Mit langen Schritten sprinte ich hechelnd über die Kuppel des großen Hügels. Links und rechts von mir breitet sich eine idyllische Landschaft aus. Die saftigen Wiesen mit dem erhabenen Mammutbaum, der seine mächtigen Arme in die Welt hinausstreckt, laden dazu ein, hier an diesem sonnigen Frühlingstag ein wenig zu verweilen. Doch für derartige Details habe ich kein Auge. Stattdessen zücke ich mein gigantisches Schwert – das größer ist als ich selbst – um mich meinem nicht weniger gigantischen Kontrahenten entgegenzustellen. Endlich habe ich den höchsten Punkt des Hügels erreicht… Dort steht er endlich! Das Biest ist riesig, seine Zähne sind scharf und sein kräftiger Schwanz eine todbringende Waffe. Der große Showdown ist nun unausweichlich. Er oder ich! Es ist Zeit meiner Bestimmung zu folgen, diesem Unwesen das Lebenslicht auszublasen. Mit festen Griff umklammere ich mein Schwert und stürme auf die Bestie zu. GERONIMO! Ich bin ein Monster Hunter!
In Europa fristet das
Monster Hunter-Franchise noch immer eher ein Nischendasein. Im fernen Japan zählt Capcoms Monsterhatz hingegen zu den erfolgreichsten Reihen überhaupt. Mehr als zehn Millionen verkaufte Spiele sprechen eine deutliche Sprache. Was ist die Faszination, die
Monster Hunter auf die Videospieler ausübt? Ist der große Hype um diese Serie ein rein japanisches Phänomen oder hat das Spiel genug Potenzial, um auch europäische Gamer mit dem
Monster Hunter-Virus anzustecken? Doch beginnen wir am Anfang…
Es war einmal
Zu Beginn eines jeden Rollenspiels hat der liebe Gott die Charaktererschaffung gestellt. Vergleicht man
Monster Hunter Tri jedoch mit seinen Genrekollegen, fällt die Generierung des Alter Egos relativ schlicht aus. Name, Geschlecht, ein wenig Spielerei an den Äußerlichkeiten und schon können wir auf Monsterjagd gehen. Eine kurze Ladepause später finden wir uns schon im kleinen Dörfchen Moga wieder. Der harmonische Friede währt allerdings nicht lange, denn schon werden die Dorfbewohner Opfer eines Erdbebens. Da sich der erwürdige Dorfchef nicht selbst in der Lage sieht, der Sache auf den Grund zu gehen, wird der Spieler kurzerhand ins Abenteuer geworfen. Immerhin steht euch das Oberhaupt des Dorfes mit einigen klugen Ratschlägen zur Seite, in dem er euch über die Kampfabläufe in einem kurzen Tutorial aufklärt.
Wi Fernbedienung vs. Classic Controller
Für die Steuerung von
Monster Hunter Tri eröffnet euch Capcom mehrere Optionen. Probieren wir zunächst die Variante mit WiiMote und Nunchuck. Zunächst erscheint die Bedienung eures Charakters recht simpel. Schlagen, Blocken, Ausweichen… dies sind im Wesentlichen auch schon alle Funktionen, die ihr für den Kampf benötigt. Der Teufel steckt – wie so oft – jedoch im Detail. Im Gegensatz zu anderen Genrevertretern, klebt euer Held nicht an dem einmal attackierten Monster, sondern bewegt sich weiter frei im Raum. Wenn sich ein Gegner also von euch wegbewegt, müsst ihr ihm folgen, wenn eure Angriffe weiterhin treffen sollen. Ein gewisses Gefühl für das richtige Timing ist bei
Monster Hunter Tri sicherlich vorteilhaft. Leider erweist sich die Fuchtelsteuerung per Wii Fernbedienung auch als recht unpräzise. Daher sei an dieser Stelle die Nutzung des Classic Controllers angeraten. Nicht ohne Grund verkauft Capcom das Spiel auch gleich im Bundle mit dem traditionellen Gamepad.
Unter dem Strich bleibt aber in beiden Fällen eine ansehnliche Steuerung mit kleineren Mängeln. Während die Kampfhandlungen schnell verinnerlicht sind, gestaltet sich die Menüführung als etwas unübersichtlich. Da haben wir von Capcom schon Besseres gesehen. Als größter Wehrmutstropfen erweist sich leider die Kameraführung. Immer wieder gerät die Kamera in eine ungünstige Position, so dass ihr praktisch ständig von Hand korrigieren müsst.
Fighting the world
Wie nicht anders zu erwarten war, legt
Monster Hunter Tri einen starken Fokus auf das Kampfgeschehen. Zu Recht, denn in diesem Punkt hat das Spiel auch seine größte Stärke. Wii-untypisch richtet sich Capcoms Rollenspiel diesmal erstrangig an die Core-Gamer. Die Kämpfe gestalten sich oft recht anspruchsvoll. Stumpfes Buttonmashing ist wenig hilfreich. Im Gefecht mit den Monstern zählen Timing und Taktik. Ein wenig Ausdauer sollte der Jäger aber wohl auch mitbringen. Wer einmal einen dreißigminütigen Kampf gegen so ein Untier durchgestanden hat, weiß wovon ich rede.
Beim Kampf gegen die Monster aus
Monster Hunter Tri ist es zudem wichtig, die Stärken und Schwächen des Gegners gut zu kennen. Ein wieselflinkes Monster etwa, weicht euren Schlägen öfter einmal aus. Da ist ein übergroßes Zweihandschwert möglicherweise unvorteilhaft. Dieses richtet zwar massiven Schaden an, benötigt aber viel Zeit um den nächsten Schlag abzusetzen. Weicht die Bestie euren Schlägen ständig aus, könnte sich dies dann umso mehr zu eurem Nachteil entwickeln. Bei Gegnern dieser Art sind kleine schnelle Waffen oftmals effektiver. Der Slogan „Know Your Enemy“ bekommt in
Monster Hunter Tri so eine große Bedeutung.
Der geschichtliche Hintergrund im
Monster Hunter-Universum kann da qualitativ leider nicht mithalten. Zu aufgesetzt und repetetiv gestalten sich die euch aufgetragenen Quests. „Beschaffe drei Wolfsfelle“ oder „Sammel acht Leguanzungen“ tragen nicht unbedingt zur Motivationssteigerung bei. Doch was veranlasst sonst mehrere Millionen Spieler dazu, sich immer wieder auf die Monsterjagd zu begeben? Ein Hauptgrund dafür ist sicherlich der
Diablo-Virus, der in uns allen steckt.
Jäger und Sammler
Die Menschen sind ein Volk von Jägern und Sammlern, das haben wir bereits in unseren ersten Geschichtsstunden gelernt. Capcom bedient beide Seiten gleichermaßen, indem es uns stets diese steinzeitlichen Tugenden vorhält. In
Monster Hunter Tri ist das Sammeln nicht nur ein netter Zeitvertreib, sondern eine zwingende Notwendigkeit. Die erlegten Bestien sind euer Kapital. Denn Beute bedeutet mehr Geld, bedeutet bessere Waffen, bedeutet mehr Power, bedeutet mehr Spaß!
Die Güte der Ausrüstung spielt in
Monster Hunter Tri eine noch bedeutsamere Rolle als in anderen Rollenspielen. So werden die Werte eures Helden ausschließlich über die verwendete Ausrüstung ermittelt. Auch werden nach den Kämpfen keine Erfahrungspunkte vergeben, die euch zu einem Stufenaufstieg verhelfen. Daher ist das Erbeuten von Gold und Gegenständen eminent wichtig, um euch mit dem dringend benötigten Equipment zu versorgen. Über diese Herangehensweise mag manch eingefleischter Rollenspieler die Nase rümpfen, sie hat aber auch manchen Vorteil. Der komplette Verzicht auf Charakterwerte, Rasse oder Berufe sorgt für eine enorme Flexibilität. Schließlich muss der Monsterjäger nur seine Waffe wechseln um in eine völlig neue Rolle zu schlüpfen.
Online und Wii: das Zusammenprallen zweier Welten?
Sprechen wir von der Rollenverteilung der einzelnen Charaktere, so stellt sich in diesem Zusammenhang auch die Frage nach einem Multiplayermodus. Löblicherweise erlaubt
Monster Hunter Tri das Spielen zu zweit an einer Konsole. Zwar leidet die Übersicht – insbesondere im Kampf – ein wenig, es macht aber dennoch großen Spaß. Das Gefühl in unmittelbarer physischer Nähe ein bildschirmgroßes Unwesen besiegt zu haben, lässt sich auch heute durch keinen Internetmodus ersetzen.
Dennoch haben sich die Entwickler große Mühe gegeben, ihrem Spiel eine gute Onlinefunktion zu verpassen. Woran viele Wii-Spiele gescheitert sind, funktioniert in
Monster Hunter Tri tadellos und setzt damit neue Maßstäbe beim Onlinegaming, zumindest auf Nintendos Wii. Der Austausch der lästigen Freundescodes wurde gestrichen und durch eine unkomplizierte Namenssuche ersetzt. Auch an die chatfreudigen User wurde gedacht. Neben dem – etwas mühseligen – Textchat, erlaubt
Monster Hunter Tri auch die Onlineplauderei via Wii Speak. Letztere Variante sei hierbei deutlich empfohlen. Wem es dennoch gelingt, sich im Kampf über Texteingabe abzusprechen, dem sei an dieser Stelle mein größter Respekt ausgesprochen.
Wer keine Lust auf den Mulitplayerpart hat, muss aber dennoch nicht alleine durch das
Monster Hunter-Universum streifen. Euer kleiner Sidekick Cha Cha steht euch bei euren Beutezügen mit Rat und Tat zur Seite. Cha Cha kann durch die Verwendung diverser Masken immer wieder in eine neue Rolle schlüpfen. So sorgt eine Lampen-Maske für ein wenig Licht in düsteren Spielabschnitten, die Gemüse-Maske zeigt bestimmte Monstersorten an.
Monster Hunter jagt die Technikreferenz
Sicherlich,
Monster Hunter Tri ist und bleibt ein Wii-Spiel, das die technische Limitation der Konsole nicht aufheben kann. Capcoms Grafiker haben jedoch versucht, aus Nintendos Kiste das letzte Quäntchen Grafikpower herauszukitzeln. Die bombastischen Monster und die tolle Landschaft sorgen zwar nicht für offene Münder, erhalten aber die gute Atmosphäre, die
Monster Hunter Tri transportieren möchte. Gleiches gilt für die musikalische Untermalung, die sich situationsbedingt anpasst. Für Sprachausgabe hat es dann schlussendlich wohl nicht mehr gereicht. So müsst ihr euch bei euren Unterhaltungen mit euren Mitbürgern durch die Texte klicken. Schade!
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
