Steven Spielberg ist, das kann man auf jeden Fall so festhalten, einer der erfolgreichsten Filmemacher aller Zeiten. Doch das scheint dem Herrn nicht zu reichen und somit versucht er nun auch in der Branche der Videospiele Fuß zu fassen: "Boom Blox" heißt sein erstes Machwerk und soll Wii-Besitzern den großen Knobelspaß liefern. Ob der Plan von Spielberg und Electronic Arts aufgegangen ist, erfahrt ihr in unserem Review.
Ein Spiel mit VIELEN Blöcken
Die große Frage ist erst einmal: Worum geht es in "Boom Blox"? Um Blöcke. Und zwar um sehr viele Blöcke. Das mag jetzt langweilig und belanglos klingen, aber ganz im Gegenteil: Es ist grandios!
Zu Beginn des Spiels müsst ihr euch mit dem Tutorial auseinandersetzen, um die grundlegende Steuerung zu erlernen, euch mit dem Spielprinzip vertraut zu machen und um weitere Spielmodi freizuschalten. Die Bedienung geht leicht von der Hand und das Prinzip von "Boom Blox" hat man auch schnell verstanden. Genau so muss ein Tutorial aussehen!
Nachdem ihr euch mit allem vertraut gemacht habt, geht es mit den richtigen Spielmodi los. Zu Beginn stehen euch hier zwei zur Verfügung: Im "Entdecken-Modus" spielt ihr euch einfach durch die einzelnen Level der verschiedenen Spielarten, auf dir wir später noch eingehen werden. Im "Abenteuer-Modus" sind die Level in verschiedene Szenarien eingeteilt, welche alle eine eigene Story haben. Jetzt werdet ihr euch denken:"Was? Knobelspiel und Story? Das gibt es?" Ja, aber nur rudimentär. Die verschiedenen Geschichten bieten ungefähr so viel Komplexität und Spannung wie ein Stück Butter. Aber das ist natürlich kein wirkliches Manko bei solch einer Art von Spiel. Eine ausufernde Geschichte hätte wohl eh keiner erwartet.
Neben diesen beiden Modi könnt ihr noch zwei weitere freispielen, die zwar vom Schwierigkeitsgrad her nochmal ein wenig herausfordender sind, sich jedoch vom grundlegenden Prinzip kaum von den anderen beiden unterscheiden. Das generelle Ziel: Level spielen, mindestens die Bronze-Medaille gewinnen, nächsten Level starten. Und genau dieses Gameplay macht süchtig! Zum einen stellt sich schnell dieses "Noch-ein-Level"-Prinzip ein, zum anderen möchte man unbedingt versuchen, in allen Leveln die Gold-Medaille zu gewinnen, vergleichbar mit dem bei PC'lern sehr bekannten Rennspiel "Trackmania".
Viele verschiedene Blöcke
Das "Boom Blox" viele Blöcke beinhaltet, hatte ich schon erwähnt. Aber es gibt natürlich nicht nur einen Block-Typ, das wäre auch zu langweilig. So warten neben ganz normalen Blöcken, die keinen besonderen Effekt haben, auch Bomben-Blöcke, die bei einer Kollision explodieren. Chemikalien-Blöcke, die, wenn sie sich gegenseitig berühren, sozusagen eine chemische Reaktion hervorrufen oder Blöcke, die beim Abwerfen einfach verschwinden.
Und damit kommen wir auch schon zu den verschiedenen Spielarten, die sich durch das Kombinieren der verschieden Blöcke und euren Interaktionsarten ergeben: So müsst ihr zum Beispiel mit einem Ball mit so wenig Würfen wie möglich alle Diamanten-Blöcke eines Levels auf den Boden transportieren. Oder ihr müsst, wie man es vom Gesellschaftsspiel "Jenga" her kennt, Blöcke aus einem Turm entfernen, ohne dass dieser umkippt. Das alles macht auf Grund des genialen Leveldesigns eine Menge Spaß. Einzig und allein die Shooter-Level, in denen ihr zum Beispiel Gegner mit Hilfe von Bomben davon abhalten müsst, euch Diamanten-Blöcke zu klauen, hinken den restlichen Spielarten ein wenig hinterher. Sie sind doch zu hektisch ausgefallen und kommen weniger einem Knobel- als einem Actionspiel gleich.
Alles unter Kontrolle
Die Steuerung ist EA sehr gut gelungen. Ihr bewegt die Kamera, indem ihr entweder den B-Knopf gedrückt haltet und die Pointer-Funktion der Wiimote nutzt oder ihr schließt den Nun-Chuk noch an und benutzt den Analogstick. Das Werfen funktioniert prima: Mit gedrücktem A-Knopf visiert ihr euer Ziel an, führt dann eine Wurfbewegung mit der Fernbedienung aus und lasst dann den Knopf wieder los. Wie stark ihr die Wiimote schwingt bestimmt auch die Wurfkraft. Das Ziehen von Blöcken geht genauso gut von der Hand: A-Knopf gedrückt halten und den gewählten Stein mit Hilfe des Bewegungssensors ziehen. Die Steuerung ist sehr genau und macht euch so gut wie nie einen Strich durch die Rechnung. Hierfür haben sich die Entwickler ein großes Lob verdient. Genau so wie für die Physik-Engine des Spiels, welche sehr nachvollziehbar und realistisch wirkt. Dadurch sind vor allem die "Jenga"-Level äußerst spannend, da man ohne Feingefühl beim Herausziehen eines Blocks auch gerne mal den ganzen Turm zerstört.
Dafür ist der Rest der Technik sehr bescheiden. Grafisch beschränkt sich EA doch sehr auf das Notwendigste, wodurch die Optik doch eher zweckmäßig wirkt. Das mag bei solch einem Titel nicht sonderlich stören, ein wenig schärfere Texturen hätten aber nicht geschadet. Trotzdem kann es teilweise, eben wegen der Physik, zu Slowdowns kommen. Besonders dann, wenn ziemlich viele Steine durch die Luft fliegen, geht die Framerate auch mal nach unten. Doch das ist eher selten der Fall, meistens läuft "Boom Blox" vollkommen flüssig.
Trotz der schwachen Grafik verstrahlt das Spiel einen eigenen Charme. Das liegt zum einen an den knuddeligen, eckigen Tierchen, die immer im Level-Hintergrund rumhüpfen und manchmal auch Teil eines Levels sind, zum anderen an der sehr fröhlichen Musik, die teilweise sehr stark an "Die Sims" erinnert.
Eigene Level schaffen
Wem die über 300 Level nicht reichen, der kann sich dank des Editors auch selber eigene bauen. Und das funktioniert wirklich hervorragend: Die Bedienung ist wunderbar gelungen, dank der übersichtlichen Menüführung. Allerdings stehen nicht schon zu Beginn alle Bauteile zur Verfügung, einige müssen erst in den verschiedenen Spielmodi freigespielt werden. Zudem kann man nicht unbegrenzt viele Objekte verbauen. Ein Balken in der oberen Bildschirmhälfte zeigt an, wie viel man noch im Level unterbringen darf. Vermutlich hat man diese Begrenzung eingebaut, um die Performance im grünen Bereich zu halten.
Nun stellt sich auch beim Editor das Gefühl ein, die eigenen Level per WWW der ganzen Welt zeigen zu müssen. Dies geht aber leider nur begrenzt: So könnt ihr zwar per WiiConnect24 euren Freunden eigene Level zuschicken, damit hat es sich dann aber auch. Es gibt keine Internet-Lobby, in der ihr eure Kreationen auf einen Server hochladen dürft und euch die Level anderer Spieler herunterladen könnt. Das wäre doch bei so einem Spiel wie "Boom Blox" sehr wünschenswert gewesen.
Ebenso wünschenswert gewesen wäre ein Online-Modus. Darauf hat EA aber leider auch verzichtet. Schade! Dafür bietet euch "Boom Blox" aber einen umfangreichen Hotseat-Modus für bis zu vier Spieler, welcher, wie der Singeplayer auch, etliche Level unterschiedlichster Art beinhaltet. So könnt ihr sowohl gegeneinander, als auch kooperativ spielen. Unserer Meinung nach ist dieses Knobelspiel somit ein Weiterer der Wii-Titel, die auf keiner Gaming-Party fehlen dürfen.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
