In einem totalitären Staat können sich die Menschen dem Überwachungsapparat nur entziehen, indem Sie ein Leben im Untergrund führen. Um als Aussätziger an Geld zu kommen, kann man sich als Runner verdingen. Als neuzeitlicher Nachrichtenbote wetzt man über die Dächer der Stadt, um vertrauliche Informationen von Punkt A nach Punkt B zu bringen. Faith, der agile Hauptcharakter von „Mirror's Edge“, geht diesem Beruf nach. Im neuen Machwerk der »„Battlefield“-Entwickler DICE erfahren wir hautnah, worauf es bei diesem Job ankommt: Schnelligkeit, Geschick und Todesmut.
Jägerin und Gejagte
Ein Politiker wurde ermordet. Als Gesetzloser kann uns das eigentlich egal sein. Allerdings hatte der Gute reelle Chancen die Demokratie zurück in die Welt von „Mirror's Edge“ zu bringen. Sehr verdächtig, dass sich der potentielle Reformer kurz vor der Wahl mit einer Kugel im Kopf aus dem politischen Geschehen zurückzieht. Zu allem Überfluss versuchen die Hintermänner des Attentats unserer Schwester die Sache anzuhängen, die sich im krassen Gegensatz zu uns für ein Leben als Polizist entschieden hat. Selbstverständlich hält uns dieser Umstand nicht davon ab, unserem Schwesterherz aus der Patsche zu helfen. Um ihre Unschuld zu beweisen, machen wir Jagd auf die Strippenzieher und werden dabei selbst zur Gejagten.
Ego-Jump & Run
Soviel zur Story, die zwar spannend, aber nicht unbedingt originell ist. Völlig anderes können wir vom eigentlichen Spielgeschehen behaupten. „Mirror's Edge“ unternimmt den Versuch, Geschicklichkeitsspiele vom Schlage eines
»„Prince of Persia“ in die Ego-Perspektive zu übertragen. Soviel sei an dieser Stelle schon verraten: Das Experiment ist DICE weitestgehend geglückt. Durch die realistische Anpassung der Sicht werdet ihr ins Spielgeschehen gesogen. Wir hatten beim Test das Gefühl regelrecht in Faiths Haut zu stecken. Und dieses Körpergefühl ist auch bitter nötig, um die teilweise kniffligen Geschicklichkeitspassagen zu meistern. Wer zum ersten Mal versucht, aus einem Wallrun heraus an eine Stange zu springen und sich von dieser aus gen Lüftungsschacht zu schwingen, weiß wovon wir reden.
Timing ist alles
Entwickler DICE ist die Steuerung recht gut gelungen. Die meiste Zeit kommt ihr mit den beiden Analogsticks und einem Bumper-Trigger-Paar aus. In den sporadischen Nahkampf-Einlagen müsst ihr auch mal die Fäuste sprechen lassen. Mehr noch als bei den Hüpfpassagen kommt es hier auf perfektes Timing an. Ein ungestüm ausgeführter Dropkick macht euch zum leichten Ziel für die Gegner. Hier hilf es, die Zeitlupe zu aktivieren. In der Slowmo habt ihr auch bessere Chancen, eure Widersacher zu entwaffnen, was den effektivsten Weg darstellt, die schießwütigen Verfolger auszuschalten. In schicken Animationen seht ihr, wie Faith den Gegnern die Waffe aus der Hand reißt und sie anschließend ins Reich der Träume schickt. Nun könnt ihr im wahrsten Sinne des Wortes eure Feinde mit ihren eigenen Waffen schlagen. Ist das Magazin leergeballert, müsst ihr allerdings wieder ohne Schießprügel zurechtkommen.
Da geht’s lang
Das Beste ist jedoch euren Häschern gar nicht erst zu nahe zu kommen. Um dies zu gewährleisten, ist es wichtig, dass ihr sofort wisst, wo es lang geht. Euer verlässlichstes Hilfsmittel hierfür ist die „Runner Vision“: Level-Elemente, die eurem Weiterkommen dienen, erstrahlen in einem satten Rot. Die Rohre, Kisten, Bretter etc. sind besonders gut zu erkennen, weil „Mirror's Edge“ bewusst auf farblich eintönige Areale setzt. Solltet ihr dennoch mal nicht weiterwissen, genügt ein Druck auf die B-Taste, um euren Blick Richtung Zielroute zu lenken. Diese Tipps sind allerdings nur bedingt aussagekräftig. Hin und wieder blickt ihr in Level-Bereiche, die ihr in eurer gegenwärtigen Situation unmöglich erreichen könnt. Manchmal verweigert die Tipp-Funktion ihren Dienst komplett.
Das muss doch zu schaffen sein!
Im Story-Modus ist für Spiellaune gesorgt. Zwar fordern einige Geschicklichkeitspassagen des Öfteren euer virtuelles Leben, doch beim Test kamen wir nie in die Verlegenheit, einen Abschnitt gefrustet als unschaffbar einzustufen. Fair gesetzte Speicherpunkte lassen euch selbst den zehnten Anlauf, das Level-Ende zu erreichen, motiviert angehen. Solltet ihr den knapp zehn Stunden umfassenden Story-Modus hinter euch gebracht haben, könnt ihr euch an zwei weiteren Schwierigkeitsgraden oder Speedruns im Time-Trial-Wettbewerb versuchen. In diesem lauft ihr gegen die Ghosts anderer Spieler. Gut möglich, dass „Mirror's Edge“ in der Online-Community großen Anklang finden wird. Immerhin erfordert das Spiel eine gehörige Portion Skill, um die Bestzeiten eines Parcours zu knacken. Für Langzeit-Motivation ist also gesorgt. Zudem wurden zusätzliche Inhalte für das Spiel, die über den Marktplatz bezogen werden können, angekündigt.
Unschärfer als nötig
In technischer Hinsicht kann „Mirror's Edge“ über weite Strecken überzeugen. Abgesehen von den Xbox-typischen groben Texturen, fiel uns lediglich der übertriebene Einsatz von Unschärfeeffekten auf. Auch am Sound gibt es wenig zu meckern. Die Musik passt sich dynamisch an das Spielgeschehen an. Die Synchronsprecher machen einen guten Job. Blöd nur, dass der gesprochene Text hin und wieder nicht mit den Untertiteln übereinstimmt. Zwischen den Kapiteln erwarten euch kurze Zeichentrick-Videos, welche die Story vorantreiben. Die in einem spartanischen Comic-Look gehaltenen Filmchen schaltet ihr im Spielverlauf unter dem Menüpunkt „Extras“ frei. Dort werden auch Musikstücke und interessante Artworks aufgeführt, die beispielsweise erste Charakterzeichnungen von Faith zeigen.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:

