Satte 50 Millionen Dollar soll Microsoft an Rockstar Games gezahlt haben, um zwei Erweiterungen zum Megahit „»GTA IV“ exklusiv auf der Xbox360 veröffentlichen zu können. Addon Nummer eins „The Lost and Damned“ ist seit dem 17. Februar erhältlich und gibt dem Begriff "Download Content" tatsächlich eine ganz neue Bedeutung: Hier wird kein simples Waffen- oder Fahrzeugupdate, sondern eine umfangreiche, eigenständige Geschichte mit allem geboten, was ein gutes "GTA" in Kurzform ausmacht. Microsofts Geld scheint also gut investiert worden zu sein, oder?
Welcome Home, Motherfucker!
"GTA IV"-Antiheld Nico Bellic hat in „The Lost and Damned“ nichts zu melden – abgesehen von ein paar kleinen Cameo-Auftritten dreht sich in der Erweiterung alles um den Rocker Johnny Klebitz. Klebitz ist Mitglied der Bikergang „The Lost“, die sich nicht mit heißen Harleys und lange Bärten zufrieden gibt, sondern in der Unterwelt von Liberty City eine feste Position innehat – etwa, wenn es um Drogenhandel geht. Die Geschichte von „The Lost and Damned“ setzt mit der Rückkehr des Bandenbosses Billy Grey ein. Grey hat Jahre hinter Gittern und einen Drogenentzug hinter sich und brennt förmlich auf Action. Mit Johnny, der ihn auf dem Chefposten vertreten hat, gerät er allerdings schnell in Konflikt: Unser Alter Ego ist ohne Frage ein harter Hund, aber einer, der auch mal seinen Kopf einsetzt. So hat er während Billys Gefängnisaufenthalt einen Waffenstillstand mit der konkurrierenden Gang „Angels of Dead“ ausgehandelt und auch sonst einen etwas gemäßigteren Gang eingelegt. Das zurückgekehrte Oberhaupt ist damit allerdings überhaupt nicht einverstanden und lässt es wieder ordentlich krachen – für Johnny, der inzwischen wieder zum normalen Gangmitglied degradiert wurde, gibt es also mehr als genug zu tun.
Born to be Wild
„The Lost and Damned“ bietet alle Elemente des Hauptprogramms und verpackt sie in eine eigenständige, knapp zehnstündige Story. Als neuer Stützpunkt und Speicherort dient das „Lost“-Clubhaus, das sich nahtlos in die aus dem Hauptprogramm bekannte Welt einfügt – neue Abschnitte oder Stadtteile gibt es allerdings nicht. Die 1600 MS Points, also gut 20 Euro, die die Erweiterung kostet, sind indes gut angelegt: 24 Missionen und zahlreiche zusätzliche Nebenaufgaben, zwei neue Minispiele, frische Songs, Motorradrennen, eine ganz eigene Atmosphäre und die hervorragend erzählte Story unterhalten besser als manch ein Vollpreistitel. An kleinen Details haben die Perfektionisten von Rockstar Games dennoch geschraubt: Die Motorräder steuern sich nun deutlich angenehmer, längere Missionen haben Savepoints, dank einiger Nachbearbeitungen im optischen Bereich und einem neuen Grafikfilter, der leichtes Filmkorn erzeugt, wirkt „The Lost and Damned“ noch einen Tick hübscher als das Hauptprogramm. Ingesamt fühlt sich der Spielfluss etwas dynamischer an, was wohl auch daran liegt, dass Storybremsen wie uninspirierte Bowlingabende und Datinggedöhns keine spielerisch relevante Rolle spielen.
Großes Kino
Die größte Faszination an „GTA IV“ ist sicherlich, dass das Programm eine eigenständige, raue Welt samt glaubwürdiger Charaktere simuliert und in Sachen Storytelling kaum inhaltliche oder politische Kompromisse eingeht. „The Lost and Damned“ vertieft diese Features, ja übertrifft die Dichte des Hauptprogramms sogar. Auch die Erweiterung geizt nicht mit Kraftausdrücken und expliziten Darstellungen - die Atmosphäre kann es locker mit der von hervorragenden Film- bzw. TV-Produktionen wie „Departed“ oder „The Shield“ aufnehmen. Die Welt von Johnny ist knallhart, verdorben und unzensiert. Kein Wunder also, dass ihr im Verlauf der abwechslungsreichen Missionen auf korrupte Polizisten, exhibitionistisch veranlagte Politiker und drogenabhängige Ex-Freundinen trefft.
Rock 'n Roll
Auch wenn sich Kenner des Hautprogramms schnell wohlfühlen sollten, hat „The Lost and Damned“ ein paar frische Ideen auf Lager: Die meisten Missionen werden beispielsweise im Verbund mit euren „Brüdern“ gelöst. Dazu gehört auch, dass ihr in Bike-Formation zum jeweiligen Einsatzort fahrt. Nett: Die Fähigkeiten eurer Mitstreiter steigern sich von Mission zu Mission, zudem habt ihr die Möglichkeit, euren „Squad“ individuell zusammenzustellen. Schade: Die Kumpanen-KI leidet hin und wieder unter Aussetzern, zudem hätte man die - nach unserer Meinung - etwas träge Steuerung ein bisschen dynamischer gestalten können.
Wer von seinen CPU-gesteuerten Rockerfreunden noch nicht genug hat, solltet sich in den Mehrspielermodus einwählen: „The Lost and Damned“ erweitert den eh schon äußerst umfangreichen Multiplayerpart mit vier frischen Modi. In „Chopper vs. Chopper“ etwa werdet ihr von einem Hubschrauber verfolgt und müsst möglichst lange überleben, in „Witness Protection“ gilt es hingegen, Menschen zu schützen.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:

