Nintendos Wii hat seit ihrem Verkaufsstart bereits zahlreiche Käufer für sich gewinnen können. Ein solcher Erfolg bleibt in der Spielebranche natürlich nicht unbeachtet, weswegen immer mehr Publisher und Entwickler sich der Wii zuwenden. Die Frage ist nur, ob die schnell zusammengebastelten Titel dann auch Spaß machen. Nachdem bereits „Call of Duty 3“ zum Verkaufsstart in den Läden stand, zieht nun Electronic Arts mit „Medal of Honor: Vanguard“ nach. In unserem Review erfahrt Ihr, warum der Titel nicht wirklich überzeugen kann.
Weltkrieg wie eh und je
Eine spannende und mitreißende Geschichte bietet „Medal of Honor: Vanguard“ nicht. Vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkrieges kämpft Ihr Euch durch von den Deutschen besetzte Gebiete und nietet alles um, was nicht bei drei in Deckung gegangen ist. Die gerade mal zehn Missionen des Spiels teilen sich in die Operation Husky (2, Sizilien), Operation Neptun (3, Normandie), Operation Market Garden (3, Niederlande) sowie Operation Varsity (2, Deutschland) auf.
Viel Abwechslung wird dabei jedoch nicht geboten. Der Missionsablauf beschränkt sich auf die üblichen Ziele: Stellung erobern, Tiger-Panzer in die Luft jagen oder Flaks sprengen. Abgesehen von den Fallschirmabsprüngen sowie der etwas größeren Schlacht am Ende, die aber kein Vergleich zu „Call of Duty“ darstellt, gibt es kaum nennenswerte Höhepunkte. Hinzu kommt, dass das Spiel bereits nach sechs bis sieben Stunden wieder vorbei ist.
Pimp my weapon
Im Laufe der Einsätze könnt Ihr hin und wieder sogar eine kleine Tasche finden, mit der eine Eurer (vorgegebenen) Waffen verbessert wird. Das Thompson-Maschinengewehr verhält sich so beispielsweise etwas präziser, während die M1 Garand ein Zielfernrohr bekommt. Gerade Letzteres ist noch am nützlichsten davon. Leider werden solche Upgrades nur automatisch an den Waffen der Alliierten durchgeführt, die eroberten Schießeisen der Nazis bleiben unberührt. Immerhin lassen die Gegner ständig neue Munition fallen. Medikits gibt’s derweil nicht mehr. Wie in „Call of Duty“ regeneriert sich Eure Gesundheit immer wieder von selbst. Euren Gesundheitszustand bemerkt Ihr dadurch, dass sich der Bildschirm durch gegnerische Treffer immer mehr rot färbt. Wenn Ihr dann noch das virtuelle Herz rasen hört, solltet Ihr tunlichst schnell in Deckung gehen.
Wii ist die Steuerung?
Nintendos Wii eröffnet natürlich neue Möglichkeiten in Bezug auf die Steuerung, von denen „Medal of Honor: Vanguard“ ebenfalls Gebrauch macht. Dabei benötigt Ihr sowohl Wiimote als auch Nunchuck. Die Wiimote dient zum Zielen, umschauen, schießen und Granaten werfen. Mit dem Nunchuck bewegt Ihr Euch derweil per Analogstick oder ladet die Waffe nach. Wer den Nunchuck nach oben oder unten zieht, der kann sich entweder hinknien- oder legen beziehungsweise wieder aufstehen und springen. Die gleiche Funktionsweise erfüllen jedoch auch die beiden Buttons am Nunchuck. Insgesamt ist die Steuerung recht gut gelungen, nach kurzer Eingewöhnungsphase kommt man sehr gut damit zurecht. Wer will, der darf etwa die Empfindlichkeit im Optionsmenü noch ein wenig anpassen.
Grafisch kann „Medal of Honor: Vanguard“ nur bedingt überzeugen. Allen voran die Fallschirmsprünge und Effekte sehen noch recht gut aus, der Rest versinkt jedoch im Durchschnitt. Speziell die künstlichen Levelabgrenzungen wirken teilweise eher lächerlich. Man denke da zum Beispiel an einen kleinen Holzzaun, der eigentlich kein solch unüberwindbares Hindernis darstellen sollte. Besonders ärgerlich ist das doch recht verschwommene beziehungsweise unscharfe Sichtfeld, was gerade in dunkleren Abschnitten äußerst negativ auffällt. Da andere Titel diesbezüglich keinerlei Probleme machen, muss es wohl am Spiel liegen.
Der orchestrale Soundtrack klingt derweil wie immer sehr ansprechend und passt zum Geschehen auf dem Bildschirm, zumindest die Hintergrundmusik im Menü wurde jedoch aus „Allied Assault“ recycelt. In Sachen Synchronisation hat man sämtliche Texte und Sprachausgabe eingedeutscht, also auch die der Amerikaner. Somit reden diese einmal mehr perfektes Deutsch, während die ebenfalls verständlichen Kommentare der Nazis noch zusätzlich mit Untertiteln versehen wurden. Scheinbar ein Überbleibsel der englischen Version.
In Sachen Multiplayer bietet „Medal of Honor: Vanguard“ lediglich einen Splitscreen-Modus für bis zu vier Spieler an. Eine Onlinevariante gibt es leider nicht.