sollte bei dieser Collection also niemand erwarten.
34 Spiele im Überblick
Insgesamt hat Namco 34 Spiele auf die DVD gepackt. Hier der Überblick in alphabetischer Reihenfolge:
- Baraduke (1985)
- Bosconian (1981)
- Dig Dug (1982)
- Dig Dug Arrangement (2005)
- Dig Dug II (1985)
- Dragon Buster (1985)
- Dragon Spirit (1987)
- Galaga ´88 (1987)
- Galaga Arrangement (2005)
- Galaga Legions (2008)
- Galaxian (1979)
- Grobda (1984)
- King & Balloon (1980)
- Mappy (1983)
- Metro-Cross (1985)
- Motos (1985)
- Mr. Driller Online (2008)
- Ms. Pac-Man (1981)
- New Rally-X (1981)
- Pac & Pal (1983)
- Pac-Man (1980)
- Pac-Man Championship Edition (2007)
- Pac-Man Arrangement (2005)
- Pac-Mania (1987)
- Pole Position (1982)
- Pole Position II (1983)
- Rally-X (1980)
- Rolling Thunder (1986)
- Sky Kid (1985)
- Sky Kid Deluxe (1986)
- Super Pac-Man (1982)
- The Tower Of Druaga (1984)
- Xevious (1982)
Museum Klassiker vs. Live Arcade Klassiker
Das Hauptmenü von
Namco Museum Virtual Arcade ist zunächst unterteilt in zwei große Bereiche. Der größere Museum-Sektor beinhaltet insgesamt 25 Klassiker, die sich – wie in anderen Retrosammlungen auch – direkt von der Menüoberfläche aus starten lassen. Der Bereich beinhaltet sowohl die Spielhallen-Originale wie auch die drei „Arrangements“, die 2005 für die PSP entwickelt wurden. Dabei handelt es sich um aufpolierte Versionen von
Dig Dug,
Galaga und natürlich
Pac-Man.
Der Live Arcade Bereich hingegen umfasst neun Spiele, die bereits auf Xbox Live Arcade erhältlich sind. Wer schon in Besitz einiger Download-Titel ist, sollte also überlegen, ob die Sammlung immer noch ihr Geld wert ist. Die Titel im Live Arcade Bereich lassen sich ebenfalls von der Menüoberfläche starten. Wird das Spiel jedoch einmal beendet, landet der Spieler nicht wieder im Hauptmenü, sondern in der Xbox-Steuerung. Glücklicherweise lassen sich die XBLA-Games jedoch auch direkt aus der Spielebibliothek der Xbox Steuerung starten. Da es sich bei den neuen Spielen im Live Arcade Bereich um 1:1 Umsetzungen der Downloadvarianten handelt, freuen sich Gamerscore-Jäger auch über die vollen 200 für jeden einzelnen Titel.
Preislich fällt die
Namco Museum Virtual Arcade mit etwa 30€ recht moderat aus. Wer sich also für die Highlights der Collection erwärmen kann, macht mit der Sammlung durchaus ein Schnäppchen. Gerade
Galaga Legions und
Pac-Man Championship Edition sind ihr Geld wert. Wer einen geschichtlichen Rückblick wagen möchte, sollte zuschlagen.