„Ok, Fisher. Die Nationalgarde hat seit dem Stromausfall die Kontrolle über die Straßen von New York übernommen. Ich hoffe, ich muss dich nicht daran erinnern, dass diese Jungs auf der guten Seite stehen. Töte niemanden, ich wiederhole: Keine Todesopfer...!“.
Kurz darauf: *knack*. „Verdammt Fisher! Ich sagte doch keine Todesopfer!“, „Lambert, er war mir im Weg...“, „Gott. Sam: Du bist ein Profi. Verhalte dich auch so.“, „Schon gut...“.
Daraufhin das Geräusch einer Schallgedämpften Pistole. „Upps, sorry Lambert. Werde ich jetzt abgezogen?“, „Natürlich nicht Fisher, wir sind hier schließlich in keinem albernen Videospiel. Beende deine Mission – Und reiß dich gefälligst zusammen...“.
Hätte nicht jeder Kenner der Splinter Cell-Reihe andere Konsequenzen aus den brutalen Handlungen des smarten Sam Fishers erwartet? Ja, richtig: Der Einsatz wurde früher kurzerhand beendet und im nächsten Anlauf musste eine passivere Handlungsweise eingeschlagen werden. Im dritten Ableger „Chaos Theory“ wurde nun infolge vielfachen Wunsches das Grundkonzept verändert. Frei nach dem Motto „Es ist dein Spiel – Tu’ was du willst.“ wurden ganze zehn Einsätze geschaffen, die nahezu keinen Wunsch mehr offen lassen. Warum also Splinter Cell 3 nicht nur ein Splitter, sondern ein weiterer Meilenstein in der Videospielwelt ist, erfahrt ihr in unserem Review.
Ein hintergründiges Intro…
Sobald Splinter Cell 3 gestartet wird, fällt dem Spieler im Intro unweigerlich die unglaubliche Technik auf. Während das Musikthema langsam die Spannung nach oben zieht, kann man Protagonist Sam Fisher bei diversen Aktionen beobachten. In der ersten Hälfte des Videos schleicht er noch unhörbar leise und setzt die Wachen unbemerkt außer Gefecht, im zweiten Part lässt er seine Waffen sprechen und setzt somit lautere und größere Kaliber ein. Das alles sieht und hört sich dermaßen gut an, dass man in den weiteren Minuten, wenn das eigentliche Spiel begonnen wird, kaum glauben kann unentwegt Ingame-Szenen vor sich gesehen zu haben. Die Lichtspielereien bei den Explosionen, die durchschlagenden Soundeffekte, geniale, butterweiche Animationen – Chaos Theory ist wieder einmal ein Titel, der die Möglichkeiten der Konsole perfekt ausnutzt.
Blickt man aber einmal über den Tellerrand des Intros hinaus, wird klar, dass es nicht nur eine Demonstration des ausstehenden Spielgenusses ist, sondern auch das angesprochene veränderte Spielkonzept verdeutlicht. An erster Stelle steht nämlich immer noch der Stealthfaktor, der aber nun im gleichen Maße durch Actioneinlagen ergänzt wird. Zudem kann man sich entscheiden welche Spielart eingeschlagen wird. Schon beim Briefing zur Mission stellt sich die Wahl ob man eine ausgeglichene Ausrüstung wählt oder doch lieber eine auf das Schleichen oder den Angriff spezialisierte.
Hierdurch ist der Serie nun der wichtige Sprung nach vorne gelungen eine viel breitere Zielgruppe zu erreichen und zugleich den Widerspielwert und somit die Gesamtspielzeit zu erhöhen. Schließlich ist es viel interessanter einen Auftrag nach dem langwierigen Durchschleichen in einer schnelleren offensiveren Art und Weise oder umgekehrt zu erfüllen.
Einen weiteren Pluspunkt bezüglich der Spielbarkeit erhält der Titel, dass dem Spieler nun ermöglicht wird, jederzeit den Fortschritt abzuspeichern. Das dauert keine fünf Sekunden und weckt den Experimentiergeist: Sollte die ausgemachte Wache von oben am Rohr hängend überrascht werden, mit einem Pfiff ins Dunkle gelockt werden oder doch einfach umgangen werden? Ferner war diese Neuerung auch essentiell notwendig, da die ebenfalls stark verbesserte KI ganz neue Taktiken fordert. Der Frustfaktor würde durch weit entfernte Checkpoints zu hoch angesiedelt sein. Daher ist die Entscheidung, ein freies Speichermanagement zu entwickeln nur zu begrüßen.
Mit dem Messer geht es besser
Doch nicht nur das Spiel an sich sowie die Gegner haben dazu gelernt, auch Sam ist trotz oder gerade wegen seinem Altern stärker und erfahrener geworden. So hat er wohl nach der „Pandora Tomorrow“-Operation im vergangenen Jahr eine umfassende Lehre in der Messerkunst durchlaufen. Mit anderen Worten: Sam hat ab sofort ein scharfes handliches Messer am Gürtel hängen. Im Spiel äußert sich dies in einer nicht zu unterschätzenden Intensität. Er kann jetzt nämlich auch ohne größere Probleme seine Gegner von vorne rasch und leise aus dem Verkehr ziehen. Wer aber beim klassischen Packen von hinten bleibt, der wird durch tatsächlich spaßig anzuhörende Verhöre belohnt, die sogar einige hilfreiche Tipps für weitere Aufgaben preisgeben.
Diese zugegebenermaßen recht einseitigen Dialoge sind übrigens, wie auch das restliche Spiel komplett in Deutsch gehalten. Die Terroristen haben zwar nur gut eine Handvoll Synchronsprecher bekommen, was zur Folge hat, dass man des Öfteren meint der gleichen Person mehrmals zu begegnen, doch die machen dafür ihre Arbeit nahezu perfekt. In Anbetracht der spaßigen und gut übersetzten Scripte lässt sich also ohne schlechtes Gewissen von einer geglückten Lokalisation sprechen.
Rundumblick
Wie weiter oben bereits angeschnitten, hinkt aber auch die Optik dem Sound mitnichten hinterher. Was der Spieler in Splinter Cell 3 zu Gesicht bekommt, ist schon beinahe nicht mehr in Worte zu fassen. Die schicken Lichteffekte, die schon seit dem ersten Teil begeisterten, wurden abermals überarbeitet und finden nun noch öfter und ansehnlicher Verwendung im Spiel. Lebendig wirken die Levels durch Details wie dem offensichtlichen Nasswerden sämtlicher Gegenstände bei Regen, den plastisch wirkenden Texturen oder den dynamischen Schatten. Ergänzt wird diese hübsche Umgebung durch die Effekte bei der Verwendung des Wärme- oder Nachtsichtgerätes. Im neuesten Teil werden die Sichthilfen übrigens durch das so genannte EMF vervollständigt. Sam hat hiermit nun auch die Möglichkeiten elektromagnetische Felder auszumachen.
Wozu fragt ihr euch? Herr Fisher hat neben dem Messer in Chaos Theory weitere innovative Hilfsmittel angehängt bekommen. So auch ein an der Pistole montiertes OCP-Tool, das durch Betätigen der linken Schultertaste elektrische Geräte temporär außer Gefecht setzen kann. Kameras sind somit leicht zu umgehen, ebenso wie Glühbirnen, die um Tarnung zu bewahren nicht in Scherben zerbröseln sollen.
Verlangt es die Situation, steht Sam ab sofort außerdem ein Kind der WirelessLAN-Technologie zur Verfügung. Durch simples ins Ziel Fassen eines Computers, kann dieser benutzt oder gehackt werden. Gehackt? Ja, auch im Digitalen hat sich eine neue Hürde aufgetan: Viele, besonders die bedeutungsvollen Rechner sind nämlich mit Passwörtern gesichert. Somit muss zunächst einmal bei einem Minispiel, ähnlich dem beim Schlösser Knacken, eine passende IP herausgefunden werden: Per X-Button wird eines der vier Segmente der IP gesichert bis schließlich der A-Knopf die Abschirmung aufhebt. Dass dies alles auch noch auf Distanz möglich ist, verhält sich vor allem in Lüftungsschächten oder stark bewachten Räumen sehr praktisch.
Das Herz des Spiels
Das Drumherum ist somit perfekt gelungen, doch nützt eine geniale Präsentation noch so wenig falls das Missionsdesign nicht stimmt. Aus diesem Grunde hat sich Ubisoft daran gemacht die Levels so zu gestalten, dass mehrere, auf die individuelle Spielweise angepasste Wege gegeben sind. Dieses Vorhaben hat auch geklappt und somit kann man einen Raum mal an einem Rohr hängend überqueren, mal in einem Kellergang die Wachen meiden. Je nachdem, welche spionsfreundlichen Indizien erblickt werden, können also all die artistischen Einlagen Sams verwendet werden.
Die Missionen selbst sind derweil in Haupt-, Sekundär- sowie Bonusziele untergliedert. Während die primären Ziele stets eine Erfüllung verlangen, können Sekundärziele auch mal auf den nachfolgenden Level aufgeschoben werden. Die Bonusziele dienen lediglich der Verbesserung der abschließenden Wertung. Allerdings geschieht es nicht selten, dass sich während eines Einsatzes eine unerwartete Änderung der Ziele zuträgt. Somit sollte man stets auf der Hut sein und über das Opsat neben der 3D-Karte regelmäßig die aktuellen Einsatzziele checken.
Spione unter sich
Die Evolution hört niemals auf. Dies betrifft auch die Splinter Cell-Reihe, genauer gesagt den Multiplayer. Waren im ersten Teil nur Einzelgänger bedient, konnte man im zweiten Teil bereits gegeneinander spielen. Was jetzt noch fehlte war ein Kooperationsmodus. Und wenn man vom Teufel spricht: Schon findet sich ein solcher im Spiel wieder. Dieser kann sowohl im Splitscreen, im LAN als auch in XBox-Live in Angriff genommen werden.
Die vier umfangreichen Levels sind währenddessen an die des Singleplayers angelehnt, doch um etliche Stellen erweitert worden, die nur durch kooperatives Zusammenarbeiten bewältigt werden können. Durch die schwarze Taste werden nun anstelle von Pfeifen derartige Team-Aktionen eingeleitet. Anschließend muss der Partner nur noch die Aktion bestätigen und schon können Vorsprünge durch Räuberleiten erklommen, Tiefen durch Abseilen hinuntergeklettert werden oder Laserfallen überworfen werden.
Dies klingt nicht nur sehr interessant, es spielt sich auch überaus spaßig. Viel zu schade war es nach den vier Missionen plus Training bereits das Ende zu erkennen. Aber es wird immer wieder gerne ein Koop-Auftrag gestartet um die Wachen an der Nase herumzuführen. Ferner steht ja noch der altbekannte VS-Modus parat, der ermöglicht, sich für eine verpatzte Aktion im Koop gebührend zu „revanchieren“.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:

