Das Konzept hinter "Onechanbara" klingt zwar interessant, aber meine Spinnensinne schlagen Alarm. Sexy Mädels nehmen knapp bekleidet den blutigen Kampf gegen Zombies auf - das klingt nach purem Trash. Und doch brachte es die Reihe in den vergangenen Jahren auf einige Versoftungen, die jedoch fast ausschliesslich japanischen Zockern vorbehalten blieben. Ob der jüngste Teil die Reihe gekonnt auf die Xbox 360 bringen kann, haben wir uns angesehen.
Simple Series
Ihr kennt "Onechanbara" nicht? Kein Wunder, erschienen die Spiele doch fast komplett nur in Japan. Und das sogar ganz günstig im Rahmen der "Simple Series", die D3Publisher herausbringt. Zu uns schaffte es die Reihe zwar auch schon, allerdings unter anderem Namen: "Zombie Zone", "Zombie Hunters" und "Zombie Hunters 2" (alle drei für PlayStation 2). Ein großer Erfolg ware die Titel jedoch allesamt nicht. 2006 erschien dann "Onechanbara VorteX" in Japan, erstmals für die Xbox 360. Und dieser Teil schafft es nun unter dem Titel "Onechanbara: Bikini Samurai Squad" auch zu uns. Fast zeitgleich erscheint übrigens auch "Onechanbara: Bikini Zombie Slayers" für die Wii bei uns, welches die Story der Xbox 360-Fassung fortführt.
Die Grundzüge der Geschichte konntet ihr in der Einleitung ja bereits fast komplett erfahren, aber wer es gerne etwas ausführlicher mag: Die Schwestern Aya und Saki sind Trägerinnen besonderen - allerdings verfluchten - Blutes: Dem "Baneful Blood". Das verleiht ihnen zwar im Kampf starke Kräfte durch das Blut ihrer Feinde, zehrt sie aber von innen heraus auf. Als in Tokio eine Zombie-Epidemie ausbricht, machen sich die beiden auf, die Ursache dahinter aufzudecken. Diese Storyline wird durch Zwischensequenzen - teils vorgerendert, teils in Spielgrafik - weitergesponnen. Viele Passagen gibt es aber auch nur als scrollenden Text. Dieser wird zwar vorgelesen, allerdings nur auf Japanisch. Einzig die englischen Untertitel helfen beim Verständnis. Kenntnis der Vorgänger ist ratsam, auch wenn die Geschichte eher vernachlässigbar ist.
Eure Aufgabe ist es nun also, mit den beiden Schwestern loszuziehen und die Zombie-Bedrohung abzuwenden. Das Gameplay unterscheidet sich dabei kaum von Spielen wie "
»X-Blades" oder "
»Devil May Cry": Ihr hetzt von Ort zu Ort und schnetzelt euch durch unzählige Gegnerhorden, sammelt die Hinterlassenschaften ein (Orbs oder Items), levelt immer mal wieder auf oder bekommt neue Kleidungsstücke, mit denen ihr die Mädels ausstaffieren könnt.
Rage against the... Zombies
Das Kampfsystem ist auf den ersten Blick simpel gestrickt - es gibt zwei verschiedene Angriffe, einen Tritt und einen Sprung. Dazu kommt noch ein Spezial-Angriff, die so genannte Extase-Attacke. Damit seid ihr gut gerüstet, um euch den Zombies zu stellen. Die Tiefe des Combo-Systems offenbart sich jedoch erst auf den zweiten Blick. Es erfordert allerdings einiges an Übung, bis ihr perfekte Angriffsketten erzeugt - präzises Timing ist dabei unerlässlich. Dummerweise bekommt ihr keinerlei Hilfen oder Erklärungen an die Hand, welche Manöver die Mädels denn eigentlich ausführen können. Und Vorsicht: Euer Schwert setzt sich mit jeder erfolgreichen Attacke mit Blut zu - dies erkennt ihr nicht nur daran, dass es vor Blut nur so trieft, sondern auch an einer Leiste am linken, unteren Bildschirmrand. Ist diese komplett gefüllt, richtet eure Klinge kaum noch Schaden an und kann in manchen Gegnern auch einfach stecken bleiben. Um das zu verhindern, müsst ihr immer mal wieder per Knopfdruck eine Reinigung vornehmen.
Überhaupt ist Blut scheinbar ein sehr wesentlicher Faktor im Leben der Mädels. Durch das Besiegen eurer Gegner nämlich, füllt sich das Konterfei eurer Kämpferin - bedingt durch ihr "Baneful Blood" - unten links immer mehr mit roter Farbe: Purer Blutlust. Ist es bis oben hin angefüllt, steigert sich die Kleine in einen Blutrausch - sie verwandelt sich ein wenig und ihre Attacken richten mehr Schaden an. Nachteilig ist, dass ihr damit auch kontinuierlich Lebensenergie verliert udn auch selbst doppelt Schaden einsteckt. Um diesen Zustand aufzuheben oder garnicht erst passieren zu lassen, gibt es in den Leveln Göttinen-Statuen. An diesen werdet ihr eure Blutlust wieder los und bekommt ein wenig Lebensenergie zurück. In eurem Inventar sammeln sich mit der Zeit aber auch Items an, mit denen ihr solchen Problemen jederzeit begegnen könnt. Da die untoten Feinde sehr häufig derartige Gegenstände fallen lassen, ihr aber nur eine geringe Anzahl davon mit euch rumtragen könnt, dürft ihr auch richtig schön verschwenderisch damit umgehen.
Später kommt noch ein dritter spielbarer Charakter hinzu: Annna (kein Schreibfehler, die gute Dame schreibt sich wirklich mit drei 'n'). Diese setzt nicht auf Schwerter, sondern auf Feuerwaffen - sie verfügt über zwei Pistolen oder alternativ Pumpgun und Uzi. Das bedeutet, dass ihr von Zeit zu Zeit nachladen müsst - im Grunde so, wie die beiden Schwestern ihre Schwerter reinigen. Dafür kann sie jedoch nicht in einen Blutrausch verfallen.
Grottig, aber...
Was bis hierhin durchaus passabel klingen mag, hält einem näheren Blick nicht stand: Weder technisch noch spielerisch ist "Onechanbara" herausragend - im Gegenteil, es ist geradezu unterirdisch! Grafisch wird auf Sparflamme gekocht - grob modelierte Umgebungen, matschige Texturen, staksige Animationen (und das nicht nur bei den Zombies!), sterile Umgebungen. Nichts, was nicht mit geringen Abstrichen auch auf der betagten PS2 möglich gewesen wäre. Und auch dort würde das Tearing und Ruckeln störend auffallen, mit dem ihr immer wieder konfrontiert werdet. Auch der Sound reißt keine Bäume aus, euch erwartet eine belanglose Kulisse aus Rock, Pop, Elektro und ziemlich schlechten Effekten. Okay, wen interessiert Technik, wenn das Gameplay stimmt? Richtig: Niemanden. Aber auch das Gameplay reißt es nicht raus. Wenn ihr Abwechslung sucht, werdet ihr hier sicherlich nicht fündig. Ausser einer hakeligen Motorrad-Einlage erwartet euch das immer gleiche Spielprinzip, über 20 Kapitel hinweg. Und das langweilt! Da erscheinen Zombies aus dem Nichts, fallen vom Himmel, Zäune (woher auch immer die kommen mögen) sorgen plötzlich für eingeschränkte Bewegungsfreiheit, ebenso unsichtbare Levelbarrieren, ... das ist Videspiel-Steinzeit. Dank der Level-Architektur werdet ihr euch (trotz Karte) immer mal wieder verlaufen. Das Schlimmste allerdings ist das Recycling der Schläuche (die Entwickler nannten es 'Level'): Selten zuvor wurde ich in einem Spiel so häufig durch die gleichen Areale geschickt!
Das Problem an all diesen Kritikpunkten: Das Spiel macht TROTZDEM Spaß, auf eine sehr eigenwillige Art und Weise. Machen wir uns nichts vor, was hier aufgefahren wird, ist Trash in Reinkultur. Aber wenn Filme von Uwe Boll Liebhaber finden können, warum nicht auch ein solches Spiel? Volljährige Zocker, die auf Splatter-Trash im besten "Braindead"-Stil stehen, bekommen genau das in spielbarer Form geliefert.
Gemeinsam auf die Jagd
Was das Spiel am stärksten aufwertet ist der Coop-Modus. Mit einem Kumpel im Splitscreen den Zombies gemeinsam zu Leibe zu rücken, das hat einfach was. Gemeinsam spielbar sind die Story (teilweise), das freie Spiel und der Survival-Modus - und gerade letzterer profitiert gewaltig von einem zweiten Mitspieler! Welle um Welle der untoten Kameraden niedermetzeln ist zwar auch gemeinsam stupide und abwechslungsarm, aber effektiv und tatsächlich eine ganze Weile äusserst unterhaltsam.
Ansonsten wird ein guter Wiederspielwert geliefert: Stehen zu Beginn nur zwei Schwierigkeitsgrade (Easy und Normal) zur Verfügung, könnt ihr noch drei weitere freischalten: Hard, Violent und Berserk. Dort verkraften die modrigen Gesellen einige Treffer mehr und teilen auch kräftiger aus. Ohne entsprechende Auflevelung eurer Charaktere habt ihr hier kaum eine Chance. Dazu kommen jede Menge neuer Kleidungsstücke für die Mädels, Wallpaper für den Titelbildschirm oder einen Betrachter-Modus (hier könnt ihr die Bewegungen eurer Feinde näher studieren). Nicht alles davon ist leicht zu erspielen, gerade die gesamten Quests (mit denen ihr Kleidung, Wallpaper und auch die Xbox 360-Erfolge freispielt) sind mitunter recht aufwändig zu erreichen. Ohne Guide werdet ihr da kaum alles bekommen.
Nettes Gimmick am Rande: Während des Ladevorgangs könnt ihr am unteren Bildschirmrand eine Miniatur-Aya steuern und mit ihr Miniatur-Zombies erschlagen - dafür bekommt ihr sogar gelbe Orbs gutgeschrieben.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
